Mucke statt Morphium

Mucke statt Morphium

Am Massachusetts General Hospital (MGH) in Boston sind die Mediziner von Musik als Behandlungs-Unterstützung längst überzeugt: Der Einsatz von Musik gehört dort neben den klassischen Medikamenten und Narkotika längst zur Standardtherapie. Die Patienten sollen keinesfalls auf irgendwelchen Schüsseln rumkloppen, sich mit esoterischen Klangstäben beweihräuchern oder mit dem Thymian-Beutel aus dem Hare-Krishna-Sortiment durch die Gegend wedeln. Sie sollen schlichtweg Musik zur Entspannung hören. Das Resultat: Die Ärzte müssen weniger Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreichen. Gigantisch und mehr als beeindruckend, was mit Musik alles machbar ist.

#ThePowerOfMusic ??


Dass Musik Schmerzen lindern und für ein stabileres Nervenkostüm und ausgeglicheneres Wohlbefinden sorgen kann, ist mittlerweile vielfach bewiesen. Musik ist das gefühlvolle Medium, mit dem sich auch in Extrem-Situationen psychische Entspannung erreichen lässt. Ist die Seele locker, wirkt sich das auch auf den Körper, den Blutkreislauf, das Ausschütten von Stress- und Angsthormonen und die Schmerzempfindlichkeit aus. Mittlerweile wird Musik vor, während und nach Operationen eingesetzt, auch in der Krebstherapie, der Intensiv- oder Palliativ-Medizin und vielen weiteren Bereichen.


Die chemiefreie Alternative ??

Der grobe Zusammenhang ist auch für medizinische Laien leicht nachvollziehbar: Grundsätzlich geht es um Stressreduktion. Unmittelbar vor der Operation wird die Angst vor dem Eingriff immer größer. Die Stresshormone befinden sich auf höchster Warnstufe. Also muss der Anästhesist entsprechend dosierte Beruhigungsmittel einsetzen, um den Eingriff risikofreier zu gestalten. Oder nehmen wir das Beispiel der künstlichen Beatmung. Psychisch und körperlich bedeutet diese Behandlungsform puren Stress. Die Folge: Die Patienten verkrampfen und schneiden sich – bildhaft gesprochen – selbst die Luft ab. Durch die Abwehrreaktion der krampfenden Muskulatur fällt das Atmen noch schwerer. Damit diese Kettenreaktion gar nicht erst auftritt, ist es üblich, Beruhigungsmittel zu verabreichen. Das lässt sich reduzieren bis vermeiden, denn: Es gibt eine hilfreiche Alternative – Musik hören oder auch machen!


Das Leben ist ein Wunschkonzert ?

Was genau das Hören von Musik im Körper bewirkt, ist dabei immer noch nicht ganz klar. Auch welche Art von Musik sich am besten eignet, ist bislang nicht endgültig bewiesen. Logo, dass jetzt mancher eingefleischt Intolerante bei der Furcht vor Schlagern oder Speed-Metal im OP mit einem Hauch von Sarkasmus das Gesicht verzieht. Wem glattgebügelte Schlager schon im gesunden Zustand physische Schmerzen bereiten, der wird auch auf dem Operationstisch bei Mallorca-Hymnen eher aggressiv, schnallt den Kittel ab und geht wieder nach Hause. Es sollte also Musik mit beruhigenden Klängen und Melodien sein, die man persönlich gerne mag. Für die Klassiker unter Euch: Sonaten von Mozart & Co. sollen übrigens gut geeignet sein.


Komplexe Hormonkettenreaktion durch Musik auslösen ?

Mit medizinischem Fachvokabular sieht das dann so aus: Musik kann – so wird vermutet – dazu führen, dass die Hirnanhangdrüse das Wachstumshormon HGH ausschüttet. Folge kann sein, dass die Nebennieren deutlich weniger Cortisol und Adrenalin – die Stresshormone (!) – in den Hormonkreislauf pumpen. Das Resultat: Geringere Herzfrequenz, niedriger Blutdruck, der Stresslevel verringert sich. Das Fazit kann nur lauten: Was funktioniert und für weniger Chemie im Körper sorgt, ist ganz sicher gut. Oder um es mit den Worten der amerikanischen Geigenlegende Yehudi Menuhin zu sagen: „Ich glaube fest daran, dass gute Musik das Leben verlängert“.


Stephans Geschichte ?

Lest hier die Geschichte von unserem Kunden Stephan, ein weiteres Beispiel für die positive Wirkung von Musik bei Heilungsprozessen:

Music saved my Life!

Ich habe meine halbe Kindheit wegen starkem Asthma in Krankenhäusern verbracht und mußte auch mit anhören wie die Ärzte zu meinen Eltern sagten „Den kriegen sie nicht groß!“

Es ging mir von Tag zu Tag schlechter und irgendwann kam mein großer Bruder auf die Idee, mir aus seinem Auto (NSU Prinz) seinen 4Spur Rekorder auszubauen, mir ein 12V Netzteil zu basteln und mir alles, samt Kopfhörer mit meinen Lieblingssongs ins Krankenhaus zu bringen. Das wollte der Chefarzt zwar verbieten, jedoch hatte mein Bruder auch einem befreundeten Diskothekenbesitzer davon erzählt, welcher dann diesen Arzt mit etwas (ich weiß nicht wieviel) Geld bestochen hat, um mir das trotzdem zu erlauben. Kein Scherz!
Immer wenn es mir wieder schlecht ging, habe ich den Kopfhörer aufgesetzt und bin in die Welt der Musik entschwunden…und das für damalige Verhältnisse in Top Tonqualität. Kurzum…es ging mir von Tag zu Tag besser und ich werde meinem Bruder für immer dafür dankbar sein! Ich bin jetzt 52 und Schlagzeuger in diversen Bands. Ich bekomme zwar manchmal noch immer schlecht Luft, aber das Trommeln ist die beste Therapie, die ich mir dafür wünschen kann und meine Ärzte sehen das genau so!

Ich hab bald meinen ersten Tattoo Termin. Das wird ein kleiner Notenschlüssel und darunter wird „Music saved my life“ stehen…und jedes Wort daran ist absolut wahr!

LG Drummi    „


Alle Epic Stories ?

Unten findet ihr eine Liste mit kraftvollen wie berührenden Geschichten von Musik und Menschen, die wir euch erzählen möchten. Wir laden euch herzlich zum Schmökern ein. Viel Spaß dabei!

  1. Krieg abgeblasen
  2. Solidarität der musikalischen Art – ein Konzert für Nelson Mandela
  3. Legendäre Konzerte: Wacken 1990 \m/
  4. Tod 0: Elvis 1
  5. Ohrwürmer kriegen kein Alzheimer
  6. Schicksal geschlagen

 

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

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