Heiße Äxte – ein Überblick über Heavy Gitarren

Heiße Äxte – ein Überblick über Heavy Gitarren

Die Geschichte der Heavy-Gitarren startet 1958 mit einem Versuch Gibsons, mit  Explorer und Flying V von den traditionellen Korpusformen abzuweichen und den eigenen Gitarren einen etwas modernen Touch zu verleihen. Zielgruppe waren damals eigentlich die Jazz-Gitarristen und wie wir wissen, ging dieses Experiment relativ unspektakulär in die Hose. Die Produktion wurde schnell wieder eingestellt und erst Ende der 1960er Jahre mit der Flying V und Mitte der 1970er mit der Explorer wieder aufgenommen.

Grund dafür war, dass einige Hardrock-Gitarristen die Gitarren mit den zackigen Formen für sich entdeckt hatten. Diese beiden Modelle kann man ganz klar als die Urtypen der Heavy-Gitarren bezeichnen, die folgerichtig auch bald von anderen Herstellern kopiert bzw. in leicht abgewandelter Form auf den Markt gebracht wurden. So orientierte sich zum Beispiel das Randy-Rhoads-Modell von Jackson eindeutig an der Flying V, lediglich ein „Flügel“ wurde gekürzt. Die Ibanez Iceman, lange Zeit die Hauptgitarre von Paul Stanley (Kiss), ist stark von der Korpusform der Explorer beeinflusst. In den 1980er Jahren traten dann mit dem Metal-Boom immer mehr Hersteller auf den Plan, die sich in besonderem Maße diesem Gitarren-Genre widmeten: Charvel/Jackson, Dean, ESP, Kramer, Hamer oder BC Rich.

Heavy-Gitarren unterscheiden sich von „normalen“ Instrumenten wie Stratocaster oder Les Paul einerseits durch ihr extravagantes Korpus-Design, aber in den meisten Fällen sind sie auch mit leistungsstarken Humbucker-Pickups bestückt, um dem Amp noch die letzte Portion Verzerrung zu entlocken. In den 1980er Jahren war ein Floyd-Rose-Tremolosystem extrem angesagt, das heute jedoch wieder etwas in den Hintergrund gerückt ist. Mittlerweile wird sehr gerne und oft mit unterschiedlichen Downtunings experimentiert, wofür dieses System nicht unbedingt geeignet ist. Mit dem Nu-Metal -Style Mitte der 1990er wurden die Gitarren vermehrt tiefer gestimmt und 7-saitige Instrumente mit tiefer B-Saite waren die logische Entwicklung. Ein erstes Serienmodell war die Universe von Ibanez, ein Instrument, das von Steve Vai mitentwickelt wurde. Mittlerweile sind achtsaitige Gitarren keine Besonderheit mehr, hier gibt es im Vergleich zum sechssaitigen Standard Versionen mit einer tieferen und einer höheren Saite und Versionen mit 2 tieferen Saiten.

Das Feld der Heavy-Gitarren ist inzwischen recht breit aufgestellt und Hersteller wie Dean, ESP, Ibanez, Jackson oder Schecter gehören zu den beliebtesten Marken.



Gitarristen & Gitarren

Natürlich orientiert man sich gerne an seinen Helden, wenn es um die Wahl des eigenen Instrumentes geht. Viele bekannte Gitarristen im Heavy-Bereich arbeiten mit Herstellern zusammen, die ihnen ein Signature-Modell nach ihren Bedürfnissen anfertigen, das dann in der Regel auch in Serie gefertigt wird. Hier eine kleine Auswahl diverser Gitarristen aus dem Heavy-Rock-Bereich mit ihren bevorzugten Instrumenten:

ESP LTD Iron Cross SWJames Hetfield (Metallica)
Hetfield spielt ESP und hat mehrere Signature-Modelle am Start (Iron Cross, Snakebyte, Truckster). Die Gitarren sind mit aktiven EMG-Pickups bestückt und ohne Tremolosystem – für seine Riffs benutzt Hetfield bombenfeste Tune-O-Matic Bridges mit Stop Tailpiece.

Epiphone Tony Iommi Signature SG CustomTony Iommi (Black Sabbath)
Tony Iommi spielt überwiegend SG-Modelle von Gibson. Daher hat der Hersteller ihm eine SG Signature mit 24 Bünden und Custom-Humbucker auf den Leib geschneidert, wobei die Pickups auch separat erhältlich sind. Die Gitarre haben wir auch als preisgünstige Variante von Epiphone. 😉

Dean Guitars Dimebag Dixie RebelDimebag Darrell (Pantera, Damageplan)
Der leider viel zu früh verstorbene Gitarrist hat eine enge Verbindung zu Dean Guitars, einem Hersteller, der mittlerweile verschiedene Instrumente unter seinem Namen veröffentlicht hat. Die bevorzugte Korpusform ist eine Kreuzung aus Explorer und Flying V und meist mit zwei Humbucker-Pickups bestückt. Darrell hat auf seinen Gitarren sehr häufig ein Floyd-Rose-Tremolosystem installiert.

