Thomann DP-25 Test
Digital-Piano
Preislimbo in der Einsteigerklasse
Wer das Klavierspielen erlernen möchte, braucht dafür verständlicherweise ein Instrument. Ein echtes Klavier ist immer die beste und von den Pädagogen empfohlene Wahl, ist aber teuer und groß. Ein Digitalpiano dagegen ist oft günstiger, in jedem Falle aber kleiner. Zudem kann man es auch leise oder mit Kopfhörer spielen, was gerade bei Anfängern die Nerven von Nachbarn und Mitbewohnern schont und somit dem Haussegen keine Schieflage verpasst.
Auf das Thomann DP-25 trifft dies alles zu. Die Frage, ob man an ein Instrument der 300 Euro Klasse die gleichen Qualitätsansprüche stellen darf wie an Klaviere oder renommierte Digitalpianos, die unter Umständen mehr als das Zehnfache kosten, stellt sich hier für uns nicht. Wie sollte das auch gehen? Hier geht es um ein Einsteigerinstrument und um kleinstmögliche Anschaffungskosten. Trotzdem wollen wir in diesem Test herausfinden, ob sich das DP-25 für den Klavieranfänger auch wirklich eignet. Denn eines steht fest: Wer übt, will auch Erfolge verzeichnen können. Ein Anfängerinstrument sollte daher erste Schritte eines musikalischen Ausdrucks ermöglichen und so gebaut sein, dass man an ihm die Technikgrundlagen erlernen kann. Die Qualitäts-Messlatte bei solch einer Anschaffung zu tief anzulegen, wäre daher mitunter kontraproduktiv. Egal wie viele Abstriche man sich bezüglich Klang- und Konstruktionsqualität auch zumuten mag, weil man vielleicht erstmal ausprobieren möchte, ob das Klavierspielen überhaupt etwas für einen ist. Tennis spielen lernt man ja auch nicht mit irgendeinem gelben Gummiball.
DETAILS
Beim Thomann DP-25 handelt es sich um ein Digitalpiano mit 88 gewichteten und anschlagdynamischen Tasten. Zwei eingebaute Lautsprecher, ein mitgelieferter Sustain-Fußtaster und ein einfacher, aufsteckbarer Notenständer machen es zu einem ganz und gar autarken Instrument. An der Bodenplatte sind Gummifüße angebracht, ein Ständer gehört jedoch nicht zum Lieferumfang. Bei 88 Tasten können sich die Abmessungen sehen lassen: Mit 114,3 x 51,5 x 30 cm ist das Keyboard vor allem eines: lang! Zum Zubehör gehören außerdem ein externes Netzteil sowie eine deutsch- und englischsprachige Bedienungsanleitung.
Das Gehäuse ist aus robustem, schwarzem Kunststoff gefertigt. Auf der Oberfläche findet man einige Taster aus durchscheinendem, weichem Gummi, mit denen die Klänge des DP-25 ausgewählt oder Systemfunktionen aufgerufen werden können. Ist ein Taster aktiviert, leuchtet er rötlich, in der Mitte befindet sich ein dreistelliges LED-Display. In den allermeisten Fällen müssen also Abkürzungen angezeigt werden. Rechts neben dem Display befindet sich der „Data Control“-Knopf, ein Endlos-Encoder, mit dem man Einstellungen am Instrument vornimmt. Beispielsweise kann die Tastatur um eine bestimmte Anzahl von Halbtönen transponiert oder die Geschwindigkeit des Metronoms geändert werden.
Auf der Rückseite befinden sich folgende Anschlüsse: MIDI In, MIDI Out, Sustain Pedal, Audio Ausgang L(mono)-R, Kopfhörerausgang und Netzteilbuchse. Kopfhörer, Pedal- und Audio-Ausgänge verwenden 6,3mm Klinke.
Folgende Features bietet das DP-25: Oktav-Transponierung von +/- 3 Oktaven, Transponierung um +6/-6 Halbtöne, Metronom, Aufnahme eines Songs sowie Split- und Layer Funktion. Mit der Funktion „Split“ kann man die Tastatur in zwei Bereiche teilen und jedem Bereich einen Sound zuweisen. Dadurch ist es etwa möglich, mit der linken Hand Kontrabass und mit der rechten Piano zu spielen. Die Lautstärken beider Sounds sind getrennt regelbar, der Split-Punkt frei wählbar. Die Funktion „Layer“ ermöglicht es, zwei Klänge übereinander zu schichten, beispielsweise Piano und Strings. Auch beim Layern sind beide Klänge in ihrer Lautstärke getrennt regelbar.
