Test: BOSS, JS-8 eBand, Gitarren-Workstation und Multieffektgerät

: Stephan Güte
19.01.2010


-- Der BOSS JS-8 eBand --

Gitarre üben kann ganz schön öde sein. Besonders beim Üben von Scales oder Soli ist man ja über jede Art von Begleitung dankbar, die einem einen Eindruck davon vermittelt, wie denn das Ganze später mal im Bandkontext (nach der ganzen nerv- und schweißtreibenden Überei) klingen könnte. Bisher gab es eher bescheidene bzw. gar keine Lösungen in dieser Hinsicht - es blieb nur das Nutzen von Loopern, die aber schon eine gewisse Portion technischen Grundverstand mit der musikalischen Materie voraussetzen. Oder das Importieren von MIDI-Files in den heimischen Rechner, die aber dann meistens mit den Sounds der Soundkarte losquäken, es sei denn, man importiert sie in einen Sequencer oder MIDI-File-Player und editiert bzw. routet die Sounds dort dementsprechend. Doch Hand aufs Herz: Wer hat schon Lust, zum kurzen Jammen diese ganze Prozedur auf sich zu nehmen?

Der japanische Effektgigant BOSS hat den Ernst der Lage erkannt und schickt mit dem JS-8 eBand ein Gerät ins Rennen, mit dem man neben vielen nützlichen Funktionen im Handumdrehen ein professionelles Playback in verschiedensten populären Stilistiken erhält. Da im JS-8 eBand auch fast die komplette Tonerzeugung des zur Zeit sehr angesagten BOSS GT-10 integriert wurde, macht das Ganze für einen Test auf Amazona.de quasi doppelt interessant.

Lieferumfang/Aufbau

Mit den Maßen von (BxTxH): 264 x 166 x 201 mm und einem Gewicht von 1,7 kg erscheint das Gerät recht zierlich, was insbesondere in Anbetracht des zu erwartenden Sounds der integrierten Lautsprecher stutzig macht. Aber mal abwarten, auf jeden Fall steht der JS-8 sicher auf vier Gummifüßen leicht angewinkelt und in guter Sichtposition auf jedem handelsüblichen Tisch.

Front

Das Frontpanel besitzt im oberen Teil ein großes, grafikfähiges Display, das über sämtliche Betriebszustände des JS-8 informiert. Im mittleren Teil des Panels finden sich dann die eigentlichen Bedienelemente. Neben dem POWER ON/OFF-Taster sind dies primär die Buttons PLAY, STOP, REC, BACK und FORWARD des Sequencers sowie ein Drehbutton, dem bei der Benutzerführung durch die Menüs verschiedene Parameter zugewiesen werden. Es gibt weiterhin zwei Buttons mit der Bezeichnung A<>B sowie SPEED, mit denen sich der Phrase-Trainer-Modus steuern lässt. A<>B bestimmt hierbei den Start- bzw. Endpunkt des (aufgenommen) Audiomaterials, und mit Hilfe der SPEED-Funktion lässt sich das Gehörte in der Geschwindigkeit reduzieren - unter Beibehaltung der Originaltonhöhe wohlgemerkt.

Der untere Teil der Frontplatte beherbergt neben einem TUNER-Button eine SOLO-Funktion, die es erlaubt, zwischen zwei voreingestellten Patches (in diesem Falle Gitarrensounds) zu wechseln. Besonders interessant aber erscheint der Taster mit der Bezeichnung EFFECT, der in die Strukturen der Klangerzeugung des JS-8 führt. Implementiert ist lt. BOSS ja fast das komplette Arsenal an Verstärkersimulationen und Effekten, die auch im GT-10 ihren Dienst verrichten. Und so gibt es auch hier 40 Amp-Simulationen (inklusive 3 für Bass) der gängigsten und beliebtesten Verstärkertypen, 28 verschiedene Verzerrertypen und alle nötigen Effekte wie Chorus, Delay, Reverb, Flanger, Phaser, Rotary, AutoWah, Limiter, Kompressor etc., die sich bei Bedarf auch noch genauestens bis ins Detail editieren lassen.

