Tonstudio bauen – Interview mit Fynn Kliemann

Tonstudio bauen – Interview mit Fynn Kliemann

Wir haben uns mit dem leidenschaftlichen Hobby-Musiker und Heimwerker-King Fynn Kliemann getroffen, um eines seiner Projekte mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer ihn auf seinem Youtube-Channel verfolgt, kennt natürlich seine Bastel-Videos, in denen er sich mal eben einen Gartenteich, einen Streitwagen oder eben auch ein Tonstudio baut. Musik machen ist seine große Leidenschaft und dazu braucht es natürlich ein Studio mit passender Akustik. Genau das hat er sich in Eigenregie zusammengehämmert und den Entstehungsprozess mit der Kamera begleitet. Wie glücklich er mit dem Ergebnis ist, das erfahrt ihr hier im Interview.

Moin Fynn! Vor einem guten halben Jahr ging das Video „Tonstudio bauen“ auf deinem YouTube-Channel online. Darin sieht man, wie du dein „Musikzimmer“ in Eigenregie zu einem Homestudio umbaust. Hauptsächlich kümmerst du dich im Video darum, die Akustik zu verbessern, da diese vor dem Umbau, sagen wir mal, eher suboptimal war. 😉 Was sagst du mit etwas Abstand und nach einigen Projekten im neuen Studio zur Akustik? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Mega. Natürlich ist das noch nicht perfekt, aber im Gegensatz zu vorher flattert dein Ohr nicht mehr 20 Minuten nach einem Knall durch die Gegend. Das wird schon ganz okay absorbiert. Gerade bei Gesangsaufnahmen fällt es tierisch auf. Vorher konnte man kaum etwas verstehen, weil da so viel Schrott im Hintergrund rumgeschwabbelt hat. Jetzt ist es noch nicht super trocken, aber das finde ich beim Einsingen ohnehin immer voll unangenehm.

Wie machen sich die Absorber und Bass-Fallen während des Aufnehmens und in den fertigen Tracks bemerkbar?
Total. Ich hab jetzt eine halbwegs saubere Vocal-Spur. Noch nicht 100 %, aber eine Prise Hall und ein ordentlicher Kompressor kriegen das schon geregelt. Wenn ich mich etwas bemühe, nicht zu hart zu nuscheln, dann versteht man mittlerweile tatsächlich, was ich sage. Das ist der Inbegriff von Erfolg. 🙂

Wie geht’s dem Studiotisch? Hast du dich an die Höhe gewöhnen können? 😉
Naja, gegen 5 cm weniger hätte ich nichts einzuwenden, aber dann krieg ich das Midi-Keyboard da nicht mehr drunter, ohne dass meine Beine leiden würden. Ist also die einzig vernünftige Höhe und so bin ich wenigstens gezwungen einmal am Tag gerade zu sitzen. Auch nicht ganz beschissen. Alles gut also.

Würdest du im Nachhinein alles nochmals so bauen oder hast du ein paar Verbesserungsvorschläge für Nachahmer?
Naja fast. Für die meisten ist mein ursprünglicher Ansatz wahrscheinlich ganz geil, aber ich brauche die Ecke, die ich zum Einsingen gelassen habe, nicht wirklich. Ich nehme den meisten Kram direkt im Sitzen auf oder stell mich irgendwo in den Raum. Ich muss ja noch den Rechner bedienen und bei vielen Aufnahmen hintereinander nervt das Hin- und Hergelaufe. Deswegen nutze ich den Platz wohl noch für ein paar weitere Spielzeuge. Möchte noch einen SV1 haben und ein Ableton Push muss da auch noch irgendwo hin.

Hättest du damals mehr Zeit und mehr Platz gehabt, wären dann noch weitere Ideen umgesetzt worden?
Wenn der Raum größer gewesen wäre, hätte ich mir wahrscheinlich noch ein E-Drum reingestellt. Brauch ich dank Maschine nicht unbedingt, aber die Dynamik ist meistens schon geiler. Ich hab ja auch noch ein Yamaha Stage Custom Advanced. Das wäre mit einem neuen Satz Fellen noch geiler, aber das brummt dann immer so schön im Hintergrund wenn man es nicht braucht. Hat mich in meinem alten Studio schon immer mega genervt, daher E-Drum. Und naja, mehr Analogzeug ist immer geil. Ich brauch noch unbedingt einen echten Bass und eine E-Gitarre muss da auch rein. Braucht man immer.

Zu guter Letzt noch die Frage, die vielen auf der Zunge liegt: Was hast du an Materialkosten investieren müssen?
Da fällt mir ein, das Molton-Zeug hab ich noch gar nicht bezahlt … Gleich mal auf die To-Do. Hm, so genau weiß ich das gar nicht mehr. Ich gehe ja immer Material shoppen und kaufe gleich so einen dicken Haufen mit vielen Sachen, die ich vielleicht irgendwann mal brauche. Deswegen verschwimmen die Preise gerne. Dann waren die Beine vom Tisch ja noch von meinem Holzhaufen, der Noppenschaumstoff kam aus meinem alten Studio und Steinwolle hab ich von einem befreundeten Baustoffhandel günstig geschossen. Alles zusammen vielleicht so 300 Euro oder so, ohne Technik natürlich. Das ist aber ja bei jedem anders, deswegen gibt es hier keinen echten Richtwert. Das Teuerste war wahrscheinlich die ausziehbare Teleskopschiene für meinen viel zu hohen Tisch. Der Rest ist eben wie immer so zusammengegaunert. 🙂

Vielen Dank für deine Zeit und das entspannte Gespräch. Any last words?
Sehr gerne. Nö! 😉

Liebe Studiofreunde da draußen: Was sind eure Erfahrung in Sachen Eigenbau?

 

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

4 Kommentare

    Fynn ich will ein Kind von dir! Schönes Video zur Studioeinrichtung, hoffe mein Darling baut mir auch sowas in der Art 🙂

    Danke, Caro. Musst ihn halt ganz lieb fragen. 😉 Liebe Grooves

    Hab grad ein ähnliches Projekt gemacht – aber etwas mehr Aufwand. Hab leider kein Video gemacht – ich glaub das wäre auch nicht so „unterhaltsam“ geworden wie dieses hier.
    Ich finde etwas mehr Aufwand lohnt sich auf jeden Fall 😉 …

    Danke, Ralf, für deinen Kommentar. Na dann wünschen wir dir beste Grooves in deinem Studio. 🙂 Liebe Grüße aus Treppendorf

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