Das DP-25 lässt sich auch als Masterkeyboard einsetzen. Per MIDI Out sendet es MIDI-Noten an einen Software-Sequenzer oder externe MIDI-Instrumente. Mit der „Local Off“-Funktion werden die Klänge des SP-25 stummgeschaltet, um bei Verwendung eines Sequencers nicht ein ungewünschtes “MIDI-Echo” zu erhalten.
PRAXIS
Das Thomann DP-25 ist gar nicht mal so leicht! Entweder hat man einen kerngesunden Rücken und rückenschonende Bewegungen verinnerlicht oder baut es zu zweit auf. Einen robusten Keyboardständer für dieses ausgewachsene Instrument habe ich glücklicherweise in meinem Fundus. Sustain-Taster und Netzteil sind schnell auf der Rückseite angeschlossen.
Mein Eindruck nach der ersten kurzen Klimper-Session ist…besser als ich es erwartet habe! Die zwei Grand-Piano-Sounds klingen für diese Preisklasse erstaunlich realistisch, insbesondere der erste. So etwas kann man in der niederpreisigen Keyboard-Welt nicht von jedem so titulieren Klang sagen. Piano 1 klingt wärmer und detailreicher als das tendenziell knallige Piano 2. Die weiteren Sounds sind Electric Piano 1, Electric Piano 2, Church Organ, Jazz/Rock Organ, Strings und Upright Bass. Diese sechs weiteren Sounds sind keine Highlights, sondern mehr als Dreingaben zu verstehen: Die E-Pianos klingen in den oberen Lagen sehr dünn, bei den Strings scheint in den hohen Lagen ein Fehler aufzutreten. Das Stereobild wackelt und es tritt ein unnatürliches Rauschen auf. Alle Klänge können dank eines kleinen Effektblocks mit einem einfachen Chorus oder Hall versehen werden. Der Effektanteil von Reverb und Chorus ist für jeden Sound regelbar, die Effekte lassen sich aber nicht verändern.
Sowohl das Editieren des Effektanteils als auch Veränderungen am Tempo des Metronoms oder Transpositionen der Tastatur nimmt man mit dem Knopf „Data Control“ vor. Das ist mehr oder weniger selbsterklärend und geht leicht von der Hand. Komplizierter wird es, wenn man Edits an den Lautstärken der einzelnen Sounds im Split- oder Layermode vornehmen will. Hierfür ist immer eine Kombination aus einer Keyboardtaste und dem Taster „Function“ notwendig. Da man sich diese Kombi-Befehle aber schwer einprägen kann, sollte man das Handbuch für so etwas immer griffbereit haben. Speichern kann man hier nicht, braucht man aber auch nicht: Die Parameteränderungen bleiben immer dauerhaft, selbst beim Abschalten des Instruments.
Wiedergegeben werden die Klänge durch die zwei im Instrument integrierten 10-Watt-Lautsprecher. Diese klingen etwas blechern, es fehlt ihnen für meinen Geschmack an tiefen Frequenzen. Sie haben aber genug Dampf, um ihre Schwingungen bis in die Tastatur zu übertragen. Bei maximaler Lautstärke spürt man eine leichte Vibration an den Fingerspitzen, wie es ja auch bei einem echten Klavier der Fall ist. Auch über den Kopfhörerausgang kann man das DP-25 spielen. Steckt ein Kopfhörer in der rückseitigen Buchse, sind die eingebauten Lautsprecher automatisch abgeschaltet. Schöner wär es allerdings, wenn der Kopfhörerausgang an der Vorderseite angebracht wäre, da man so das Kopfhörerkabel oft im Weg hat.
