Videoblog

BANDINTERVIEW: PHRASENMAEHER

03.11.2010

Musikvideo und Interview mit Phrasenmäher

 
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Interview:

Euer neuester Clip "(Online) hab ich ein Haus" ist bereits euer dritter Videoupload auf c-tube. Der Song besticht durch eine famose, erdige und glasklare Produktion; das Video zeigt uns, wie bei den Vorgängern, eine komplette Geschichte in einem Minifilm. Erzählt uns bitte alles Nennenswerte zu diesem Clip! Wer hat das Storyboard konzipiert? Mit welchem Team habt ihr den Dreh realisiert? Wie habt ihr das Projekt finanziert und wann schließlich umgesetzt?

PHRASENMÄHER: Storyboard und Drehbuch für "Online (hab´ ich ein Haus)" wurden zusammen von Felix Ludewig, unserem Regisseur, und Jannis entwickelt. Felix hatte das auch schon für die Videos zu "Vater" und "Im Sog der Breitnis" gemacht. Unserer Meinung nach passt er durch sein musikalisches Gespür und sein Feingefühl für unsere Songs optimal zu uns.

Der Clip zu "Online..." hat ganz bewusst einen großen Realitätsbezug, damit wir auch noch einmal verdeutlichen, dass wir das Thema des Liedes auch auf uns beziehen. Der Schauplatz des Videos ist der Parkplatz, auf dem wir drei auch im wirklichen Leben arbeiten. Einen Großteil der Statisten kennen wir von unserer Arbeit als Parkwächter. Auch der Aufseher aus dem Video darf uns bei unserem wirklichem Parkplatznebenjob Befehle geben und steht ein Stück weit über uns auf der Gehaltsliste. Weitere Statisten haben wir über unsere Onlineplattformen, per Newsletter und Homepageaufruf gecastet. Den Käfer haben wir uns über ein Forum für Käferliebhaber organisiert. Dass unser Manager Andreas "Bär" Läsker mitspielt, war zunächst gar nicht geplant. Eigentlich wollten wir ihn nur nach seinem Porsche fragen. Als er das Drehbuch gelesen hat, hatte er aber sofort Bock, den Porschefahrer zu spielen. Wir sind eigentlich ziemlich froh darüber. Manchmal machen Typbesetzungen einfach Sinn...

Das Team hinter der Kamera besteht zum Großteil aus Freunden, die aber alle in diesen Bereichen professionell arbeiten. Einerseits ist die Stimmung am Set dadurch immer ziemlich locker. Andererseits wird die Verwirklichung der Videos dadurch erst möglich, denn die Budgets für unsere Videos sind nicht besonders hoch. Neben der Bezahlung ist daher auch der Spaß an der Arbeit ein großer Antrieb für alle Beteiligten aus wenig Mitteln möglichst viel herauszuholen. Wir sind allen dafür unglaublich dankbar.

Dass die Videos nicht teurer produziert werden können, liegt daran, dass wir sie zum Großteil aus eigener Tasche finanzieren. Bei "Vater" und "Im Sog der Breitnis" hatten wir das Glück, dass wir auf eine Förderung der "Initiative Musik" zurückgreifen konnten. Das hat uns damals natürlich enorm entlastet.

Die Umsetzung von "Online (hab´ ich ein Haus)" war für unsere Verhältnisse besonders schnell. Das lag natürlich auch an der Erfahrung aus der Vergangenheit. Zwischen der ersten Idee fürs Drehbuch und dem letzten Drehtag lagen diesmal nur dreieinhalb Wochen. In dieser Zeit mussten das Team, die Drehorte, Equipment usw. gefunden und organisiert werden. Es war uns vorher echt nicht klar, ob wir das so schnell hinbekommen würden. Der Schnitt und die Bildbearbeitung haben dann auch noch einmal zwei Wochen gedauert. Insgesamt haben wir für alles also knapp sechs Wochen benötigt.


Wie sind die Reaktionen auf diesen Videosong, der mit einer ganz feinen Art das Dilemma des so genannten Second Life aufzeigt? Held in der digitalen Parallelwelt, aber ob das wahre Leben funktioniert bleibt der Spekulation überlassen...