Eine weitere nützliche Funktion des JS-8 stellt das "CENTER-CANCELING" dar, mit dessen Hilfe man Signale aus dem Stereomix entfernen oder zumindest dämpfen kann. Obwohl diese Bearbeitung sogar mit Hilfe eines Filters ausgeführt wird, sollte man keine Wunder erwarten, zum Dämpfen eines Gitarrensolos oder einer Vocal-Spur (welche naturgemäß im Mix i.d.R. ja mittig platziert sind) lässt sich diese Funktion aber gut nutzen.


-- Die CENTER-CANCELING-Funktion --

Die Benutzerführung ist BOSS mit dem EZ-Edit gut gelungen, mit Hilfe eines Fadenkreuzes lassen sich blitzschnell die wichtigsten Grundparameter einstellen, und man läuft nicht in Gefahr, sich durch einen Dschungel voller Untermenüs durchzuschlagen. Klasse!


-- EZ Edit - hier im Distortion-mode --

Auf einer gebürsteten Aluplatte sitzen schließlich die Potis zum Einstellen der Gesamtlautstärke des JS-8 sowie ein Poti zum Anpassen des (Gitarren-) Signals, das mit der GUITAR/MIC IN-Buchse im User-freundlichen 6,3mm Klinkenformat dem Gerät zugeführt wird. Und auch für leises Jammen "um Mitternacht in hellhörigen Mietwohnungen" wurde durch Integrieren eines Kopfhöreranschlusses im Miniklinke-Format Sorge getragen.

Seite/Rückseite

Seitlich links an der Rückseite angebracht finden sich ein AUX-Eingang zur Aufnahme externer Klangquellen wie z.B. CD-Player oder iPod, sowie ein Stereo LINE OUT im Cinch-Format zum Anschluss an einen externen Verstärker. Es folgt eine Klinkenbuchse zur Aufnahme von Fußschaltern bzw. -Tastern, mit denen man die im JS-8 integrierte Looper-Funktion steuern kann. Die maximale Aufnahmezeit für einen Loop liegt bei 40 sec., sicher nicht die Welt, aber dennoch mehr als genug, um Ideen festzuhalten bzw. auszuarbeiten. Und für nichts anderes ist das BOSS JS-8 eBand ja gedacht.

Ein Standard USB sorgt für die Verbindung vom Gerät zum PC/Mac, mit Hilfe der beigefügten Software lassen sich hiermit z.B. Songlisten ganz bequem editieren. Ärgerlich ist nur, dass zum Zeitpunkt des Test kein Treiber für Mac OS 10.6 aufzutreiben war, aber dieses Problem löst sicher die Zeit. Die Installation unter Windows funktionierte reibungslos.

Es folgt ein weiterer USB-Port zum direkten Anschluss externer Medien wie USB-Stick, Festplatten etc. Der JS-8 ist nämlich in der Lage, mp3s direkt vom Speichermedium wiederzugeben. Um die Songs im Gerät zu bearbeiten, müssen diese dann jedoch vorher in das JS-8-eigene Format konvertiert werden. Das kann am Gerät und/oder mit Hilfe des Editors geschehen.


-- Die Rückseite des Sparringpartners --

Abschließend gibt's noch den Slot für die SD-Speicherkarte, die im Lieferumfang (und mit einer Größe von 1 GB) enthalten ist. Ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist das Netzteil, und ganz außen rechts versteckt findet sich noch einen kleine Schraube, mit deren Hilfe man das Gerät zur Not erden kann, falls es mal zu Problemen mit der Masse kommt. Bisher war mir so etwas nur an "HIFI-Radio-Bausteinen" bekannt, aber man lernt ja nie aus.

