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BANDINTERVIEW: EXPOSED TO NOISE

14.09.2009

Musikvideo und Interview mit Exposed To Noise

 
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Interview:

Führt uns gedanklich durch euren Probenraum und stellt uns euer Equipment vor!

Sepi: Unser Proberaum befindet sich in einem alten Luftschutzbunker in Dortmund, den wir vor ca. sechs Jahren bezogen haben. Der Raum entspricht dem typischen Bild, das man von diesen Räumlichkeiten normalerweise im Kopf hat... Es gibt eine prächtige Altglassammlung in einer Ecke und einen Thron aus gebleichten Tierknochen, die mit Kindertränen zusammengeklebt wurden in der anderen Ecke. An den mit Teppich verkleideten Wänden hängen Poster von vergangenen und aktuellen musikalischen Helden und die Sitzecke mit den beiden Ledercouches und dem Tisch lässt sich nicht wirklich nutzen, da sie sich viel besser eignet um dort altes Equipment, Bandmerch und kilometerweise Kabel zu lagern. Der hintere Teil des Raums wird von Stephans schwarzen RMV Drumkit dominiert. Das Schlagzeug steht
auf einem Podest, das bedeckt ist von Generationen zu Sägespänen zerrockter VATER Drumsticks. (Er sollte da echt mal sauber machen, aber das Sägemehl saugt immer so wunderbar seine verschütteten Getränke auf, so das wir da momentan noch nicht ganz einig sind, welches das kleinere Übel wäre...). Das Kit ist ausgestattet mit REMO Ambassador Drumheads und an seiner RMV Hardware hängen Becken der Paiste Rude Serie. Unser Drummer bearbeitet seine Basedrum mit einer Iron Cobra Doppelfußmaschine. Die allesamt mit TDrum Triggern ausgestatteten Toms, die Snare und die Basedrum sind an eine DDrum4 Unit gekabelt, die in seinem Rack verbaut ist. Außerdem befindet sich in seinem Rack ein kleiner Tapco 100 Mixer, mit dem er sich den Rest der Band auf seine Kopfhörer mischt und über den ihm der Clicktrack zu den einzelnen Songs von unserem DJ geliefert wird. Das Rack beherbergt außerdem eine Behringer DI 4000 und eine THON 2 HE Rackschublade in der Stephan Ersatzkabel, Werkzeug, seine Lieblings Wrestling-Sammelkarten, weitere TDrum Trigger und eine TAMA RW105 Rythm Watch für den Total Ausfall liegenhat. Für die Verkabelung seines Racks nutzt Stefan Cordial Kabel.

Neben dem Schlagzeug rumpelt Andreas mit seiner Bass Anlage. Diese besteht aus einem 6HE Rack, in dem ein KORG DTR-1000 Racktuner und ein Ampeg SVT2 PRO Amp verschraubt sind. Und als wäre das nicht schon genug Gewicht, das es zu schleppen gibt steht unter dem Rack ein Ampeg SVT 810 Cabinet, das wir auch liebevoll den "Bandscheibenvorfaller" nennen... Um den Hals unseres Bassisten hängt hauptsächlich ein Music Man Stingray Bass, als spare hat er aber immer noch einen Music Man Sub Bass griffbereit. Andreas nutzt zum verkabeln seines Systems Planet Waves Kabel. Seine Bässe sind mit Ernie Ball Regular Skinny Saiten bespannt.

Die Gitarristen stehen ein paar Meter enfernt gegenüber von den beiden. Malte spielt seine ESP Eclipse über einen ENGL Savage 120 Amp, der in einem Custom Case untergebracht ist, das außerdem einen KORG DTR-1000 Racktuner beherbergt. Malte nutzt keine Effekte, hat aber ein ISP Decimator Pedal vor seinen Amp geschaltet, damit ihm dieser nicht ständig hinterherpfeift weil er so hübsch ist. Unter seinem Rack steht ein House Of Speakers SevenT5 4x12 Guitar Cabinet, das mit 2x Celestion V30 und 2x Eminence Beta 12 Speakern bestückt ist. Malte benutzt Planet Waves und Vovox Kabel um seine Komponenten miteinander zu verbinden. Seine Gitarren bespannt er mit Daddario EXL 140 Saiten. Als spare nutzt Malte eine Gibson Gothic Les Paul. Ein paar Meter neben Malte steh ich.