PHRASENMÄHER: Die Kommentare sind fast ausschließlich positiv, was uns natürlich freut. Vielleicht liegt es daran, dass wir eher sanft an das Thema "Internet/Web 2.0" herangehen. Selbstironie ist dabei eine wichtige Grundlage. Wir kritisieren das Web 2.0 ja nicht ausschließlich, sondern illustrieren hauptsächlich die Fragen, die es aufwirft. Den selbstironischen Umgang haben wir versucht, auch durchs Video zu verstärken. Wir nehmen uns ja selber nicht aus der Sache heraus. Auch wir sind gerne Helden im Netz. Und unsere eigene Position zum Netz ist natürlich ambivalent. Wir sind extrem auf das Web 2.0 und Online-Präsentationsflächen angewiesen. Aber das ist auch für uns immer wieder merkwürdig und hinterfragenswert.

Selbstverständlich gibt es aber auch Kritik an "Online (hab´ ich ein Haus)". Der Refrain wird manchmal als zu seicht empfunden. Aber damit hatten wir auch schon ein bisschen gerechnet. In der Tat, ist der Refrain sehr seicht angelegt, auch für unsere Verhältnisse. Aber das war eine bewusste musikalische Entscheidung von uns, um die Naivität des Textes zu verstärken. Insgesamt sind wir echt glücklich über die Reaktionen.


Habt ihr das Thema aus eurer eigenen Erfahrungswelt entnommen, oder gab es vielleicht abschreckende Beispiele aus nächster Nähe?

PHRASENMÄHER: Natürlich betrifft uns das Thema selber, wie bereits angedeutet. Bei unseren Liedern geht es eigentlich immer um Dinge, die uns oder unser Umfeld betreffen. Man selber ist ja leider oftmals das abschreckendste Beispiel. Aber logischerweise sind wir auch nicht so blöd uns selber bloß zu stellen und deswegen verwurstet man dann auch so ein paar andere Beispiele in den Liedern. Aber die dürfen wir hier nicht nennen. Datenschutz und so, nä...! Letztendlich zeigt das Internet ja immer nur einen Teil von einem. Kein Profil ist in der Lage, einen Menschen in all seinen Facetten komplett wieder zu geben. Außerdem ist jedes Profil auch immer eher Spiegelbild der eigenen Wahrnehmung von sich, als ein Spiegelbild der eigenen Persönlichkeit. Dieses Dilemma war auch ein Kerngedanke bei dem Lied. Vielleicht so was wie die Initialzündung. Aber vielleicht wird es jetzt auch zu pathetisch...


Welche Beziehung habt ihr zur Netzwelt und der Blogosphäre? Wie nutzt ihr die digitalen Möglichkeiten? Wo lauern eurer Meinung nach die Fallstricke und wie geht ihr damit um?

PHRASENMÄHER: Wir haben alle eine private und eine berufliche Beziehung zum Netz. Wir gehören ja schon einer Generation an, die das Internet für fast alle Tätigkeiten nutzt. Natürlich sind wir alle drei auch Mitglieder in sozialen Netzwerken. Allein schon aus Neugier. Aber keiner von uns ist aktiver Blogger. Höchstens für die Uni. Da sieht man dann ja auch wieder, wie sehr die Netzwelt und die Blogosphäre für unsere Generation Teil der Alltagswelt geworden sind. Das wäre dann so ganz grob unser privater Bezug zum Netz. Durch Phrasenmäher verstärkt sich das noch einmal um ein Vielfaches. Mittlerweile reichen eine Homepage und dazugehörige Newsletter einfach nicht mehr aus. Myspace, Facebook, Youtube, c-tube, Lastfm, StudiVZ, Regioactive, das sind nur ein paar größere Portale die wir nutzen. Es gibt mittlerweile so viele Dinge, auf die man als Band zurückgreifen kann und die auch Sinn machen. Aber da lauert auch der erste Fallstrick: die Masse alleine bringt noch nichts. Alle Portale müssen gepflegt werden. Am Besten, man weiß auch warum man welches Portal wofür benutzt. Wir haben uns die Seiten daher aufgeteilt und jeder verwaltet ca. ein Drittel, beantwortet dort Fragen, pflegt Konzerte ein und so weiter. Nur Facebook verwalten wir alle drei gemeinsam, da das mittlerweile die Hauptkommunikationsplattform ist. Unsere Homepage ist hingegen eher eine Informationsseite, bei der auch hauptsächlich Nachfragen solcher Art kommen. Natürlich überlegen wir auch immer wieder, welche Seiten wir nicht mehr brauchen. Mit Twitter haben wir uns bisher noch nicht so richtig angefreundet. Zu viel darf es auch nicht werden. Trotzdem bleibt der Gedanke an einen Blog oder Videoblog bestehen. Und da kommen wir auch schon zum nächsten Fallstrick. Gerade als Band muss man natürlich aufpassen, dass die Anzahl der Views bei Myspace, der Listeners bei Lastfm und der Klicks bei YouTube nicht zum Hauptaugenmerk werden. Die Anzahl der Konzertbesucher, CD-Verkäufe und Radioplays sind für das Überleben einer Band schließlich immer noch entscheidender. Der permanente Abgleich mit der Offline-Realität ist unglaublich wichtig. Na ja, und da wären wir wieder bei der "Online (hab´ ich ein Haus)"-Thematik.


