7 Dinge, die ein Gitarrist nicht hören will

7 Dinge, die ein Gitarrist nicht hören will

Die Saitenhelden gehören zu denen, die sich die allermeisten Sprüche anhören müssen. Nur logisch, schließlich stehen sie ähnlich im Mittelpunkt des Bühnengeschehens wie die Sänger und Sängerinnen. Sie werden umrankt von Klischees und der eine oder andere möchte seinem Status als Bühnenheld auch durchaus gerecht werden. ? Dabei gibt es wiederkehrende Sprüche, die Gitarristen schon lange aus den Ohren hängen:


 

1. „Du bist zu laut“

Saitenakrobaten sind nicht unbedingt für zurückhaltende Lautstärke bekannt. Warum auch? Der Gitarrist gehört zu den tragenden Säulen einer Band schlechthin. Was soll passieren, wenn er sich mit zarten Tönen unter den anderen Instrumenten verkriecht? Gerade wer mit Röhrenverstärkern arbeitet, kriegt den warmen und durchsetzungsfähigen Sound nur dann hin, wenn Vor- und Endstufe nahezu an den Leistungsgrenzen gefahren werden. Um die Lauscher deiner Bandkollegen nicht zu sehr zu strapazieren, solltest du einen Lautstärkekompromiss machen. Wenigstens, bis es auf die große Bühne geht.

 

 

2. „Mach mal weniger Effekt“

Immer wieder Freude macht die Unterhaltung mit dem Typen am FOH, wenn er dem Mann (oder der Frau) an der Klampfe sagt: „Dein Sound ist matschig, mach’ mal weniger Effekt.“ Unter vollem Einsatz hast du am Sound getüftelt, ihn richtig schön breit gemacht. Hall rein, Chorus, Flanger und was die Wursttheke sonst noch so hergibt. Im Proberaum oder beim kleinen Gig ohne PA kann das funktionieren und sogar angesagt sein. Sobald du die größeren Bühnenbretter betrittst, hat sich das erledigt. In der Reduktion der Raumeffekte auf das Wesentliche liegt die Kunst. Du wirst dir ansonsten den Spruch anhören müssen.

 

 

3. „Deine Klampfe ist verstimmt“

Du hast ein Hammer-Solo abgeliefert und richtig abgefeuert. Eigentlich ein Wunder, dass die Finger sich nicht verknotet haben oder gleich abgefallen sind. Sweeping, Tapping, Shredding und mehr. Alles, was in deiner Trickkiste vorhanden ist. Und dann bist du fertig und blickst in die Gesichter der anderen. Ein wenig Anerkennung wäre jetzt nicht schlecht. Und was kommt? „Deine Klampfe ist verstimmt“. Nein, das wolltest du jetzt ganz sicher nicht hören. Wie kann man nur so kleinlich sein.

 

4. „Hör dir noch mal das Original an“

Ihr habt einen Coversong eingeübt, der für die nächste Show unbedingt gefragt ist. Den Rhythmus lieferst du exakt wie auf der Aufnahme. Obschon du den Gitarristen auf der CD für leicht minderbemittelt hältst. Spätestens beim Lead-Part zeigst du dann, was du auf der Pfanne hast. Und packst noch gehörig improvisierte Töne mit rein. Die Reaktion: „Hör dir noch mal das Original an.“ Keiner sagt konkret, dass es scheiße war. Aber es sagt auch keiner, dass es besser als das Original war. Was für Ignoranten.

 


5. „Das Lied kenne ich“

In kreative Gedanken versunken hast du auf deiner Klampfe einen neuen Song komponiert. Langsam spielst du dich in Rage und freust dich darüber, dass sich alles im Flow miteinander verbindet. Kannst dir super vorstellen, welche Lines der Bass dagegenhält und wie der Drummer dazu groovt. Dann bist du fertig und stellst deine Idee den anderen vor. Kaum fünf Takte gespielt, sagt der pedantische und musikalisch hochgebildete Bassist ganz stumpf: „Das Lied kenne ich“. Warum darf der das? Das macht der immer so. Ist nicht irgendwie alles schon mal auf irgendeine Weise irgendwo gespielt worden?

 

6. „Deine Klampfe klingt immer gleich“

Der Gitarrist hat sich verschiedene Soundbänke zusammengebastelt. Eine Zerre, eine Clean-Abteilung, und dann noch Delay und Lautstärken variiert. Dann geht’s bei der Probe durch die gesamte Set-List und zum Schluss darf er sich anhören, die Gitarre klinge immer gleich. Also erstens, liebe Leute, ist das faktisch nicht wahr. Außerdemist es natürlich immer dieselbe Gitarre (auch dieselben Finger). Und drittens: Klingen etwa das Schlagzeug oder der Bass immer anders?