Die Tastatur ist schwer gewichtet und vermittelt ein passables „Klavierspielgefühl“. Trotzdem ist sie leichter gewichtet als andere Digitalpianotastaturen oder auch Mechaniken echter Klaviere. Man gewöhnt sich aber daran. Problematischer finde ich, dass ihr Dynamikverhalten recht grob ausfällt. Piano- oder Pianissimo-Passagen auf dem DP-25 zu spielen ist nicht ganz einfach, bei Forte oder Fortissimo knallen die Töne in den höheren Lagen ziemlich. Man muss dem DP-25 zwar zu Gute halten, dass es drei verschiedene Anschlagsempfindlichkeitskurven bietet (und eine vierte mit fester Velocity), doch so richtig glücklich wurde ich mit keinem dieser Settings. Nur um hörbar zu machen, was in puncto Dynamik und Detailreichtum so möglich ist, unten zum Vergleich noch ein Audio-Beispiel mit dem „Studio Grand 2“ aus dem Clavia Nord Stage EX, einem Instrument was ungefähr zehn mal so teuer ist wie das Thomann DP-25.
Der Anfänger wird sich nicht daran stören, der geschulte Kenner aber schon. Zum einen klingen die Pianos des DP-25 ganz allgemein etwas blechern und detailarm, zum anderen wird hier mit hörbar geloopten Samples gearbeitet, was einen unschönen, statischen Klang im Ausklingen der Töne zur Folge hat. Verglichen mit einem echten Klavier oder Flügel ist der Ausklang darüber hinaus auch zu kurz: Beim DP-25 wird ein Fade-Out angewendet. Im folgenden Beispiel kann man das gut hören, insbesondere bei Piano 2.
Gute Features des DP-25 sind das eingebaute Metronom, die Transponierungsmöglichkeiten der Tastatur und die Aufnahmefunktion, mit der man sein eigenes Spiel aufnehmen kann. Mit Platz für etwa einen Song ist der Aufnahme-Speicher nicht riesig, allerdings kann dieser im Mehrspurverfahren zwei Spuren aufzeichen.
FAZIT
Im Kontext der Anfängerinstrumente ist das DP-25 ein solides Instrument, auf dem man auf jeden Fall seine ersten Fingerübungen und Etüden erlernen kann. Sounds, Lautsprecher und Tastatur sind in diesem Sinne ausreichend. Auch als Begleitinstrument für Schulmusiklehrer, Chorleiter und dergleichen kann das DP-25 in der Praxis gute Dienste leisten. Aus diesem Blickwinkel würde man zu folgendem Fazit gelangen: Das Thomann DP-25 ist kein Meisterstück, aber es kann, was es verspricht. Den Preislimbo bekommt es ohne Rückenschäden hin, denn in puncto Preis-Leistungsverhältnis ist es einfach unschlagbar. Wenn man die Sache jedoch aus der Sicht des Fortgeschrittenen betrachtet, wäre allein der Piano Sound 1 einigermaßen akzeptabel (obwohl man ihn als ein wenig blechern und statisch empfinden würde). Auch die nasalen Lautsprecher sind eher mäßig und der Tastatur könnte man ihr zu unsensibles, sprunghaftes Dynamikverhalten anlasten. Von diesem Standpunkt ließe sich folgendes Urteil fällen: Wer es ernst meint mit dem Klavierspielen lernen, der wird schnell an die Grenzen des DP-25 stoßen.
- PRO
- hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis
- gute Spielhilfen wie Metronom und Transposition
- CONTRA
- unter professionellen Gesichtspunkten: minderwertige Sounds und zu leichte Tastatur
- facts
- 88 gewichtete Tasten mit Hammermechanik
- Vier verschiedene Anschlagsdynamiken
- 8 Sounds
- 8 Demo Songs
- 64-stimmig polyphon
- Layer Mode
- Split Mode
- Metronom
- Effekte Hall
- Chorus
- Transpose-Funktion
- Sustain Pedal Eingang
- Anschlüsse: Kopfhörerausgang, Line Out L/R, MIDI In/Out
- Lautsprecher: 2x10 Watt
- Maße: 114,3 x 51,5 x 31 cm
- Gewicht: 17,1 kg
- Farbe: Schwarz
- Preis: 269,- Euro
Audiobeispiele
Pro + Contra
- Pro
- hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis
- gute Spielhilfen wie Metronom und Transposition
- Contra
- unter professionellen Gesichtspunkten: minderwertige Sounds und zu leichte Tastatur


Ruben Seevers arbeitet in Hamburg als Musiker und Fachjournalist und ist Keyboarder in der "Wir sind Helden" Live-Band. In seinem eigenen Projekt ONECOPIES ist er als Songwriter, Soundschrauber und Sänger aktiv. Ruben hat eine ausgeprägte Leidenschaft für Synthesizer.