Phrasenmäher erscheint uns spätestens mit dem neuesten Videosong ("Online...) als eine gereifte Band, die ein klares Konzept verfolgt, einen symphatisch-luftigen Sound hat und eine hohe Qualität zu erreichen vermag. Das macht neugierig auf die Geschichte! Bitte skizziert den Werdegang von Phrasenmäher für alle, die noch nie etwas über euch in Erfahrung bringen konnten. Wie habt ihr euch gefunden, wann hat alles angefangen, welche Steine hattet ihr auf eurem Weg zu einer funktionierenden Band aus dem Weg zu räumen, eure größten Erfolge bisher und mit welchen Schwierigkeiten habt ihr aktuell zu kämpfen?

PHRASENMÄHER: Im Jahr 2003 haben wir uns in Hamburg gegründet. Ganz klassisch als Nachfolgeband einer Schülerband. Zwei Brüder und der beste Freund. Die ersten Jahre haben wir nicht so wirklich ernst genommen. Aufgetreten sind wir dann, wenn es uns angeboten wurde und geprobt haben wir unregelmäßig. 2005 ist Jannis nach Hildesheim gezogen. Dadurch haben wir aufgehört nur in Hamburg zu spielen. Hildesheim wurde so was wie unsere neue Bandbasis. Dort haben wir dann auch Sören Haag, den Gründer unseres Plattenlabels flowfish.records und Lisa Trümner getroffen, die mittlerweile Teil des 5er-Teams Phrasenmäher sind. Nur gehen halt nur drei Leute bei uns auf die Bühne und machen die Musik. Alle Planungen, Produktionen, Videos und so weiter werden aber zusammen gemacht. Statt auf die Bühne zu gehen, übernehmen Sören und Lisa halt einen Großteil des Tagesgeschäfts. 2006 ist Lenne nach Lüneburg gezogen. Dort haben wir dann auch unseren ersten Contest gewonnen und durften zum ersten Mal zusammen mit größeren Bands wie MIA und den Shout Out Louds spielen. Nach der Veröffentlichung unseres Debütalbums "Ode an die Leude" Ende 2008 haben wir dann noch erfolgreich bei ein paar weiteren Contests teilgenommen, zwei Mal die Förderung der "Initiative Musik" erhalten und endlich angefangen richtig viel und deutschlandweit live zu spielen. Mittlerweile haben wir zwei Festivalsommer hinter uns und werden dieses Jahr wieder 60-70 Konzerte gespielt haben. Da die Musik immer mehr Zeit in Anspruch nimmt, musste unser alter Drummer leider aufhören. Glücklicherweise konnten wir dafür aber Martin letzten Sommer als neues Mitglied in der Band für uns gewinnen. Seit Anfang diesen Jahres arbeiten wir nun mit dem Fanta 4-Manager Andreas "Bär" Läsker und Four Artists als Booking Firma zusammen. Man könnte das alles natürlich noch viel ausführlicher beschreiben, aber das würde jetzt den Rahmen sprengen. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir die Bandarbeit seit dem Sommer 2007 intensiver und mit einem ständig wachsenden Team betreiben, wir seit 2008 deutschlandweit auf Tour sind und mit "Ode an die Leude" unser erstes Album im Handel erhältlich ist. Nächstes Jahr kommt das noch einmal in einer erweiterten Version und mit Live-DVD auf den Markt.

