DMX – Wireless vs. Kabel

DMX – Wireless vs. Kabel

?#LightYourStage mit den #ThomannLightingDays ?

Der Einsatz von DMX-Wireless bietet sich für Veranstaltungen unterschiedlichster Größenordnungen an. Ideale Lösung vor allem für kleinere bis mittelgroße Events und Setups. Mit der entsprechend professionellen Ausstattung auch für Großveranstaltungen, bei denen die traditionelle Verkabelung schlichtweg an ihre praxistauglichen Grenzen kommt. Dabei haben beide Herangehensweisen ihre ganz eigenen Vorteile. Die praktischen Vorzüge von kabelloser Datenübertragung sind immens. Die Furcht vor auftrittsgefährdenden Störungen und Ausfällen ist aber groß. Verbleiben die Fragen, welche Variante welche Vorzüge oder Nachteile bietet und wie man in der Praxis auf Problemstellungen reagiert. Hier der Versuch einer Hilfestellung mit ein paar praktischen Überlegungen:

 

Vor- und Nachteile von kabelfrei und kabelgebunden

Dass die Wireless-Variante ihre Vorzüge hat, liegt auf der Hand. Wo keine (bzw. kaum) Kabel verlegt werden, müssen sie auch nicht geschleppt und transportiert werden. Während die für den Sendebetrieb benötigten Komponenten – je nach Größenordnung des Events –  in ein bis mehrere Road-Cases passen, können Kabel im Worst-Case schnell mal tonnenschwer werden. Der Lichttechniker freut sich über jedes Kabel, das er weder verlegen noch anpacken muss. Nicht vorhandene Kabel können auch keine Stolperfallen darstellen. Laufwege bleiben frei. Praktiker wissen außerdem: Manchmal geht einfach kein Kabel.

Wireless-Störanfälligkeit – eigentlich halb so wild

Die Störanfälligkeit der WiFly- bzw. Wireless-Datenübertragung ist gegeben. Da lässt sich nichts wegdebattieren. Dass die Signalstärke der zur Verfügung stehenden Frequenzen schwankt, ist ebenfalls keine Neuigkeit. Hilfe versprechen aktuelle Wireless-Transceiver mit GFSK-Modulation und/oder „Automatic Frequency Hopping“, kurz: AFHSS. Vollkommen automatisch suchen die Geräte sich die jeweils stabilste und stärkste Übertragungsfrequenz. Tatsache ist, dass bei einer Störung des Datentransfers im Live-Betrieb lediglich ein kurzer Moment überbrückt werden muss. Nämlich der, bis das System sich von ganz alleine wieder automatisch verbunden hat oder neu gestartet worden ist. Fragt sich, wie ihr diesen neuralgischen Zeitraum in den Griff bekommt:

 

Vorbereitung ist wie immer die beste Lösung

Ganz einfach: Viele Scheinwerfer, insbesondere die sogenannten intelligenten – wie Moving Heads, haben die Möglichkeit den Betriebsmodus zu definieren, in den das Gerät bei einer DMX-Unterbrechung wechseln soll. Simpelste Lösung: Wir weisen den Lichtern – gewissermaßen als Backup-Modus – den Auto-Betrieb mit entsprechenden werksseitigen oder vorkonfigurierten Programmen zu. Eine weitere Variante ist es, für solche Havarie-Fälle den Sound-to-Light-Modus zu aktivieren. Und das möglichst bei voller Intensität der integrierten Mikrofone.

 

Im Sinne der Übertragungssicherheit

Die nächste Anforderung heißt „gesicherte (!) Reichweite“. Während manche preiswerte Transmitter (Sender) und Receiver (Empfänger) über eine Distanz von etwa 20 Metern zuverlässige Übertragungsergebnisse versprechen, gibt es – wie erwähnt – professionellere Varianten, die mit Strecken von 700 Metern und mehr überzeugen wollen. Man kann und sollte sich vor dem Hintergrund der größtmöglichen Sicherheit nicht ausschließlich auf die angepriesene Reichweite der Transceiver verlassen. Zu viele Störquellen können das Ergebnis relativieren. Vielmehr wird man die vermeintlich möglichen Strecken nicht ausschöpfen, sondern bei Extrem-Systemen mit Repeatern, Richtantennen, Laser-Schwertern etc. arbeiten. Praktisch muss man sich das vorstellen wie einen Staffellauf, bei dem sich alle 2,4-GHz-Komponenten die Hand reichen. Übergeben wird eben kein Stab, sondern ein Datenpaket.


