
-- Das Digitech Whammy 4 --
Erst knapp fünfzehn Jahre auf dem Markt und schon ein Klassiker! Was denn, nach nur 1,5 Dekaden der Ritterschlag des Unvergänglichen (sofern es diese Klassifikation in der Pop Rock-Sparte überhaupt gibt ...)?
Nun, wenn man es tatsächlich schafft, gerade in dem schon damals bis zum Stehkragen mit Zerr-, Modulations- und Raumeffekten gesättigten FX-Pedal Markt einen wirklich NEUEN Effekt zu etablieren, gebührt einem tatsächlich eine Menge Ehrerbietung, auch von der Konkurrenz.
Die Rede ist vom Digitech Whammy Pedal, einem Effekt, den man sich audiophil erst erarbeiten muss, da er zwar ungemein plastisch daher kommt, vom unbedarften Zuhörer jedoch zunächst in der Fingerfertigkeit des Künstlers vermutet wird.
Tausende von Gitarristen zerbrachen sich anno 1992 die Köpfe, wie es Tom Morello von RAGE AGAINST THE MACHINE schaffte, mit seiner ohnehin exaltierten Gitarrenarbeit in Griffbretthöhen vorzustoßen, welche dem Bereich oberhalb des (theoretischen) dreißigsten Bundes nahe kamen, ohne einen Bottleneck oder andere offensichtliche Hilfsmittel zu benutzen. Erst das genau Hinhören und die handwerklich unlösbare Umsetzbarkeit der Aktion auf dem Griffbrett lassen den ambitionierten Musiker erkennen, dass hier ein Effektpedal mit im Spiel sein muss. Selbiges Produkt hört auf den Namen Whammy Pedal und schlug seiner Zeit ein wie eine Granate. Mittlerweile hat die zur Harman Group gehörende Firma DigiTech das Whammy Pedal in der Version 4 auf dem Markt gebracht, wobei das Produkt in Sachen Flexibilität gegenüber seinem Großvater noch ein paar Lagen zulegt.
Obwohl in den USA beheimatet, wird auch das DigiTech Whammy Pedal 4 in China zusammengebaut, um die Lohnkosten niedrig zu halten.
Konstruktion
Das knallrote Pedal erscheint in einer sehr massiven Bauweise und verfügt aufgrund seiner 1,6 kg Gewicht und vier Gummifüßen, welche eine sehr gute „Klebrigkeit“ auf glatten Flächen an den Tag legen, über eine hervorragende Standfestigkeit.
Eine robuste Wippe mit einer griffigen Auflage und ein trittfester True Bypass-Schalter vermitteln ebenfalls hohes Vertrauen in Sachen Langlebigkeit.
Das Gerät wird im Normalfall als erstes Glied zwischen Gitarre und Verstärkereingang noch vor einem eventuell benutzten Verzerrer in der Signalkette platziert und verfügt über einen Eingang und zwei Ausgänge (DRY und WET ADDED).
Der WET-Ausgang wird mit dem Amp, respektive weiteren Tretminen verbunden, der DRY-Out kann bei Bedarf einem Tuner zugeführt werden. Dies ist eine schöne Detaillösung, so kann man im Zweifelsfall auch „minderwertigere“ Tuner für den Live-Einsatz benutzen, welche sich im Normalbetrieb aufgrund der klanglichen Einbußen mit ihrer Elektronik nicht im Haupt-Signalweg befinden sollten.
Über eine MIDI-In-Buchse lassen sich die unterschiedlichen Programme des Pedals auch per Fernsteuerung verwalten. Alternativ kann man die einzelnen Programme auch mit einem Endlos-Regler auswählen. Ein 9V Netzanschluss, welcher nach satten 1,3 A Stromfluss verlangt, schließen den Anschlussbereich ab. Das Netzteil ist im Lieferumfang enthalten.

