60 Jahre Bass-Evolution

60 Jahre Bass-Evolution

Vom Kontrabass zum E-Bass

Der elektrische Bass war lange Zeit eins der natürlichsten Instrumente in der modernen Musik. Es gibt kaum ein Genre zwischen Jazz, Rock, Blues, Country Pop und anderen, in dem er nicht für die tiefen Frequenzen zuständig ist. Es gab eine Menge praktischer Gründe, warum er in erster Linie erfunden wurde und dazu gedacht war, den Kontrabass von der Bühne zu verbannen. Willkommen zu unserer Chronologie der Bass-Evolution! ??


Warum der Kontrabass der elektrische Bass wurde

Bis vor 60 Jahren waren die tiefen Frequenzen der Livemusik noch dem Kontrabass vorbehalten. Im Jazz, Swing, Blues und später auch im Rock’n’Roll wurden die Bands lauter, denn plötzlich wurden Drums und E-Gitarren in die populäre Musik integriert. Und in diesem Donnerwetter musste man als Bassspieler mithalten können. Ein Kontrabass kann aufgrund seiner Konstruktion so eine Lautstärke nicht liefern, und so kam der elektrische Bass mit aller Macht ins Spiel und übernahm seinen Platz (in vielen Genres).


Das pragmatische Transportproblem

Der Kontrabass war – und ist es immer noch – ein geiles Instrument, aber gleichzeitig aufgrund seiner Maße und seines Gewichts ein Monster. Die Club– und Live-Szene blühte auf und Musik wurde an jeder Ecke gespielt. Der Kontrabass dagegen war schwierig zu transportieren, ein logistisches Problem der musikalischen Art. Wie bekommt man so einen Koloss von einem Job zum nächsten? Nun, man könnte ein Bass-Rad benutzen, aber die funktionieren auch nicht in jeder Situation (denk mal an steile Anstiege, Treppen und die damit verbundenen Risiken).


Von vertikal zu horizontal

Anders als heute gab es zahllose Jobs für Bass-Spieler. Aber ausgebildete Bassisten waren schon immer schwer zu bekommen. Den Gitarristen wurden Gigs als Kontrabass-Spieler angeboten, aber sie konnten die oft nicht spielen, besonders da sie für das „vertikale Monster-Instrument“ hätten umlernen müssen. Es musste eine Lösung dafür her, und zufällig wollten Bassisten auch mobil sein. Dies wurde durch die horizontale Konstruktion und Spielposition ermöglicht. Sie konnten den Elektrischen Bass einfach über ihre Schulter hängen. Versuch das mal mit einem Kontrabass.


Warum wurden Bünde hinzugefügt?

Vergiss nicht, dass sich die Musik rasant änderte und mit ihr die Anforderungen der Bass-Linien. Eine korrekte Intonation, besonders bei schnellen Passagen, war sehr schwierig. Ein Kontrabass hat keine Bünde, an denen man sich orientieren kann, aber sogar hier war eine gescheite Lösung offensichtlich. Die Erfahrung mit bundierten Instrumenten war immerhin bereits bei Gitarren da – sowohl akustischen wie elektrischen. Also warum nicht die Konzepte von Gitarren mit dem Kontrabass kombinieren?


Wie sich die Saiten änderten

Saitenhersteller spielten ebenfalls eine wichtige Rolle beim Sound des elektrischen Basses, wie er heute möglich ist. Durch fortgeschrittene Techniken im Herstellungsprozess sind klarere Sounds, die heute beliebter sind, durch Roundwound-Saiten möglich. Die ersten elektrischen Bässe klangen eher wie ein Kontrabass. Daher wurden sie mit Flatwound-Saiten bestückt, die den Darmsaiten (ja, Naturdärme von Tieren) des Kontrabasses sehr nahe kamen.

Die Saiten eines Kontrabasses sind so dick, dass die Finger sehr stark belastet werden, besonders beim Slappen. Es ist durchaus üblich für Bassisten, sich die Finger zu tapen. Beim elektrischen Bass ist das anders. Man kann sich zugegebenermaßen Blasen an den Fingerspitzen holen, aber das ist nicht vergleichbar mit den Anforderungen von Kontrabass-Saiten.


