Ein Tag im Leben eines professionellen Schlagwerkers …

Ein Tag im Leben eines professionellen Schlagwerkers …

Unser Gastautor Stefan Landes erzählt von seinem typischen Alltag als Schlagwerkspieler …


Wie schaut die Arbeit und Vorbereitung eines klassischen Schlagwerkers abseits der Bühne aus? Es leuchtet schnell ein, dass es da große Unterschiede zum Übealltag von anderen Instrumenten geben muss. Heute möchte ich dir deshalb einen Einblick in die Welt der „Classic Percussion“ geben. Am Beispiel eines typischen Arbeitstags werde ich dir zeigen, wie die klassischen Schlagzeuger mit ihren vielen Instrumenten so arbeiten. Vielleicht hast du schon mal große Filmmusik- oder Musicalwerke mit teilweise mehr als zehn Schlagzeugern gesehen. Das ganze Arsenal an Schlaginstrumenten kann da schon echt ganz schön Dampf machen!

Morgens: Warm-up an der Snare-Drum

Am wichtigsten ist für klassische Schlagzeuger die Trommeltechnik, die jeden Morgen für ca. eine Stunde an der Snare oder am Drumpad aufgefrischt werden muss. Danach ist es fast egal, welche anderen Schlaginstrumente im Laufe des Tages noch gespielt werden. Denn wenn der Wirbel und die Single-Strokes auf der kleinen Trommel gut laufen, funktionieren sie auch genauso auf der Triangel. 😀

Jeder klassische Schlagzeuger erarbeitet sich dafür seinen eigenen Trainingsablauf. Bei vielen besteht der beispielsweise aus ein paar„Stick Control“-Übungen von G. L. Stone und danach ein bisschen Rudimental-Training.

Eine sehr große Rolle spielt dann als drittes der Feinschliff des Wirbels, denn ein sauberer Presswirbel im pp wird nicht umsonst als die „Königsdisziplin“ des Schlagzeugs bezeichnet. Spannend ist, dass eine „Symphonic Snare Drum“ im Vergleich zur Drumset-Snare keinen Spiralteppich, sondern eine Mischung von glatten Stahl- und Kunststoffsaiten hat. Auf diese Weise ergibt sich ein extrem knackiger Sound, der sich im großen Sinfonieorchester richtig gut durchsetzen kann. Aber umso mehr ist es eine echte Herausforderung, auf dieser Snare einen sauberen und gleichmäßigen Presswirbel hinzukriegen. Und daran muss eben täglich gearbeitet werden.

 

Vormittags: Orchesterliteratur erarbeiten

Nach dem Warm-Up geht es jetzt an die Vorbereitung für anstehende Orchesterprojekte. Da möchte ich ein kleines Geheimnis lüften, denn eine Sache wird man als Orchesterschlagzeuger sehr oft gefragt: Wie machen die das, den richtigen Einsatz genau auf den Punkt zu spielen, wenn man davor oft 10 bis 20 Minuten (oder bei manchen langen Opern sogar ein bis zwei Stunden) nichts zu spielen hat?

Das Geheimnis dahinter ist eine ganz besondere Vorbereitung. Die findet nämlich nicht am Instrument, sondern zu Hause am Schreibtisch statt! Dafür braucht man nicht nur seine eigene Noten, sondern auch noch eine Aufnahme von dem Stück und im besten Fall auch eine Partitur von allen Orchesterstimmen. So arbeitet man das Werk langsam durch und macht sich Notizen in seine Stimme, wann ein anderes Instrument vor dem eigenen Einsatz etwas Markantes zu spielen hat.

Erst danach geht es an die Instrumente. Hier wird die Aufnahme über eine PA-Anlage laut abgespielt und der Schlagzeuger spielt dann wie bei einem Play-Along dazu. Und wenn dabei alle Einsätze sitzen, klappt es im Orchester hoffentlich genauso!

Besonders wichtig ist dieses Vorgehen an den Pauken. Diese müssen nämlich oft im Laufe eines Orchesterwerks auf eine andere Tonhöhe umgestimmt werden. Damit man danach nicht den nächsten Einsatz verpasst, sollte man das Stück unbedingt wie eben beschrieben vorbereiten. So findet man sich im Extremfall auch dann noch zurecht, wenn man vor lauter Umstimmen beim Mitzählen mal rausfliegt.

