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Test: Beyerdynamic DT250, DT770 M, DT770 PRO, DT990 PRO

: Hagen Fin
29.09.2008



Beyerdynamic ist ein etablierter deutscher Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und Konferenztechnik. In diesem Bericht widmen wir uns vier Studiokopfhörermodellen und stellen sie den schärfsten Konkurrenten gegenüber.

Zunächst möchten wir Ihnen ein paar Grundlagen über Kopfhörer näherbringen. Die gängigen Studiokopfhörer setzen sich aus offenen, halboffenen und geschlossenen Systemen zusammen, die dynamische Schallwandler einsetzen. Geschlossene Systeme haben den Vorteil, nur sehr wenig Schall nach außen abzustrahlen und eignen sich daher sehr gut für das Monitoring bei Mikrofonaufnahmen. Halboffene und offene Systeme ermöglichen hingegen oft angenehmere Hörsessions, da die Luft um das Ohr zirkulieren und ein Druckausgleich stattfinden kann. Mikrofonaufnahmen sollten mit diesen Systemen aber vermieden werden, da sonst das Monitorsignal in der Aufnahme zu hören ist.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Tragekomfort, so sollte ein Kopfhörer nicht drücken oder zwicken, um auch nach stundenlangem Tragen noch ein angenehmes Arbeiten zu ermöglichen. Da nach einiger Zeit Ohr- und Kopfpolster auch aus hygienischen Gründen ausgetauscht werden müssen, sind eine gute Versorgung mit Ersatzteilen seitens des Herstellers und eine unkomplizierte Montage derselben äußerst wichtig.

Anders als bei Monitor-Lautsprechern darf bei Kopfhörern der Frequenzgang nicht linear sein, da sonst durch die Nähe der Schallwandler zum Ohr und die konstruktiv bedingten anderen Dimensionen die Wahrnehmung verzerrt werden würde. So haben also alle Kopfhörer einen bestimmten Frequenzgang, der von der Entwicklungsabteilung meist gewollt, eben nicht linear, ist. Dementsprechend klingen Kopfhörer verschiedener Preisklassen nach Anwendungsgebiet und je nach Hersteller komplett unterschiedlich.

Für Kopfhörer, die im Aufnahmeraum eingesetzt werden, ist eine Abschaltautomatik ein äußerst praktisches Feature. Dabei schaltet ein Kontakt im Bügel die Ohrmuscheln stumm, wenn der Kopfhörer nicht auf dem Kopf sitzt. Mal ehrlich: Wie oft ist es Ihnen als viel beschäftigter Toningenieur schon passiert, dass Musiker die Kopfhörer einfach angeschlossen liegen lassen und diese dann munter das Mikrofon beschallen? Oft merkt man das erst, wenn die Künstler schon abgereist sind oder wenn der Take besonders gut gelungen ist.

Die Impedanz des Kopfhörers ist ebenfalls ein wichtiger Punkt und je nach Anwendungsgebiet ausschlaggebend für die korrekte Anpassung an vorhandenes Equipment. In der Regel sind Kopfhörer mit einer Impedanz von ca. 32 Ohm bis 600 Ohm erhältlich, wobei 32 Ohm nur bei den kleineren Varianten zum Einsatz kommen. Die 600 Ohm Varianten sind für moderne Musikstudios heutzutage kaum noch relevant, sondern eher mit älterem Equipment kompatibel. Ohne jetzt ins Esoterische abschweifen zu wollen, so hat auch die Kombination Kopfhörerverstärker<=>Kopfhörer Einfluss auf den resultierenden Klang. Dieser Umstand ist jedoch bei solidem Equipment zu vernachlässigen.






DT 770 M
Der DT 770 M ist ein geschlossener und ohrumschließender Monitor-Kopfhörer mit einer Impedanz von 80 Ohm. Im Kabel ist ein kleiner Lautstärkeregler integriert, so dass der Musiker diese selbstständig regeln kann. Der Sitzkomfort ist straff, nicht unangenehm, unterliegt aber dennoch bei längerem Tragen im Vergleich zunehmend den anderen Kopfhörern.
Als Monitor-Kopfhörer zielt der DT 770 M vor allem auf Lautstärke als auf guten Klang. Gerade Schlagzeuger oder DJs können den eher mittenreichen Klang schätzen lernen, der durch relativ wenige und unaufdringliche Höhen das Gehör wenig anstrengt. Dafür mangelt es ihm an Transparenz, er klingt eher verwaschen. Eine Ortung und Beurteilung einzelner Instrumente fällt schwer. Die unteren Mitten sind betont, während Hallräume eher untergehen. Somit ist das Anwendungsgebiet überall dort, wo es auf Durchsetzungskraft ankommt und nicht etwa im Regieraum.

