
Allen & Heath XD-40
Nachdem der vielgelobte XD-53 Kopfhörer von Allen & Heath wie eine Bombe im DJ-Lager eingeschlagen ist und einige der etablierten Hersteller aufgescheucht hat, legt A&H mit dem XD-40 das Einsteigermodell nach.
Der XD-53, der mit seinem 53mm Treiber und relativ klobigen (und dementsprechend schwerem Gehäuse) das obere Preissegment beinahe beherrscht, kriegt mit dem XD-40 den passenden kleinen Bruder mit 40mm Membranfläche. Entsprechend dem kleineren Treiber sinkt auch das Gewicht, und die Kopfhörer lassen sich kompakt zusammenfalten und in der mitgelieferten Kunstledertasche verstauen. Somit empfiehlt sich der XD-40 für DJs, die viel unterwegs sind oder als den Kopfhörer, den man im Rücksack immer dabei hat.
![]() Kompakt zusammenlegbar |
Wie beim großen Modell lassen sich die einzelnen Hörer um 90° umklappen, so dass man bequem mit nur einem Ohr vorhören kann und mit dem anderen den Monitorsound hört.
Weiterhin lassen sie sich um 90° nach innen klappen, dadurch schmiegen sie sich noch besser an die Kopfform an, lassen sich aber zusätzlich auch sehr platzsparend und flach zusammenlegen. Das Kabel ist (leider fest und nicht austauschbar) am linken Hörer installiert und ist ein kombiniertes Spiral-/Glattkabel, bei dem die ersten 75cm und die letzten 15cm glatt sind. Dadurch spart man das Gewicht des Spiralkabels im oberen Bereich und man hat mehr Bewegungsfreiheit beim Mixen. Ganz ausgezogen kommt man auf ca. 260cm, das sollte auch für die wildesten DJs ausreichen. Der 3,5mm Klinkenstecker ist mit einem 6,3mm Stecker verschraubt, so dass der XD-40 auch bei Laptops, MP3-Playern usw. seinen Kontakt finden kann. Alle Steckerkontakte sind vergoldet und bieten guten Kontakt.
Die austauschbaren Ohrpolster sind aus Kunstleder und m.M. nach nicht die Bequemsten. Das Kunstleder fühlt sich ziemlich hart an und hat eher Kunststoff-Charakter. Sicherlich ist da das Material immer ein Kompromiss aus Schweißresistenz, Haltbarkeit und Komfort. Echtleder neigt zum Reißen, Samt saugt gerade in schweißtreibender Umgebung denselbigen auf wie ein Schwamm (das ist dann auch nicht so angenehm irgendwann). Leider gibt es (vielleicht noch) keine Alternativen wie z.B. die Samt-Ohrpolster vom 25HD, die ich trotz der Schweißproblematik bevorzuge. Bedingt durch die kleinere Bauform umschließen die Ohrpolster nicht das ganze Ohr, sondern sind „ohrlaufliegend“. Je nach Größe und Form der Ohren ist das bequem oder nicht und schließt auch mal besser und mal schlechter ab.
Für mich sind die Kopfhörer bequem zu tragen, ein DJ Kollege konnte den Ohrpolstern nichts abgewinnen.
![]() Edelstahl als Verstärkung im Bügel |
Der Anpressdruck ist (auf jeden Fall für meine Kopfgröße) etwas zu gering, dadurch sitzt der Kopfhörer relativ locker auf dem Kopf, und die Schallisolation ist nicht perfekt. Dadurch ist er aber auch bequem und drückt nicht so auf die Ohren. Bei sehr lauten Clubs fällt das sicherlich negativer auf, weil man dann eine bessere Abschirmung braucht.
Sound
Getestet habe ich den Kopfhörer zum einen alleine, d.h. rein objektiv und zum anderen gegen Konkurrenten, den Sony MDR-700 und den Sennheiser HD 25-1 II. Während diese in einer anderen Preisklasse spielen (wobei der Straßenpreis des MDR mittlerweile auf dem Niveau des XD-40 ist), sind diese bekannten Modelle dennoch interessant für den Vergleich „kleiner Kopfhörer gegen großen Kopfhörer“ und Einsteigerpreisklasse gegen hohe Preisklasse.
