Musik und Literatur: 10 Songs mit literarischem Hintergrund

Musik und Literatur: 10 Songs mit literarischem Hintergrund

Sobald Literatur und Musik verschmelzen, entsteht oft Monumentales:  Immer wieder finden Musiker Inspirationen für ihre Texte in der Literatur. Zwei Kunstformen, die sich gegenseitig befruchten. Bob Dylan etwa betont den enormen Einfluss, den Autoren wie Fjodor Dostojewski auf ihn hatten. Zahlreiche Bands aus der Metal-Szene, aus Rock, Folk und mehr suchen sich ihre Impressionen in epochalen Fantasy- und Grusel-Romanen, auch in der gehobenen Literatur. Wie häufig J.R.R. Tolkien mit seiner Mittelerde-Welt bereits musikalisch verarbeitet wurde, lässt sich kaum noch verlässlich sagen. Hier 10 Beispiele für die geniale Wechselwirkung von Literatur und Musik.

📖🎵



1. Bohemian Rapsody – Queen | Der Fremde – Autor Albert Camus

Der renommierte französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus stand mit seinem Werk „Der Fremde“ Pate für einen der größten und zugleich komplexesten Hits von Queen: „Bohemian Rhapsody“. Den Songtext hat Freddie Mercury selbst geschrieben. Orientiert hat er sich dabei an der Thematik des Romans: einem Künstler, der auf Konventionen pfeift und sich keinen gesellschaftlichen Standards unterordnen will. Laut Mercurys langjährigem persönlichen Assistenten Peter Freestone hat Freddie darin sein Coming-out als homosexueller Mann verarbeitet. Eindeutig gelungen, welch eine eindrucksvolle Synergie aus Musik und Literatur.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Queen – Bohemian Rhapsody (Official Video Remastered)


2. Sympathy For The Devil – The Rolling Stones | Der Meister und Margarita – Autor Mikhail Bulgakov

„Der Meister und Margarita“ ist das bekannteste Werk des russischen Schriftstellers Michail Bulgakow und ein Klassiker der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. In einer allegorischen, humorvollen und satirischen Weise beschreibt der Roman das Leben in Moskau zu dieser Zeit. Von dieser absurden und im Umkehrschluss umso realeren Erzählung ließen sich die Stones zu ihrem Song „Sympathie For The Devil“ inspirieren. Ein literarischer Klassiker verpuppte sich in einen Rockklassiker. In dem Song lässt Mick Jagger den Teufel sprechen, u. a. mit der Frage, wer die Kennedys ermordet habe. Die sich selbst gegebene Antwort des Satans: „Eigentlich waren es du und ich.“

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

The Rolling Stones – Sympathy for the Devil – Live in St Louis


3. Rime Of The Ancient Mariner – Iron Maiden | Die Ballade vom alten Seemann – Autor Samuel Taylor Coleridge

„The Rime of the Ancient Mariner“ (Die Ballade vom alten Seemann) ist eine erzählende Dichtung des britischen Literaten Samuel Taylor Coleridge aus dem Jahr 1798. Bereits in damaliger Zeit sorgte dieses Gedicht als Ballade für Furore, zumal es viele sprachliche Wendungen auf den Kopf stellte und die englische Sprache damit bis in die heutige Zeit beeinflusst. Zahlreiche Zitate aus der Ballade sind als geflügelte Worte in die englische Sprache eingegangen. Offensichtlich beeinflusst hat der Dichter auch Iron Maiden. Die nämlich zelebrieren die Ballade in dem gleichnamigen Song gleich 14 Minuten lang. Auf dem Album Powerslave – Sklave der Macht – ist es der längste Titel von allen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Iron Maiden – The Rime of the Ancient Mariner Full Length


4. Animals – Pink Floyd | Farm der Tiere – Autor George Orwell

Zu den größten Ikonen des sphärischen Storytellings gehört zweifellos Pink Floyd. Eingetaucht sind sie mit dem Album „Animals“ in die visionäre Welt des Ausnahmeschriftstellers George Orwell. Entstanden ist das Album basierend auf dessen Roman „Farm der Tiere“, der dystopischen Fabel aus dem Jahr 1945, in dem die Tiere sich gegen die Herrschaft ihres menschlichen Besitzers erheben. „Mit gesenktem Kopf im Schweinebehälter sagen sie: Graben Sie weiter.“ Tatsächlich beschreibt das Konzeptalbum den Kapitalismus, dessen Hauptakteure und die Folgen des Kapitalismus.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

PINK FLOYD ANIMALS Full Album 1977


5. Ramble On – Led Zeppelin | Der Herr der Ringe – Autor J.R.R. Tolkien

Mit seinem Werk „Der Herr der Ringe“ hat Tolkien etlichen Bands eine treffsichere Vorlage direkt aus Mittelerde und besonders dem dunklen Land Mordor serviert. In seiner begeisternden Mittelerde-Erzählung steckt offensichtlich schlicht endlos viel inspirierendes Futter, bei dem sich die Musiker und Bands gerne bedienen. Zu den bekanntesten Vertretern gehören Led Zeppelin mit „Ramble On“. In dem Song aus dem Jahr 1969 interpretieren sie den Fantasy-Roman und verzichten in ihrem Text auch nicht auf direkte Zitate. Urheberrechtsstreitereien soll es nicht gegeben haben. Legendär und zum Tolkien-Thema passend ist der sanfte, anhaltende und geigenartige Ton im Solo von Jimmy Page.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Led Zeppelin – Ramble On (Official Audio)