Der natürliche Feind von Wireless-DMX: Zeitverzögerung

Spätestens an dieser Stelle kommt das Stichwort der Latenz ins Spiel. Zum Verständnis für Novizen: Latenz bedeutet Verzögerung, also bei der Lichtsteuerung der Zeitraum vom gesendeten Befehl bis zur Umsetzung beim Empfänger. Ginge es darum, dass bei einer Lichtshow sämtliche Lichter einen winzigen Augenblick zu spät aufleuchten, ließe sich das mühelos verkraften. Der wesentliche Punkt ist ein ganz anderer: Was verzögert wird, ist nicht der Zeitpunkt, an dem ein Licht aktiviert wird. Was zu spät beim Empfänger ankommt, sind Datenpakete. Reduziert ausgedrückt sieht das Ergebnis so aus, dass die Scheinwerfer merkwürdig flackern oder gar nicht funktionieren. Die Steuerdaten verschlucken sich sozusagen selbst.

 

Der Latenz ein kompromissbereites Schnäppchen schlagen

Die Latenz lässt sich senken, indem an Sender und Empfänger die Kanäle reduziert werden. Oftmals geschieht das nach dem Strickmuster 512 abwärts, also auf 256, 128 usw. Je geringer die zur Verfügung stehenden Kanäle sind, umso weniger Funktionen lassen sich zwar damit an den Strahlern steuern, die Geschwindigkeit wird aber maßgeblich erhöht.


In Selbst- und Funktionsbeschränkung üben

Pragmatisch ist es vor diesem Hintergrund auch, an den Scheinwerfern selbst den niedrigsten DMX-Kanal-Modus anzuwählen. Auch hier heißt es: Je weniger, desto besser für die Systemsicherheit. Folgerichtig stehen an den Spots, Moving-Heads und Co. weniger Funktionen zur Verfügung. Zumal sich nur unter Nutzung des höchsten Kanal-Modus‘ sämtliche Attribute der Geräte anwählen lassen. Ein Biss in den sauren Kompromiss-Apfel, der aber unbedingt Sinn macht. Haltet euch vor Augen, dass eine hohe Auslastung der DMX-Kanäle im Sendebetrieb immer zulasten des Gesamtergebnisses gehen kann.

Was brauche ich für DMX-Wireless und was kostet das?

Die Grundausstattung ist simpel: Grundsätzlich braucht ihr für die kabellose Übertragung einen Transmitter und mindesten einen Empfänger. Geräte, die beides können (das ist häufig der Fall), werden als Transceiver bezeichnet. Bereits für knapp über 100 Euro für beide Komponenten zusammen können vernünftige Ergebnisse erzielt werden. Produkte in diesem Segment wie die bewährten QuickDMX-Wireless Receiver/Transmitter von Eurolite bieten sich beispielsweise für mobile DJs an, die nach einer kompakten und schnell aufzubauenden Lösung suchen. Für den störungsfreien Betrieb neben weiteren Drahtlosgeräten im 2,4-GHz-Band wie z. B. W-LAN und Bluetooth wird die sogenannte GFSK-Modulation genutzt. Eine Frequenzumtastung dank derer das System – vereinfacht ausgedrückt – weniger störanfällig wird und sich automatisch die bestverfügbare Frequenz sucht. Gesicherte Funktionalität versprechen die Geräte über mehrere hundert Meter bei „free-air“-Sichtkontakt.

