Kopfhörer – ein kleiner Überblick

Kopfhörer – ein kleiner Überblick

Bei der großen Vielfalt, die der Kopfhörer-Markt heutzutage bietet, kann die Wahl des passenden Modells ewig dauern. Egal, ob für das Mixing, das Abhören, in Live-Situationen oder im Studio, für Gesang, Trommler, DJs oder für Audiophile, zu Hause oder unterwegs – die Auswahl an Kopfhörern scheint endlos. Am Ende wollen wir alle das bestmögliche Hörerlebnis (und vielleicht ja auch ein grundlegendes Verständnis von Kopfhörertypen, Eigenschaften und Spezifikationen? ). Hier bekommt ihr einen kleinen Überblick.

Wer an gut vergleichbaren Tests von Kopfhörern interessiert ist, dem lege ich noch kopfhoerer.de ans Herz. Und wer ausführliche Informationen und eine Beratung sucht, kann sich gerne an meine Kollegen im Shop und in der Hotline wenden.

Typen und Bauweisen

Der Shure SRH1540Grundsätzlich kann zwischen ohrumschließenden (Over-Ear, beispielsweise der Shure SRH1540), ohraufliegenden (On-Ear, z. B. der Nocs NS900 Live) Kopfhörern und Ohrhörern (In-Ears) unterschieden werden. Letztere (etwa der Superlux HD 381) sitzen direkt im Gehörgang und sind daher auch wesentlich kleiner, im Gegensatz zu den ersten beiden Bauarten, die sich auf bzw. „um“ den Ohren befinden.

Kurz: Over-Ears umschließen die gesamte Ohrmuschel, On-Ears liegen auf dem Ohr direkt auf und In-Ears platziert man direkt am Anfang des Gehörganges in der Ohrmuschel. Pauschal könnte man versucht sein, daraus auch auf die Isolierung von der Außenwelt und die Dämpfung von Geräuschen zu schließen, aber hier gibt es noch einen nicht zu vernachlässigenden Aspekt …

Ist mein (zukünftiger) Kopfhörer offen, halb-offen oder geschlossen?!

Die drei Varianten beziehen sich auf das Gehäuse (in dem sich der Treiber / Lautsprecher befindet), das jeweils auf, um oder im Ohr liegt.

Offene Kopfhörer haben eine durchlässige Rückwand, welche die Musik nach außen und ebenso Umgebungsgeräusche bis ans Ohr dringen lässt. Das hat den Nachteil, dass die direkte Umgebung auch was von der Musik mitbekommt – wer also gerne in der Straßenbahn alle Fahrgäste mit seiner Lieblingsmusik beschallen will, der liegt damit goldrichtig. 😉 Ebenso ungeeignet sind offene Kopfhörer für den Aufnahmeraum – das, was der Kopfhörer auch nach außen abgibt, kann eine saubere Aufnahme ruinieren.

Das offene System hat natürlich auch Vorteile: Durch das offene Gehäuse werden Resonanzen und Reflektionen innerhalb des Gehäuses minimiert, wodurch der Sound natürlicher, mit weniger Verfälschungen dargestellt werden kann als bei geschlossenen Kopfhörern. Das Stereobild ist dadurch ebenfalls natürlicher, breiter, offener.

Geschlossene Kopfhörer haben den großen Vorteil der Isolierung von der Umgebung – ihr könnt euch besser auf das konzentrieren, was ihr hören möchtet. Somit eignen sich geschlossene Kopfhörer ideal für das Abhören in lauten Umgebungen (live, unterwegs) oder im Studio, um keine unerwünschten Klänge aus dem Kopfhörer aufzunehmen. Das geschlossene Gehäuse ist zudem für eine stärkere Basswiedergabe dienlich, oft haben diese Kopfhörer daher einen ausgeprägteren, betonteren Bass als offene Systeme.

Halboffene Kopfhörer versuchen den Mittelweg zu gehen und die Vorteile zu kombinieren.

In-Ears: der Superlux HD 381In-Ears sind tendenziell geschlossen und isolieren gut, es gibt aber auch einige Modelle mit einem „Ambient-System“ – diese schotten nicht ganz von der Außenwelt ab und der Träger bekommt noch mehr von der Umgebung mit. Im Vergleich zu On- und Over-Ears ist es schwerer mit In-Ears einen natürlichen Sound zu erzielen, da die Bauform viele Herausforderungen mit sich bringt. Da sie klein, handlich und unauffällig sind, sind sie vor allem unterwegs und auf der Bühne von Vorteil.