-- Roadtaugliches Metallgehäuse --
Das Whammy Pedal verfügt über insgesamt siebzehn Presets, welche in drei unterschiedliche Funktionsgruppen unterteilt sind:
Funktion 1: Harmony (dem gespielten Ton wird ein gleichlauter zweiter Ton hinzugefügt)
Intervall 1: Oct up/Oct Dn (reine Oktave darüber bei gedrücktem Pedal, reine Oktave darunter bei gezogenem Pedal)
Intervall 2: 5th Dn/4th Dn (reine Quarte darunter bei gedrücktem Pedal, reine Quinte darunter bei gezogenem Pedal)
Intervall 3: 4th Dn/3rd Dn (kleine Terze darunter bei gedrücktem Pedal, reine Quarte darunter bei gezogenem Pedal)
Intervall 4: 5th Up/7th Up (kleine Septime darüber bei gedrücktem Pedal, reine Quinte darüber bei gezogenem Pedal)
Intervall 5: 5th Up/6th Up (große Sexte darüber bei gedrücktem Pedal, reine Quinte darüber bei gezogenem Pedal)
Intervall 6: 4th Up/5th Up (reine Quinte darüber bei gedrücktem Pedal, reine Quarte darüber bei gezogenem Pedal)
Intervall 7: 3rd Up/4th Up (reine Quarte darüber bei gedrücktem Pedal, große Terze darüber bei gezogenem Pedal)
Intervall 8: Min 3rd Up/3rd Up (große Terze darüber bei gedrücktem Pedal, kleine Terze darüber bei gezogenem Pedal)
Intervall 9: 2nd Up/3rd Up (große Terze darüber bei gedrücktem Pedal, große Sekunde darüber bei gezogenem Pedal)
Funktion 2: Detune (das Signal wird verdoppelt und leicht bis stark verstimmt)
Shallow: leichte Verstimmung
Deep: stärkere Verstimmung
Funktion 3: Whammy (das Signal wird über die Wippe über den eingestellten Intervall nach oben oder unten gepitched)
Intervall 1: 2 Oct Up (das Signal wird zwei reine Oktaven nach oben gepitched)
Intervall 2: 1 Oct Up (das Signal wird eine reine Oktave nach oben gepitched)
Intervall 3: 1 Oct Dn (das Signal wird eine reine Oktave nach unten gepitched)
Intervall 4: 2 Oct Dn (das Signal wird zwei reine Oktaven nach unten gepitched)
Intervall 5: Dive Bomb (es wird der Vibrato-Einsatz eines Floyd-Rose Systems über 3 Oktaven nach unten simuliert)
Intervall 6: Drop Tune (das Signal wird um zwei Halbtöne nach unten verschoben)

Praxis
Angeschlossen, Intervall ausgewählt und los. Zunächst fällt die hervorragende Qualität des Tonsignals ins Ohr. Der Prozessor arbeitet klanglich sehr gut und lässt das Signal nahezu verfärbungsfrei durch.
Im Whammy Modus arbeitet der Prozessor zudem sehr schnell, man kann auch bei schnellem Spiel fast keine Latenz erkennen. Im Detune Modus benötigt der CPU komischerweise ein paar Millisekunden mehr, um das Signal bearbeitet wiederzugeben, dennoch ist die Rechengeschwindigkeit auch für schneller Passagen absolut ausreichend.
Die Wippe des Pedals ist in ihrer werkseitig eingestellten mechanischen Ausrichtung ein wenig gewöhnungsbedürftig, fängt ihr eigentlicher Regelweg im Whammy-Modus doch erst nach ca. der Hälfte der Kippbewegung an. Hier kann jedoch mittels einer Kalibrierung das persönliche Spielbedürfnis eingestellt werden.
Und der Effekt? Nun, wie bereits erwähnt, es lebt sich komfortabel wenn man einen Effekt „erfunden“ hat, welcher seinesgleichen sucht und natürlich auch durch entsprechende Patente geschützt ist. Willst Du Whammy, braucht Du DigiTech, ganz einfach!
Es lassen sich sowohl dezente Verfremdungen des Signals erzielen, als auch völlig überzeichnete Effekt-Passagen aus der „Dicke-Hose“ Abteilung generieren, alles in einer sehr guten Audioqualität und mit dem entsprechenden AHA-Effekt.

-- Draufsicht auf den Verstimmungskünstler --
Der Whammy Effekt ist tatsächlich einer der wenigen Outstanding-Effekte, welche es in den letzten Jahren zu Weltruhm gebracht haben. Seine einzigartigen Effekt-Parameter sorgen auch heute noch für offene Münder bei der sechssaitigen Fraktion und verfehlen ihre Wirkung nur selten, so auch beim Digitech Whammy 4.
Der gezielte und wohldosierte Einsatz des Produktes bereichert den Effektbereich des ambitionierten Solo-Gitarristen und weiß im richtigen tonalen Kontext zu überzeugen.
Gute Verarbeitung, gute Tonqualität, einzigartiger Effekt, was willst Du mehr?
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- Klassiker
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- massives Gehäuse
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- schneller Prozessor
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- verfärbungsfreier Klang
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