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Test: Zoom, H2n, Portable Recorder

: Jens Stoffers
20.02.2012

Bei den sog. „mobilen Recordern“ lag der kleine Zoom H2 seit seiner Markteinführung immer auf den vorderen Plätzen der Bestseller-Listen – er ist sicherlich einer der am meisten verbreiteten Recorder überhaupt. Auch ich habe mir damals direkt einen zugelegt.

Der Grund für seinen Erfolg dürfte wohl darin liegen, dass beim H2 einfach das Gesamtpaket stimmt: brauchbare Klangqualität und gute Ausstattung (u.a. mit 4 Mikrofonen!) verbunden mit einem niedrigen Preis. Wer mehr über das Gerät wissen will, sei auf den damaligen Test vom Kollegen Axel Ritt verwiesen.

Trotz (oder gerade wegen?) seines Erfolges gab es doch einige Kritikpunkte, welche die zahlreichen User am Gerät bemängelten: Hässliche Optik, schlechte Höhenwiedergabe, billige Plastikverarbeitung und kein interner Lautsprecher sind nur einige der Punkte, die ihm immer mal wieder vorgeworfen wurden. Somit schickt Zoom nun einen Nachfolger in den Ring, der alle Kritikpunkte am Vorgänger ausräumen und – dank ebenfalls günstigen Preises – an dessen Verkaufserfolg möglichst nahtlos anknüpfen soll. Also schauen wir doch mal, ob sich der neue wirklich lohnt oder ob man sich lieber noch zum Ausverkaufspreis den alten sichern sollte.

Konzept und Features

Das grundlegende Konzept hat sich nicht geändert: Auch der H2n ist ein kleines, leichtes und somit portables Gerät, das im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern nicht über zwei, sondern gleich vier Mikrofone verfügt und dank flexibler Kombinationsmöglichkeiten der Mikrofone für die unterschiedlichsten Aufnahmesituationen gerüstet sein soll. Bei Bedarf können dank des Mic/Line-Eingangs auch andere Mikrofone oder Line-Geräte als Klangquellen dienen. Aufgezeichnet werden die WAV- oder MP3-Files, die max. mit 24Bit und 96 kHz abgetastet werden, auf SD bzw. SDHC-Karte; als Stromquelle dienen wahlweise ein externer Adapter oder – wohl häufiger –  handelsübliche AA-Batterien. Einige Spielereien wie Metronom, Stimmgerät usw. sind ebenfalls mit an Bord, auf die soll hier aber nicht weiter eingegangen werden. Das Ganze gibt’s zu einem Musiker-verträglichen Preis von unter 200 Euro.

Deutlich schicker als sein Vorgänger: der Zoom H2nDeutlich schicker als sein Vorgänger: der Zoom H2n

Wie bereits erwähnt verfügt der H2n über einige neue Features; viele davon sind Reaktionen auf Kritikpunkte am Vorgänger. Die wichtigsten sollen hier schon kurz genannt werden:

  • M/S-Mikrofon: Während beim Vorgänger beide Mikrofonpaare in X/Y-Position angeordnet sind, verfügt der H2n über ein Paar für X/Y und ein Paar für M/S-Stereofonie. M/S-Aufnahmen ermöglichen eine (auf Wunsch auch nachträgliche) Beeinflussung der Stereobasis-Breite
  • Die Einstellung des Aufnahmepegels erfolgt nun endlich über ein klassisches Drehrad an der Seite
  • Die Aufnahmen lassen sich direkt am Gerät über einen integrierten Lautsprecher anhören
  • Das Display ist wesentlich größer; außerdem wurde die Skalierung optimiert
  • Die Batterielaufzeit soll nun ca. 20 Stunden (H2: 4 Stunden) betragen

Eine negative Veränderung fällt allerdings auch direkt auf: Gehörte beim Vorgänger noch ein wirklich umfangreiches Zubehörpaket zum Lieferumfang (Tasche, Netz-Adapter, Batterien, Kopfhörer, USB-Kabel, Standfuß, Mikro-Stativ-Adapter, Windschutz, SD-Karte), kommt der neue abgespeckter daher. Nur Batterien und SD-Karte sowie eine Wavelab LE 7-Version sind dabei – alles andere lässt sich der Hersteller im optionalen Zubehörpaket APH-2N (Fernbedienung ist im Paket enthalten) mit einem Straßenpreis von knapp 40 Euro gesondert vergüten.

