Rückengesundheit für Musiker

Rückengesundheit für Musiker

Wer sein Instrument liebt, der verbringt naturgemäß jede Menge Zeit mit ihm. Die Gitarre auf dem Bein oder vor der Brust, die Violine unter dem Kinn, die Trommeln unter dem Fuß und im Halbkreis um den Drumhocker – jedes Instrument will ganz individuell bedient werden und besitzt eine eigene Ergonomie. Und dass die nicht unbedingt immer der optimalen Körperhaltung entspricht, haben viele von uns schon schmerzlich erfahren müssen. Wenn es eine Körperregion gibt, die extrem sensibel auf falsche Haltung und ungleichmäßige oder ungünstige Belastungen reagiert, dann ist es der Rücken. Natürlich muss man nicht unbedingt ein Instrument spielen, um davon betroffen zu sein, denn Probleme mit der Wirbelsäule gelten inzwischen auch bei Nichtmusikern als Volkskrankheit.



Die Wahrscheinlichkeit, dass Bandscheiben und Co. eine falsche Haltung über längere Zeit nicht so ohne Weiteres wegstecken, ist relativ hoch. Wer bemerkt, dass er Probleme hat, sollte reagieren, denn schwerwiegende Zustände wie beispielsweise Bandscheibenvorfälle stehen normalerweise nicht am Anfang einer „Rückenkarriere“. Es sind die überlasteten Muskeln, die sich verkrampfen und Schmerzen verursachen.

Sind die Probleme aber schon so weit fortgeschritten, dass ihr euch ernsthaft Sorgen macht, euer Instrument irgendwann nicht mehr spielen zu können, ist der Weg zum Spezialisten unausweichlich. Seit einigen Jahren widmen sich eine ganze Reihe von Medizinern intensiv dem Thema Musikergesundheit. An diversen Universitäten wird dazu geforscht und viele niedergelassene Ärzte bilden sich in diesem Metier weiter. Vor allem in Städten mit großer Musikerdichte, mit Musikhochschulen und Orchestern findet man relativ schnell einen Arzt, der die Ursachen einordnen und helfen kann. Und wer nicht dort lebt, dem kann jeder Hausarzt oder Orthopäde mit Adressen von Spezialisten weiterhelfen oder ihn dorthin überweisen.

Aber so weit muss es nicht kommen. Wer bemerkt, dass es nach der Probe oder beim Auftritt im Rücken schmerzt oder sich die Muskulatur verkrampft, der sollte zu allererst versuchen, selbst die Gründe herauszufinden. Und wer seinen Körper kennt, der wird sich schnell über kritische Haltungen, Bewegungen oder Belastungen bewusst sein, die der Grund für seine Unannehmlichkeiten sein können.

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Ausgangspunkt jeder Selbsterforschung ist das entspannte, gerade Stehen, bei dem ein Belastungspunkt auf den anderen aufbaut, ausgehend vom Kopf über den Hals, die Schulter, das Becken über die Knie bis zum Sprunggelenk. Jede Bewegung aus dieser Position verlangt Muskelarbeit und verändert die Statik. Bei gleichmäßigem Druck halten die Bandscheiben eine ganze Menge aus, bei gebeugter Wirbelsäule steigt die ungleichmäßige Belastung und es treten Druck- und Dehnkräfte auf, die auf Dauer für Verschleiß sorgen und in der Folge ernsthafte Schäden mit sich bringen können. Es sei denn, man arbeitet dem frühzeitig entgegen. Und das ist einfacher, als es scheint.

 

Die Körperhaltung

Am Anfang steht die Analyse eurer Körperhaltung, und dabei solltet ihr auch auf Kleinigkeiten achten, denn die spielen unter Umständen größere Rollen als gedacht. Stellt euch vor, ihr wärt neutraler Beobachter und schaut euch selbst einmal bei ganz normalen Bewegungen zu, beim Hinsetzen, Aufstehen, Sitzen und Gehen beispielsweise. Oder wie ihr euer Instrument aus dem Koffer hebt und es haltet. Falls bestimmte Bewegungen schmerzen oder unangenehm sind, führt sie einmal ganz langsam und bewusst aus, um euch darüber klar zu werden, welche Muskeln und Sehnen beteiligt sind und wo die problematischen Punkte liegen. Das Ganze gelingt am besten vor einem großen Spiegel. Auch die Umgebung spielt eine Rolle. Befindet sich der Notenständer in der richtigen Höhe oder muss ich den Kopf konstant beugen, ist mein Sitz zu tief oder zu hoch, sodass meine Füße nicht entspannt auf dem Boden stehen können oder sogar der gesamte Körper aus der Balance gerät? Befindet sich mein Instrument entspannt in den Händen oder am Körper oder muss ich konstante Haltearbeit leisten, oder zwingt es mich sogar insgesamt in eine unangenehme und anstrengende Position? ??

