Test: LD Systems, Maui 28, Array System

Autor: Peter Ludl
21.10.2011


Dreiteiliges Maui 28 Array System

Ob der Name Maui der neuen Aktivanlage von LD Systems etwas mit der zweitgrößten Insel des Archipels Hawaii zu tun hat, weil dort wegen der Wellen ein bekanntes Surferparadies ist, sei mal dahingestellt. Welle – Säulenlautsprecher – Zylinderwelle? Wer diesem Gedankensprung jetzt nicht sofort folgen kann, sollte einfach weiterlesen.

Das neue aktive Maui 28 Array System von LD Systems arbeitet nach dem Prinzip des Linienstrahlers und kommt mit neuen Ideen, die das Musikerleben einfacher machen. Die besondere Technologie der Maui 28 erzeugt eine sogenannte Zylinderwelle. Zudem lautet die Devise Plug and Play. Auf einen Subwoofer werden zwei Klangsäulen aufgesteckt, die über Steckverbindungen automatisch mit den Endstufen im Subwoofer verbunden sind und jegliche Kabel überflüssig machen. Das Ganze sieht schon etwas futuristisch aus, aber Bose hat es ja bereits auf der Musikmesse 2009 vorgemacht.

Stichwort Array System

Die beiden, nennen wir sie mal Top-Teile, haben mehrere kleine, eng nebeneinander montierte Treiber, die auf einer Linie angeordnet sind, daher die Bezeichnung Linienstrahler. Diese säulenförmigen Lautsprecher kennt man aus Kirchen, Gemeinderäumen oder von Bahnhöfen. Früher hatten sie eine eher schlechte Soundqualität. Doch heutzutage hat sich das wegen vollkommen neuer Qualität der verbauten Treiber wesentlich verbessert. Die Systeme sind so gut geworden, dass sie im HiFi-Bereich oder eben auch als PA eingesetzt werden. Das Besondere der Linienstrahler, diese Schallzellen erzeugen die bereits genannte Zylinderwelle. Der Vorteil dieser Abstrahlcharakteristik ist die breite Dispersion in der Vertikalen, der Raum wird optimaler beschallt. Auch die Reichweite ist größer, sodass die gesamte Anlage nicht so laut gefahren werden muss. Große Vorteile, wenn es um gleichmäßige Beschallung geht.


Futuristisches Aussehen mit langer Klangsäule

Einer für alle

Die komplette Elektronik steckt im Subwoofer der Maui. LD Systems spricht von einem 4.1 System mit 5 Verstärkerwegen, dazu später mehr. Die Class A/B Endstufen liefern 200 Watt RMS für den Subwoofer und 200 Watt RMS für das Array System. Das in der Formgebung modernistisch wirkende Bassreflexgehäuse aus 15 mm Multiplex mit robustem Strukturlack hat seitliche Tragegriffe. Damit lässt sich der 390 x 450 x 510 mm (B x H x T) große und 29 kg schwere Subwoofer noch ganz gut alleine tragen. Oben sitzt die Steckverbindung für den ersten Linienstrahler.


Kräftige Bolzen sorgen für sicheren Halt

Hinter einem stabilen Lochblech finden sich zwei in V-Form zueinander angebrachte 8-Zoll Basslautsprecher. Diese Anordnung soll ein optimales akustisches Zusammenwirken der beiden Speaker bei kompakten Gehäusemaßen ermöglichen. Im hinteren Teil finden sich die Anschlüsse, der Netzschalter und ein großer passiver Kühlkörper. Als Eingänge dienen zwei symmetrische XLR-Combo-Buchsen, zum Durchschleifen zwei ebenfalls symmetrische XLR-Buchsen. Als alternative Eingänge sind die beiden Cinch-Buchsen gedacht. Da kann auch mal schnell ein MP3- oder CD-Player angeschlossen werden.


Basslautsprecher in V-Anordnung


Mächtiger Kühlkörper im hinteren Teil des Subwoofers

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Anordnung der Ein- und Ausgänge, weil die Buchse für links auf der rechten Seite und die für rechts auf der linken Seite sitzt (von hinten betrachtet). Auf jeden Fall gibt es zwei Eingänge, damit beim Betrieb von einer Maui als Monosystem beide Stereosignale (CD, MP3, Keyboard ...) hörbar sind. Am Netzkabel findet sich geräteseitig ein Stecker mit Verriegelung, der das Kabel fest im Subwoofer hält und versehentliches Herausrutschen auf jeden Fall verhindert. Der beleuchte Netzschalter ist knapp unterhalb der Kühlrippen angebracht. Hier ist Vorsicht angesagt. Beim Betätigen könnte Verletzungsgefahr bestehen, denn der Kühlkörper hat scharfe Kanten.


