In 7 Schritten zum perfekt eingestellten Turntable

In 7 Schritten zum perfekt eingestellten Turntable

Ob DJ oder Plattenlauscher: Um aus seinem Turntable das Maximum an Klang und Performance herauszuholen, muss dieser optimal eingestellt werden. Soundeinbußen, Störsignale oder chronisches Nadelspringen braucht kein Mensch. So kommt ihr in 7 Schritten zum perfekt eingestellten Plattenspieler:


 

1. Laufwerk aufstellen & ausrichten

Turntables gehören auf einem stabilen Untergrund, beispielsweise auf einen DJ-Tisch oder ein Bühnenelement mit ordentlich Masse. Das hilft gegen ungewolltes Springen der Nadel und bietet einen gewissen Schutz vor der Übertragung von Körperschall. Eine nicht waagerecht ausgerichtete Unterlage kann am Set notfalls mithilfe von Bierdeckeln oder Holzkeilen korrigiert werden. Wer keine Wasserwaage zur Kontrolle in der Tasche hat: eine App fürs Smartphone hilft schnell weiter. Legt das Messwerkzeug direkt auf den Plattenteller und prüft die Position beider Achsen (Nord/Süd und Ost/West), aber bitte nicht die Füße des Plattenspielers herausdrehen, das ist kontraproduktiv. Unten findet ihr als Produkttipp die Glorious Mix Station Black.

Glorious Mix Station Black


2. Tonabnehmer montieren & justieren

DJs verwenden Plattenspieler mit Rohrtonarmen und SME-Schraubanschluss zum schnellen Wechseln der Tonabnehmer. Wer Komplettsysteme statt Headshells nutzt, spart sich das Montieren und Justieren des Tonabnehmers an den Träger. Der horizontale Abstand zwischen Abtastnadel und der SME-Kupplung, sprich Überhang, muss allerdings stimmen. So erfordert ein Technics-Plattenspieler der 1200er-Serie laut Hersteller einen Tonabnehmer mit einem Überhang von 52 mm: perfekt kompatibel mit Ortofon Concorde-Serie. Wer mit Tonabnehmern zur Headshell-Montage wie dem Stanton 520 V3 oder Numark Groovetool arbeitet, hat die Möglichkeit, Überhang und Ausrichtung stufenlos zu verstellen.

So kann beispielsweise durch eine Drehung des Tonabnehmers um circa 20 Grad nach außen einen geraden Tonarm wie beim Mixars LTA simulieren, selbst wenn man einen Plattenspieler mit S-Shaped Tonarm wie den Audio Technica AT-LP240USB verwendet.


Gerade Tonarme haben den Vorzug, dass beim Abtasten weniger Drifting-Kräfte entstehen und sind Springfester bei Scratch-Aktionen. Jedoch entsteht ein relativ großer horizontaler Spurfehlwinkel mit Verzerrungen des Stereosignals. Wichtig bei der Montage von Headshell-Tonabnehmern: richtig an den Träger festschrauben, den vorgegebenen Farbcode einhalten und darauf achten, dass die Kabel keine Mängel aufweisen und die Kontakte frei von Schmutz und Fett sind.

Ortofon Concorde Pro S System


3. Tonarmhöhe einstellen

Zum technisch und klanglich optimalen Abtasten einer Schallplatte muss die Abtastnadel vertikal um exakt 20 Grad nach vorne geneigt in der Rille sitzen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Die meisten DJ-Turntables sind mit einer Kombination aus Arretierungshebel und Verstellring ausgerüstet. Zum Justieren der Tonarmhöhe löst man zunächst den Hebel und setzt die Nadel auf die Schallplatte. Der Antrieb bleibt abgeschaltet. Nun dreht vorsichtig so lange und ohne dabei den eigentlichen Tonarm zu berühren am Verstellring, bis der Tonarm parallel zur Schallplatte verläuft. Hebt nun die Nadel von der Schallplatte und sichert diese Einstellung mit dem Arretierungshebel. Egal ob Headhell oder Komplettsystem – die Prozedur ist immer gleich.