Alleine betrachtet hat der XD-40 für seine Größe einen beachtlichen Wumms. Die Bässe kommen klar und hart, die Mitten und Höhen sind gut verständlich und sauber. Angenehm ist besonders das geringe Gewicht, wenn die Ohrpolster etwas weicher wären, würde man den Kopfhörer fast nicht bemerken. Die Verzerrungen bei zu viel Bass kommen erst sehr spät, sind dann aber auch nicht zu überhören. Fairerweise muss jedoch gesagt werden, dass derjenige, der die Kopfhörer so aufdrehen muss um was zu hören, wahrscheinlicher diese Verzerrungen auch nicht wirklich mitkriegt. Der Klangumfang ist mit 15-28.000 Hz angegeben, dadurch werden auch sehr tiefe Bässe noch hör- bzw. fühlbar. Was mir im Klang ein bisschen fehlt, ist der Übergang vom Bass zu den Mitten und von den Mitten zu den Höhen. Es klingt alles sehr scharf herausgestellt. Aber als DJ-Kopfhörer geht es eben mehr darum, den Basspunch zu liefern, eine hohe maximale Belastbarkeit und eine gute Abschirmung zu haben. Was diese Punkte angeht, hat der XD-40 auf jeden Fall alle Punkte erreicht, wenn man den relativ lockeren Sitz einmal außer acht lässt. Die Maximalbelastung von 1.300 mW sorgt für lange Lebensdauer, auch bei evtl. Lautstärkespitzen oder Fehlbedienungen und für die entsprechenden Lautstärkepegel, wenn sie benötigt werden. Die 103dB/mW bei 1 kHz sind im Vergleich nicht wirklich berauschend, aber dennoch ist der Wirkungsgrad so gut, dass auch bei schwachen Ausgängen, wie z.B. bei einigen Laptops oder MP3-Playern eine ordentliche Lautstärke zustande kommt.
Vergleich
Im Vergleich zum MDR-700 fällt das geringe Gewicht von 230g (MDR 299g) positiv auf, so sind längere Sessions ohne das schwere Gefühl auf dem Kopf durchaus angenehmer. Der MDR entwickelt mehr Bassdruck, was bei den verwendeten 10mm mehr Membrandurchmesser auch durchaus verständlich ist. Alles in allem schlägt sich der XD-40 aber sehr gut, so dass der Hauptunterschied m.M. nach der konzeptionelle Ansatz "ohrumschließend" vs. "ohraufliegend" ist.
Im Vergleich zum Sennheiser HD-25 fällt dieser Unterschied weg, der Gewichtsvorteil ebenso (Sennheiser: 140 g ohne Kabel). Die Membranfläche ist bei beiden gleich, der Sennheiser hat im Bassbereich noch ein bisschen mehr „Pump“, der Bass lässt sich leichter spüren, was fürs Auflegen sehr angenehm ist. Des Weiteren ist die Musikalität ausgeprägter, der Sennheiser ist noch mehr HiFi als der XD. Alles in allem schlägt sich der XD-40 jedoch auch hier sehr gut, und der Preisunterschied zwischen den beiden Modellen ist doch deutlich, so dass sich diese Unterschiede durch den Preis erklären lassen. Deutlich besser ist sicherlich die Möglichkeit, das Kabel (und auch sonst eigentlich alles) beim HD-25 austauschen zu können.
Im Großen und Ganzen gibt sich der XD keine Blöße, lediglich die Höhen sind etwas zu präsent im Vergleich zu den anderen Kopfhörern, mit denen ich getestet habe.
Interessantes
Ist doch der XD-53 bekanntlich baugleich mit dem Denon HP-1000, wundert es nicht, dass es auch zum XD-40 das baugleiche Denon Modell gibt - den DN-HP500. Lediglich kleine Unterschiede im Design der Hörmuscheln sorgen hier für die markenspezifischen Auftritte. Da beide Marken zur D&M Holding gehören, lag es wohl nahe, die DJ Kopfhörer simultan zu entwickeln. Beide großen Kopfhörer wurden von Audio-Technica gefertigt, daher liegt der Verdacht nahe, dass AT auch für die Technik der kleineren Modell zuständig war.
![]() Abgeknickter Kabelverlauf im Träger - hoffentlich kein Schwachpunkt |
Der XD-40 ist in seiner Preisklasse ein durchaus ernst zu nehmender Gegner für alle anderen Modelle, bietet er doch eine enorm große Belastbarkeit, guten Bass und durch sein leichtes Gewicht und die wegklappbaren Hörmuscheln alle Annehmlichkeiten für lange DJ-Sets. Obwohl er kein HiFi-Kopfhörer ist (und das ja auch nicht sein will), kann man durchaus für längere Zeit einfach nur Musik hören oder einen Film sehen ohne „Ermüdungserscheinungen“.
Ich finde den Anpressdruck etwas zu gering, dadurch sitzt der Kopfhörer relativ locker auf dem Kopf, und die Schallisolation ist nicht perfekt. Dadurch ist er aber auch bequem und drückt nicht so auf die Ohren. Das ist also wie so oft ein Kompromiss zwischen Bequemlichkeit und Halt und wird sicherlich von jedem anders empfunden.
In der Preisklasse sicherlich eine Empfehlung.
- geringes Gewicht bei großem Treiber
- verschraubter 6,3mm Adapter
- zusammenlegbar, dadurch gut zu transportieren
- gute Audiowerte
- unangenehmes Ohrpolster
- relativ lockerer Sitz



