Was macht ein Kabel zu einem guten Kabel?

Was macht ein Kabel zu einem guten Kabel?

Da decken wir Musiker uns mit hochwertigstem Equipment wie coolen Gitarren, angesagten Workstations, grandiosen Effekten, Mischpulten, Verstärkern und Boxen ein und freuen uns ein Lock in den Bauch. Und anschließend nehmen wir ein kümmerliches Kabel und wundern uns über einen rauschenden, knarzenden oder allzu dünnen Signalweg. Ein merkwürdiges Fehlverständnis; immerhin sind Kabel das signalübertragende Verbindungsmedium schlechthin. Nur folgerichtig sollten wir auf gute Kabel setzen. Was aber sind die Kriterien für gute Kabel? ??


Mechanische Belastung von Kabel und Stecker nicht unterschätzen

Professionelle Bühnentechnik ist bekanntlich kein Schutz vor rabiaten Musikern. Hohen Wert legen sollten man deshalb auf eine vernünftige mechanische Belastbarkeit der Kabel. Das betrifft die Strippe selbst, vor allem aber auch die Stecker, seien das Klinkenstecker etwa zwischen E-Gitarre und Amp, XLR-Stecker zwischen Mikrofon und Mischpult oder wo auch immer.

Immerhin stehen diese Kabel und deren Stecker unter dauerhafter und immer wiederkehrender Beanspruchung. Reinstecken, rausziehen, zwischendurch mal in die grundsätzlich verkehrte Richtung verkanten. Vernünftige Kabelstecker lehnen sich entspannt zurück und halten die Belastung locker aus. Bei geringsten Fertigungstoleranzen müssen Stecker über etliche Steckzyklen vernünftig einrasten und gut wieder herausgehen. Alles andere kostet Zeit und zerrt an den Techniker-Nerven.

Roadtaugliche Haptik als dringende Anforderung

Grundsätzlich sollte man mit einem Kabel roadtauglich arbeiten können. Die Qualität äußert sich nicht zuletzt in der Haptik. Wie biegsam und elastisch ist das Kabel, ohne dass es Schaden nimmt? Es sollte sich mit entsprechendem Weichmacheranteil im Gummi vernünftig und schnell wickeln lassen. Das Kabel sollte auch keine Locken werfen, falls es einmal falsch gewickelt und das Innenleben verdreht wurde. Und wer schon mal bei einem Open Air in der brüllenden Sonne liegende Kabel erlebt hat, weiß, wie eklig, schmierig und ölig sich suboptimal gefertigte Kabel anfühlen können.

Mikrofon- und Instrumentenkabel und die Herausforderung der Störanfälligkeit

Insbesondere bei nicht vorverstärkten Signalen wie von Mikrofonen und elektrischen Saiteninstrumenten reden wir von niedrigen Ausgangsspannungen und zugleich hohen Widerständen. In den Griff bekommen müssen die dafür verwendeten Kabel die zwangsläufig hohe Störanfälligkeit gegen elektromagnetische Einflüsse, beispielsweise von Smartphones, WLAN, Dimmern, Bildschirmen oder Leuchtstoffröhren.

Solche Einstreuungen erzeugen nicht nur nervige Nebengeräusche, die beim Recording auf dem Datenträger verewigt werden. Im Bühnen- und Liveszenario werden die Störgeräusche auch noch massiv verstärkt. Das zermürbende Resultat in den Ohren der Zuhörer ist leicht vorstellbar. Die Antwort auf die Einstreuproblematik gibt die Kabelschirmung im Zusammenspiel mit der symmetrischen Signalführung. Also immer auf eine dichte und bis zum Stecker durchgängige Schirmung achten.

 

Kabel für vorverstärkte Signale wie von Keyboards, Effektgeräten und Co.

Bei Signalen mit Line-Pegel – also den vorverstärkten Kameraden – ist die Spannung nur leicht höher, der Wechselstromwiderstand jedoch deutlich geringer. Die dafür verwendeten Instrumentenkabel zeichnen sich durch ihre Unempfindlichkeit aus, müssen dennoch dringend vernünftig abgeschirmt sein. Außerdem wird auch hier idealerweise auf symmetrische Kabel gesetzt.

