
Vorwort der Redaktion:
Liebe DJs und Live Acts! Wir gestehen: Wir haben Euch sträflich vernachlässigt und geloben ab sofort Besserung. Aus diesem Grund haben wir die DJ-Redaktion um 5 (richtig gelesen FÜNF) neue Autoren aufgestockt und werden den Output an redaktionellen DJ- und VJ- Artikeln von nun ab deutlich steigern.
Dabei werden wir auch immer wieder Produkte beleuchten, die vielleicht nicht ganz neu sind, aber denoch hoch interessant, um sie nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen. Dazu gehört auch das KAOSS PAD 3 von KORG, welches Dennis Herzberger für Sie getestet hat.
Korg Kaoss Pad 3 - Die Effektmaschine
Für unkompliziertes Verbiegen von Audiosignalen ist seit ca 10 Jahren Korg's Kaoss Pad erfolgreich zuständig. Das einfache und intuitive Bedienkonzept macht es jedem Musiker möglich, die Effekte schnell und effektiv einzusetzen. Seit dem Erscheinen vom KP2 (Kaoss Pad 2) im Jahr 2002 hat sich einiges verändert, nicht jedoch des Erfolgsprinzip "Touchpad". Das KP3 wurde 2006 Released und kommt in angenehmen Rottönen bei Musikern, DJs und Produzenten daher. Der Funktionsumfang wurde ebenfalls gehörig erweitert und lässt das Herz eines jeden Live Artisten höher schlagen. Aber der Reihe nach:
Hardware
Ein wenig erinnert das Gehäuse des KP3 an eine Konsole aus einem Star Fighter. Die Verarbeitung hat den mittlerweile von der zweier Version gewohnten robusten Standard. Es ist eine Metall- legierung und so ohne Probleme mit 1,3kg überall einsetzbar und kann einiges an Erschütterung weg stecken. Die Taster für die Samples, Mute und Tab haben einen minimalen Druckpunkt und erledigen ihre Arbeit zuverlässig. Der FX Release Fader könnte für meinen Geschmack einen stabileren Zug haben. Generell ist das Gerät sehr hochwertig verarbeitet und man muss selbst bei rauher Benutzung keine Bedenken haben, dass jederzeit etwas kaputt gehen könnte.
Good old times
Die Effektprogramme sind, wie von der Kaoss Familie gewohnt, via Drehpoti anzusteuern. Der Effekt kommt durch Berührung des Touchpads zustande. Je nach Lage des Druckpunktes auf dem X/Y-Pad verändert sich die Modulation und somit der Klang. Die Pixelmatrix macht es einfach zu sehen, wo z.B. der letzte Berührungspunkt war ("Hold" Funktion) und verfolgt die zuletzt aufgenommenen Bewegungen ("Pad Motion") mit 3-5 umliegenden Pixeln. Die gute Klangqualität des KP2 wurde aufgegriffen und abermals deutlich verbessert. Alte Bekannte wie Synthesizer, Looper, Delay, Reverb und Filter trifft man gerne wieder. Die Gebrüder Midi-IN/OUT sind ebenfalls erhalten geblieben genauso die Fähigkeit des Samplings der Quellen LineIn oder Mic.
What's new?
Die Liste an Neuereungen ist nicht gerade kurz und ich stelle fest, dass Korg sich redlich den Kopf über Verbesserungen zerbrochen hat - mit Erfolg. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, die Kaoss Truppe kann Gedanken lesen. Meinen Wünschen sind Sie zumindest entgegen gekommen. ;-) Nettes Gimmick: Die Namen der Effektpresets scrollen durch das Touchpad, womit die Wahl leichter fällt.
Fade it!
Wo früher Effekte teilweise hart eingriffen und ebenso rabiat wieder ausklangen, ist heute ein FX Release Fader spendiert worden. Dieser sorgt für individuelle Delay-Fahnen jeden Programms. Dank dieser Nachklangzeit, welche auch Beat synchron läuft, gehören abgehackte Effekte der Vergangenheit an.