Vorsicht, scharfe Kanten an den Kühllamellen

Wie bei vielen Gitarren-Kofferverstärkern ist ein Teil der Bedienelemente von oben zugängig. Das ist eine prima Lösung. Hier finden sich die Drehregler für Main Level und Sub Level sowie eine Reihe von fünf LEDs: ON leuchtet beim Betrieb; LOCK zeigt, dass das System korrekt zusammengesteckt ist; SIGNAL informiert, dass ein Signal am Eingang anliegt; LIMIT signalisiert den aktiven Limiter; PROTECT zeigt Überlastung und automatische Stummschaltung.


Drehregler und Kontroll-LEDs von oben sichtbar

Die konventionellen Class A/B Endstufen wiegen zwar mehr als moderne Varianten, schlagen sich aber positiv in der Kalkulation und damit auch in einem günstigen Endpreis nieder. Bei den verbauten Chassis im Subwoofer setzt LD Systems auf Treiber mit Ferritmagneten. Sie sind zwar etwas schwerer, aber dafür eben auch preiswerter. Die 3-Zöller in den Säulen haben zeitgemäße Neodym-Magnete.

Die Stäbchen bitte

Im Gegensatz zum Subwoofer sind die beiden Säulenlautsprecher aus leichtem Aluminium. Das sorgt für ein Federgewicht von nur 3,6 kg pro Säule bei einer Größe von 110 x 790 x 90 mm (B x H x T). Sechzehn 3-Zoll Lautsprecher, verteilt auf zweimal acht Lautsprecher, sitzen in den beiden Säulen. In der oberen, an oberster Stelle, noch ein 1-Zoll Hochtontreiber mit Horn. Die Säulen werden einfach auf dem Subwoofer aufgesteckt. Massive Metallbolzen sorgen für guten Halt und sichere Steckverbindungen für guten Kontakt sowie sichere Übertragung der Signale. Verkehrt machen kann man beim Zusammenstecken nichts. Die Elemente passen nur in einer Kombination zusammen und sind auf der Rückseite zusätzlich mit Grafiken und römischen Ziffern, die den korrekten Zusammenbau darstellen, gut gekennzeichnet. Zudem informiert die bereits erwähnte LOCK-LED im Subwoofer über den ordnungsgemäßen Zusammenbau. Nur wenn sie leuchtet, schaltet die Sicherheitsfunktion die Satelliten zu. Das Ganze hört sich jetzt vielleicht etwas kompliziert an, ist es aber nicht. Die Montage ist selbst für Ungeübte leichter als das Verkabeln herkömmlicher Systeme. Sogar Musiker, die mit Kabeln und Boxen nichts am Hut haben, können die Maui 28 aufbauen und anschließen.


Steckverbindungen der Klangsäulen

Clevere Schaltung

Laut LD Systems stecken im Subwoofer fünf Endstufen. Eine versorgt den Tieftonbereich und je zwei sind für die Satelliten zuständig. Daher auch die Bezeichnung 4.1. Eine weitere Besonderheit ist die gestaffelte Wiedergabe der Mitten und Höhen. Eine elektronische Regelung sorgt dafür, dass der Frequenzbereich in den Säulen von unten nach oben zunimmt und schließlich im Hochtonhorn, am höchsten Punkt der Maui 28, endet. Der Frequenzgang des gesamten Systems reicht von 45 bis 20000 Hz bei einem Schalldruck von 98 dB (1 Watt/1Meter). Höchster Punkt der Anlage (Gesamthöhe 207 cm) ist das Hochtonhorn. Der oberste Frequenzbereich wird damit weit über den Köpfen abgestrahlt. Das ist von großem Vorteil, denn so wird die Hochtonwiedergabe nicht von davor stehenden Zuhörern behindert. Allerdings braucht es etwas Abstand, bis sich der Sound von den Treibern löst und zu einer homogenen Einheit verschmilzt. Steht man zu nah vor den Lautsprechern, ist die Höhenwiedergabe deutlich von oben wahrnehmbar. Dieser Effekt muss nicht störend sein, sollte aber dennoch hier erwähnt werden.