Davon zu leben ist aber immer noch schwer. Es ist ein Fulltime-Job, bei dem große Teile der Arbeit als Nichtarbeit gewertet werden. Zudem gibt es mittlerweile einen riesigen Pool an Bands. Fast jeder Band ist es durch den technischen Fortschritt möglich, selber CDs zu produzieren. Es wird immer wichtiger, aber gleichzeitig auch immer schwieriger, herauszustechen. Durch die Vielzahl der Bands, sinken natürlich auch die Gagen für kleinere Bands bei Festivals. Es gibt immer wen, der auch umsonst spielen würde und wenigstens ein Mindestmaß an Qualität liefert. In unserem speziellen Fall kann man vielleicht noch sagen, dass es nicht immer einfach ist, lustige Lieder als qualitativ hochwertig darzustellen und durchzusetzen.


Für uns klingen eure Songs nach lupenreinem Pop. Mit der folgenden Umschreibung aus eurem c-tube Profil haben wir allerdings so unsere Schwierigkeiten: "Auffällig an der musikalischen Bandbreite dieser Band ist die nicht nur horizontale, sondern vielmehr auch vertikale Ausrichtung. Dies ermöglicht eine musikalisch-dreidimensionale, freie Bewegung in verschiedenen Genres." Hmmm... das kann alles und auch gar nichts bedeuten! Mit welcher Alternativbeschreibung könnte man einem Phrasenmäher-Unkundigen eure Musik noch näher bringen (und zwar so, dass man kein Kunststudium dafür absolviert haben muss ;-)?

PHRASENMÄHER: Tja, da habt ihr natürlich nicht so ganz Unrecht. Die drei Lieder auf c-tube sind wirklich recht poppig. Vor allem "Im Sog der Breitnis" und "Online (hab´ ich ein Haus)". Unser Live-Repertoire reicht allerdings von A-cappella-Songs über Seemannslieder, Pop und Ska bis hin zu Rock. Manchmal kommt auch ´ne Prise Kleinkunst dazu. Gut gemachter Pop bedient sich aber letztendlich immer der unterschiedlichsten Genres.

Unsere Bandbeschreibung ist natürlich nicht ganz ernst gemeint und ist ein bisschen angelehnt an viele bedeutungsschwangere Beschreibungen, die uns begegnet sind. Es gibt anscheinend eine Menge Bands, welche die Welt verbessern und die Kunst neu erfinden wollen. Wir wollen die Welt lieber beobachten, beschreiben und mit Humor zum Hinterfragen anregen. Ach ja, und selber einfach Spaß haben, deswegen auch so eine Beschreibung. Aber trotzdem macht sie auch Sinn: "Horizontal" bedeutet so viel aus einem Genre herauszuholen wie möglich, bspw. den Ska in all seinen Facetten auszuschöpfen. Mit "vertikal" meinen wir, die Genres übereinander zu stapeln. Die "Dreidimensionalität" steht dafür, dass wir auch Dinge aus dem Publikum aufgreifen und häufig in unseren Konzerten mit einbeziehen. Anders formuliert heißt das letztendlich, dass Phrasenmäher eine Band ist, die ganz bewusst viele Genres, die ihr gefallen, in einen Topf packt, daraus Pop macht und das Publikum in Konzerten mit einbezieht. Die Beschreibung war mit einem leichten Augenzwinkern gemeint, was ja häufiger bei uns vorkommt. Aber wir nehmen eure Kritik gerne an und lassen uns demnächst mal was Neues einfallen. Eine Beschreibung sollte eigentlich verständlich sein. Da habt ihr schon Recht.


Das bringt uns direkt zu eurer Produktion: Wie setzt sich euer Equipment zusammen, was verhilft euch zu dem Klang euer Produktionen?

