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Test: Lexicon MX200

Autor: Thorsten Walter
28.11.2005



In alter Tradition baut der renommierte Hersteller Lexicon weiterhin echte Hardware und bewahrt sich somit davor, seine wohl gehüteten Algorithmen in Software-Form preiszugeben. Um trotzdem am Ball zu bleiben, schickt sich das neue MX200 an, mit einer VST-PlugIn Technologie aufzuwarten, die es als echtes Hardware-PlugIn nutzbar macht. Was es damit wirklich auf sich hat, werden wir im Folgenden sehen.

MX200
Der Aufbau des Dual-FX-Geräts ist denkbar einfach gehalten. Es stehen zwei identische FX-Prozessoren zur Verfügung, die in vier Strukturen (Seriell, Parallel, Dual-Mono und Dual-Mono-Send/Stereo Out) verschaltbar sind. Jeder der beiden Prozessoren verfügt über eine große Zahl an hochwertigen Algorithmen, die jeweils mit genau drei Parametern den Bedürfnissen angepasst werden können.
Dies ermöglicht eine sehr direkte und schnelle Bedienung, da man nicht durch Menüs steppen muss, sondern alles sofort von der Front bedienbar ist.
Wenn z.B. beim Live Soundcheck gerade kein Musiker vorhanden ist, man aber trotzdem einen Effekt einstellen muss, gibt es dafür ein recht nützliches Feature. Mit fünf eingebauten Samples kann man seinen Effekt sofort testen (Audition).



Effekte
Die Qualität der Effekt-Algorithmen ist mit den bekannten MX-Geräten vergleichbar, bewegt sich also auf MX100-Niveau. Während dies vor allem für Live- und Homerecording vollkommen ausreichend ist, werden anspruchsvolle Toningenieure doch eher zu einem PCM90 greifen. Dies trifft vor allem für den Hall zu: Die Modulationseffekte können auch Profis voll überzeugen.

PlugIn Einbindung
Das MX200 ist auf der Rückseite mit einem USB 1.1 Port ausgestattet. Entgegen meiner Erwartung fungiert dieser lediglich als ein MIDI In- und Output, hat also keinerlei Audio-Funktionalität. Somit wartet auf den Anwender sowohl unter OSX als auch unter Windows eine Routing-Orgie.

Zunächst installiert man die Software und das PlugIn mit der beiliegenden CD, schließt dann das MX200 an und findet danach einen MX200 MIDI-Port im Gerätemanager. Da über USB hier kein Audio fließt, ist man gezwungen, das MX200 an je zwei freie Ein- und Ausgänge seiner Soundkarte anzuschließen. Man kann dies auf analogem oder digitalem Weg (S/PDIF) tun. Froh sind Besitzer eines Cubase SX 3.X oder Logic, bei dem es eine recht einfache Funktion zur Einbindung externer Hardware gibt. Schwieriger wird es in allen anderen Sequenzern. Hier muss man zunächst einen globalen Ausgang definieren, auf den dann ein oder zwei Effekt-Sends geroutet werden. Der Ausgang des MX200 wird mit einem Eingang des Sequenzers verbunden und muss dann auf den Main-Out geroutet werden, ohne eine Feedbackschleife zu erzeugen. Während der fortgeschrittene User dies meist erledigen kann, wird man als Anfänger so seine Schwierigkeiten haben.
Bevor man nun das PlugIn öffnen kann, muss man im Sequenzer die MIDI Ein- und Ausgänge des MX200 abschalten, sonst kann das PlugIn nicht arbeiten. Im Endeffekt kommuniziert das PlugIn einfach per MIDI mit dem MX200 und bildet die Bedienoberfläche ab. Der Vorteil ist, dass man nach einmaliger Konfiguration alle Settings des MX200 mit einem Projekt abspeichern kann.



Praxis
Das Konzept mit nur drei Parametern pro Effekt scheint zunächst etwas mager, da man meist mehr Eingriffsmöglichkeiten gewohnt ist. Da jedoch die Effekte qualitativ überdurchschnittlich sind, und fast immer sofort gut klingen, sind die drei wohl ausgesuchten Parameter pro Effekt ein echter Segen, denn man hat sofort die Eingriffsmöglichkeit, die man wirklich benötigt, zur Hand. Ein Griff und fertig! Klasse!



Mitbewerber
Der direkte Mitbewerber ist das TC M300, das für ca. 200 Euro erhältlich ist. Hier fällt die Wahl in der Tat schwer, denn beide Geräte sind sehr gut ausgestattet und bewegen sich klanglich etwa auf dem gleichen Niveau, wobei die Lexicon Reverbs etwas besser sind und das M300 im Bereich der Modulationseffekte synthetischer klingt. Das Zoom RFX2200 und das Digitech S100 kosten ebenfalls etwa 200 Euro und verfügen über etwas abgedrehtere Effekte, können aber klanglich genauso wenig mithalten wie die Behringer-Effektgeräte.

 

Fazit
Mit geglücktem Hall und exzellenten Modulationseffekten ist Lexicon in der MX-Klasse auch mit dem MX200 „State-Of-The-Art“. Dank zwei identischer Effekt-Blöcke und vier Routings sind neben klassischen Effekten auch ungewöhnliche Verschaltungen möglich. Somit ist das MX200 für Live- und Studiobetrieb nicht nur Homerecordlern, sondern wegen der guten Modulationseffekte auch dem geneigten Profi zu empfehlen. Der VST- und AU-PlugIn Bonus beschränkt sich leider auf die Speicherfähigkeit der Settings und erfordert zusätzlichen Konfigurationsaufwand.

 

 

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