4. Auflagegewicht einstellen

Bei einem zu hohen Auflagegewicht können Nadel und Nadelträger beschädigt werden, ist es zu gering, ist die Reproduktion des Audiosignals suboptimal und die Platte springt eher. Das Auflagegewicht justiert man mit dem Gegengewicht des Tonarms. Stellt diesen zunächst ausbalanciert ein, sodass er frei in der Luft schwebt. Nun haltet das Gegengewicht in seiner Position fest und verdreht den daran montierten Zahlenring auf die Null-Position. Das geforderte Auflagegewicht in Gramm lässt sich dann anhand der Nummerierung auf dem Ring einstellen. Noch exakter ist eine Tonarmwaage.

Wer seinen Plattenspieler ausschließlich zum Abspielen und Samplen nutzt, sollte den vom Tonabnehmer-Hersteller empfohlenen Mittelwert wählen, um seine Platten zu schonen, wohingegen Mix- und Scratch-DJs höhere Werte einstellen, auch wenn Schallplatte und Nadel darunter mehr leiden. Unter diesem Link findet ihr den Technics Weight unten im Bild.

Technics Weight


5. Antiskating einstellen

Plattenspieler wie der Reloop RP-7000, die 1200er-Serie von Technics und der Pioneer PLX-1000, setzen auf s-förmige Tonarme zur Minimierung der vertikalen Spurwinkelverzerrung und optimieren so die Klangeigenschaften der Laufwerke beim Abtasten der Schallplatten. Allerdings entsteht ein Drift des Tonabnehmers hin zur Mitte der Platte. Um diese Kraft auszugleichen, verfügen die Turntables über eine Antiskating-Funktion. Sollte einem die Nadel trotz ausreichendem Auflagegewicht beim Abtasten der Scheibe in Richtung Plattenmitte springen, lässt sich dies in der Regel mit der Antiskating-Funktion beheben – einfach mal herantasten. Scratcher sollten diese aufgrund der verschiedensten Belastungen immer auf null belassen.

 


6. Kabelführung & Kontakte pflegen

Wer seine Plattenspieler öfter mal auf- und abbaut, sollte regelmäßig die Audiokabel und die Masseleitung auf defekte Stecker, fehlerhafte Lötverbindungen und Kabelbrüche überprüfen. Außerdem empfiehlt es sich, die Steckverbindungen, die SME-Kontaktstifte im Tonarm und die Verbindungen der Headshell von Zeit zu Zeit (mein Tipp: Reinigungsalkohol und Q-Tips) zu säubern. Das Audiosignal von Plattenspielern ohne integrierten Phono-Preamp hat nur eine Spannung von wenigen Millivolt, daher ist es wichtig, dieses Signal möglichst sauber zu übertragen. Achtet auch darauf, dass die Audiokabel der Plattenspieler nicht parallel zu den Stromleitungen verlaufen, um Einstreuungen zu vermeiden. Wichtig beim Verkabeln ist außerdem, stets auf ordentlich festgeschraubte Massekabel zu achten. Lösen sich diese im laufenden Betrieb, können sie zu einem fiesen „Brummtongenerator“ werden.

 

7. Nadel reinigen

Die Abtastnadeln sind stets Sammelstellen für sämtliche Art von Schmutz, der sich auf Schallplatten so ansammeln kann: Staub, Fett, Getränkereste und sonstige Schmuddeleien. Spätestens vor dem nächsten Einsatz heißt es daher, die Nadel fachgerecht säubern. Auf keinen Fall sollte man sich mit seinen Fingern, Q-Tips oder Reinigungsalkohol an den Abtastern zu schaffen machen, denn diese sind sehr filigran aufgebaut und leicht zu beschädigen. Kauft euch stattdessen lieber ein Reinigungsset aus Bürste und Spezial-Flüssigkeit. Wir empfehlen unter anderem den Stylus-Cleaner von Reloop.

Reloop Stylus Cleaner
Übrigens: Auch eure Schallplatten können natürlich gelegentliche Zuwendung vertragen – schaut euch dazu mal die Knosti-Plattenwaschmaschine an.

Habt ihr noch Tipps und Tricks auf Lager? Wir freuen uns auf eure Kommentare! ✍


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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

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