 

 

Stairville bietet WLS-DMX Transceiver inklusive Antenne und Stromkabel, für die ein Budget – pro Gerät – von etwa 160 Euro eingeplant werden muss; ADJ mit dem EXR Battery für um die 120 Euro die Möglichkeit, sogar auf das Stromkabel zu verzichten. Der DMX-Transceiver wird per Akku betrieben und ist kompatibel mit allen WiFly-Produkten des Herstellers. Umfassend ausgestattete DMX-Interfaces wie der Ape Labs WAPE Wireless DMX Transceiver kosten ca. 300 Euro. Die Vorzüge liegen in der programm- und produktinternen Ausstattung. So lassen sich beispielsweise die DMX-Kanäle der Lightcans direkt am Interface zuweisen. Ein Vorzug vor allem dann, wenn diese Funktion direkt an den Lichtern nicht zur Verfügung steht. Das Modell funktioniert bislang leider nur mit Apple-Produkten.

Aus Schweden kommt der Anbieter Wireless Solution. Höchst professionelle Technik mit umfangreicher Ausstattung. Outdoortauglich ist die WhiteBox-Serie, die ProBox-Serie bietet Übertragung für mehrere DMX512-Universen bei integriertem Repeater. Für Modelle wie den bewährten Wireless Solution Transceiver BlackBox F1 G4 MK2 und seine Familienmitglieder werden 700 Euro und mehr aufgerufen. Der Transmitter ist für raumübergreifende (!) Indoor-Anwendungen konzipiert und unterstützt DMX- als auch RDM-Signale, außerdem Eingangsprotokolle wie Art-Net, sACN oder ETC Net sowie jedes Ausgangsprotokoll wie Ehternet oder RS-485. Seit einiger Zeit gibt es schon das G5-Update. Deutlich erkennbar: Der Preis entscheidet sich an der Ausstattung.

Wenn denn die Kabellosigkeit nicht so ungeheuer praktisch wäre

Viele Praktiker unter den Bands, von denen der größte Teil der Normal-Veranstaltungen bespielt wird, arbeiten nach dem Strickmuster, dass sie zunächst auf DMX-Wireless setzen. Und wenn’s dann wirklich nicht funktioniert, wird eben schnell ein Kabel gelegt, das in der Reserve-Kiste immer parat ist. Auf diese Weise wird auf Dauer der Aufwand für den Aufbau gesenkt. Und die Schwarz-Weiß-Frage, ob mit oder ohne Kabel, stellt sich nicht wirklich. Unter dem Strich verbleibt, dass DMX-Wireless allemal sinnvoll ist. Den geschilderten Problematiken begegnet man mir vernünftigem, auf die Anforderungen vor Ort ausgerichtetem Equipment. Die neuralgischen Schwachstellen sind bei der Kabelverbindung deutlich reduziert. Kabel sind verlässlicher, allerdings im Gesamtkonzept maßgeblich aufwendiger.


#LightYourStage mit den #ThomannLightingDays!

 

Hier geht’s zum Video-Tutorial „Grundlagen DMX“.

Hier geht’s zum Blogartikel Lampentypen – ein Überblick.

Hier geht’s zur ultimativen Gearliste.

Zu unserer Lichtabteilung kommen Interessierte mit diesem Link.

Und zur Kategorie „Licht- und Bühneneqipment“ im Online-Shop geht es unter diesem Link.

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

Ein Kommentar

    Also ich habe einmal Wireless-DMX verwendet, und nie wieder… Für mich ist das gute, alte Kabel immer noch das Beste. Das Wireless-DMX, übrigens recht hochwertig, hat Übergänge nicht flüssig anzeigen lassen, Kanäle nicht steuerbar oder kontrolierbar machen können. Dann gebe ich lieber viel Geld für ein hochwertiges DMX-Kabel aus, als dass ich mich mit nicht funktionierenden Lampen zufrieden stellen muss.
    Für einiges ist Funk ja super (Funkmikros etc.), da ist die Technik aber auch schon ausgereifter. Aber bei DMX… Soooo alt ist da die Funkübertragung noch nicht. Und das merkt man noch stark – leider auch im Low-Budget Bereich.

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