E-Bass: Der Groove und das Metronom

E-Bass: Der Groove und das Metronom

Heute soll es mal um ganz grundlegende Dinge gehen. Miete, Krankenversicherung, das tägliche Brot. Und Ähnliches. Was das mit Bass spielen zu tun hat? Eine ganze Menge, zumindest wenn man Berufsbassist ist und mit seinen Gagen die oben angeführten Dinge zahlen muss. Und die sind umso höher, je mehr Jobs man hat. Und man hat umso mehr Jobs, je besser man ist und je vernetzter, aber das ist eine andere Geschichte … 🎸⌛


Besseres Timing, besserer Groove

Und jetzt kommen wir endlich zum Thema: Was bedeutet „besser“? Und wie kann dieser kleine Quälgeist Metronom uns dabei helfen, besser zu werden? Ha – unterschätzt das Metronom nicht! Es ist nämlich einer unserer besten Freunde, wenn man es gut einsetzt. Und ihn gezielt dafür verwendet, um ein besseres Timing und damit ein besseres Groovegefühl zu entwickeln. Denn für den Groove auf den unteren sieben Bünden werdet ihr von den Kollegen geliebt, nicht für die rasend schnellen 16tel-Slapsticks oder die höhenflugverliebten, fuzzveredelten Solopassagen.

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Besserer Groove dank Metronom

Euer Groove steht und fällt mit eurer Fähigkeit, Noten auf den Punkt zu spielen, und zwar millisekundengenau. Das ist ganz schön wenig, das hört man doch nicht, werdet ihr sagen, und damit habt ihr recht. Das merkt doch niemand, werdet ihr vielleicht auch noch sagen. Und das stimmt dann nicht mehr. Fünf Millisekunden hin oder her sind vielleicht nicht mehr hörbar, spürbar sind sie sehr wohl. Und sie machen den Unterschied zwischen treiben, grooven, laid-back oder schleppen aus.

Eine solche Genauigkeit ist nicht angeboren, ihr müsst sie euch erarbeiten. Das ist sogar mit relativ wenig Aufwand möglich. Ihr braucht ein genaues Metronom sowie fünf Minuten Zeit. Das aber regelmäßig, also täglich.


Und so geht’s:

Für die erste Übung stellt ihr euer Metronom auf ein mittleres Tempo ein, beispielsweise 120 bpm (beats per minute). Wählt einen beliebigen Ton auf eurem Bass, gerne auch eine Leersaite, und konzentriert euch ausschließlich auf euren Anschlag. Und nun versucht ihr, den Metronomklick genau zu erwischen.

Wie genau ist genau? Ein akustisches Phänomen hilft uns dabei. Wenn wir nämlich genau „auf dem Klick“ sind, hören wir ihn nicht mehr. Buchstäblich. Er wird weg sein. Das ist beim ersten Mal ein derart sonderbares Gefühl, dass ihr vermutlich sofort wieder herausfallen werdet. Dann ist er wieder da, der Klick.

Schafft ihr es, diesen Zustand ein paar Schläge lang zu halten? Dann verstellt als nächstes das Tempo auf beispielsweise 85 bpm. Oder 130 bpm. Und versucht es von vorn. Ihr werdet merken, dass es umso schwieriger wird, je höher das Tempo ist – war ja klar. Aber es wird noch sehr viel schwieriger, je niedriger das Tempo ist. 40 bpm sind schon eine echte Herausforderung!

Sobald wir den Klick genau treffen, können wir auch ein bisschen herumspielen. Versucht einmal, den sicheren Hafen Klick zu verlassen und bewusst davor oder dahinter zu spielen. Das ist weniger eine Willens- als mehr eine Gefühlssache. So seltsam es klingt, aber wenn ihr euch ein bisschen nach vorne oder nach lehnt – es heißt nicht umsonst „laid back“ –, könnt ihr euren Groove entsprechend beeinflussen. Wer es genau wissen will, kann Bass und Metronom auch an zwei verschiedenen Kanälen einer DAW (Logic, Cubase, Live und ähnliche) anschließen. Da könnt ihr dann genau sehen, ob ihr richtig liegt mit eurem Gefühl.

Seid ihr so weit, solltet ihr eure neu entwickelten Fähigkeiten auf eure Grooves anwenden. Speziell wenn es aus der reinen Viertel- oder Achtelebene hinaus geht, wird es wieder etwas schwieriger. Beispielsweise werdet ihr bei einem solchen Standardgroove

anfangs mit der Halben nach der Achtel zu spät sein. Aber das gibt sich – Üben ist ein sehr cleverer Weg, um besser zu werden. Und besser gebucht zu werden, und besser bezahlt zu werden. Das gilt übrigens auch für Nichtprofis.


Der Weg zum felsenfesten Timing

Habt ihr das alles geschafft, sind die ersten und höchsten Hürden zu einem felsenfesten Timinggefühl genommen. Nach, sagen wir, einem halben Jahr konsequenter (!) Übung wird euch auf diesem Gebiet kaum jemand etwas vormachen können. Übrigens hat zu diesem Thema einer der angesagten Chefs auf dem weiten Groove-Feld, Victor L. Wooten, mit „Music Lessons: Die Geschichte einer Suche nach Wahrheit, Weisheit und Vollendung“ein sehr lesenswertes Buch geschrieben. Das ist kein Lehrbuch, sondern eigentlich mehr einen Roman. Und weniger esoterisch, als der zugegebenermaßen etwas unglückliche Untertitel vermuten lässt.


Metronome hier zu erwerben

Und da es wir es die ganze Zeit von Metronomen hatte, können wir uns hier ein paar Produktplatzierungen nicht verkneifen …

Unter diesem Link findet ihr alle Metronome.

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Dominic hat als E-Gitarrist einer Alternative-Rockband etliche Clubs im deutschsprachigen Raum unsicher gemacht (die wenigsten davon mussten anschließend zu machen). Mit seiner Unplugged-Band steht er auch heute noch regelmäßig auf der Bühne.

Ein Kommentar

    „Ihr braucht ein genaues Metronom “
    Genau, so eins wie auf dem Beispielbild nämlich NICHT. 😉

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