6. Charlotte Sometimes – The Cure | Charlotte durch alle Zeiten – Autorin Penelope Farmer

Okay, der größte Hit von The Cure ist immer noch „Friday I’m In Love“. Die Verbindung zur Literatur zeigen sie bzw. Frontmann Robert Smith in einem anderen Song. Der kaleidoskopische Exzentriker Robert Smith hat ein Lieblingsbuch, dabei handelt es sich um ein Kinderbuch mit dem Titel „Charlotte Sometimes“ aus der Feder von Penelope Farmer. Smith schwelgte in Erinnerungen und nahm das Kinderbuch als Vorlage für den 1981 erschienenen gleichnamigen Song „Charlotte Sometimes“.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

The Cure – Charlotte Sometimes


7. Lucy in the Sky with Diamonds – Beatles | Alice im Wunderland – Autor Lewis Carrol

Die legendäre Vorlage aus der Entstehungszeit der psychedelischen Musik war kein geringeres literarisches Werk als „Alice im Wunderland“ von Lewis Carrol. Erstmals erschien das Kinderbuch bereits 1865. Ungefähr ein Jahrhundert später griffen die Beatles die Thematik des ständig suchenden weißen Hasen auf und zauberten daraus „Lucy in the Sky with Diamonds“. Der Song entstand in einer der Output-stärksten Schaffensperioden der Fab Four.

Die britische Hausfrau Lucy Vodden behauptete 2007, der Titel handele nicht von LSD, sondern von ihr. Als Dreijährige sei sie mit Lennons Sohn Julian in den Kindergarten gegangen. Als John ihn abholte, habe er ihm ein selbstgemaltes Bild gezeigt und gesagt: „Das ist meine Freundin Lucy in der Schule“.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

The Beatles – Lucy in the Sky with Diamonds


8. Moon Over Bourbon Street – Sting – inspiriert von “Interview with the Vampire” by Anne Rice

Sting ist nicht nur als Sänger und Bassist eine Ikone, zugleich ist er für seine Intellektualität und einen leichten Hang zum Außergewöhnlichen bekannt. Der Police-Song „Moon Over Bourbon Street“ basiert auf dem Roman „Interview mit einem Vampir“ der amerikanischen Autorin Anne Rice, in dem ein Betrunkener – frustriert vom Tod seiner Frau und dem ungeborenen Kind – durch die Straßen von New Orleans läuft und von einem Vampir gebissen wird. Mahlzeit.

Sting las das Buch nach einem Police-Konzert in New Orleans in seinem Hotel im berühmten French Quartier. Auf die menschenleere Straße blickend, schrieb er seine Gedanken zu „Moon Over Bourbon Street“ nieder.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

STING – Moon Over Bourbon Street


9. Romeo and Juliet – Mark Knopfler – Romeo und Julia – Autor William Shakespeare

„Romeo und Julia“, die Tragödie aus der Feder von William Shakespeare, erzählt die bittersüße Geschichte zweier Liebender, deren Familien erst durch den Tod der beiden versöhnt werden. Zahlreiche Künstler aus Klassik, Pop und Rock haben das Thema für sich aufgegriffen. So beispielsweise Mark Knopfler mit der gleichnamigen Ballade „Romeo and Juliet“, die für ihn bekanntlich zu einem Welterfolg wurde. In seinem Text beschreibt er insbesondere die Szene, in der Julia ihren Romeo verlässt, nachdem sie Ruhm findet und aus der Nachbarschaft wegzieht, in der sie sich zum ersten Mal begegnet sind.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Mark Knopfler & Emmylou Harris – Romeo And Juliet (Real Live Roadrunning | Official Live Video)


10. All Along the Watchtower – Bob Dylan | Frankenstein – Autorin Mary Shelley

„All Along the Watchtower“ stammt ursprünglich aus der Feder von Bob Dylan, wenngleich der Titel später in deutlich abgewandelter Version von Jimi Hendrix richtig an Fahrt aufnahm. Laut Gerüchteküche soll der Titel auf dem Horrorroman „Frankenstein“ von Mary Shelley basieren, einem der Horror-Klassiker schlechthin. Zumal die Texte von Bob Dylan in den meisten Fällen mit Aphorismen gespickt sind, ist der Zusammenhang leicht vorstellbar.

Tatsächlich aber offenbart er mit alttestamentarischen Bezügen seine biblischen Einflüsse. Der Wind heult durch die Wüste und kündet vom Untergang Babylons. Nach einem Motorradunfall hatte Dylan sich 1967 aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und begegnete immer öfter religiösen Themen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bob Dylan – All Along the Watchtower (Audio)

+++

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele für die kongeniale Synergie aus Literatur und Musik. Beide Kunstformen verbindet, dass sie permanent auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen sind und sich auch gerne gegenseitig die Bälle zuspielen. Nicht minder häufig wird von Kritikern, literarischen Fachleuten und Musikfans auch etwas in Musikstücke hineininterpretiert, das zwar nicht vorhanden ist, aber man gerne so hätte. Und ebenso häufig widersprechen die Musiker nicht. Weshalb auch?

Author’s gravatar
Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

2 Kommentare

    Die Verbindung zwischen Pink Floyd’s Album „Animals“ und George Orwell ist arg vage, Roger Waters nutzte in seinen konzeptionellen Texten zwar ähnliche Motive, allerdings weicht er hierbei, z.B. bei der Umschreibung der Schweine von Orwell ab. Bei Waters entsprechen die Schweine eher einer Interpretation der Mittelschicht, als einer herrschenden Klasse wie bei Orwell.

Schreibe einen Kommentar