Der Innovator: Fender in den frühen 50ern

Der erste elektrische Bass aus Serienproduktion wurde von einem gewissen Leo Fender zusammen mit George Fullerton entwickelt. Im Jahr 1951 kam der inzwischen legendäre Fender Precision Bass in die Läden. Der Name „Precision“ bezog sich auf die Tatsache, dass die ersten Bünde eine präzise Intonation beim Spielen ermöglichten.

Der P-Bass war eine absolute Revolution, besonders für Live-Musiker. Klar, der Kontrabass war eins der beliebtesten Instrumente im frühen 20. Jahrhundert, bei den Bands war er für die tiefen Frequenzen gesetzt. Doch mit seinen Dimensionen war er sehr schwer zu transportieren. Der elektrische Bass andererseits konnte ganz einfach zu den Gigs transportiert werden.


Wie der Bass elektrifiziert wurde

Die ersten Precisions von Leo Fender waren eher rudimentär. An Bord hatten sie nur einen Single Coil Pickup und eine einfache Tonkontrolle jeweils mit einem Regler für Lautstärke und Tone Control. Die Höhen konnten weggenommen werden, um so einen Sound zu bekommen, der dem eines Kontrabasses ziemlich nahe kam.

Ein weiteres entscheidendes Argument war, dass der elektrische Bass viel weniger anfällig für Feedback war. Dank der elektromagnetischen Pickups konnten die Schwingungen der Stahlsaiten jetzt exakt abgenommen, verstärkt und über einen Amp und Lautsprecher wiedergegeben werden. Das ermöglichte höhere Lautstärken; der Bass konnte sich jetzt besser in lauten Bands behaupten.


Die Entwicklung des elektrischen Basses von 1950 bis 2020

Die Instrumente wurden über die Jahre besser und besser und komfortabler zu spielen. Über die Jahre entstanden Modelle mit fünf Saiten, sechs Saiten und andere exotische Varianten. Im Lauf der Entwicklung besser Klangmöglichkeiten und verbesserter Bespielbarkeit machte der elektrische Bass den wichtigen Schritt vom reinen „Fundament“ in der Band zum Solo-Instrument. Und wie man ungeachtet aller Innovationen in der Musik beobachten kann, gehören die von den 50ern und 60ern inspirierten Reissue-Modelle nach wie vor zu den beliebtesten. Retro-Faktor aus dem Bass-Keller!

1958 Fender P-Bass Reissue


Stars am Bass

Carol Kaye – The Wrecking Crew
Roy Johnson – Lionel Hampton
Bill Black – Elvis Presley
James Jamerson – The Funk Brothers
Jack Bruce – Cream
John Entwistle – The Who
Paul McCartney – The Beatles
Les Claypool – Primus
Stanley Clarke
Jaco Pastorius
Mark King – Level 42
Flea – Red Hot Chili Peppers
Marcus Miller

Hier haben wir für euch eine (sehr unvollständige) Liste bahnbrechender E-Bass-Spieler und -Spielerinnen. In der Liste findet sich eine Bass-Spielerin, die wir an dieser Stelle besonders hervorheben möchten: Carol Kaye hat wahrscheinlich auf mehr Aufnahmen Bass gespielt als alle anderen in der Liste genannten Bassisten zusammen und dabei gleich noch das Bass-Spiel revolutioniert! Mehr über sie kannst du zum Beispiel in diesem Artikel erfahren: 10 geheime Bandmitglieder, die du kennen solltest.


Bass-Videos

Du interessierst dich für Bassvideos? Dann schau doch mal auf unserem YouTube-Channel „Thomann’s Guitars & Basses“ rein und in die Videos. 😉

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

Ein Kommentar

    die ersten Fender Precision Bässe wurden später in Telecaster Bass umbenannt, nachdem der Preci in seiner heutigen Gestalt existierte.

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