 

7. „Kannst du da noch was anderes anbieten?“

Du kannst es nicht mehr hören; diese synthetische Musikersprache, die doch allenfalls ins Studio gehört. Ihr probt einen neuen Titel ein. Du spielst, was dir in den Sinn und die Finger kommt. War nicht so perfekt, aber das geht nun mal auch nicht immer beim ersten Take. Und dann kommt dieses „Kannst du noch was anderes anbieten?“. Was heißt denn hier „anbieten“? Bist du eventuell ein Kellner? Oder verwechseln die dich mit einem Multiple-Choice-Quiz, bei dem man an geeigneter Stelle nur ein Kreuz machen muss? Die anderen können es gut oder schlecht finden, was du da machst. Aber „anbieten“? Nee, das machst du nicht. Bist ja nicht die Getränkekarte vom Stammitaliener.

 

Schon einmal einen der Sprüche gehört? Oder einen anderen? Wir freuen uns auf eure Kommentare. ✍

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

8 Kommentare

    Da ich Sänger und Gitarrist bin (in einer anderen Band auch Bassist) sind mir die diversen Sprüche nicht fremd. Es sei aber auch gesagt, dass nichts so aufwändig zu verstärken ist, wie die Gitarre. Egal ob Akustik- oder E-Gitarre – sobald man auf der Bühne steht klingt nichts mehr so, wie man es daheim vorbereitet hat. Und dann beginnt die Suche nach dem guten Ton. Da aber beim Soundcheck stundenlang nur die Drums abgestimmt werden, bleibt keine Zeit mehr für die Gitarre, die jedoch mindestens die selbe Zeit benötigt hätte. Also spielt man dann gezwungenermaßen mit einem Drecks-Sound wo man sich selbst nicht hört. Sich selbst gut zu hören ist aber unerlässlich, schließlich erzeugt man den Ton mit den eigenen Fingern! Also dreht man lauter.
    Als Bassist habe ich so ein Problem nie – der Sound ist wenig empfindlich, wenn es nicht zu sehr hallt kommt der Ton gut hör- und spürbar rüber. Das ist eine komplett andere Welt! Abgesehen von den vielen Komponenten und Kabelverbindungen, die einen guten Gitarrensound erst ausmachen – einen Wackelkontakt aufzuspüren ist, während man auf der Bühne steht, nahezu unmöglich! Eines sollte also den Kollegen in der Band klar sein – die Gitarre ist ein Saiteninstrument mit extrem vielen Tücken. Hitze, Kälte, Kabelknoten, lockere Röhrensockel, Feedback durch Schwingungen anderer Instrumente, Schweiß und Abrieb etc., alles das kann die Performance auf der Gitarre stark erschweren oder gar verderben. Damit müssen sich Drummer, Bassisten und Keyboarder nie herumschlagen. Daher fordere ich die Kritiker auf, den Gitarristen mehr Verständnis und Respekt entgegen zu bringen – denn sie haben es verdient!

    Mein Lieblingssatz kam von einem Sänger: „Ich hätte nie gedacht,dass ich das jemals zu einem Gitarristen sagen muss, aber: Du bist zu leise!“

    … mal zum Thema Akustikgitarre:
    Als Teeny habe ich immer die Gitarristen benieden, denn die bekamen immer die coolsten Mädels. Also habe ich in der 8. Klasse mit ein paar Leidgenossen angefangen mit Gitarre üben. Wir fanden uns irgendwann so gut, dass wir den Lohn unserer blutigen Finger ernten wollten.
    Ergebnis: Wir haben den ganzen Abend gespielt; und die anderen Jungs knutschten derweil die coolsten Mädels …
    Aber ein Gutes hatte es: Ich hab‘ was für’s Leben gelernt und spiele heute noch mit Freude mit den Kumpels. Eine bessere Meditation kenne ich nich.
    (Und: Eine von den Coolen hat sich irgendwann dann doch erbarmt …)

    Eine Probe von uns (2x Gitarre, Drums, Bass). Bassist: „Alter, eine Band die zur Hälfte aus Gitarristen besteht! Schlimm!“ Ja ok, vielleicht haben wir etwas oft einfach irgendwas gespielt:D

    „Du bist total verkrampft.“

    Ein Satz,den ich als Gitarristin auch gar nicht gerne hören wollte.

    ?

    bin Gitarrist und Bandleader von einer Hard-Rock-Coverband. Drummer und Bassist haben die Musikakademie(Jazz) absolviert. Ich haben mir das Gitarrenhandwerk selbst angeeignet(min 8 Stunden Training am Tag). Dumme Sprüche von den“Studierten“ habe ich noch nie gehört; und außerdem müssen die sogenannten „Schulmusiker“ alles gelernte hineinstecken damit sie nur annähernd mithalten können…so long …übt mal fleißig.

    Nur soviel: 9.999 von 10.000 Gitarristen sind bescheuert, 9.998 davon halten sich für Gitarrengötter, davon können 10 tatsächlich Gitarre spielen aber darunter sind nur 2 von denen man tatsächlich möchte daß sie es tun.
    Gitarristen die rumgniedeln während jemand redet fliegen hier übrigens sofort aus der Band. Eine andere Sprache verstehen die nicht.

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