Blick auf die komplette Bedieneinheit

Soundqualität

Bei meinen Test-CDs greife ich zu den üblichen Kandidaten. Der Soundtest läuft über eine einzige Maui 28 in mono. Meine Singer-Songwriter CD ist auch wieder dabei. Hier geht es mir besonders um die Klarheit der Stimmen und um die meist sehr offen gehaltenen Arrangements. Da lassen sich feine Details gut heraushören. Aber auch alte Bekannte wie Robert Palmer oder die Crash Test Dummies müssen wieder ran. Der Sänger der „Dummies“, Brad Roberts, bekannt für seine markante tiefe Stimme, klingt sonorig-satt aus den Speakern. Die feine Stimme von Katie Melua sitzt nah und fein am Ohr, hat aber dennoch genügend Effekte, um selbst im Monobetrieb ein räumliches Klangbild zu erzeugen. Eine mittige Rock-Gitarre fetzt bei Robert Palmers Addicted to Love aus den Speakern. Die Sequenzer-Linien bei Looking for Clues oder Johnny & Mary bilden den markanten Groove. Auch in der Stimme von Stefanie (Silbermond) sind bei Krieger des Lichts feine Nuancen zu hören. Die Atemgeräusche vermitteln Nähe und Intimität.

Der Gesamtklang der Maui 28 ist harmonisch. Doch erst nachdem ich den Regler für die Tieftonwiedergabe ganz aufdrehe. Sonst bin ich beim Bass eher immer etwas zurückhaltend. Doch in diesem Fall braucht es das kräftige Fundament. Auch könnte die Wiedergabe eine Spur mehr Mitten vertragen, aber das ist ja schließlich auch von der Musik und nicht zuletzt vom persönlichen Geschmack abhängig. Mit etwas Abstand von der Säule kommt der Sound richtig gut zur Geltung und verteilt sich ordentlich im Raum - wie gesagt, bereits bei einem einzigen Mono-System. Lautstärkereserven sind durch die gut dimensionierten Endstufen für kleinere Events ebenfalls genügend vorhanden. Beim Ausschalten sind leider Knack-Geräusche hörbar.


Futuristisches Aussehen mit langer Klangsäule

Fazit

Zunächst einmal ist es eine Systementscheidung, ob man mit der Maui 28 liebäugelt. Der Effekt der Zylinderwelle durch die Linienstrahler bietet mit dem breiten Schallfeld allerhand Vorteile für eine gleichmäßige Beschallung. Auch das Aufstecken der zwei Lautsprechersäulen ist eine feine Sache. Boxenstative oder Distanzstangen sind überflüssig und der Platz im Kofferraum wird größer, nicht zuletzt durch die kompakten Abmessungen der gesamten Anlage. Keine lästige Verkabelung mehr, schneller Auf- und Abbau sind weitere Argumente für das neue System von LD Systems. Das geringe Gewicht der schlanken Säulen erfreut ebenso wie ein insgesamt guter Klang. Für Auftritte von Heavymetal Bands würde ich die Maui 28 jetzt nicht unbedingt empfehlen, aber für feine Akustikgruppen, Jazzbands, Singer-Songwriter-Gigs oder Pop-Gruppen ist die Anlage eine feine Sache. Nicht zuletzt durch ihr dezentes Erscheinungsbild. Deshalb bietet sie sich auch für allgemeine Beschallung mit Hintergrundmusik gut an. Die scharfen Ecken der Kühlrippen sollten etwas abgerundet werden. Unter zusätzlicher Berücksichtigung des günstigen Anschaffungspreises, der unter 900 Euro liegt, lautet das Gesamtergebnis: "Daumen hoch, das Maui 28 Array System ist gut."


Plus

neuartiges Konzept
kompakte Abmessungen
gute Schallverteilung im Raum
angenehmes Design
verriegeltes Netzkabel
wichtige Anzeigen von oben sichtbar
Drehpotis von oben zugängig
Gewicht der Säulen

Minus

scharfe Kanten an Kühlrippen
konventionelle Verstärkertechnik
Ausschaltgeräusche
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