Ich spiele eine ESP Horizon NT, ausgestattet mit Bare Knuckle Pickups, über ein Stageclix Jack digital wireless System, hinter das direkt ein ISP Decimator Pedal geschaltet ist, da auch ich von meinem Amp sonst ausgepfiffen werde. Von dort aus geht das Signal weiter in einen Mesa/Boogie Triaxis. Am Record Out des Triaxis hängt ein KORG DTR-1000 Racktuner und im Effektloop ein TC Electronic G-Major, welches ich hauptsächlich für Delays nutze. Den Abschluss des 6HE Racks bildet dann die Mesa/Boogie 50/50 Endstufe. Auch ich habe ein House Of Speakers SevenT5 4x12 Guitar Cabinet, das allerdings mit 4 Celestion V30 Speakern bestückt ist. Die Kabelwege überbrücke ich mit Monster Studio Pro und Vovox Kabeln. Auf dem Boden trete ich auf einem Behringer FCB 1010 Footcontroller und ab und zu auf meinem Real McCoy RMC-2 Wah herum. Als spare nutze ich eine Framus Panthera Studio Pro. Die Gitarren sind mit Richard Rider 13`s Heavy Gauge Saiten bespannt.

Gerard, unser DJ, steht etwas versetzt hinter uns Gitarristen und ist zum abfeuern der Samples im richtigen Moment zuständig, außerdem nimmt er unseren Drummer an die Leine, indem er ihm den Click an seine Ohren liefert. Gerard nutzt dafür ein Apple MacBook Pro und Ableton live. Um die ganzen Signale die er ausgibt an den Drummer und die PA zu verteilen nutzt er ein in einem THON 2HE Case untergebrachtes MOTU 828 mk3 Audiointerface und einen kleinen Gemini UMX-7 Mixer. Zum abspielen der Samples reicht ihm ein kleines M-Audio Oxygen Keyboard. Die Samples die wir nutzen, erstellt er mit Hilfe der Software von EastWest, Native Instruments und Spectrasonics. Das ganze System thront auf einem Millenium MX-1000 Mixer Stand bzw. auf einem Millenium Laptop Stand, auf dem wir in unserer Freizeit sonst immer Ziegenböcke opfern, das Blut trinken und aus den Resten ´nen leckeren Gulascheintopf machen.

Stefan, unser Sänger, steht in unserer Mitte und schreit, knarzt, näselt, singt und gurgelt über ein Shure SM58 Mikrofon, das wir mit ein bisschen Gaffa Tape und Heftzwecken so präpariert haben, das er immer, wenn er den Korb des Mikros zuhalten möchte, sich in die Handfläche sticht. Dieses "Mikrokapsel zuhalten" ist eine weit verbreitete Sängerkrankheit. Es sieht zwar total Rockstar aus, klingt aber unterirdisch schlecht und sorgt nur für ungewollte Feedbacks. Für dieses inakzeptable und völlig blöde Verhalten haben wir in langjährigen Studien und Feldversuchen ein unkonventionelle Heilmittel erfunden. Wir nennen es "Lernen-durch-Schmerz-Band" und es wirkt innerhalb weniger Tage. Das Gute ist, das man es sich mit ein paar Handgriffen selber bauen kann und mit diesem Accessoire die nächsten Abende im Proberaum garantiert lustiger als die Benny Hill Show werden. Nebenwirkungen können überraschte Blicke, kleinere Blutungen in der Handinnenfläche und unkontrolliertes fluchen und beleidigen sein. Stefans Mikro hängt an einem Behringer Virtualizer, mit dem sich Stefan noch ein bisschen Hall auf seine Stimme mischt, damit die Schmerzschreie, wenn er mal wieder in das Heftzweckenband gegriffen hat, noch etwas nachhallen und der Rest der Band einfach länger die damit einhergehende Genugtuung auskosten kann. Das Ganze wird über eine alte Dynacord PA verstärkt, damit er sich bei dem ganzen Krach auch noch durchsetzen kann.


Wow! Nachdem wir jetzt das Equipment im Detail kennen, ist es an der Zeit euch genauer unter die Lupe zu nehmen. Was müssen wir über Exposed To Noise wissen?