Optik und Haptik

Der alte H2 wurde ja gern als „Rasierapparat“ belächelt. Auch wenn mich die Optik nie gestört hat, muss ich sagen: Der Nachfolger sieht für meinen Geschmack deutlich besser aus. Höhe und Breite sind in etwa gleich geblieben, in der Tiefe hat der neue dafür ein gutes Stück zugelegt; die Grundfläche ist nun eher ellipsenartig, was dafür sorgt, dass das Gerät auch ohne zusätzlichen Standfuß auf ebenen Flächen sicher steht.

Allein die  neue Farbgebung, also der schwarze Klavierlack, macht einiges her. Aber auch das nun viel größere, hellblau hintergrundbeleuchtete Display, die aufgeräumt wirkende Bedienoberfläche oder auch der große schwarze Mikrofonkorb sorgen dafür, dass der H2n optisch einen wesentlich hochwertigeren Eindruck macht als sein Vorgänger. Insgesamt erinnert die Optik ein wenig an ein Großmembranmikrofon.

Der positive Eindruck setzt sich bei der Haptik fort. Zwar merkt man dem Gerät natürlich wegen der Plastikbedienelemente seine Preisklasse durchaus an, aber die nun fast ausschließlich seitlich angebrachten Bedienelemente vermitteln doch einen deutlich stabileren und besser bedienbaren Eindruck, als es beim Vorgänger der Fall war.


Praxis

Die Bedienung des H2n gestaltet sich in der Praxis deutlich komfortabler, als es beim Vorgänger der Fall war. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zuerst einmal ist da natürlich das neue MIC GAIN WHEEL, das die ungünstige „3-Stufen-Gain-Regelung“ (Low/Mid/High) ablöst. Ebenfalls hilfreich ist, dass das Display nun wesentlich größer und der gezeigte Pegelbereich brauchbarer ist. Zwar ist der Bereich vom Umfang her gleich (-48dB bis 0dB), aber die normale logarithmische Skalierung ist einer anwenderfreundlicheren Skalierung gewichen, welche die Hälfte des Displays für die letzten 12 dB reserviert – also für den in den meisten Fällen interessierenden Bereich. Insgesamt lässt sich also der gewünschte Pegel viel genauer und schneller einstellen. Die Möglichkeit, Aufnahmen direkt am Gerät über Lautsprecher anzuhören, ist ebenfalls praktisch – die Klangqualität ist dabei allerdings wirklich sehr schlecht und dazu so leise, dass man das Feature nur bei sehr leiser Umgebung nutzen kann – schade.

Nahezu sämtliche Bedienelemente sind jetzt seitlich angebracht. Endlich kann man den Pegel komfortabel über ein Drehrad einstellen!Nahezu sämtliche Bedienelemente sind jetzt seitlich angebracht. Endlich kann man den Pegel komfortabel über ein Drehrad einstellen!

Apropos Schnelligkeit: Vom Einschalten des Geräts bis zur Aufnahme vergehen weniger als 3 Sekunden; auch dies ist ein deutlicher Fortschritt. Dabei ist auch hilfreich, dass die Aufnahme nun sofort startet, wenn man den Record-Knopf drückt und der Recorder nicht bloß in Aufnahmebereitschaft versetzt wird. Wenn die Aufnahme einmal läuft, schreibt er in einem Take auf Wunsch auch eine ganze 32GB-Karte voll – zumindest so lange, wie seine Batterien halten. Das dauert nun aber immerhin rund 20 Stunden, so dass man mit einem frischen Satz Batterien auch bei einem wirklich langen Aufnahmetag keine Angst haben muss, dass einem der Saft ausgeht.

