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Test: Behringer DCX 2496

: Willi Dammeier
06.06.2011

Unter dem Namen Ultradrive Pro DCX 2496 bietet Behringer einen digitales Speaker Management System an. Ich verzichte an dieser Stelle darauf zu erläutern, was man darunter versteht, da bereits mehrere derartige Geräte anderer Hersteller auf Amazona getestet wurden. Ich empfehle daher das Lesen der Amazona Tests über den Xilica XP 3060 22.4.2011 und DBX Driverack PA + vom 2.10.2009: http://www.amazona.de/index.php?page=26&file=2&article_id=2538 und  http://www.amazona.de/index.php?page=26&file=2&article_id=3387
Wenig überraschend steht die 24 im Namen für 24 Bit Auflösung und die 96 für eine Samplingfrequenz von 96 kHz. Ebenso wenig überraschend dürfte der Preis sein, wenn Behringer dahinter steht. Für knapp 250 Euro bekommt man ein Gerät, für dessen Ausstattung andere Hersteller gerne auch das Drei- bis Vierfache aufrufen.

Ausstattung

Das DCX 2496 bietet auf einer Höheneinheit 3 analoge Eingänge und 6 Ausgänge. Einer der Eingänge kann auch als Digitaleingang verwendet werden. Aufgrund der internen Konvertierung versteht dieser dann Sampleraten von 32-96 kHz. Der Controller kann daher als stereo 3-Wege Frequenzweiche,  3x 2-Wege oder mono bis maximal 6 Wege konfiguriert werden. Jeder Eingang bietet Pegeleinstellung +/-15 dB, ein Delay mit maximal 592 ms, parametrischen Equalizer mit maximal 9 Bändern und einen dynamischen Equalizer, jeder Ausgang Pegeleinstellung +/-15 dB, Crossover Filter von 6 – 48 dB als Linkwitz, Bessel oder Butterworth, parametrischen Equalizer mit maximal 9 Bändern, dynamischen Equalizer, Phasenumkehr , Limiter und Delay. Zur Fernsteuerung über die Remotesoftware verfügt es über eine RS232 Buchse, über Netzwerkbuchsen lassen sich mehrere DCX verkoppeln.

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Auf der Front befinden sich ein gut lesbares Display, ein Slot für Speicherkarten, Pegelanzeigen für Ein- und Ausgänge sowie ein Datawheel und die zur Bedienung am Gerät notwendigen Schalter. Die analogen Ein- und Ausgänge auf der  Geräterückseite sind als symmetrische XLR-Buchsen ausgeführt.

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Bedienung

Die Bedienung des DCX 2496 ist kinderleicht, da die Menüs sehr gut strukturiert sind. Selbst am Gerät ohne Remotesoftware ist sie übersichtlich. Sollte einmal etwas unklar sein, wird es verständlich in der Bedienungsanleitung erklärt, die in vielen verschiedenen Sprachen als gedrucktes Handbuch beiliegt. Für die gängigen Konfigurationen wie z.B.  stereo 3-Wege Weiche, 3x 2 Wege oder mono 6 Wege sind bereits Presets vorhanden. Man braucht also lediglich unter Setup zuerst das gewünschte Routing auszuwählen. Hier stellt man auch die Art der Verlinkung ein. Typischerweise gibt es ja sehr viele Parameter, die man für beide Stereokanäle gleich setzt und nicht doppelt einstellen mag. Außerdem bietet es sich an, die Trennfrequenzen von benachbarten Bändern zu verlinken. Jeder Eingang kann auf jeden Ausgang geroutet werden. Zusätzlich können zwei beliebige Eingänge summiert werden. Das ist nötig, um Subbässe mono anzusteuern. Leider ist es nicht möglich, Eingänge beliebig zu mischen. Das wäre sehr interessant für viele kleine Clubs, in denen der FOH-Platz nur noch aus einem  Digitalpult besteht, das man dann digital mit dem DCX verbinden kann. Das DJ-Pult könnte dann analog angebunden werden. Jedem Ein- und Ausgang ist auf der Front ein Taster unter der jeweiligen Pegelanzeige zugewiesen. Dieser dient als Mute- und Select-Taste. Mit den Page- und Parameter-Tasten kann man sich komfortabel durch die jeweiligen Menüs der Ein- und Ausgänge navigieren. Die Größe des Displays reicht völlig aus, um den Überblick zu behalten. Neben den eingestellten Werten wird im Display auch immer die Prozessorauslastung gezeigt. Hier wird leider auch schnell klar, wo an dem DCX gespart wurde: Seine Rechenleistung ist nicht groß genug, um in alle Ein- und Ausgängen gleichzeitig alle möglichen 9 parametrischen Filter zu nutzen. Bei ca 20 Filtern ist das Limit erreicht. Ob das eine relevante Einschränkung ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Mit den Store- und Recall-Tasten kann man direkt am Gerät Presets verwalten. Man kann das Gerät mit einem Passwort sowohl komplett als auch teilweise verriegeln. Man kann also das Aufrufen von Presets freigeben, aber die Limiter verriegeln.
In der Praxis befinden sich Frequenzweichen typischerweise im Endstufenrack. Es ist daher wichtig, sie via Laptop fernsteuern zu können. Dies ist mit der kostenlosen Remotesoftware DCX 2496 Remote über RS 232 oder RS 485 möglich. Leider haben nicht mehr viele Laptops RS 232 Schnittstellen. Man ist daher auf USB zu RS 232 Adapter angewiesen. Diese zu einer Verbindung mit dem DCX 2496 zu überreden, hat mich schon einige Geduld gekostet. Wie „Plug and Play“ hat sich das nicht angefühlt.