PHRASENMÄHER: Wir nehmen mit dem Mac G5 Dual Core und Logic Audio auf. Interface: Motu MkIII alternativ Focusrite Saffire Pro 40. Bei vielen Signalen gleichzeitig kaskadieren wir das noch mit dem 03D-Pult von Yamaha. Davor wird eine En-Voice Vorstufe von Mindprint gesteckt. Als Abhöre haben wir die Mackie HR824. Die Gitarren spielen wir mittlerweile fast vollständig über das Line 6 Live X3 ein. Die Keyboadsounds kommen aus Logic und manchmal vom Roland JV 90. Viel Spaß haben wir aber auch immer wieder mit einem alten Yamaha Billig-Keyboard von Jannis, welches hier und da ein kleines I-Tüpfelchen liefert. Der Bass wird über die Röhrenvorstufe direkt eingespielt.
Gesang nehmen wir in der Regel mit dem AKG C 3000 auf. Die Drums werden bis auf einige Percussioninstrumente live eingespielt. Hier und da ersetzen wir eine Bass-Drum oder Snare mit Drum-a-Gog. Gemischt wurde unser Album mit "Im Sog der Breitnis" und "Vater" von Jens Burgdorf im Peppermint Park, Hannover. Online.." hat Felix Gauder in seinem Studio Jojo-Music in Stuttgart gemischt. Das Mastering macht Time Tools für uns.


Gibt es gravierende Unterschiede zum Live-Equipment oder setzt ihr den Studiosound 1 zu 1 um?

PHRASENMÄHER: Also da gibt es bei uns schon gravierende Unterschiede. Live und Studio sind bei uns zwei paar Schuhe. Einerseits liegt das daran, dass wir nur zu Dritt sind und bei Konzerten nur drei Instrumente gleichzeitig spielen können. Andererseits steht Live das gesamte Konzert im Vordergrund und nicht der einzelne Song. Im Studio versuchen wir möglichst viel aus einem Lied herauszuholen und spielen mehrere Instrumente übereinander ein. Da hört man bspw. auch oft Gitarren und Keyboards gleichzeitig. Das können wir Live natürlich nicht reproduzieren. Stattdessen versuchen wir dann wesentliche Elemente der Studioversionen mit einzubeziehen und erzeugen die Fülle des Sounds dann eher verstärkt durch Mehrstimmigkeiten. Das verändert natürlich auch den Klang der Lieder. Live geht es uns aber auch ganz bewusst darum andere Dinge zu tun als auf dem Album. Es gibt Lieder, die wir nur Live spielen. Das ist dann häufig auch diese Prise Kleinkunst, die wir schon erwähnt haben. Wir lassen eigentlich immer Raum für Improvisation und Spontaneität. Das steht natürlich automatisch im Widerspruch zu dem durchdachten und statischen Sound eines Studioalbums. Der Vorteil für uns bei einer solchen Herangehensweise ist, dass wir immer mal wieder neue Versionen von Liedern machen können. Das Publikum hat solche neuen Versionen von bekannten Liedern eigentlich immer wohlwollend aufgenommen. Vielleicht macht so was ein Konzert auch noch ein bisschen besonderer.


Wie entwickelt ihr eure Songs und wie gelangen sie dann zur Bühnenreife oder auf den Tonträger?

PHRASENMÄHER: Also in vielen Fällen gibt es wirklich eine Art "Kernphrase". Das kann ein aufgeschnappter oder ausgedachter, halt irgendwie spannender Satz sein oder auch nur ein Wort oder Teil eines Satzes sein. Darum wird dann eine Geschichte gebastelt und ein für uns passender Musikstil gewählt. In der Regel schreibt Jannis einen Text und bringt Akkordideen mit. Dann basteln wir gemeinsam an der Musik, suchen nach Stimmen, Melodien, Rhythmen, feilen an Übergängen und so weiter. Teilweise entsteht der Text aber auch gemeinschaftlich im Proberaum oder es gibt zuerst irgendein tolles musikalisches Element, auf dem wir dann aufbauen und in einer Pause einen ersten Textversuch schreiben. Bei zwei Brüdern in einer Band kann es natürlich auch sein, dass die sich mal zu zweit zusammen hinsetzen und was gemeinschaftlich entwickeln. Seit Martin in der Band ist, wird aber deutlich mehr als früher zu dritt geschrieben.