Eine weitere Aufgabe des Faders ist es, die Gesamtlautstärke der Samples zu regeln.
Record everything
Der ehemalige Sample-Knappe wurde von Korg selbst zum Sample-König erhoben und das nicht zu unrecht. Mit 16-Bit/48KHz und einem 24-Bit Wandler gibt es Qualitätstechnisch nichts zu meckern. Die Soundschnipsel finden auf insgesamt 4 Bänken Platz. Maximal 100 können auf einer SD Karte gespeichert und ausgelesen werden. Ihre Gesamtlautstärke lässt sich mit dem FX Fader regeln. Nacharbeiten wie die Verschiebung des Startpunktes einstellen und die Lautstärke einzelner Samples werden im Sample Menü vorgenommen. Die Time-Slice Funktion schnibbelt die maximal 16 Taktschläge auseinander. Somit ist es möglich, auch nur einzelne Parts des Samples abzuspielen. Das ist bei Percussion Sounds äußerst hilfreich, um schnell einen neuen Beat zu kreieren. Dies läßt sich so gut realisieren, da als Maßeinheit keine Sekunden sondern Taktschläge benutzt werden. Abgespielt wird das fertige Ergebnis durch die entsprechende Bank Taste. Seit dem Update auf Firmware 2.0 ist ein "Gate-Play" hinzugekommen. Die Bank läuft synchron mit, wird jedoch nur abgespielt bei gedrücktem Taster, also geöffnetem Gate.
Der nächste neue Kandidat im Bund heißt "Resampling". Aufgenommenes von der Samplebank abspielen lassen, mit einem Effekt versehen und wieder aufnehmen. Abspielen, verfremden, aufnehmen. Klingt fast einfach und ist es auch. Für Effektsüchtige genau das richtige zum Spielen ohne Reue. Sowohl Sampling und Resampling laufen mit ein wenig Übung flüssig und taktgenau. Notfalls kann nachjustiert werden. Neu ist auch das Auto BPM. Somit hat das lästige "TAP - 2 - 3 - 4 ... TAP - 2 - 3 - 4" ein Ende. Ganz zu Freuden eines DJs, der bekanntlich wenig Zeit während des Plattenmischens hat und sich die Tempoanpassung sparen kann. TiPP: Um Platz auf den Bänken zu sparen, einfach 2 oder 3 Samples gleichzeitig starten und auf einer freien Bank erneut recorden. Wie bereits erwähnt, kam ein SD Card Slot hinzu. Generelle Einstellungen wie Midi Setup, Effekt Einstellungen und Samples werden auf der Karte verwaltet. Lediglich das Wechseln ist mühselig, da die Effektmaschine erst nach einem Neustart die Karte erkennt.

Software..
Diesen Punkt gab es bei einem Kaoss Pad bislang nicht. Nun hält aber der KP3 Editor Einzug auf dem Computer. Er bietet komfortable Verwaltung und Archivierung von Einstellungen. Das Setup kann via USB flux gesendet oder empfangen werden. Ein feine Sache auch zum analogen Aufnehmen und Speichern. Wo früher komplizierte Tastenkombinationen herhalten mussten, steht jetzt eine deluxe Konfiguration am PC oder MAC.
Need some Effect?
Hinzugekommen zu den Effektpresets sind erwachsene Synthie-Klänge und Drumsounds. Sie klingen nicht mehr nach Plastik wie beim Vorgänger sondern warm und breit im Klangspektrum. Urheber hierfür ist Korg's Radias. Klar sollte sein, dass die Synthesizer nicht dafür ausgelegt sind, bekannte Melodien nachzuspielen, sondern als sinnvolle Drone einzusetzen sind. Insgesamt wirkt die Auflösung weicher und runder. Hier wurde ordentlich an den Algorithmen gefeilt. Tote Pegelzonen auf dem Touchpad bleiben weitestgehend aus. Die neuen Graineffekte greifen taktgenau und verzerren das Signal ohne dabei spitz zu klingen oder zu übersteuern. Modullieren lässt sich mit dem KP3 ganz hervorragend. Selbst betagte Filter, welche lange nicht mehr aus dem Effekt-Hut gezogen wurden wie Phase, Flanger, Bit-Crusher oder Pitch machen dank Fingerreibung wieder Spaß. Delay und Reverb sind für den schnellen Einsatz genügend, jedoch nicht vergleichbar mit Highend Hall. Anregend zum Experimentieren sind auch die Looper Presets. Meine persönlichen Favorites. Mit ihnen und einem nachgeschalteten Effekt lassen sich Songs in Echtzeit umstrukturieren.
