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Test: Behringer B812NEO/B815NEO

Autor: Siegfried Schöbel
03.06.2011

Die Firma Behringer kennt mittlerweile jeder, der auch nur annähernd irgendetwas mit Musik zu schaffen hat. Aus einem zuerst kleinen Unternehmen aus Willich ist mittlerweile ein großes, sehr großes mit eigenem Fertigungsgelände in China geworden, der sog. Behringer-City. Dort werkeln um die 3000 Leute und stellen von der DI-Box bis zum mittelgroßen Mischpult (und ziemlich alles, was zwischen diesen beiden Dingen hängt) einiges Audio-Werkzeug her. So auch die neuen PA-Boxen

Eurolive B812NEO und B815NEO

B812NEOB812NEO


B815NEOB815NEO


Was als erstes auffällt, ist der neutrale Geruch des Materials, wenn man die Boxen aus den stabilen Kartons herauswuchtet. Es gibt leider öfters bei in China hergestellter Ware ein sprichwörtliches Naserümpfen, da die Materialien unangenehm riechen. Diesbezüglich geben sich die Behringers schon mal keine Blöße, und auch die erste Materialanmutung macht einen angenehmen Eindruck. Die integrierten Griffe lassen die Boxen sicher heben und haben einen guten Grip. Die gesamte äußere Verarbeitung macht auf den ersten Blick einen insgesamt positiven Eindruck. 

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Sowohl B812 wie B815 sind aktiv und werden Bass-seitig von einer 800 Watt starken Endstufe versorgt, der Hochtöner wird mit 50 Watt befeuert. Die kurzzeitige Höchstleistung liegt sogar bei 1200 bzw. 60 Watt, was schon eine ganze Menge Holz ist. Die Endstufe ist in Class D-Technik aufgebaut, die Hoch- wie Tieftöner sind Neodym-Typen.

Vorne zeigt eine mehrfarbige LED den jeweiligen Betriebszustand an, und sogar ein Clipping (Übersteuern) wird dort angezeigt. Falls diese LED rot blinkt, ist die Box überhitzt und sollte schleunigst abgeschaltet werden.

Auf der Rückseite befindet sich eine recht umfangreiche Anschluss-Sektion, mit welcher sich in mancher Situation sogar ein externes Mischpult erübrigt. Zuerst sei die Musik/Sprache-Umschaltung erwähnt, mit welcher eine klangliche Grundeinstellung für den jeweiligen Einsatzzweck gewählt wird. So lassen sich über zwei Combo-Buchsen zwei Mikrofone (oder ein Mikrofon und ein Line-Signal oder nur zwei Line-Signale) direkt anschließen und ein 2-bandiger EQ sowie ein zusätzlicher, regelbarer Low Cut-Filter ermöglichen schon mal eine gute Grundeinstellung des Klanges. Als Zuckerl gibt es sogar ein zuschaltbares Noise Gate, welches die Eingänge stumm regelt sowie eine wählbare Turn Off-Funktion, welche den Lautsprecher nach drei Minuten abschaltet. Das Noise Gate ist allerdings nur in der Ansprechschwelle (dem Threshold) regelbar und wirkt auf beide Eingänge gleichzeitig. Wem die Leistung nicht reicht, kann über einen XLR-Ausgang auf eine weitere NEO weiterleiten.

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Beide Boxentypen verfügen übrigens über die identische Ausstattung, lediglich der Basslautsprecher ist beim kleineren Modell ein 12-Zöller anstelle des 15-Zöllers des großen Bruders. 

Was auch noch auffällt, ist der riesige Kühlkörper, der schon ein gewisses Vertrauen in die Wärmeabfuhr aufkommen lässt. Praktisch auch die Feststellschraube, damit lässt sich die Box gegen Verdrehen am Stativ arretieren.

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Die B815NEO wiegt 23 kg, die 812er 19 kg, was für die hohe Leistung dieser Lautsprecher als eher geringes Gewicht zu werten ist. Wer viel alleine auf- und abbauen muss, tut sich allerdings mit der doch deutlich kompakteren 812 um einiges leichter. Besonders dann, wenn die Boxen auf das Stativ müssen, ist bei der Großen ein zweiter Mann doch sehr nützlich.

Wie klingen sie?