Zur Bühnenreife gelangt ein Lied bei uns häufig schneller als auf den Tonträger. Das liegt aber auch daran, dass wir dort teilweise erst Dinge ausprobieren können, wenn erste Stimmen eingespielt sind, da wir halt nur zu Dritt sind. Dort können wir sowohl instrumental, aber auch gesanglich ganz andere Dinge ausprobieren. Zusätzlich besteht ein Studiosong auf Dauer. Da will man lieber alles vorher genau überlegen, bevor man ihn veröffentlicht.


Wie groß ist euer Team insgesamt?

PHRASENMÄHER: Zunächst einmal sind das natürlich wir fünf. Dann gibt es noch Lukas Reichenberger, unseren Techniker, der bei eigentlich allen Konzerten dabei ist. Felix Ludewig macht nicht nur die Videos für uns, sondern filmt auch immer wieder bei Konzerten, Proben, auf Tour und hilft bei EPKs etc. Dann gibt es wie schon gesagt unseren Manager, Bär Läsker, und sein Team. "Sub SoundS" und "Four Artists" sind für Promo und Booking zuständig. "Flowfish.records" ist unser Label und unsere CDs werden von "BROKEN SILENCE" vertrieben. Dazu gibt es eine Vielzahl von wechselnden Helfern und zurzeit scheint sich sogar der erste Fanclub zu gründen.


Nach den dramatischen Veränderungen in der Musikwirtschaft in den letzen 10 - 15 Jahren (einbrechende Umsätze, Raubkopien, Tauschbörsen, usw.): was muss heutzutage alles greifen, damit der Traum vom "Profimuckertum" Realität werden kann?

PHRASENMÄHER: Vor allem muss man Glück haben. Jetzt kommen natürlich noch weitere alte Floskeln wie "hart arbeiten" und so. Aber da ist wohl auch was dran. Wichtig ist sicherlich auch, ein Ziel vor Augen zu haben und eine Strategie zu entwickeln, um an dieses Ziel zu kommen. Man darf bloß nicht zu starr dieser Strategie folgen und muss offen für Veränderungen bleiben. Die kommen ja eh permanent. Man muss wahrscheinlich auf Marktveränderungen reagieren, nicht jeder technischen Neuerung hinterher rennen und jeder Negativprognose glauben. Musikalisches Talent schadet nie. Aber ein bisschen Wissen über die Musikwirtschaft bestimmt auch nicht. Man sollte auf jeden Fall bereit sein, nicht nur Musik zu machen, sondern auch die Dinge abseits der Bühne zu tun, die auch mit dem Geschäft zusammen hängen. Es ist zusätzlich wichtig, nicht nur musikalischen Trends zu folgen, weil die Vorlaufzeit bis zum eigenen Hit viel zu groß ist. Bis ein Lied draußen ist, gibt es eh schon wieder neue Trends. Aber es schadet auch nicht, ein wenig mit der Zeit zu gehen. Allerdings helfen der beste Plan, Talent und aller Fleiß ohne Geld leider gar nichts. In den meisten Fällen sind wohl vor allem externe Geldgeber von Nöten, denn Newcomerbands sind selten besonders reich. Dabei ist es egal, ob es sich um Förderungen, Preise oder Gelder von Plattenfirmen handelt. Die Hauptsache ist, dass man ein gewisses Startkapital braucht, um sich zumindest eine semiprofessionelle Außendarstellung zu ermöglichen und überhaupt wahrgenommen zu werden.

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass es ohne die herkömmlichen Medien eigentlich nicht geht. Selbst wenn man über YouTube oder Myspace bekannter wird, kommt der richtige Schub erst durch Radioplays, TV-Berichte und so weiter. Das Internet allein reicht immer noch nicht aus, auch wenn das manchmal so suggeriert wird.

Außerdem würden wir auf jeden Fall sagen, dass Authentizität sehr wichtig ist. Wer nicht "cool" ist, sollte nicht versuchen "cool" zu sein. Und wer sich immer schon "cool" gefühlt hat, sollte das vielleicht nicht auf der Bühne unterdrücken. Wenn was nicht echt wirkt, wird das schnell bemerkt. Dasselbe gilt für den Fankontakt. Fans merken, wenn das Management antwortet. Und sie freuen sich in den meisten Fällen, wenn sie merken, dass die Band selber antwortet. Das war ja auch schließlich der Grund, warum sie geschrieben haben. Dabei hilft das Internet heute wahrscheinlich am meisten: beim Fankontakt. Und der ist einfach wichtig.

