TRIKOT
Anpfiff zur nächsten Runde Retro-Pop! Die Vorreiter-Nische des Prenzlauer Bergs in Berlin?!
Susan: Ich verstehe die Frage nicht. Du meinst, dass wir Retro-Pop machen und das repräsentativ für den Prenzlauer Berg ist? Ich wunder mich immer, dass wir so oft in einem Zug mit dem Prenzlauer Berg genannt werden. Wo kommt das nur her?
Stefan: Versteh ich auch nicht. Sehen wir so aus? Aber dass unsere Musik nicht aus dem Märkischen Viertel kommt, kann ich schon nachvollziehen.
Jörg: Wir sind keine Prenzlauer Berg Band. Susan wohnt da, aber ich wohne in Schöneberg und Stefan in Potsdam. Wir sind eine Berlin Band und wir machen Popmusik. Und ja, Popmusik ist eine Nische in Deutschland.
Okay, okay. Glasklare Stimme und dazu zwei Keyboards. Simple & Smart - mehr braucht man dann eigentlich auch nicht, um gute Laune zu erzeugen! Auf welchem Equipment spielt ihr?
Susan: Das ist eine Frage für Stefan, unseren Musikverantwortlichen.
Stefan: Keyboards, Klavier, Gitarre, Glockenspiel, Effekte. Alles, was mir so in die Finger kommt
Jörg: Harmonika, Keyboard.
Heutzutage wird diese Frage immer öfter gestellt: Bist du echter Berliner?
Susan: Ich wurde tatsächlich in Berlin geboren, in Friedrichshain, um genau zu sein.
Stefan: Nein, ich bin ein echtes Landei aus dem Emsland.
Jörg: Ich komme gebürtig aus Südoldenburg.
Trikot ist wieder mal ein guter Beweis, dass es einfach funktioniert: Deutsche Texte! Drei gute Gründe wieso man mit seiner Muttersprache besser dran ist:
Susan: Ich habe auch schon englische Texte geschrieben, aber da weiß man nie so hundertprozentig, was man eigentlich sagt. Oder man textet automatisch in einer Art einfachem Deutsch/Englisch, weil man nur Worte benutzt, die man genau kennt. Das wird auch schnell langweilig. Bei deutschen Texten weiß ich immer genau, was ich sage. Und wenn ich will, kann es trotzdem uneindeutig und mysteriös klingen!
Stefan: Ich höre bei englischen Texten fast nie auf den Inhalt. Bei deutschen Texten kann ich nicht weghören. Die können peinlich sein oder eben poetisch und etwas auslösen.
Jörg: Es ist gefährlicher deutsche Musik zu machen, als zum Beispiel englische Musik, weil man sich eindeutiger positionieren muss. Und das muss man sich erst mal trauen. Das ist nämlich gar nicht so einfach.
Euer Videoclip "Drogenabhängig" ist zwar schon etwas älter, aber ein äußerst zeitloser Track! Fahrstuhl, Auto, Lichteffekte - ein audio-visueller Versuch den Titel zu spiegeln?
Susan: Die Idee zum Video kam ganz allein von Jörg. Mir hat gefallen, dass wir nicht eins zu eins den Inhalt des Songs nachspielen, sondern eher die Atmosphäre einfangen.
Jörg: Das spannende an dem Dreh und die Verbindung zu dem Song war auch die illegale Vorgehensweise. Wir haben keine Drehgenehmigungen eingeholt, wie es sonst üblich ist. Wir haben einfach gedreht bis die Polizei kam. Und diese Atmosphäre spürt man glaube ich auch in dem Video.
Der Text zum Lied erinnert mich genau an das, was man auf dem Berliner Szene-Dancefloor erfährt. Wo habt ihr eure Inspiration hergeholt?
Susan: Ja, der Text kommt von mir. Und er ist tatsächlich so eine Art Momentaufnahme aus meinem damaligen Ausgehleben. Nicht, dass ich jeden Abend Jungs abgeschleppt habe - nur ein bisschen?
Wie und wo tretet ihr lieber auf? Trashig oder elegant? Verratet uns mal ein paar coole Locations!
Susan: Wir sind schon überall aufgetreten. In Cafés, in Hallen, in Clubs, auf Volksfesten - so lange das Publikum Lust auf uns hat, ist es mir persönlich egal, wo wir spielen. Wir hatten auch schon Konzerte, wo das Publikum mit dem Rücken zu uns gestanden hat und nur auf die Disko wartete, die auf unser Konzert folgte. Das war so frustrierend, ich konnte mich nur mit Mühe zurückhalten, Beleidigungen ins Mikro zu schreien.
Stefan: Ich spiele am liebsten vor 20.000 Menschen mit 20 Bässen unter der Bühne.
Jörg: Mein liebstes Konzert war auf einer Veranstaltung vor dem Berliner Radialsystem, wir hatten Blick auf die Spree und die Ausflugsdampfer.
Ein Flohmarkt-Konzert von euch im Berliner Mauerpark: Bessere Promo für seinen Trödelstand kann man wohl nicht machen. Was wird denn so verkauft?
Susan: Ich habe meinen Keller ausgemistet und werde klassischen Trödel mitbringen. Platten, Lampen, viele Klamotten - so richtig was zum Stöbern!
Jörg: Alte Platten und Dinge, die ich nicht mehr brauche.
Jetzt zum sportlichen Teil des Interviews: Fußball oder Frisbee?
Susan: Volleyball und TRX.
Stefan: Tennis Verbandsliga.
Jörg: Fußball und Springreiten.
Zum Poppen: Wir sind Helden oder doch lieber die 99 Luftballons!?
Susan: Ach, da will ich mich nicht entscheiden müssen.
Stefan: Die Helden.
Jörg: Nena liegt mir näher.
Wieso gibt´s so wenige Gelegenheiten euch mal live zu sehen? Arbeitet ihr grade an neuen Songs oder Videos?
Susan: Wir freuen uns gerade, dass wir das Album gemeistert haben. Weitere Projekte sind in naher Zukunft erst mal nicht geplant.
Stefan: Wir arbeiten an Radiopräsenz. Dort sind wir gut aufgehoben.
Jörg: Und wenn uns jemand buchen möchte, sind wir zu allen Schandtaten bereit.
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