 

Das Spielen

Wenn ihr euch genau beobachtet, werdet ihr unter Umständen auf vermeintliche Kleinigkeiten stoßen, die letztendlich eine große Wirkung auf euer Wohlbefinden haben. Ein Gitarrist beispielsweise, der glaubt, sein Plektrum ein gutes Stück fester zwischen Daumen und Zeigefinger klammern zu müssen als es eigentlich notwendig ist, wird nicht entspannt spielen können. Und allein die verkrampfte Haltung von Daumen und Zeigefinger wirkt sich über Hand, Arm und Schulter bis in den Rücken aus. Das gilt für alle Instrumente und beschränkt sich nicht auf die Finger, sondern gilt in gleichem Maß für alle am Spielen beteiligten Körperteile. Ein genauer Blick ist gefragt und auch hier hilft wieder die Analyse durch langsame, bewusste Bewegungen.

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Die Psyche

Es steht inzwischen außer Frage, dass auch seelische Belastungen zu körperlichen Problemen führen können, die sich vielfach in Rückenbeschwerden äußern. Wer unter Druck steht, beruflich oder privat, schlecht mit Lampenfieber umgehen kann, mit Angst auf die Bühne geht oder an seinem Perfektionismus leidet, der verkrampft nicht nur innerlich. In diesen Fällen können Entspannungsübungen Wunder wirken, aber auch hier gilt, sich lieber frühzeitig einem Arzt anzuvertrauen als die psychischen Probleme irgendwann zusammen mit einem kranken Rücken kurieren zu müssen.

 

Die Lösung

Es mag wie eine Binsenweisheit klingen, aber in den meisten Fällen sorgt die Kombination von richtiger Haltung, Bewegung und Entspannung für Schmerzfreiheit und Wohlbefinden. Ein Anfang kann zum Beispiel das Aufwärmen und Dehnen vor dem Üben oder dem Auftritt sein. „Ich bin doch kein Leistungssportler!“ wird der eine oder andere jetzt sagen, aber das stimmt nur bedingt, denn wir sind noch viel mehr als das. Während mancher Fußballspieler oder Leichtathlet schon mit 30 ans Aufhören denkt, wird unser Instrument uns (hoffentlich) ein ganzes Leben lang begleiten. ?

Wer sich über seine „Problemzone Rücken“ im Klaren ist, kann mit gezieltem Training einer weiteren Verschlechterung entgegenwirken und die Probleme sogar meist in den Griff bekommen. Allerdings spielt hier der berüchtigte innere Schweinehund eine Hauptrolle, denn alte Gewohnheiten ablegen und gegen jahrelang eingeübte falsche Verhaltensweisen anzugehen kann anstrengend und mühsam sein. Wer dabei Hilfe braucht und sich selbst nicht ausreichend motivieren kann, der findet Angebote von Fitnessstudios und anderen Institutionen für spezielles Rückentraining alleine oder in der Gruppe. Zwar stehen dort in der Regel nicht die Probleme von Musikern im Vordergrund, aber ein generelles Rückentraining baut Muskeln auf, korrigiert Körperhaltung und Bewegung und bekämpft damit auch die meisten unserer Ursachen.

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Für die Selbsttherapie finden sich im Buchhandel unzählige Ratgeber und Trainingsanleitungen, mit deren Hilfe und etwas gutem Willen man seinen Rücken ebenfalls stärken kann. Wer tiefer in dieses Thema einsteigen will, für den gibt es im Internet weitere Informationen. So befasst sich die Deutsche Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin e. V. ausschließlich mit den gesundheitlichen Problemen von Musikern, hält eine Vielzahl von Literaturhinweisen und Links zu Kliniken und kooperierenden Institutionen wie Musikhochschulen bereit. Euer Hausarzt ist auch ein erster Ansprechpartner.

 

Last Words

Und ein Rat noch zum Schluss, der nicht nur für den Rücken gilt: Es ist nie zu spät für regelmäßige Bewegung (am besten an der frischen Luft), für gesunde Ernährung und einen bewussten Umgang mit dem Körper. Auch wen (noch) nichts zwickt und schmerzt, hält sich damit fit und erspart sich so manchen Arztbesuch. Denn vorbeugen ist immer noch besser, als den Rest des Lebens auf die größte Leidenschaft verzichten zu müssen.

Mit diesem Blogartikel wollten wir auf dieses Thema aufmerksam machen. Natürlich sind wir keine Spezialisten, aber vielleicht konnten wir eure In diesem Sinne weiterhin viel Spaß mit eurem Instrument, alles Gute nicht nur für den Rücken, und vielleicht sieht man sich demnächst bei der Probe, äh, beim Training! ?

 

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

2 Kommentare

    Hallo Franziska,
    ich finde es sehr gut, dass du dieses Thema ansprichst. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es wichtig ist auf seinen Körper zu achten. Ich hatte jahrelang Kreuzschmerzen, weil ich auf dem Cajon sitze und dazu Gitarre spiele. Die Haltung ist nicht gerade gesund. Seit ich regelmäßig Übungen für den Rücken mache (mit Vorlage einer DVD „Dein gesunder Rücken“ von Dietrich Grönemeyer) hab ich keine Beschwerden mehr.
    Liebe Grüße
    Jo

    Hallo Jo, danke für deinen Erfahrungsbericht und deinen Fitnesstipp! 🙂 //Franziska

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