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Aber nachdem diese Hürde jedoch überwunden war, stellte sich die Steuerung als sehr komfortabel dar, es kann in beiden Richtungen synchronisiert werden. Presets können mit der Software auf dem Computer und im Gerät gespeichert werden. Die Software ist sehr übersichtlich und erklärt sich wirklich von selbst.

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Da für die Funktion der Remotesoftware nicht alle Pins der RS232 Buchse benötigt werden, ist es möglich, auf XLR zu adaptieren und so das Multicore zur Verbindung von Laptop und Weiche zu verwenden. Dazu müssen Pin 5 der Sub D-Buchse auf Pin 1 der XLR-Stecker, Pin 2 auf 2 und 3 auf 3 verlötet werden. Pin 7 und 8 werden auf Computerseite gebrückt. Ich habe diese Möglichkeit hier heute erfolgreich für Leitungslängen über 100m getestet.


Klang

Betreibt man den DCX flat, verhält er sich absolut unauffällig. Die A/D- und D/A-Wandler scheinen also hinreichend hochwertig zu sein. Die Latenz wird in der Anleitung kleiner als eine Millisekunde angegeben und ist somit selbst für Monitoranwendungen nicht wahrnehmbar. Als reine Weiche verrichtet der DCX seinen Dienst ebenfalls ohne Grund zur Kritik. Was den internen Equalizer angeht, darf man über Geschmack streiten. Deutliche Eingriffe, die ich z.B. ohne Skrupel bei einem XTA, BSS oder Xillica Controller gesetzt hätte, überlasse ich bei Verwendung des Behringer lieber einem guten analogen 31-Bänder. Aber das ist wie gesagt auch zu einem großen Teil Geschmacksache. Die maximal Absenkung eines Bandes beträgt lediglich 15 dB, und die schmalsten Filter haben eine Güte von Q=10. Um Resonanzen präzise zu filtern, dürfte es gerne von Beidem etwas mehr sein. Ähnlich verhält es sich mit den Limitern. Man kann ihnen bestimmt nicht vorwerfen, unhörbar Pegelspitzen zu begrenzen. Wenn die vom Threshold vorgegebene Schwelle erreicht ist, hört man das auch. Das ist leider ein sehr wesentlicher Minuspunkt, da PA-Anlagen bekanntlich sehr häufig konstant am Limit gefahren werden und daher der Sound der Limiter den Klang wesentlich färbt. Leider lässt sich der Threshold nicht niedriger als -24 dB einstellen. Aus mir unverständlichen Gründen verfügen nur die Ausgänge, aber nicht die Eingänge über Limiter. Das ist schade, weil man so nicht klangneutral die Lautstärke begrenzen kann. Da hätte ich gerne auf alle dynamischen Equalizer, die jeder Ein- und Ausgang bietet, verzichtet. Als Ausweg kann natürlich die Einsatzfrequenz des dynamischen Equalizers so tief einstellen, dass er nicht frequenzselektiv arbeitet. Die Delays ermöglichen auch längste Verzögerungen für weit entfernte Delaylines und sind fein genug einstellbar. Leider setzt der Sound aus, wenn man die Zeit verändert. Über die Zuverlässigkeit des DCX 2496  kann ich natürlich nach einem Test von wenigen Wochen nicht viel sagen. Ich habe jedoch trotz aller bekannten Skepsis und Vorurteilen gegenüber der Marke Behringer in professionellen Anwendungen keinerlei negative Berichte im Netz gefunden.




extrem günsiger Preis
einfache Bedienung
gute Bedienungsanleitung in vielen Sprachen
gute Remotesoftware



Aussetzer beim Ändern der Delayzeit
unflexibles Eingangsrouting
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