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Und wir brauchen sie immer noch: NOTEN. AVID legt mit Version 7 eine neue und stark überarbeitete Version des hauseigenen Notensatz-Programms Sibelius auf. Benannt nach dem Komponisten Jean Sibelius und ursprünglich entwickelt und vertrieben von Sibelius Software Ltd., übernahm bereits 2006 DIE Softwareschmiede im Mediensektor das Programm.

So gehts los...
Was ist neu?
Nachdem Version 6 bereits einen großen Schritt nach vorne bedeutete, hebt AVID nach zwei Jahren Entwicklung die nächste Generation aus der Taufe. Viele Neuerungen haben Eingang gefunden:
So wurde das alte eher Mac-übliche MDI (MDI steht für Multi Document Interface) aufgegeben und mit der neuen SDI-Bedienung (SDI steht für Single Document Interface) zu einer aufgabenorientierten Softwareoberfläche umgebaut, die stark an aktuelle Microsoft Office-Versionen erinnert. Um dem Computer-affinen Musiker akustisch unter die Arme zu greifen, haben die AVID-Entwickler der neuen Version eine professionelle Klangbibliothek spendiert, die mit knapp 40GB Größe einiges zu Wege bringt.

Eine alte Sibelius 6 Datei macht natürlich auch in Sibelius 7 eine gute Figur!
Passend dazu ist Sibelius 7 auch native 64Bit fähig und unterstützt RAM-Größen jenseits der 4GB (eigentlich 3GB) Schallmauer. Ebenfalls wurde die Benutzung für Einzelmonitor-Arbeitsplätze optimiert. Das unterstützt den klassischen Laptop Nutzer und macht auch im Klassenzimmer einen schlanken Fuß. Dabei wollen die Entwickler dem Umstieg von Finale auf Sibelius dem geneigten Nutzer einfach machen: Sibelius bietet nun eine Step-Eingabe, die der in Finale verfügbaren „einfachen Eingabe“ ähnlich ist. Sogar Tastenkürzel sind teilweise identisch. Nagelneu ist auch die serienmäßige Option, MusicXML-Dateien zu exportieren. Der Import war zwar schon vorher möglich, die Ausgabe in dieses Format war zuletzt nur mit kostenpflichtigem Add-on möglich - jetzt regulär an Board. Die Typografie und Features zur grafischen Aufarbeitung der Partituren und Noten wurden nochmals drastisch verbessert. So lassen sich Textrahmen nahezu frei gestalten und positionieren: Die Zeiten der manuellen Zeilenumbrüche ist vorbei, denn ab jetzt passen sich Texte einfach an Form und Größe des entsprechenden Textrahmens an. Außerdem bietet Sibelius 7 jetzt eine ganze Familie eleganter OpenType-Fonts von Monotype Imaging. Diese hören auf den Namen Plantin, genießen einen gewissen Ruf im Notendruck und werden beispielsweise von der Oxford University Press verwendet. Um Änderungen von Textstilgruppen rasch erledigen zu können, wurden mit Sibelius 7 so genannte „Stilhierachien“ eingeführt. Dabei werden Änderungen auf Wunsch bequem ins gesamte Dokument übernommen. Sofort ins Auge fällt auch der neue und sehr ausgefuchste PDF-Export.

Vergleich der Werkzeugleisten von Version 6 und 7 (Oben 6 unten 7)
Auch wichtig für die grafische Gestaltung ist die erweiterte Import und Export-Option von Grafiken in Sibelius. Nicht nur, dass jedes System nun mit einem Symbol, Bild oder auch Piktogramm des jeweils dazugehörenden Instruments oder Musikers garniert werden kann, es ist auch möglich, Symbole, die Sibelius nicht kennt (weil diese z. B. nicht zum allgemeinen Standard gehören), als Grafik einzufügen. Dabei behandelt die Software das „fremde“ Symbol wie ein „eigenes“. Grafiken (BMP, GIF, JPG, PNG, TIFF und neu: SVG) können ganz bequem per Drag'n'Drop auf das virtuelle Notenblatt geholt werden. Sind die Bilder bzw. Grafiken dann erst mal importiert, können Farbe, Helligkeit, Kontrast und Deckung eines jeden Bildes in Sibelius direkt angepasst werden, ein kleines Stücken Photoshop - naja fast. Selbstverständlich ist auch das Drehen in einem beliebigen Winkel, Skalierung oder Beschnitt keine Hürde für die Notensatzsoftware aus dem Hause AVID.