UVP: 199 Euro / Straßenpreis ~170 Euro






DT 990 PRO
Die mit Velours bezogenen Kunststoff-Ohrmuscheln sind in einer Metallgabel aufgehängt, wodurch der DT 990 PRO ebenfalls einen robusten Eindruck hinterlässt. Die klangliche Verwandtschaft zum DT 770 PRO ist gegeben, dennoch wirkt er durch das offene System regelrecht noch etwas "luftiger", dieser Eindruck kann aber auch nur psychologisch bedingt sein. Er ist übrigens diffusfeldentzerrt, was einer Abhörposition in einem Raum entsprechen soll. Dass man dennoch einen Kopfhörer nicht mit einer Abhöre in einem Raum wirklich vergleichen kann, dürfte klar sein. Die Hörwahrnehmung ist immer eine andere und im Falle einer Diffusfeldentzerrung nur eine grobe Näherung.

Der Klang ist recht ausgewogen mit einem Hang zum Höhenbetonten und etwas zu viel Tiefbass, wodurch man dem DT 990 PRO einen deutlichen HiFi-Touch zusprechen möchte. Der Tragekomfort ist vorbildlich, er sitzt einfach perfekt, und schwitzige Ohren werden wirkungsvoll vermieden. Durch die hohe Transparenz sind alle Instrumente deutlich zu orten, aber zum Abmischen färbt mir der 990er dann doch etwas zu viel. Der Klang geht dann doch zu sehr eher in Richtung "Verwöhn-Aroma". Die Impedanz beträgt übrigens 250 Ohm.

UVP: 185 Euro / Straßenpreis ~130 Euro




DT 250
Der Name ist Programm, der DT 250 wird mit 250 Ohm Impedanz ausgeliefert. Er ist ein ohraufliegendes, geschlossenes System, was mir persönlich nicht zusagt. Zum einen leidet der Tragekomfort etwas, zum anderen dringt für Monitorzwecke noch zu viel Schall nach außen. Andere Personen werden hier jedoch sicher auch Vorteile im Tragekomfort gegenüber einem ohrumschließenden System finden. Laut Beyerdynamik handelt es sich sogar um einen ohrumschließenden Kopfhörer, vielleicht sind meine Ohren etwas zu groß für die Norm. Der Bügel besteht im Gegensatz zu den anderen Modellen aus leichtem aber dennoch beanspruchbarem ABS-Kunststoff.

Der Frequenzgang ist ordentlich und resultiert in einem direkten, unspektakulären und unaufdringlichem Klangbild. Jedoch fehlt es etwas an Low- und High-End, was vor allem für Monitoring-Zwecke sehr gut geeignet ist. Zur qualitativen klanglichen Kontrolle würde ich aber andere Modellen vorziehen.

UVP: 170 Euro / Straßenpreis ~140 Euro






DT 770 PRO
Als geschlossener und ohrumschließender Kopfhörer bildet der DT 770 PRO das Gegenstück zum offenen DT 990 PRO. Er verfügt ebenfalls über Velours-Ohrpolster und einen sehr hohen Tragekomfort, der die volle Konzentration auf das Klanggeschehen lenken lässt. Klanglich ähnelt er dem DT 990 PRO sehr stark, unterscheidet sich jedoch bedingt durch die geschlossene Ausführung. Hierdurch kann der DT 770 PRO auch als Deluxe-Monitor fürs Playback eingesetzt werden, falls die Musiker besonders anspruchsvoll sind. Er ist als 250 Ohm und 80 Ohm Variante lieferbar.

UVP: 185 Euro / Straßenpreis ~130 Euro


Mitbewerber AKG 271 Studio
Als Mitbewerber geht der AKG 271 als ohrumschließender, geschlossener Kopfhörer ins Rennen. Seine Impedanz beträgt nur 55 Ohm, und so begnügt er sich auch mit schwächeren Verstärkern. Der Tragekomfort ist sehr gut, und eine Abschaltautomatik ist ebenfalls vorhanden. Klanglich trumpft er mit großem Detailreichtum: Zu starke Kompressionen sind genauso deutlich hörbar, wie zu heftige EQ-Bearbeitungen. Dazu kommt eine sehr gute Tiefenstaffelung und Raumabbildung, gepaart mit einem sehr natürlichen Frequenzgang. Den AKG würde ich auch als zum Abmischen geeignet betrachten, wobei dies natürlich bei Kopfhörern immer mit Vorsicht zu genießen ist, da die Raumwahrnehmung bei Kopfhörern generell immer verfälscht ist.

UVP: 225 Euro / Straßenpreis ~180 Euro


Fazit
Die Beyerdynamic Kopfhörer sind auch heute noch Qualitativ gegenüber der Fernost-Produktschwemme überlegen und können klanglich wie qualitativ voll überzeugen. Es mag sein, dass der AKG meinen persönlichen Geschmack eher trifft als die Beyerdynamik Modelle, da ich schon lange mit diesem Modell arbeite und auch schon tief eingehört bin. Aber auch ich stand damals vor der Entscheidung: „Sennheiser, Beyerdynamik oder AKG“? Ich habe mich mit mir vertrautem Musikmaterial in den Laden gesetzt und ein paar Stunden im Vergleich gehört. Genau das sollten auch Sie machen, wenn Ihnen das letzte Quäntchen Qualität und persönliche „Passgenauigkeit“ wichtig sind.

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