Sepi: Exposed To Noise kommen aus Dortmund, die Besetzung in der wir zum Beispiel schon als Support von Bands wie Amorphis, August Burns Red, Narziss, A Day To Remember, Deadlock, Negative und auf Festivals wie Rock Am Ring oder in bekannten Clubs wie dem Backstage in München, dem Underground in Köln oder der Matrix in Bochum live unterwegs waren, besteht unverändert seit 2001. Im Jahre 2002 stellten wir die erste Demo-CD fertig, drei Jahre später veröffentlichte die Band dann mit "A Reference to Desolation" das Debütalbum. Im Jahre 2008 erblickte der 2. Longplayer mit dem Titel "Stories Of A Fragile Twilight" das Licht der Welt. Unsere Kindheit verlief gewöhnlich. Im Sommer sind wir Berge runtergerodelt und im Winter wurden wir in Säcke gesteckt. Deswegen sind wir auch erschreckend normale Typen, die verheiratet sind, einen Job, Familie und Kinder haben.


Wie ist die Band EXPOSED TO NOISE entstanden?

Sepi: Also Stephan (unser Drummer), Stefan (unser Sänger) und meine Wenigkeit haben uns im Jahr 1998 unter dem Namen "White Chapel" gegründet, nachdem wir im Vorfeld schon alle diverse Banderfahrungen gesammelt hatten. Unsere ersten Gehversuche sammelten wir auf kleinen Bühnen in Kamen und Umgebung, meist waren es Stadtfeste, Jugendzentren, Proberaumkonzerte und dergleichen. Anfang 1999 entschied sich unser DJ Gérard dann, als festes Bandmitglied einzusteigen. Andreas folgte dann 2000 als Bassist. Im Jahr 2001 benannten wir uns dann in "Exposed To Noise" um, gleichzeitig komplettierte Malte als zweiter Gitarrist unser Line Up, das bis heute auch gleich geblieben ist.


Die aktuelle Platte heißt "Stories Of A Fragile Twilight". Was erwartet den geneigten Hörer?

Sepi: SOAFT lädt den Hörer auf eine Reise durch unterschiedlichste Stimmungen und Atmosphären ein, die in den einzelnen Songs behandelt werden. Die Songs drehen sich dabei ständig um eigene Erlebnisse und Gefühle, die häufig eher kryptisch artikuliert werden und dem Hörer somit Raum für eigene Interpretationen lassen sollen. Dabei paaren sich cleaner Gesang mit aggressiven Shoutparts, um die Grundstimmungen der Songs zu untermalen bzw. zu transportieren.Textlich gesehen möchten wir dem Hörer allerdings nicht zu viel vorweg nehmen. Jeder soll seine eigenen Erlebnisse beim Hören der Stücke mit einfließen lassen, um die Songs so für sich selbst auslegen bzw. ausleben zu können, quasi eine persönliche Bindung zu den Stücken bekommen. Man kann die Platte aber auch einfach nur in den CD Player einlegen, und z. B. im Auto laut aufdrehen, damit man sich mit seinem nervenden Beifahrer nicht unterhalten muß.

?Das Artwork der Platte ist gleichermaßen toll wie aufwendig. Wer war dafür verantwortlich?

Sepi: Für das Artwork haben wir uns im Entstehungsprozess des Albums an Tom und Bianca von TB Fotostyles gewendet, die uns mit Ihrer Erfahrung, zahlreichen Ideen und Konzepten super unterstützt haben und tolle Locations hatten, wo schließlich die Fotos entstanden sind. Wir wollten ursprünglich Unterwasserfotos machen, aber Maltes Planschbecken war zu klein und zu bunt und total 80´s Glam-Rock anstatt modern Metalcore und so! Das Booklet hat Malte dann schließlich aus dem entstandenen Fotomaterial und den handschriftlichen Songtexten zusammengesetzt.