Die Angaben zu dieser Frage sind aber natürlich ohne Gewähr. Schließlich ist das nur unser Weg. Ob es der Richtige sein wird, bleibt abzuwarten. Aber bis jetzt war es auf jeden Fall ein sehr guter Weg.


Und was tut ihr konkret dafür, um in der Zukunft nur noch von eurer Musik Leben zu können?

PHRASENMÄHER: Auf jeden Fall Einiges. Wir werden noch mehr Konzerte spielen und versuchen, auch in Gegenden zu kommen, in denen wir noch nicht oder länger nicht mehr waren. Wir bleiben natürlich auch bei den Radiosendern am Ball und versuchen zusammen mit unseren Helfern generell weitere Medienpräsenz zu bekommen. Wir sind fleißig im Proberaum und Studio und arbeiten an neuen Songs und Aufnahmen. Gerade sind wir drei dabei unser Studium möglichst schnell abzuschließen, um noch mehr Zeit für die Musik zu haben, aber auch eine Basis für etwas Anderes. Denn ganz ehrlich: wir sind so realistisch und wissen, dass es sein kann, dass die Musik zunächst nicht unbedingt komplett ausreicht und wir erstmal - wie jetzt auch - einen Nebenjob brauchen.


In der aktuellen Musikszene würde Phrasenmäher umgehend diese drei Dinge verändern...

PHRASENMÄHER: Oh, das ist echt schwer. Da gibt es viel. Auf jeden Fall wäre mehr Offenheit der Radiosender gegenüber Neuem wichtig. Das ist zwar eine alte Forderung, aber sie ist auch immer noch aktuell. Wir meinen damit aber jetzt nicht so was in Richtung Deutschquote. Neues bedeutet vor allem musikalische Abwechslung. Dazu gehört natürlich mehr Mut, weniger präsente Musikstile zu spielen und nicht nur Trends zu folgen, sondern auch mal Trends zu setzen. Aber bezüglich der Popgrößen gilt diese Forderung auch. Radiosender könnten häufig viel schneller eine Folgesingle spielen, statt Hits laufen zu lassen, bis sie keiner mehr hören kann.

Auf dem Live-Sektor gibt es vor allem bezüglich der Gagen ein großes Ungleichgewicht. Gerade bei Festivals fällt das auf. Headliner kassieren Unsummen, kleine und ein wenig bekannte Bands können stattdessen gerade mal ihre Fahrtkosten decken bzw. erzielen nur geringe Gewinne und Newcomer müssen sich über Contests qualifizieren, um überhaupt dort spielen zu dürfen. In der Regel ist das dann finanziell ein Minusgeschäft für die Band. Da könnte man bestimmt gerechtere Verteilungen hinbekommen.

Als letztes noch mal was Utopisches: Wir hätten nix dagegen, die Angst vor der Massentauglichkeit abzuschaffen. Es gibt ja beinahe so was wie einen Indie-Wahn. Auf Bandseite ist das die Angst davor, dass man zu kommerziell sein könnte. Auf Fanseite ist das die Angst, dass auf einmal ganz viele Leute die eigene Lieblingsband kennen, die dann auf einmal gar nicht mehr so gut ist wie früher. Im Herzen hat jede Band den Wunsch, von der Musik leben zu können. Es ist also nicht verkehrt, wenn viele Menschen eine Band hören wollen. Es ist eigentlich die einzige Chance für eine Band, um zu überleben. Man hört immer wieder lustige Gespräche darüber, ob etwas Indie ist oder nicht. Wieso ist das so wichtig? Und wo sind da die Grenzen? Angenommen man bringt ein Album zunächst bei einem Indie-Label heraus und später exakt dieselbe Musik bei einem Major, wäre die Musik dann nicht mehr Independent, sondern kommerziell? Wir denken, dass es wichtiger ist, dass man das macht, worauf man musikalisch Lust hat. So lange diese Freiheit besteht, ist doch alles ok. Ob Indie oder Mainstream ist doch egal. Wenn ich ein massentaugliches Lied gut finde, kann ich es wenigstens schön häufig hören, weil ich nicht der einzige bin, der es mag.


LINK:
c-tube Profil von PHRASENMÄHER

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