Die Mischung machts
Praxis
Im Vergleich zum Vorgänger ist die Installation etwas langwieriger geworden: Kein Wunder, da Features wie die neue knapp 40GB neue Klangbibliothek Platz und Installationszeit brauchen. Als Kopierschutz fungiert „leider“ nicht der iLok, sondern eine Seriennummer mit Challange-Response und der Erlaubnis, eine Kopie auf bis zu zwei Rechnern gleichzeitig installiert zu haben. Nebst diversen Partitur-Vorlagen ist auch ein Assistent bei Sibelius mit an Bord. Dieser kennt nicht nur einige Instrumente beim Namen, sondern weiß auch, ob sie transponierend oder klingend notiert werden und welchen Tonumfang diese haben (wird eine Note rot, so ist diese von einem Instrumentalisten auf diesem Instrument nicht mehr spielbar). Egal in welcher Reihenfolge der Anwender die Instrumente der Partitur hinzufügt, Sibelius weiß, wie es geht und sortiert die Instrumente und Systeme nach der herrschenden Ordnung. Selbstverständlich ist es auch möglich, diese Ordnung nach eigenem Gusto über den Haufen zu werfen und eigene Brötchen zu backen.
Tabulatoren bietet Sibelius natürlich auch. Sehr schade finde ich, dass es immer noch nicht möglich ist, eine Tabulatur mit einem Notensystem zu koppeln, um so beide Ansichten „synchronisiert“ zu haben. Bitte nachbessern!

Eine ganze Partitur
Für den akustisch anspruchsvollen Arrangeur haben die AVID-Entwickler die besagte 40 GB große Library dazu gelegt. Etwas schade ist, dass es nicht möglich ist, diese Klänge gleich bei der Installation auf eine dezidierte Festplatte umzuleiten - unglücklich. Nachträglich ist das zwar durchaus machbar, aber je nach System könnte dafür der Festplattenplatz dann erst mal nicht ausreichen. Trotz der eigenen „Hochrüstung“ ist es problemlos möglich, eigene virtuelle Instrumente mit ins Boot zu holen, ganz nach Belieben.

So begrüßt Sibelius 7 seinen Anwender
Die Eingabe der Noten ist in Sibelius via File-Import (MIDI, MusicXML ...) via Scanner (es wird eine Light-Version von PhotoScroe 7 mitgeliefert), via Keyboard/Step-Eingabe oder via Mikrofon/Audio-Datei (eine Light-Version von AudioScore wird ebenfalls mitgeliefert) vorgesehen. Mit Keyboard und Nummernblock lässt sich eine Step-Eingabe realisieren, die das reale Einspielen zeitlich in den Schatten stellt.

Eine Einzelstimme in Sibelius 7
Sibelius „kann alles“, was im alltäglichen Notensatz nötig scheint. Für den „Gelegenheits-“Notierenden ist Sibelius schlicht zu groß und zu wuchtig. Lösungen wie das hauseigene Sibelius First oder das aus der OpenSource-Szene stammende MuseScore wären dann einen Blick wert. Jeder professionelle Musiker, der Noten schreibt, jeder Komponist, Songwriter, Arrangeur, Orchestrator, Musikstudent, Musiklehrer, Musikverlag und Kollege wird mit Sibelius glücklich und bekommt viel geboten fürs sauer Verdiente, fast schon „zu viel“, denn Sibelius will alle Bereiche der Notation abdecken, was es nach meiner Einschätzung auch tut!
Sehr schön sind die glasklaren Verbesserungen zur Vorgängerversion. Das findet man nicht immer in dieser Form! Nicht wenige Programme wechseln im Wesentlichen nur Versionsnummer und Splash-Screen. Besonders gefällt mir die neue Benutzerführung im SDI-Stil (statt Menü-Leiste und diverser Fenster nun das Menü-Band) und die PDF-Export-Funktionen, welche es erlauben, die Partitur und die Einzelstimmen automatisiert in einzelnen PDFs zu exportieren - das war überfällig. Sehr schade ist allerdings, dass es immer noch keine Möglichkeit gibt, wichtige Optionen der Druckvorstufe einzustellen, das ist speziell für Verlage und Druckwillige von Interesse. Beschnittzugabe, Farbauftrag, all diese Parameter konnte ich in Sibelius 7 nicht finden. Evtl. wäre auch eine Schnittstelle bzw. Export-Funktion zu bekannte DTP-Programmen (InDesign, Illustrator, Photoshop etc.) zu begrüßen. Auch sehr gut ist der Export zu vorherigen Sibelius-Versionen: So lassen sich Partituren ganz bequem via Export-Menü in einer Dateiversion speichern, die mit kleineren bzw. älteren Sibelius Versionen geladen werden können. Der Import ist zwar standard in den meisten Programmen, der Export jedoch nicht: Daumen hoch!
- neue intuitivere Oberfläche
- Sound-Library
- sehr umfangreich
- sehr guter und umfangreicher Notensatz
- DTP-Funktionen
- PDF-Export (sehr umfangreich im Vergleich zur Vorversion)
- einfache Umschaltbarkeit der Programmsprache
- Arbeitsblatt-Funktion
- Idee-Datenbank
- Export zu früheren Versionen
- relativ langer Start
- Startsound (kann ablenken, speziell wenn „nur schnell“ eine Idee notiert werden soll)
- Dokumentation nur als PDF und nicht auf deutsch
- keine Druckvorstufen-Optionen beim Export
- neue Oberfläche kann für Bestands-User zunächst verwirrend sein