Technische Eigenschaften

Die Impedanz in Ohm steht für den Widerstand des Kopfhörers und besagt, wie leicht ein Kopfhörer von einem Verstärker angetrieben werden kann. Rückschlüsse auf die Lautstärke lassen sich nur unter Berücksichtigung der Empfindlichkeit eines Kopfhörers (und bei einer gegeben (Verstärker-)Leistung) ziehen. Ein Kopfhörer mit niedriger Impedanz (beispielsweise 32 Ohm) erfordert weniger Leistung, um die gleiche Lautstärke zu erzielen als ein Kopfhörer mit hoher Impedanz (z. B. 600 Ohm). Der Vorteil von hochohmigen Kopfhörern ist eine bessere Auflösung und ein besserer Klang, sie erfordern jedoch einen leistungsfähigeren Kopfhörerverstärker. Für die mobile Anwendung (mit Smartphones, Laptops …) empfehlen sich daher Kopfhörern mit niedrigen Impedanzen, fürs Studio und den Heimgenuss durchaus auch Kopfhörer mit höheren Impedanzen.

Der Frequenzbereich oder Übertragungsbereich bezieht sich auf den Bereich an Frequenzen, den der Kopfhörer wiedergeben kann. Im Optimalfall deckt ein Kopfhörer den hörbaren Bereich von 20 bis 20.000 Hz ab, jedoch sagt der einzelne Wert ohne weitere Angaben nur bedingt etwas darüber aus, wie der Kopfhörer tatsächlich klingt – am besten mit den eigenen Ohren kontrollieren!

Kennschalldruck, Schalldruckpegel und Empfindlichkeit sind auf die Lautstärke bezogene Angaben, aber mit unterschiedlichen Bezugsgrößen und Einheiten. Dieses Thema würde leider den Rahmen sprengen, es bleibt nur zu sagen: Grundsätzlich gilt: höhere dB-Zahlen = lauterer Kopfhörer! Da nicht alle Hersteller eine einheitliche Größe verwenden, müsst ihr aber beim Vergleichen vorsichtig sein. 🙂

Der Audio Technica ATH-ANC9 Kopfhörer mit Aktiv-Noise-CancellingAbschließend gehe ich auf zwei spezielle Features ein: Bluetooth-Kopfhörer wie der AKG by Harman Y-50BT Black lassen sich dank Akku oder Batterie kabellos mit dem Smartphone verbinden und bringen oft eine Musiksteuerung und Anrufannahme direkt am Hörer mit. Noise-Cancelling wie beim Audio Technica ATH-ANC9 bietet den Vorteil, zusätzlich zur mechanischen Isolierung von den Umgebungsgeräuschen noch ein aktives System zu haben, das die Abdämpfung verstärkt. Damit lässt es sich entspannter in der vollen Bahnhofshalle warten oder im Flieger Musik genießen.

Ihr merkt – es handelt sich um ein komplexes Thema, über das ich hier noch weiter schreiben könnte. Wenn ihr noch Fragen oder Anmerkungen habt, dann dürft ihr mir hier gerne schreiben – ich freue mich auf eure Kommentare. 🙂

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

12 Kommentare

    Schöne Übersicht!

    Der Abschnitt mit der Impedanz ist aber leider nicht ganz richtig.
    Rückschlüsse auf die Lautstärke lassen sich auch bei gegebenen Verstärkerdaten nur zusammen mit der Empfindlichkeit ziehen! Die Impedanz hat grundsätzlich nur Einfluss auf die Leistungsaufnahme der Kopfhörer.
    Es kann also durchaus passieren, dass bei gleicher Verstärkerleistung ein 600 Ohm Kopfhörer lauter als ein 32 Ohm Kopfhörer ist.

    Ahoi, lieben Dank für den Hinweis. Habe ich ergänzt. 😉

    Schöne und kompakte Übersicht! 🙂

    Meiner Meinung nach hätte ich noch die Earbuds erwähnt, da diese doch etwas anders sind als In-Ears. Ansonsten wirklich gut zusammengefasst alles und sehr informativ, denn viele wissen gar nicht, was man alles bei Kopfhörern beachten sollte.

    Ahoi! Yup, guter Einwand, oft wird das ja zusammengesteckt, obwohl das eigentlich zwei unterschiedliche Dinge sind. Danke für dein Feedback und deine warmen Worte. LG von Franziska

    Hey! Super Blog! Das mit der Bauweise habe ich vorher noch nie so überrissen. Danke für die Erklärung! 😀

    Seitdem ich einmal die Beyerdynamic probiert habe will ich nichts anderes mehr. Den habe ich damals im Saturn gekauft. Ich habe seitdem auch nichts anderes mehr. Diese Klangfülle zu einem wirklich sehr guten Preis und die haben mich auf ewig überzeugt. Ich verstehe auch die Konkurrenten nicht mehr, z.B. Sennheiser, die für ein im Vergleich flach und in allen Frequenzbereichen schwächer klingendes Modell mehr als den doppelten Preis aufrufen.

    Hallo Jan, danke für dein Feedback! 🙂

    Ich habe den AKG K701, ein sehr offen und detailliert klingender Hörer, dessen Schwerpunkt meiner Meinung nach aber eher auf klassischer Musik und Jazz liegt. Durch das offene Prinzip ist er kein Kickbasswunder, aber er produziert trotzdem einen enormen Tiefbass.

    Hallo Thomas, danke für dein Feedback! 🙂 Liebe Grüße //Franziska

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