 

Schecter Jeff Loomis JL-7 BKJeff Loomis (Nevermore, Arch Enemy)
Jeff Loomis ist mit Schecter-Gitarren unterwegs. Das Hauptmodell ist seine Signature mit Strat-Style-Korpus, die als Sechs- oder Siebensaiter erhältlich ist. Loomis bevorzugt Seymour Duncan Humbucker und hat seine Gitarren entweder mit Floyd-Rose-Tremolo oder mit einer festen Brücke ausgestattet. Die Pickups sind auch als Set von Seymour Duncan einzeln erhältlich.

Jackson Scott Ian King V KVXTScott Ian (Anthrax)
Scott Ian spielt seit langer Zeit Gitarren aus dem Hause Jackson. Seine Signature-Instrumente sind Soloist oder King V-Modelle. Hierbei gibt es unterschiedliche Bestückungen – die Soloist wahlweise mit zwei Humbuckern und Floyd Rose oder in einer abgespeckten Version mit einem Humbucker und fester Brücke. Ganz neu ist aktuell ein King V-Modell mit zwei Humbuckern erschienen und wahlweise mit oder ohne Floyd-Rose-Tremolo. Die Signature-Gitarren sind in der preisgünstigen X- oder in der USA-Serie erhältlich, für die man allerdings sehr tief in den Geldbeutel greifen muss.

Ibanez M80M MeshuggahFredrik Thordendal/Marten Hagstrom (Meshuggah)
Die beiden Meshuggah-Gitarristen benutzen Werkzeuge aus dem Hause Ibanez, wobei der Hersteller zwei Meshuggah Signature Modelle anbietet, beides Achtsaiter-Gitarren in schwarzem Finish und mit Double-Cutaway Korpus. Bestückt sind die Instrumente mit einem Lundgren M8P Pickup (Passiv) und einem Edge III-8 Tremolosystem. Eine weitere Besonderheit ist der sehr lange Hals mit einer Mensur von 749 mm. Das ist auch nötig, denn die Saiten werden weit heruntergestimmt, tiefster Ton ist das F1, also fast eine Oktave tiefer als eine normale Gitarre.

Ibanez TAM10-WHTosin Abasi (Animals As Leaders)
Tosin Abasi ist mittlerweile ebenfalls überwiegend mit acht Metalldrähten unterwegs. Ibanez hat zwei Signature-Modelle (TAM-100, TAM-10) nach seinen Wünschen angefertigt. Die Gitarren haben HSH (Humbucker-Single Coil-Humbucker) Pickup-Bestückungen von DiMarzio und eine etwas längere Mensur von 686 mm, denn die tiefste Saite wird nach E1 hinuntergestimmt, eine Oktave tiefer als eine Standard-Gitarre. Daher ist bei Animals As Leaders auch kein Bassist auf der Bühne.


 

Was ist wichtig bei einer Heavy-Gitarre?


Korpus/Holz
Die Form ist natürlich in erster Linie Geschmacksache. Beim Korpusholz gibt es unterschiedliche Ansätze und auch keine eindeutige Richtung, die Geschmäcker sind eben verschieden. Traditionell ist Mahagoni eine gute Wahl, das vor allem durch ein ausgezeichnetes Sustainverhalten und einen weicheren Ton besticht, der sich gut mit aggressiv klingenden Pickups kombinieren lässt. Linde ist bei Heavy-Gitarren ebenfalls sehr beliebt; dieses Holz bringt zwar nicht so viel Sustain, aber einen sehr knackigen, anschlagsbetonten Sound, der bei schnellem Riffing für Klarheit sorgen kann.