Die Menüführung ist etwas strukturierter als zuvor, d.h. die Funktionen sind jetzt eher in entsprechenden Unterordnern zu finden. Wichtiger als das ist aber, dass die seitlich angebrachten Bedienelemente nicht nur stabiler wirken, sondern auch eine gute Rückmeldung geben. Insgesamt findet sich wohl jeder halbwegs technikaffine Mensch ohne Probleme schnell an dem Gerät zurecht, ohne oft einen Blick ins Handbuch zu werfen. Dieses liegt übrigens in gedruckter Form und deutscher Sprache vor, was heutzutage ja keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Eine der wichtigsten Fragen ist natürlich immer: Wie klingt er denn nun? Die Antwort lautet: ganz klar besser als der Vorgänger. Die Höhen sind nun deutlich besser ausgeprägt und differenzierter als zuvor (gerade bei recht nah mikrofonierten Quellen), auch wenn insgesamt noch eine leichte Überbetonung der tiefen Frequenzen vorliegt. Die Räumlichkeit ist somit ebenfalls deutlich besser geworden, auch wenn der Zoom nicht ganz so transparent klingt wie mancher Mitbewerber.

Die aus tontechnischer Sicht aber wohl bedeutendste Neuerung ist das M/S-Mikrofonpaar. Die M/S-Stereofonie erlaubt einen Eingriff in das Verhältnis des Seiten-Signals zum Mitten-Signal. Man kann so ganz gezielt die Stereobreite beeinflussen. Dabei kann man entweder VOR der Aufnahme das gewünschte Verhältnis vorgeben und dementsprechend aufnehmen (auch ohne dafür ins Menü gehen zu müssen), oder aber man entscheidet sich für eine sog. RAW-Aufnahme des M/S-Signals (nur bei Aufnahme im WAV-Format möglich). In diesem Fall wird das M-Signal auf dem linken und das S-Signal auf dem rechten Kanal aufgenommen. Der Vorteil daran ist: Über eine geeignete M/S-Dekodierung kann dann anschließend, also NACH der Aufnahme, der Anteil des S-Signals geändert werden. Um das M/S- anschließend in ein L/R-Signal zurückzuführen, ist entweder etwas tontechnisches Grundwissen oder aber ein MS-Decoder Plug-in erforderlich; letzteres bietet Zoom auf der Homepage kostenlos zum Download an. Leider findet sich kein Hinweis darauf im Handbuch.

Auf einen Blick ist ersichtlich, welche Mikrofone für die Aufnahme momentan verwendet werdenAuf einen Blick ist ersichtlich, welche Mikrofone für die Aufnahme momentan verwendet werden

Auf jeden Fall ist die M/S-Stereofonie eine tolle Erweiterung der Möglichkeiten des kleinen Recorders. Es gelingen so wirklich hervorragend räumlich klingende Aufnahmen, und die Flexibilität der Klanggestaltung beim „Mix“ wird deutlich größer. Wie schon beim H2 gibt es übrigens natürlich auch beim H2n die Möglichkeit, alle 4 Mikrofone auf 2 oder 4 Kanälen gleichzeitig aufzunehmen (auch hier ist das M/S-RAW-Format möglich) oder sich für das X/Y-Paar zu entscheiden.

Auf weitere Funktionen wie Kompressor/Limiter, Autogain, die Nutzung als Audio-Interface usw. werde ich hier nicht näher eingehen, da das Vorgänger-Modell über diese auch schon verfügte – wer darüber noch mehr wissen möchte, sei z.B. auf den Test des Zoom H2 verwiesen.




Um die eingangs gestellte Frage abschließend zu beantworten: Auch wenn der bewährte H2 zurzeit zum Schnäppchen-Preis angeboten wird, lohnt sich die Investition in dessen Nachfolger in jedem Fall. Der H2n klingt noch besser, lässt sich noch einfacher bedienen, ist etwas robuster verarbeitet und dazu noch wesentlich stromsparender, um nur einige Verbesserungen zu nennen. Dazu bietet er mit der M/S-Mikrofonierung Möglichkeiten, die weder sein Vorgänger noch seine Mitbewerber bieten.




gute Audio-Qualität
M/S-, X/Y- oder „Surround“-Aufnahmen möglich
einfache Bedienung
gute Verarbeitung
großes Display
lange Batterielaufzeit
integrierter Lautsprecher
Wavelab LE im Lieferumfang; MS Decoder kostenlos downloadbar



Recorder-Zubehör nur optional als Paket erhältlich
integrierter Lautsprecher ist leise und klingt schlecht
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