Hit the Tone! Stewart Copeland von The Police analysiert

Hit the Tone! Stewart Copeland von The Police analysiert

   

Nur wenige Musiker erfahren so eine ungeteilte Zustimmung wie Steward Copeland. Und das ist einfach zu überprüfen, frag einfach zwei Schlagzeuger, die diametral gegensätzliche Genres spielen: Beide werden tief einatmen, wenn der Name des Schlagzeugers von The Police erwähnt wird. In diesem Trio, das er mit Andy Summers und Sting bildete, definierte der aus Virginia stammende Copeland das Pop-Drumming neu. Er tat dies, indem er Einflüsse von Reggae und Jazz hinzufügte, verschiedene Drum-Strukturen benutze (er führte die Octobans ein und spielte eine Kinder-Cymbal) und setzte auf synkopierte Rhythmen (eine Hi-Hat bekam davor noch nie so viel Aufmerksamkeit). In diesem Artikel werden wir dem „Copeland Sound“ mit dem Skalpell zu Leibe rücken und dir eine Reihe von Tricks dalassen. Damit du, junger Padawan, die nächste Königin oder der nächste König des Pop-Drummings werden kannst.


Die Wichtigkeit, gegen den Strom zu schwimmen

Zu einer Zeit, als Produzenten versuchten, die Drums so groß wie möglich klingen zu lassen und Musiker anfingen, 14”– und 16”-Floortoms als Hängetoms zu verwenden, machte Stewart Copeland genau das Gegenteil: Er wollte Lautstärke und Projektion durch kleinere, kompaktere Drums und tonal höhere, „schnellere“ Becken erreichen. Wie hat er das geschafft? Das war gar nicht so schwer: mit einer 13“-Hi-Hat und mit etwas, das Tama 1978 großartiger Weise beisteuerte: den Octobans. Für den Fall, das jemand hier das nicht weiß: Die Octobans sind Toms mit Röhrenkorpus, die ursprünglich in einer fein gestimmten Serie von acht Noten zusammengefasst wurden, daher ihr Name. Sie haben normalerweise einen Durchmesser von 15 cm (6“) und ihre Längen variieren von 280 mm (11“) bis zu 600 mm (23,5“). Die Unterschiede in der Röhrenlänge sorgen für den charakteristischen Ton jeder Einheit. Aber egal, Copeland erklärt dir das höchstpersönlich hier im Detail:

Der Amerikaner nutze auch sehr viel Splash-Cymbals, normalerweise in 6 und 8 Inch. Tatsächlich gilt er als einer der größten Splash-Anhänger in der Geschichte. Mit einem Spielzeug-Becken half er Paiste, seine erste Version eines modernen Splashs zu entwickeln. Ein Beispiel für die Bedeutung von Octoban und Splash bei The Police gefällig? Klar, hier kommt es:


Bitte zeig mir das Setup!

Oft sagt man, dass es zwei Sorten von Drummern gibt: die, die eine große Zahl Trommeln um sich herum haben wollen und die, die es bevorzugen, ihr Set genau auszuwählen, um ihre natürlichen Fähigkeiten hervorzuheben. Stewart Copeland, der praktisch dasselbe Set für alle fünf Alben von The Police verwendete, ist ein Beispiel für die zweite Sorte. Nehmen wir zum Beispiel seine Snare, eine 14 x 5“ Tama in Chrom über Messing mit einer Kesselstärke von 1,5 mm, zur der sich eine 22 x 18“ Bassdrum gesellt, Toms in den Größen 10“, 12 x 8“ und 13 x 9“ sowie Toms in 16“ und 18 x 16“ und dazu die bereits erwähnten Octobans. Aber in den frühen Tagen, bevor Copeland vollständig von Tama eingenommen war, spielte Copeland mit einer 14 x 5″ Pearl Jupiter-Snare bei Police.

Und wenn es um Cymbals geht, müssen wir besonders über Hi-Hats reden.

Hörst du das? Merkst du, dass die „Singstimme“ der Percussion von der Snare verschoben ist? Das ist richtig. In vielen Songs von The Police scheint es, dass das zentrale Element der Percussion die Hi-Hat ist. Durch sehr präzise Anschläge mit einem 12“-Modell, das Copeland entwickelte, entstand eine ganz neue Klangbasis, die sich von der bisherigen völlig unterschied. Ein kurzer Überblick über den Rest der Becken: 12“ Splash und 14“, ein 6“ Cup Chime, 16“ Crash, 17“ und 18“, 18“ Rides und 22“, die übrigens zusammen Paiste entwickelt, und 8“ Splash und 10.

Du fragst dich vielleicht, was diese Auflistung jedes Teils von Copelands Kit soll. Das Kuriose ist die Tatsache, dass auch wenn sich die Produktion und der Sound sich während der Karriere von The Police änderten, vom trockenen Up-Close-Sound von Zenyatta Mondatta (1980, A&M Records) bis zum Crunch von Synchronicity (1983, A&M Records), das Drumset doch grundsätzlich dasselbe blieb!


Okay, jetzt erzähl mir mal: Wie spiele ich wie Stewart Copeland?

