Die neue Lichtshow in unserem Showroom

Die neue Lichtshow in unserem Showroom

So wird’s gemacht! „Thomann Showroom 2019“ 

Von Justin Cartwright

Seit über 35 Jahren bietet Thomann die Möglichkeit Bühnenequipment unter reellen Bedingungen im großen Showroom anzuschauen und auszuprobieren. Unsere Kunden wissen: Einmal jährlich heißt es bei in der Licht/PA Abteilung „Umbau!“. Ein frisches, neues Bühnendesign wird aufgelegt und sorgt sowohl bei euch, als auch bei uns für leuchtende Augen.

Doch was muss eigentlich hinter den Kulissen geschehen, damit solch ein Gesamtkonzept fertiggestellt werden kann?

Wie werden die unterschiedlichen Gewerke – Licht, Laser, Video und Ton – zu einer fertigen Show zusammengeführt?


Grundsätzliches zum Rig

Bereits einige Wochen im Voraus beginnen bei uns die Planungsarbeiten. Der Ausgangspunkt ist oft ein Rahmenthema welches gestaltet werden soll. Hierbei wird meist schnell deutlich, welche Lampen und Geräte aus unserem Sortiment in Frage kommen.

Besonders stolz sind wir, fast alle Anforderungen mit eigenen Produkten abdecken zu können. So kommen im diesjährigen Aufbau vor allem folgende Fixtures zum Einsatz:

Die unterschiedlichen Ebenen setzen sich aus verschiedenen Lampengruppen zusammen. So sind beispielsweise die vielseitigen 10R Hybride in Kombinationen mit den MH-z1915 Washern in der Backtruss verbaut. Vier 1R Beams und vier MH-z720 bilden je eine Gruppe an den linken und rechten Fingern.

Mit einer besonderen Eigenkonstruktion, den „Media Stage Dollys“, sind wir in der Lage den linken und rechten Flügel der LED Wall mitsamt der drei 2R Beams völlig frei verfahrbar zu belassen. Über einen zusammengefassten Kabelbaum aus XLR, Cat6 und Stromleitung kann die Versorgung nachgezogen und über die gesamte Bühne verlegt werden.

Ein Highlight ist zweifellos die große Matrix bestehend aus 28 x Stairville Bowl Beam 604 LED. Mit ihr lassen sich großartige dynamische Effekte erzeugen, wodurch die Bühne an optischer Tiefe gewinnt. Ergänzt durch eine extrem breite LED Wall aus 18 x Stairville Pixel Panel 440 sind Grafiken und Animationen längst fester Bestandteil unserer Shows.

Natürlich kommt hier auch eine gewisse logistische Organisation dazu, denn die Zeit des eigentlichen Umbaus ist kostbar: Damit alles Reibungslos abläuft, muss benötigtes Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein – „just-in-time“ eben.


Kommandozentrale Lichtregie

Auch am FOH setzen wir auf unsere Eigenprodukte. Die Lichtsteuersoftware Stairville DMX Joker Pro ist in der Lage 128 Universen (dies entspricht 65536 DMX Kanälen!) zu verwalten. Mit unseren aktuell 45 belegten Universen sind wir somit noch lange nicht an den Grenzen des Möglichen angelangt. Selbst das Bespielen der Video Flächen mit vorproduziertem Content geht mit Leichtigkeit von der Hand.

Im Bereich Laser werden drei Vollfarb Laser von Laserworld mit der ILDA Software „Quickshow“ von Pangolin angesteuert. Mit zwei unabhängigen Ausgabekarten können die Zonen des Centers und der Satelliten (X Achsen invertiert) angesprochen werden.


Programmierung der Lightshow

Als besonderes Schmankerl gibt es zu jedem neuen Aufbau eine begleitende Lichtshow. Die Herausforderung hierbei: Es gilt die verschiedenen Elemente aus Licht, Laser, Video und Musik in einer lückenlosen Inszenierung zusammen fließen zu lassen.

Wer schon einmal mit intelligentem Licht gearbeitet hat weiß, dass der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Moving Heads wie der Stairville BS-280 sind in der Lage ihren kompletten Look blitzschnell zu ändern. Während die Lampe beispielsweise in einer Szene noch einen messerscharfen Beam wirft, kann sie im nächsten Moment schon raumfüllende Muster projizieren. Genau diese Eigenschaft nutze ich im Wechsel mit den anderen Lampen aus, um ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen. Durch die Auftrennung von Helligkeit, Position, Farben und weiteren Eigenschaften können Änderungen an den Lampen geschickt versteckt werden. Bedeutet also: Auch wenn man davon auf den ersten Blick nichts sieht, kommt im Hintergrund ein beachtlicher Programmieraufwand zusammen.

Die Laser hingegen sind komplett anders zu handhaben. Mit ihren schnellen Galvoscannern lenken sie den Laserstahl auf mehrere Tausend Punkte in der Sekunde. Ich verwende zur Erzeugung der Muster geometrische Grundformen, welche mit Oszillatoren überlagert werden. Farbe, Position und Helligkeit werden durch Keyframes auf der Zeitachse animiert. Die analoge Modulation der Laserdioden ermöglicht es, einen Weißabgleich der Laser durchzuführen. Daraus resultiert ein homogener Weißton zwischen allen drei Lasern.

Sowohl die DMX Software, als auch die ILDA Software bieten ein mächtiges Tool: Auf einer Timeline werden die Cues millisekundengenau platziert und zeitgleich mit der Audiospur wiedergegeben. Zur exakten Synchronisierung beider Programme, übergibt der DMX Joker eine MIDI-Note an Quickshow und beide Timelines laufen in perfektem Timing.


                                                            Fazit                                                                

In wie weit das Licht eine Wirkung auf unseren Gesamteindruck hat, nehmen wir oft einfach nur unterbewusst wahr. Dennoch verbinden wir mit Lichtfarben ganz bestimmte Emotionen. Es ist definitiv eine Kunst für sich, diese Verbindungen zu erfassen und Musik gestalterisch gut zu interpretieren. Es fordert ein gewisses Gespür und ein gutes Vorstellungsvermögen, die Show im Inneren Auge zu visualisieren, bevor überhaupt die erste Szene programmiert wird. In genau dieser Balance aus Technik und Kreativität, habe ich meine Berufung gefunden und freue mich euch immer aufs Neue faszinieren zu können.

Stay tuned for more to come!

PS: Die fertige Show könnt Ihr euch ab sofort in unserem Showroom anschauen. Für alle die jetzt schon ganz gespannt sind, haben wir dieses Video …

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

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