Sound/Praxis

Natürlich darf man von den kleinen integrierten Speakern keine Heldentaten erwarten, dennoch reichen sie aus, um mit dem JS-8 in durchaus kräftig erhöhter Zimmerlautstärke Musik zu machen. Da die Signalführung des Gerätes komplett stereo ist, kommt man natürlich in den vollen Genuss der Modulationseffekte wie einem schönen breiten Chorus oder auch den Stereo-Delays, die der Qualität der GT-Reihe in nichts nach stehen. Das Gleiche gilt auch für die Amp-Simulationen, die dank ROLANDs patentierter COSM-Technologie sehr authentisch und gut spielbar rüberkommen. Die Amp-Simulationen sind verschiedenen Grundsounds zugeordnet. Unter 80s Metal findet man z.B. Simulationen von Soldano und Boogie, und die 90er finden ihren Vertreter in Form des EVH-Stacks. Es buhlen eine Menge Blues Amp-Modelle, Tweed-Sounds und Progressiv-Klänge um die Gunst des Users, die ja dann auch noch mit der üppig gestalteten und gut editierbaren Effektsektion garniert werden können. 

Nicht zu vergessen: Auch an die Viersaiter-Fraktion und die Gruppe der Sangeskünstler unter uns wurden mit jeweils einer Soundbank gedacht, obwohl ... müssen die noch üben?

Ab Werk beinhaltet der JS-8 auf der mitgelieferten SD-Speicherkarte dreihundert Playbacks in den unterschiedlichsten Stilen wie Jazz, Metal, Pop, Rock, Blues, Surf etc. Die Loops sind qualitativ durch die Bank weg gut und bieten eine ideale Spielwiese für improvisierfreudige Guitarreros. Beim Abspielen eines Loops kann jederzeit die RECORD-Taste an der Transportleiste betätigt werden, was eine prompte Aufnahme der eigenen Schöpfung zur Folge hat. Die Sequenzen lassen sich auch in der Geschwindigkeit drosseln, allerdings dann auf Kosten der Soundqualität, die dann schon sehr mit Artefakten behaftet ist.


-- Der Songbrowser --

Weiterhin ist es mit Hilfe des PHRASE-TRAINERS möglich, bestimmte Bereiche eines Audiofiles zu loopen, um dem Geheimnis eines Gitarren-Solos oder - Riffs wiederholt auf den Grund zu gehen. Dies geht selbstverständlich auch mit importiertem Audiomaterial - sei dieses nun über die USB-Ports oder den AUX-IN in das BOSS JS-8 gelangt.

Ebenso sinnvoll erscheint die Funktion BEST30, mit deren Hilfe man seine dreißig persönlichen favourite Songs/Loops zusammenstellen kann. Eine wahre Hilfe, wenn man bedenkt, dass der JS-8 bis zu viertausend Songs (bei Einbau einer 32 GB SD-Speicherkarte) bei sich behalten kann.




Der BOSS JS-8 eBand ist die ideale Lösung für die Musiker unter uns, denen die Bedienung eines Computers um Musik zu machen sauer aufstößt bzw. zu aufwendig erscheint. Auf Knopfdruck erhält man sehr professionell Playbacks in vielen verschiedenen Stilen, die sich mit den unterschiedlichsten Gitarren-Presets mixen lassen. Die Klangerzeugung entspringt dem BOSS GT-10 und somit auch der COSM-Technologie, die mit zu den besten Amp-Simulationen zählt, die zu bekommen ist. Man sollte deshalb in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass der JS-8 im Prinzip auch als reiner Gitarrenamp genutzt werden kann, wenn auch nicht unabhängig vom Stromnetz. Wenn auch die  integrierten Stereolautsprecher keine Hosenbeine zum Flattern bringen, so ist die Grundlautstärke, die das Gerät leistet, absolut ausreichend zum Üben, für alles Voluminösere gibt's ja den Stereo-Line Out.

Mit Hilfe der mitgelieferten Editor-Software lassen sich via USB am heimischen Rechner die Songs und Loops ganz bequem verwalten. Schade ist nur, dass zum Zeitpunkt des Testes kein Treiber für MacOS 10.6 erhältlich war, unter Windows XP funktionierte jedoch alles tadellos.




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Idee
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Benutzerführung
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Grundsound
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Qualität der Playbacks
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USB Interface
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mitgelieferte Software (Song Browser)



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externes Netzteil
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