Hals/Bünde
Beim Hals ist überwiegend Ahorn oder Mahagoni im Einsatz und das Griffbrett besteht primär aus Palisander. Während diese Bauweise grundsätzlich dem Standard entspricht, ist das Profil der Hälse ein auffälliges Merkmal, denn diese sind in der Regel eher schlank und das Griffbrett hat eine geringere Wölbung. Die Saitenlage sollte auch recht flach sein, um schnelles Spiel zu begünstigen. Bei den Bünden sind Medium-Jumbo oder Jumbo-Ausfertigungen erste Wahl, vor allem die massiven Jumbo-Bünde sind für Bendings sehr gut geeignet, weil man weniger Reibungsfläche am Griffbrett hat. Ritchie Blackmore oder Yngwie Malmsteen haben aus diesem Grund bei ihren Instrumenten das Griffbrett zwischen den Bünden zusätzlich aushöhlen lassen (Scalloped Fretboard). Die Anzahl der Bünde ist auch eine wichtige Sache, denn wer in hohen Gefilden solieren möchte, der sollte sich auf jeden Fall ein Instrument mit 24 Bünden zulegen.

Tremolo oder feste Brücke?
Die Frage ist eigentlich schnell beantwortet, denn wenn ihr mit verschiedenen Downtunings arbeitet, wird ein freischwebendes Tremolo keinen Spaß machen, denn bei diesem System verstimmen sich auch die Nachbarsaiten, sobald man eine Saite umstimmt. Die Saitenspannung wird üblicherweise von den Tremolofedern ausgeglichen, und sobald nur ein Element verändert wird, geht die komplette Stimmung aus dem Leim. Also mal eben von Standard-Tuning auf Drop D stimmen geht nicht so einfach wie mit einer fest eingestellten Bridge. Ein fester Steg ist für wechselnde Downtunings die einzig richtige Wahl. Wer aber auf Dive Bombs und harte Tremolo-Aktionen steht, der sollte mit einem stimmstabilen Tremolosystem arbeiten, eine Aufgabe, die auf vielen Gitarren einem Floyd-Rose-System überlassen wird. Bei ihm werden die Saiten am Sattel festgeklemmt und können mit den Feinstimmern an der Bridge gestimmt werden und die nahezu fehlende Reibung erlaubt verstimmungsfrei auch extreme Tremoloarm-Bewegungen. Oftmals wird das Floyd Rose am Korpus unterfräst, um auch ordentlich nach oben „tremolieren“ zu können. Ein weiterer Kahler K 7300 BlackKnackpunkt ist die Auflagefläche, die bei der Brücke für die rechte Hand beim wichtigen Palm-Mute-Spiel zur Verfügung steht. Hier muss jeder selbst ausprobieren, denn einigen Gitarristen sind die Feinstimmer des Floyd Rose bei dieser Technik im Weg. Wer es mag, seine Spielhand auch noch recht fest aufzulegen, wird zudem Probleme mit einem freischwebenden Tremolo haben, denn durch den Druck des Handballens wird die Bridge bewegt und die Stimmung geht nach oben. Kerry King bevorzugt beim Tremolo aus diesem Grund das Kahler-System, weil das etwas unempfindlicher beim Palm-Mute-Spiel mit fester Handauflage ist.

Pickups
Seymour Duncan Jeff Loomis Blackouts 6S BK
Die Tonabnehmer sollten auf jeden Fall eine amtliche Ausgangsleistung mitbringen, denn es wird überwiegend mit hohem Zerrgrad gespielt und der wird besonders gut mit ordentlich Dampf von den Pickups erzeugt, weil diese die Vorstufe des Amps bzw. das Distortion-Pedal erst richtig in die Übersteuerung treiben. Aktive Pickups haben sich hier vielfach etabliert, weil sie außerdem den Vorteil mitbringen, recht unempfindlich gegenüber Nebengeräuschen zu sein. Die beliebtesten Hersteller im Heavy-Bereich sind DiMarzio, EMG und Seymour Duncan.

 

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

3 Kommentare

    Super Artikel – Dimebag ROCKS !!! Schöne Grüße, Klaus

    „Hals/Bünde“
    In den 80’s waren helle Griffbretter sehr beliebt. Aus Ahorn, möchte ich meinen.

    „Tremolo oder feste Brücke?
    […] mal eben von Standard-Tuning auf Drop D stimmen […]“, sollte mit dem EVH D-Tuna doch kein Problem sein, oder? Ihr habt doch sogar Gitarren mit diesem System in eurer Produktpalette.

    „Pickups“
    Passive Tonabnehmer von z. B. DiMarzio und Seymour Duncan sind nicht zu unterschätzen und erfreuen sich vermutlich ebenso großer Beliebtheit, wie aktive PU’s. Selbst Single Coils werden von Fender Stratocaster-Jüngern bevorzugt verwendet.

    Zu den Meshuggah-Signature-Gitarren:
    „Bestückt sind die Instrumente mit einem (…) Edge III-8 Tremolosystem.“
    Tremolo? Das glaube ich ehrlich gesagt nicht 😉

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