Also gut, wenn wir das auf den Kern der Sache herunterbrechen wollen, müssen wir uns über ein paar Sachen im Klaren sein:

Steward Copeland gilt als einer der einflussreichsten Musiker der Popwelt. Was bedeutet das? Nun, dass er etwas aus Jazz, Libanesischer Musik, Reggae zieht und seine eigene Sprache hinzufügt. Das ist einer der Schlüssel zu seinem unnachahmlichen Stil: Niemand würde sagen, dass The Police Tangos gespielt haben, aber es gibt sie, zum Beispiel Roxanne. Wenn du ein bisschen gräbst, werden dir diese groovenden Takte auffallen.

Achte auf Akzentuierungen: ein weiteres von Copelands großen Geheimnissen. Manchmal verteilte er sie auf eine sehr gleichmäßige, fast symmetrische Weise, wie es bei Don’t Stand So Close to Me der Fall ist, aber dann ein andermal platzierte er sie auf eine zufällige und spontane Art, was dem Song Frische und Impuls gab. Nimm zum Beispiel Demolition Man, bei dem er den Rhythmus der Hi-Hat mit zufälligen Akzentuierungen auf dem Ride mischt und der Song wird plötzlich ganz anders. Dieses Detail, das bei jedem anderen Schlagzeuger zusammenhangslos und chaotisch wäre, ist bei Copeland, dank seines überragenden Sinns für Rhythmus, so natürlich und selbstverständlich wie das Atmen.

Immer überraschend: Der erste Schlag von jeder Drum-Line von Copeland überrascht den Hörer immer. Nicht wirklich offensichtliche Rhythmen (eine akzentuierte Hi-Tom, eine ewige Stille bis zum zweiten Schlag), die in einen Teil jeder Strophe platziert werden, ändern den Song. Wenn du mal darauf achtest und etwas Raffinesse zum Anfang deiner Phrasen zufügst, kommst du dem Copeland-Sound schon näher.

Brich den Takt. Hör dir um Himmels Willen dieses Drumkit an. Kannst du es fühlen? Copeland verstärkte seinen Stil durch den Einsatz von Synkopierung (er gilt als einer der Größten in dieser rhythmischen Kunst), aber da war etwas anderes: eine eindrucksvolle Überlegenheit beim Mixen von Beats. In diesem Fall 6/8 und 3/4. Es mag sich für dich gerade wie Quantenphysik anhören, aber versuche mal zu experimentieren.

Achte auf deinen rechten Fuß. Hör die diesen Refrain an und du wirst bemerken, wie sein rechter Fuß komplett unabhängig von seiner rechten Hand ist, besonders während des groovigsten Teils: Die Cymbal-Akzente erscheinen im Kontrapunkt zum Bassdrum-Pattern. Ein weiteres zu berücksichtigendes Detail.

Nutze Technologie immer songdienlich. Um ein Gefühl der Schwerelosigkeit zu vermitteln, trennt an einer Stelle von Walking on the Moon der linkshändige Drummer als rechtshändiger Mann die Drums am Anfang, die eine Art Bodenhaftung liefern. Entweder entfernt er sie oder verschiebt sie von Schlägen 1 und 3 zu 2 und 4. Zusätzlich gab der Amerikaner ein leichtes Delay auf die Snare und die Hi-Hat. Während viele Technologie einsetzten, um ihre Schwächen zu kaschieren, spazierte Copeland bereits auf dem Mond! 😉


Reden wir über Drumsticks

Vor dem Ende noch eine letzte Sache. Ja: die Drumsticks. Copleand entwickelte zusammen mit Vater einen 16“ Stick aus American Walnut mit einem ovalen Kopf, der einen klaren und artikulierten Schlag liefert. Aber was viel wichtiger ist: die Technik. Es gibt da diese wiederkehrende Diskussion unter Drummern: Matched Grip oder Traditional Grip? Bei letzterer Technik wird der rechte Drumstick mit Daumen und Zeigefinger gehalten und der linke in der Lücke zwischen Daumen und Zeigefinger und vorbeigeführt zwischen Ring- und Mittelfinger. Der moderne (Matched) Grip andererseits soll für einen gleichmäßigeren Sound beider Hände sorgen (obwohl das auch mit dem Traditional Grip erreicht werden kann) und funktioniert so, dass beide Sticks mit Daumen und Zeigefinger gehalten werden und das Holz mit den restlichen Fingern umfasst wird.

Copeland sagt im Video oben eindeutig: „Ich bevorzuge den Traditional Grip. Meine Theorie ist, dass der Daumen kräftiger ist als der Zeigefinger. Und der Druck geht mit dem Daumen direkter auf den Stick als mit der Kombination der Finger beim Combo Grip.“ Dennoch kann man in vielen Videos Copeland dabei beobachten, wie er mit dem Classic Grip variiert und den linken Stick zwischen seinen Mittle- und Zeigefinger platziert. Aber dieser Typ geht sowieso seinen eigenen Weg. 😎


Ursprünglicher Artikel von Santini Rose auf Spanisch geschrieben

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

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