Musik mit Gefühl hoch 10. Welches Equipment braucht man, um die Melancholie deiner Songs zu erreichen?
BERNHARD EDER: Mir genügt meine akustische Gitarre. Ich spiel seit Beginn auch ausschließlich auf Nylonsaiten - das ergibt einen wärmeren, melancholischeren Sound. Sphärisch und doch auf der Erde geblieben?
Eine gesunde Mischung, die dich weit gebracht hat? Nur, wer hat dich außer Radiohead noch dazu gebracht?
BERNHARD EDER: Bei mir begann alles - wie bei so vielen - mit den Beatles, später dann Nirvana, Oasis, Travis, Coldplay (auch in dieser Reihenfolge), und zuletzt waren es Künstler wie Sufjan Stevens, Bon Iver oder Andrew Bird.
Vom Automechaniker zum Gefühlsmusiker: Das musst du uns nochmal step-by-step erklären?
BERNHARD EDER: Nun ja, mit 15 hatte ich noch andere Träume oder besser gesagt: Vorstellungen vom Leben - ich bin ja auch auf dem Land aufgewachsen. Mit 20 hatte ich genug davon, bin nach Wien gezogen und habe an der SAE einen Audio Engineer Lehrgang absolviert. Nach dem Abschluss begann ich am Vienna Konservatorium Jazzgesang zu studieren. Und seitdem lebe ich nur mehr für, mit und von Musik - der Traum des jungen Automechanikers hat sich erfüllt :-)
Du produzierst deine Musik selbst. Bekommt man keinen Rappel wenn man beim Mischen und Mastern den eigenen Track zig-mal hört?
BERNHARD EDER: Das ist wahrscheinlich die beste Qualitätskontrolle - wenn einem nach dem vielen Hören ein Song noch immer gefällt. Manche wurden bei diesem langwierigen Prozess auch zurück in die Schublade verbannt. Das Mastern überlasse ich übrigens jemand anders - das ist nicht mein Fachgebiet.
Du bietest deine Single zum freien Download im Internet an. Wie sehen deine Argumente für die kostenlose Verfügbarkeit deiner Songs aus?
BERNHARD EDER: Dies war einerseits ein Deal mit Tonspion - die bringen immer eine Review in Kombination mit einem freien Download des besprochenen Albums. Zudem finde ich es nicht schlimm, ein oder zwei Songs pro Release zu "verschenken". Wenn es den Leuten gefällt, neigen sie dann vielleicht dazu sich das gesamte Album zuzulegen.
Kannst du dich vor lauter Fanpost eigentlich noch retten? Deine private Adresse gibt?s ja auf der Homepage?
BERNHARD EDER: Ist alles noch überschaubar ;-)
Wie bist du auf c-tube aufmerksam geworden?
BERNHARD EDER: Soweit ich mich erinnere, bekam ich ein Mail auf Myspace (seinerzeit noch relevant) mit dem Hinweis auf c-tube, und ob ich nicht Lust hätte einen Song hochzuladen. Wenige Wochen später war "Cute" die Nr. 1 der c-tube Charts, was sehr erfreulich war.
Wie wichtig ist es heutzutage für einen Musiker live zu spielen? Von Plattenverkäufen zu leben ist ja schwerer denn je.
BERNHARD EDER: Meiner Meinung nach ist es das Wichtigste, da die Leute hauptsächlich bei Konzerten Tonträger kaufen - zumindest betrifft dies weniger bekannte Acts wie mich. Da kann es durchaus schon mal passieren, dass nach einem Konzert so 30-40 Stück verkauft werden. Bei meinem Modell (eigenes Label und auch eigenes Studio) rentiert sich dies dann auch, und so eine Produktion ist meist nach ein paar erfolgreichen Touren bereits abbezahlt.
Du tourst gerade durch Deutschland, was ist das tollste am Rock?n?Reisen?
BERNHARD EDER: Die Konzerte, der direkte Draht zu Leuten und die deutschen Autobahnen :-) Ich mag das Reisen an sich - mal lernt viele neue Orte und Leute kennen - auch wenn die langen Autofahrten manchmal anstrengend sein können. Gute Musik im Bandmobil ist mir deshalb auch äußerst wichtig.
Und jetzt bitte noch ein Lieblingszitat direkt von Bernhard Eder?
BERNHARD EDER: Ich finde die titelgebende Textzeile (vom Song "Lost and found") meines aktuellen Albums noch immer sehr schön: To disappear doesn´t mean to run away.
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