Lediglich eines der bedeutenden Kriterien ist das Material für die Stecker. Gold hat gegenüber anderen Legierungen hinsichtlich der Korrosionsbeständigkeit die Nase deutlich vorn. Vergoldete Stecker zeichnen sich durch lange Lebensdauer bei zuverlässiger Funktion aus; die Übergangswiderstände bleiben gering. Bei den Adern wiederum sollte sauerstofffreies Kupfer verwendet werden.

 

Lautsprecherkabel und die Pflichtaufgabe der niedrigen Impedanz

Bei Lautsprecherkabeln kommen möglichst kurze Kabel mit großem Aderquerschnitt und geringer Impedanz zum Einsatz. Der Sinn dahinter ist, dass eine hohe Impedanz einen zusätzlichen Widerstand darstellt. Und genau den können wir nicht gebrauchen, zumal er die Verstärkerleistung dezimieren würde. Das war nicht der Plan. In der Veranstaltungsrealität lassen sich allerdings lange Kabelwege kaum vermeiden. Die Lösung gegen Leistungsverluste ist der fette Querschnitt. Bei Lautsprecherkabeln auf wirklich solide Stecker achten, sinnvollerweise aus Metall oder mit verriegelbaren Speaker-Twist-Steckern. Die Investition in qualitative Kabel kann Lautsprecher und Endstufen retten.

 

Und hier noch ein Blick auf die musikertypische Signalführung

Die elektrischen Signale müssen irgendwie von A nach B transportiert werden. Die musiktypische Signalführung kann dafür über symmetrische oder unsymmetrische Kabel erfolgen. Und auf diese beiden Varianten sollten wir zum besseren Verständnis noch einen gemeinsamen Blick werfen:

 

Unsymmetrische Signalführung

Von unsymmetrischen Kabeln sprechen wir, wenn die Strippen eine signalführende Leitung und einen Schirm haben. Und nein, dabei handelt es sich nicht um einen wetterfreundlichen Regenschirm, stattdessen um eine Abschirmung gegen Einstreuung von Fremdsignalen aus externen Magnetfeldern. Typische unsymmetrische Kabel sind beispielsweise Instrumentenkabel mit 6,3-mm- Monoklinke oder Chinch-Kabel. Auch Speaker-Kabel sind unsymmetrisch. Unsymmetrische Kabel sind einadrige geschirmte Audioleitungen, bei denen die Schirmung als notwendige zweite Leitung dient.

 

Symmetrische Signalführung

Kabel und Stecker

Im Gegensatz dazu besitzen symmetrische Kabel zwei signalführende Leiter, wobei der eine als sogenannter „kalter Leiter“ für Minus, der anderen als „heißer Leiter“ für Plus zuständig ist. Hinzu kommt wiederum die Abschirmung, die auf einer oder beiden Seiten mit der Signalquelle wie etwa einem Mikrofon, auf der anderen Seite mit dem Signalempfänger wie dem Mischer verbunden ist. Der Signalempfänger wird auch als Signalsenke bezeichnet. Der Trick der Symmetrischen ist nun, dass auf beiden Signalleitungen dieselbe Spannung über die beiden Signalleitungen durch das Kabel geschickt wird und dabei die Schwingungen spiegelverkehrt sind. XLR-Kabel sind üblicherweise symmetrisch. Die Anwendung entscheidet über unsymmetrisch oder symmetrisch.

 

Kabel und Stecker unbedingt mit der gebotenen Wertigkeit betrachten

Tatsächlich gibt es im Bereich von Instrumenten-, PA-, Audio-, Licht- und Videotechnik derart viele verschiedene spezielle Kabel, dass eine Auflistung der jeweiligen Anforderungen an dieser Stelle in ein Lexikon ausarten würde. Allen gemeinsam ist, dass die signalführenden Verbindungen unbedingt hochwertig und langfristig einsatztauglich sein sollten. Das ist wie die inflationäre Sache mit Sender und Empfänger. Wenn die Worte der einen Seite nicht auf der anderen ankommen, können die Sprüche noch so geistreich sein; die Pointe wird ganz sicher vergeigt. Und mit Kabelschrott ist noch kein Musiker glücklich geworden. Allerdings sollte man die Kirche auch im Dorf lassen und nicht auf unbelegbare und gleichermaßen überteuerte Hi-Fi-Werbestatements hereinfallen. Im Veranstaltungssektor bleibt ein Kabel ein Kabel; und das muss eben nicht mit der „passenden Musik“ eingespielt werden.

 

CableGuy™

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

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