Ich gebe ehrlich zu, dass ich bei Behringer-Produkten immer etwas skeptisch bin, da ich selbst im Laufe der letzten 20 Jahre einige hatte. Manchmal waren die Geräte richtige Highlights (wie z.B. der Denoiser DNR 2000 oder der Ultrafex), manche Geräte waren aber unterirdisch verarbeitet (Potis wie Wackelpudding, dünnstes Blech etc.).

Okay, also diesmal war ich doch sehr angetan vom wirklich guten Sound, den diese Lautsprecher an die Ohren bringen. Würde ich sie mit geschlossenen Augen hören, könnte man beinahe an wesentlich hochpreisigere Mitkonkurrenten denken: sehr volle, eher weiche Bässe und klare Höhen, dabei keinerlei Hang zur Schärfe in den Mittenbereichen. Die Box klingt sehr ausgewogen und hat eine deutliche Tendenz zu einem edlen Klangcharakter. Wow, das hätte ich Behringer eigentlich nicht so wirklich zugetraut.

Bereits ohne Klangregelung ist der Sound sehr ausgewogen, und die gewählten EQ-Frequenzen für den Bass- und Höhenbereich sind gut gewählt. Der Höhenbereich wirkt beim Zugeben schön seidig und verschärft den Sound nicht, ein Lob dafür.

Der Grundklang beider Boxen ist sehr ähnlich, wobei die B815 natürlich ein deutliches Pfund mehr Bässe entwickeln kann. Dennoch hat mich besonders die kleinere B812 beeindruckt, da sie einen für die relativ kompakte Größe enorm definierten und warmen Bass-Sound abliefert, was sich bei der “Großen” durch den 15-Zöller wesentlich leichter realisieren lässt. Insgesamt klingt die 812 eine Spur knackiger, die 815 dafür noch ausgewogener.

Für wen sind die NEOs richtig?

Obwohl Behringer aufgrund seiner Billigpreise in der Regel in der Einsteigerliga zu finden ist, würde ich im Falle dieser Lautsprecher auch dem interessierten Berufsmusiker ein Testhören anraten. Sie klingen sehr “teuer” und gehen schon deutlich Richtung Edelsound, zudem sind alle Regler und Anschlüsse sehr sauber ausgeführt. Besonders Entertainer und mobile DJs könnte ich mir als Anwender vorstellen, Rockbands könnte der Sound evtl. etwas zu weich sein.

Auch für mobile Sprachbeschallung sind die neuen Behringer eine gute Wahl, da sie durch die Umschaltung auf Sprachsignale ohne viel Herumgetue schnell auf diesen Einsatzzweck getrimmt sind. 

Ja, es gibt durchaus noch bessere Lautsprecher, die noch mehr Druck nach hinten machen und noch transparenter sind. Wenn ich allerdings den aufgerufenen Preis ansehe und dann diesen Sound höre, bin ich schon beeindruckt. Hier klingt nichts nach billig oder Einsteigermodell, die Boxen sind richtig gut. Dennoch rate ich jedem Interessierten zum Probehören, denn mein Geschmack muss nicht automatisch jedem gefallen.

Was gibt es zu meckern?

Eine portable PA-Box kommt in 99 Prozent der Fälle wohin? Richtig, auf ein Boxenstativ. Und wie hoch ist ein solches? Auf jeden Fall deutlich höher als die beigelegten Netzkabel an Länge haben: 150 cm. Mit so kurzen Strippen kommt man nicht mal an den Boden zur Steckdosenleiste. Ist doch ärgerlich, wenn man so eine Box erwirbt und zu Hause merkt, dass man noch extra Stromkabel hätte zukaufen müssen.

Was hatte Behringer für tolle Bedienungsanleitungen, da konnte sich mancher Konkurrent eine Scheibe davon abschneiden. Und nun? Alles mehrsprachig in eine dünne Anleitung gequetscht, bei der ich bei jeder Erklärung die deutschen Sätze zwischen Russisch, Griechisch und 7 weiteren Sprachen heraussuchen muss … Nee, gefällt dem Onkel Sigi nicht.


Plus

sehr guter Sound
extrem preiswert für das Gebotene
insgesamt gut verarbeitet
vielseitig

Minus

viel zu kurze Netzkabel mitgeliefert
Bedienungsanleitung verwirrend
Amazona Userbewertung:

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