Geige verstärken – aber wie?

Geige verstärken – aber wie?

Ihr spielt Geige? Cooles Instrument – auch wenn am Anfang eurer Karriere vermutlich nur eure Oma davon überzeugt war. Ihr steht auf Folk, Bluegrass, Rock oder gar Metal? Klasse – ABER: Was machen wir dann mit eurem Instrument, das plötzlich ganz schön leise ist, wenn direkt daneben ein Banjo oder ein Drummer loslegen? Gitarristen haben vorgemacht, wie es geht: mit elektrischer Verstärkung. 🎸💥


Die größte Hürde für die elektrische Verstärkung der Geige findet sich schon ganz am Anfang: Wie werden die Schwingungen der Geige in elektrischen Strom verwandelt? Dafür wird ein so genannter Schallwandler eingesetzt. Das ist entweder ein Mikrofon oder ein Kontakttonabnehmer. Welche Methode ihr wählt, hängt vor allem von der gewünschten Lautstärke ab. Mikrofone liefern zwar ein weit naturgetreueres Signal als ein Kontakttonabnehmer, aber sobald es laut wird, sind sie schnell an ihren Grenzen und liefern nur noch ein unkontrolliertes Pfeifen.


Ein Mikrofon für eure Geige

Auch bei Mikrofonen gibt es Unterschiede in der Methode, aber auf einer Bühne kommt streng genommen nur eine Abnahme mit einem am Instrument angeklemmten Mikrofon in Frage. Alles andere gehört in die Abteilung Aufnahmestudio oder Klassikkonzert. Obwohl: Etliche Bluegrass-Spieler beginnen gerade, bei Konzerten nur noch ein einziges Großmembran-Kondensatormikrofon z. B. das the t.bone SC 1100 Großmembran-Mikrofon in die Mitte der Bühne zu stellen. Back to the Roots …

Unter den Klemm-Mikros gibt es ein paar schicke und instrumentengerechte Lösungen wie beispielsweise das the t.bone Ovid System oder das DPA d:vote Core 4099 Violin. Für den richtigen Sound ist bei diesen Systemen die richtige Stelle zur Abnahme wichtig. Dafür sitzen die Mikros auf einem flexiblen Schwanenhals, der sich in alle Richtungen verbiegen lässt. Eine Standardposition gibt es dabei nicht, denn jedes Instrument ist anders. Von den F-Löchern solltet ihr euch dabei fern halten – so lautet zumindest die gängige Lehrmeinung. Also auch diese Stelle ausprobieren!

👉 t.bone Ovid System

👉DPA d:vote Core 4099 Violin


Nicht scheu sein, sondern ausprobieren!

Hervorragende Ergebnisse habe ich nämlich mit Clipmikros erzielt, die eigentlich für Bläser gedacht sind. Die werden einfach an die Kinnhalter angeklemmt und hängen dann genau über dem F-Loch. Das ist eine tolle, unkomplizierte Lösung, speziell wenn sie mit einem Wirelesssystem verbunden ist.

 

👉 the t.bone CC 75

👉 Superlux PRA-383D XLR

An die Substanz – im wahrsten Wortsinn – geht es, wenn es noch lauter sein muss. Dann müsst ihr die Schwingungen direkt am Instrument abnehmen. Hierfür gibt es ein paar erwähnenswerte, wenn auch meist nicht wirklich preiswerte Speziallösungen von Schertler, Headway oder Ehrlung, die ihr unbedingt ausprobieren solltet, auch wenn sie häufig direkt auf die Instrumentendecke geklebt werden. Geklebt? Auf den empfindlichen Lack meiner wertvollen Geige? Nun, die Hersteller haben sich speziell darüber viele Gedanken gemacht und Haftkneten entwickelt, die den Instrumenten nicht schaden (sollen …).


Die häufigste Lösung: der Piezo-Pickup

Meist wird es aber auf einen Piezo-Pickup herauslaufen, der am Steg angebracht wird. Diese Pickup-Technik sind in praktisch allen verstärkbaren Akustikgitarre zu finden; sie sind zuverlässig, feedbackarm und unkompliziert. Allerdings liefern sie kein besonders naturgetreues Signal. Wer nun Angst um den schönen Sound seiner Stradivari hat, für den gibt’s eine gute Nachricht: Ein Piezopickup funktioniert umso besser, je höher das Instrument tönt. Und so eine Geige liegt im Mittel eine Oktave über der Gitarre. Gute Aussichten also.

