Weitere Suchoptionen:


erweiterte Suche

Online Ratgeber Audiointerfaces
Was ist Latenz?

 
Die Übertragung der Daten über den Bus braucht eine gewisse Zeit, es gibt eine Verzögerung zwischen dem Moment, an dem die Soundkarte ein Samplewert bereitstellt und an dem dieser Wert im Programm eintrifft (vermittelt durch den Treiber). Diese Verzögerung bezeichnet man als Latenz.

Verkompliziert wird die Sache dadurch, dass streng geregelt sein muss, wer wann was über den Bus schicken darf, damit nichts verloren oder durcheinander geht. Das schluckt etwas Rechenleistung. Zudem muss für die seriellen Strippen von FireWire und USB eine Sicherheitsreserve eingebaut werden, die das Abreißen des Datenstroms in gewissen Grenzen abfangen kann. Dafür werden so genannte Datenpuffer zwischengeschaltet, die immer eine gewisse Menge des Datenstroms vorrätig halten, um eine Lücke zu verhindern. Diese Puffer erhöhen die Latenz nochmals (übliche Werte sind hier durchaus im Bereich von 32 bis 64 Samples angesiedelt). Vorteil PCI: Dank paralleler Übertragung und hoher Transferrate ist hier keine Sicherheitsreserve nötig, man wird mit einer PCI-Audiokarte immer eine höhere Chance auf kleine Latenzwerte haben als mit USB- oder FireWire-Interfaces.

Doch nicht nur die Datenübertragung ist latenzbehaftet, auch die ADC- und DAC-Bausteine benötigen für die Wandlung eine gewisse Zeit, was sich um ca. 1ms bis 1,5ms bewegt – wahrlich nicht viel, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Der Letzte im problematischen Bund der Latenzen ist die Audiosoftware bzw. der Prozessor des Computers: Der muss so schnell rechnen können, dass innerhalb der Pufferzeit des gesamten Systems der nächste Wert zur Wandlung bei der Soundkarte eintrifft bzw. beim Aufnehmen von der Karte abgeholt werden kann. Kommt es hier zur Lücke, fehlt den Wandlern die Information, bzw. es wird das anstehende Sample der Aufnahme nicht gespeichert, was im Endeffekt in beiden Fällen zum gleichen Ergebnis führt: Es knackst.

Zusätzliche Latenz kann durch Plug-ins im Audioprogramm entstehen. Längst nicht alle Plug-ins erzeugen Latenz. Ein look-ahead Compressor muss aber z.B. erst Pegel messen, bevor er weiß, ob er regeln muss. An solchen Latenzen kann auch der flotteste Soundkartentreiber nichts ändern.


Wann und wen stört die Latenz?

Dass es zu diesen Verzögerungen kommt, muss nicht zwingend in jeder Situation ein Nachteil sein. Solange das Ohr keinen Vergleichsbezug zum latenzunbehafteten (Direkt-)Signal hat, spielt die Verzögerung überhaupt keine Rolle. Das ist z.B. beim Rechner-internen Abmischen der Fall, wenn nur noch Spuren wiedergegeben werden – ob nach dem Drücken auf Play eine Verzögerung von 23 ms auftritt oder nicht, ist völlig schnuppe. Man kann sogar die Latenz gewollt hochschrauben, um mehr Rechenleistung zur Verfügung zu haben (denn der Prozessor hat dann ja mehr Zeit, bis das nächste Sample zur Soundkarte geschickt werden muss).

Störend wird die Latenz, sobald ein Bezug zwischen Eingabe und Ausgabe besteht. Spielt man einen virtuellen Synthesizer, der auf dem Computer berechnet wird, spürt man jede größere Verzögerung, die zwischen dem Tastendruck auf dem Keyboard und dem ausgelösten Klang auftritt. Auch ein Sänger, der sich im eigenen Kopfhörer mit einer leichten Verzögerung hört, dreht bald am Rad. Im letzteren Fall kann aber leicht mittels Direct-Monitoring Abhilfe schaffen: Der Sänger bekommt einfach ein analog oder direkt hinter dem Wandler abgezwacktes Signal, und schon hört er sich verzögerungsfrei.

Extrem kleine Latenzen (unter ca. 10 ms) braucht man also zwingend nur beim Einspielen von virtuellen Klangerzeugern oder um mit Modelling Software wie NI Guitar Rig in Echtzeit arbeiten zu können.

 
[<< vorherige Seite] [nächste Seite >>]

 

Inhaltsverzeichnis:

[Inhalt] [Entstehungsgeschichte] [Funktionsweise] [PCI, USB & FireWire] [Eine Frage des Treibers] [Was ist Latenz?] [Ausstattungsmerkmale] [Entscheidungshilfen] [Häufig verwendete Fachbegriffe (FAQ)] [Fazit] [Unsere aktuellen Angebote] [Feedback]