Die Midi Connection
Warum hat Midi einen eigenen Abschnitt bekommen? Der Clou ist, es kann als externer Midi Controller verwendet werden. Das Touchpad sowie die einzelnen Taster können Midibefehle (CC) senden. So wird das Touchpad z.B. in vier Abschnitte eingeteilt, welche als virtuelle Fader fungieren und mit dem Finger auch so zu bedienen sind. Dies ermöglicht eine Steuerung von den Kanalzügen in Ableton Live & Co oder um die Levels und Parameter von Plugins zu verändern.
Für mich schlägt das KP3 die perfekte Brücke zwischen Vinyl und externen Klangerzeugern (Notebook, Synthesizer, Drumcomputer). Auch ein Einsatz von Ableton’s Live oder anderen Sequencern kann realisiert werden. Ein netter Nebeneffekt: BPM Sync und Effektgerät in einem vereint.
Ich hänge es als Taktgeber (Midi Master) vor einen Electribe MX (Slave). Deren Sequencer kann z.B. einen Synthesizer steuern und via MIDI-Thru werden Clock Signal und Controller Befehle an das nächste Gerät in der Kette weiter gegeben. Jedoch benötigen Maschinen mit Lauflichtsequenzern nach der Umstellung auf “Clock Extern” einen Startbefehl. Ohne eigenes Zutun wird man lange warten können, ehe das Effektgerät diesen freiwillig sendet. Da das Kaoss Pad 3 aber als regulärer Midi Controller verwendet werden kann, ist die Möglichkeit vorhanden, es dazu zu nötigen. ;-)

Im Editor in die Gruppe “Ext.Crtl & Global” wechseln, für Start|Stopp einen Taster wählen, im Bsp. Sample A & Sample B Sample A wird unter Assign Type”Start” zugewiesen Sample B wird unter Assign Type “Stop” zugewiesen. In der Gruppe Global die Midi Clock auf “internal” stellen, Einstellungen an das KP3 senden.
Die Einstellungen sind schon abgeschlossen. Jetzt fehlt lediglich das Kabel aus dem MIDI-Out, ein Line-In Signal und schon läuft die Sache. Synchron! Via Auto BPM findet das Gerät die Geschwindigkeit. Zum Anstoßen des restlichen Aufbaus wird in den EXT.CTRL Modus mit SHIFT + 8 gewechselt. Das Konzert sollte nach Bestätigung mit Sample A beginnen. Durch Verlassen des Controller Modus arbeitet das Pad wieder als Effektgerät. Etwaige Timing-schwankungen können ebenfalls korrigiert werden (SHIFT + TAP).
Fazit:
Das Kaoss Pad 3 macht im Live Betrieb eine sehr gute Figur und genausoviel Spaß wie die Vorgänger. Die Neuerungen sind sinnvoll und erleichtern die Arbeit. Ich kann es jedem, der seiner Musik Nachdruck und eine persönliche Note verleihen will, ohne schlechtes Gewissen empfehlen. Ein Produkt, welches sich bestimmt über mehrere Jahre bezahlt macht und mit dem man sich schnell anfreunden kann - eben ein allround Talent!
PLUS:
+ FX Release Fader
+ Midi Controller
+ Auto BPM
+ Qualitativ hochwertige Effekte
+ Software Editor
+ Sample Handling
MINUS:
- SD Kartentausch
- Kein Festspeicher für Samples
Straßenpreis: 398,-- Euro