 

Nachmittags: Solostück üben an den Mallets

Natürlich können klassische Schlagzeuger viel mehr als nur im Orchester spielen. Wem der Name Martin Grubinger etwas sagt, dem ist klar, dass sich „Classic Percussion“ inzwischen auch immer mehr zu einem Soloinstrument entwickelt.

Besonders gut eignen sich dafür die Mallet-Instrumente, bei denen man im Prinzip wie bei einem Klavier Melodien und Harmonien spielen kann. Die zwei wichtigsten Mallet-Instrumente sind das Vibraphon, (hier das Thomann Vibraphone THV 3) und das Marimbaphon Adams MSPVT43 Thomann Marimba. Der Unterschied ist, dass ersteres Metall-Klangstäbe hat und so einen klaren Klang mit viel Sustain erzeugt. Das Marimba dagegen hat Holzplatten und entwickelt so einen eher wärmeren und tiefen Sound.

Beide Instrumente werden meist mit vier Schlägeln gespielt. Das erfordert natürlich einige Übung, um mit zwei Schlägeln pro Hand immer die richtigen Töne zu treffen. Im Gegensatz zum Klavier können die Finger nämlich nicht auf den Tasten liegen bleiben, während die Augen die Noten verfolgen. Deshalb werden die meisten Mallet-Stücke auch auswendig gespielt, was einen umso größeren Übeaufwand erfordert.

Aber als Abwechslung zum Orchesteralltag ist das sehr gut geeignet. Denn oft steht beispielsweise nach einem Nachmittag mit viel Mallet-Üben am Abend eine Aufführung mit ganz anderen Schlaginstrumenten auf dem Programm.

Mike Balter Vibraphone Mallets No.23 B XL

 

 

Am Abend – Opern-Aufführung:

Im Profiorchesteralltag kommt es oft vor, dass abends ein Konzert oder eine Vorstellung gespielt wird, wofür es tagsüber gar keine extra Probe gibt. Die Schlagzeuger müssen trotzdem immer vorher da sein und ihr Instrumentarium aufbauen und einrichten. Je nach Stück und Stil kann das nämlich echt komplett unterschiedlich sein:

z. B. bei einer klassischen Oper:  Paukengroße Trommelkleine TrommelBeckenTriangelTamtam – …

Bei einer spanischen Operette: KastagnettenTamburinGuiroClavesMaracas …

Bei einem zeitgenössischen Kirchenkonzert: Röhrenglocken – GlockenspielCrotalesGongsSleighbells

Bei einem Musical-Abend: DrumsetWindchimesShakerCongasCowbellsBongos

Bei einem Filmmusikkonzert: Xylophon – Donnerblech – RatscheHolzpeitscheSireneFlexatonOceandrumHupe – …

 

 

Das ist natürlich nur eine kleine Auswahl und wird sicher bei jedem Konzert etwas anders sein. Aber man kann die immense stilistische Vielfalt schon ein bisschen erahnen, die sich durch den Einsatz von verschiedenen Schlaginstrumente ergibt. Ach ja, eine Sache dürfen wir nicht vergessen: Das Abbauen und Aufräumen gehört natürlich (leider) auch zum Job der Schlagzeuger! Zum Glück müssen die das nicht alleine machen, dafür gibt es in den Profiorchestern spezielle Orchesterwarte, die sich um den Instrumententransport kümmern.

Ich hoffe, du hast jetzt einen kleinen Einblick in die beeindruckende Welt des klassischen Schlagwerks erhalten. Und wenn du dir das nächste Mal irgendeine Filmmusik oder sonstiges sinfonisches Werk anhörst, kannst du ja mal ganz speziell auf die Rolle der vielen Percussion-Instrumente achten. Egal ob dir dann der lauten Crash eines Gongs oder der zarten Ton einer Triangel auffällt, eines ist klar: Wenn es in der Musik irgendwie besonders klingen soll, sind fast immer die Schlagzeuger mit ihren klanglichen „Special Effects“ gefragt!“


Beratung

Bei Fragen oder Beratungswünschen helfen euch die Kollegen aus der Classic-Drums-Fachabteilung von Thomann gerne weiter!

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

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