Shadow SH941 Violin Pickup

Shadow SH941 Violin Pickup

Weniger gut ist, dass viele dieser Systeme passiv arbeiten. Warum das schlecht ist? Das Zauberwort heißt „Impedanz“, und ein Piezo hat zu viel davon. Die meisten Verstärker kommen damit nicht klar und liefern einen dünnen, völlig druckbefreiten und kratzigen Sound. Außerdem gehen mit jedem Meter Kabel Höhen verloren. Es gibt sicher Fälle, wo es gut gehen kann, aber meistens seid ihr extrem gut beraten, wenn ihr gleich in einen speziellen Vorverstärker investiert und den möglichst dicht am Instrument platziert. Oder ihr holt euch gleich ein aktives System wie beispielsweise den NanoFlex-Pickup von Shadow.


Let’s get loud!

Wenn diese erste, schwierigste und nervigste Hürde genommen ist, ist der Rest ein Kinderspiel. Unsere Verstärkersysteme haben nämlich überhaupt kein Problem, ein vernünftiges Signal auch ordentlich laut zu machen. Ein Unterschied zwischen Sänger, Schlagzeug oder E-Gitarre besteht nicht mehr. Allerdings müsst ihr euch nun darum kümmern, dass ihr euch selbst gut hören kann. Wer bisher nur im Schulorchester gespielt hat, kennt nicht die verstörende Erfahrung, sich selbst nicht mehr hören zu können. Das geht sogar Schlagzeugern so – und die sind in der Regel wirklich laut!

Wer auf einer großen Bühne mit PA spielt, ist fein raus, was dieses Thema angeht. Der bittet einfach den Toningenieur um eine Monitorbox. Bei kleinen Auftritten (und das sind mit Abstand die meisten) seid ihr auf euch alleine gestellt. Mit einem Akustikverstärker seid ihr unabhängig und könnt sowohl Sound als auch Lautstärke selbst bestimmen. Dieser Akustikamp muss nicht einmal groß sein, denn die tiefste Saite der Geige ist mehr als eine Oktave höher als die tiefste Gitarrensaite. Und es sind die tiefen Töne, die Leistung und Volumen schlucken.

Mit einem Akustikamp wie diesem kleinen AER Compact 60 IV BK, dem Hughes&Kettner era 1 wood oder dem Harley Benton AC PRO 60 seid ihr auf der sicheren Seite. Ihr solltet nur dafür sorgen, dass ihr ihn auch hört. So ein Verstärker muss genau auf euer Ohr ausgerichtet sein, zur Not auch mit einem Stativ (was nicht cool aussieht, aber cool klingt). Stellt ihn dabei so auf, dass sich euer Kopf zwischen Verstärker und Geigentonabnehmer befindet. So kommt es nicht so schnell zu Feedback.


Effekte sorgen für Abwechslung

Das war nun die Pflicht, alles andere ist Kür. Mit eurem guten Geigensound könnt ihr nun machen, was ihr wollt, speziell wenn es um Effekte geht. Alle Arten von Bodentretern, die ihr von euren sechssaitigen Mitmusikern kennt, passen mit eurem Equipment zusammen. Das müssen nicht unbedingt die reinen Akustikeffekte sein, ihr müsst auch vor Verzerrungen oder ähnlich krassem Kram nicht zurückschrecken. Euer Gitarrist ist euch gerne behilflich! Eine Einschränkung gibt es allerdings schon: Ab einer bestimmten Lautstärke beginnt jedes System, unkontrolliert rückzukoppeln. Ich wünsche euch ein pfeifffreies Rocken, Folken, Gothicen oder was immer ihr mit dem wunderbarsten Instrument, das das alte Europa hervorgebracht hat, anstellen wollt! 😉

Hier findet ihr eine Auswahl an geeigneten Effektgeräten für eure Geige:


Euer Feedback

Auf welches Equipment schwört ihr? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wir freuen uns auf euer Feedback! ✍

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

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