Für das Release des angesprochenen Werkes habt ihr tolle Unterstützung erhalten durch Label, Vertrieb, Promoagentur. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Sepi: Zu dem Zeitpunkt, als wir SOAFT im Studio aufgenommen haben, hatten wir weder Label noch Vertrieb noch eine Ahnung, ob wir das kommende Album überhaupt über ein Label veröffentlichen können. Unser Produzent hatte dann die Idee bei Yonah Records anzurufen und einen Termin mit dem Labelchef auszumachen. Nach dem Termin ging alles ziemlich schnell. Dirk Kramm, der das kleine Label betreibt, hatte eine Rohversion des Albums zu hören bekommen und nahm uns bei Yonah Records auf, kümmerte sich darum, das die CD über Alive vertrieben wird und wir ein Promotionpaket bei CMM bekommen. Alle an diesem Prozess beteiligten Personen machten einen tollen und professionellen Job, wofür wir extrem dankbar sind.


Habt ihr neben diesen guten, auch schon schlechte Erfahrungen machen müssen in der Musikbranche?

Sepi: Schon ziemlich früh mussten wir als Band leider feststellen, das es eine ganze Menge Leute gibt, die angeblich professionell arbeiten und dich als Band weiterbringen können, dabei aber nichts weiter tun, als dir professionell das Geld aus der Tasche zu leiern. Das war für uns eine schmerzliche und teure Erfahrung, die allerdings im Nachhinein sehr wertvoll für uns gewesen ist, weil es uns einfach abgeklärter und vorsichtiger gemacht hat.


Fühlt ihr euch einer Szene angehörig? Was haltet ihr von den verstärkt um sich greifenden Szeneklischees, die sich mittlerweile in nahezu jedem Genre festgebissen haben? (Ich sag nur "Fashion before passion", wie es H20 so trefflich formulierten...)

Sepi: Naja, modisch kommen wir wohl aus den 90ern, aber von bestimmten Szeneklischees halten wir nicht viel. Ich muss mir nicht unbedingt eine Kutte überstreifen nur damit ich Slayer hören darf. Musikalisch fühlen wir uns aber eher der Metal Szene angehörig. Mittlerweile ist es für mich ohnehin schwer geworden, zu bestimmen, wo Metal anfängt und aufhört. Klar machen wir keinen traditionellen Metal (deshalb sehen wir wahrscheinlich auch nicht so aus), aber dennoch fühlen wir uns in diesem Genre am ehesten Zuhause. Die gefühlte Notwendigkeit, Musik in Schubladen zu archivieren, erschwert es immer wieder, vorhandenes Klischeedenken zu überwinden und den eigenen Musikstil zu etablieren. Ich gewinne manchmal den Eindruck, wenn du als Band heutzutage nicht gewisse Klischees und Erwartungshaltungen erfüllst, die teilweise schon seit Jahren bestehen, läufst du Gefahr, total verrissen oder einfach missverstanden zu werden. Man sollte sich aber nicht davon einschüchtern lassen, sondern eher sein Ding durchziehen. Sich von Genredenken beeinflussen zu lassen, hieße, sich kreativ selber einzuschränken, und das kann nicht Sinn und Zweck von Musik sein.

Das Konzerthighlight des Jahres dürfte wohl die Rock am Ring Show gewesen sein. Wie kam es dazu und vor allem, wie war das auf diesem riesen Festival zu spielen? Rock am Ring war episch für uns. Wir waren wohl vor einem Gig noch niemals so aufgeregt und ehrfürchtig wie vor dem RaR Auftritt auf der Alternastage! Und als wir dann Freitags endlich on stage standen und dieses Meer von Menschen uns so freundlich und euphorisch empfangen hat, war das für uns überwältigend. Rock am Ring war ein Ereignis für uns, das wir wohl niemals vergessen werden, und von dem wir als Band auch noch lange zehren werden. Den Auftritt beim Rock am Ring haben wir der Ringrocker-Community zu verdanken, die jedes Jahr einen Bandcontest veranstaltet, bei dem die Gewinnerband einen Gig bei Rock am Ring bekommt.


Ist bereits ein neues Album in Planung?

Sepi: 2009 ist für uns eigentlich ein Jahr, in dem wir unser aktuelles Album bestmöglich promoten wollen, d.h. live spielen so viel es geht. Nebenbei sitzen wir natürlich an neuem Songmaterial, was diesmal jedoch ein bisschen schleppender vorangeht, da wir zur Zeit ´ne ganze Menge Live Gigs spielen. Wir sind aber ganz guter Hoffnung, dass wir 2010 wieder ins Studio gehen können, um das neue Album aufzunehmen.


LINK:
c-tube Profil von EXPOSED TO NOISE

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