Test: Native Instruments Traktor S4 und Traktor Pro 2

Autor: Stephan Spieker
21.04.2011


Übersicht über den KONTROL S4

Besser spät als nie. Getreu diesem Motto möchten wir euch die AMAZONA Meinung zu Native Instruments' bereits seit Ende 2010 erhältlichen Controller Boliden S4 nicht vorenthalten und haben ihn für euch getestet. Der Zeitpunkt ist allerdings auch nicht ganz zufällig gewählt, denn seit wenigen Tagen wird Native Instruments Traktor Pro 2 ausgeliefert und bietet den S4 Nutzern wie auch allen anderen „Traktoristen“ eine enorme Aufwertung zur Vorgängerversion.

Die Hardware

Zunächst zur Hardware. Als erstes fällt einem die im Vergleich zu anderen Controllern monströse Größe auf. Der KONTROL S4 Controller hat eine Grundfläche von ca. 32 x 50 cm und wiegt dafür eigentlich schlanke 3,4 kg. Dies resultiert vor allem aus der Verwendung von Kunststoff, auch für das Gehäuse. Jedoch fühlt sich der S4 keinesfalls billig, sondern hochwertig und sehr gut verarbeitet an. Auf der Oberfläche setzt sich die Mixersektion in der Mitte mit einer glänzenden Plexiglasplatte optisch schön von den beiden Decks mit matter Aluoptik ab.

Noch etwas zur Größe des Controllers. Vorteil der Maße: Auch Leute, die nicht gerade über die filigransten Fingerchen verfügen, haben keine Probleme mit der Bedienung. Alle Buttons und Potis fallen großzügig dimensioniert aus, und es gibt auch nur Doppelbelegungen, wenn das auch Sinn macht. Nachteil: Ich kenne eine Menge DJ Kanzeln, in denen schon ein Laptop und ein kleiner X1 Controller schwer unterzubringen ist. Wie soll man da so eine Riesenmaschine verstecken, ohne gleich alles umzubauen? Und nicht zu vergessen: Es handelt sich immer noch um einen Controller, der noch nach einem Laptop verlangt.


Hochwertige Verarbeitung

Das Audiointerface im S4 gleicht der bewährten NI Audio 4 Karte und verfügt über den selben großartigen Klang, der auch einen Anschluss direkt an die PA ermöglicht, falls gewünscht. Der S4 besitzt neben Masterausgang und separaten Deckausgängen, die durch Traktor belegt werden können, außerdem die Möglichkeit, externe Geräte über Line-In oder auch Phono-In anzuschließen und in die Traktor Software zu routen. Diese können dann auch über die Software-Effekte bearbeitet werden.


Anschlusspanel des KONTROL S4

Soviel zur technischen Seite. Das Layout des Native Instruments KONTROL S4 bietet eine Vierkanal-Mixer Sektion. Effekt- und Loopkontrollen sowie die Verwaltung von Hotcue- und Samplebänken. Auch alle Standardeinstellungen der Software wie Master und Cue-Lautstärke, Vorhören und vieles mehr ist direkt über den Controller regelbar. Auch eine umfangreiche Browsersektion mit der Möglichkeit, Tracks in die entsprechenden Decks zu laden, ist selbstverständlich mit an Bord. Die Fader wirken sehr hochwertig und verfügen über einen guten Widerstand. Das Gleiche gilt auch für alle übrigen Potis und Buttons. Speziell letztere lassen sich wirklich hervorragend bearbeiten und bieten einen tollen Druckpunkt. Die beiden Jogwheels  sind touchsensitiv und liegen richtig gut in der Hand. Neben der Scratchfunktion ist hier auch das Pitchbend an der Seite sehr intuitiv, da die Jogs magnetgebremst werden und somit mit einem angenehmen Widerstand ausgestattet sind. Unterhalb der Jogwheels befinden sich die Steuertasten wie Cue und Play. Optische Rückmeldung mit einer sehr guten Übersicht gibt der S4 über hauptsächlich orange- und blauleuchtende LEDs an allen wichtigen Stellen. Diese sind nur bei Betrieb mit dem beiliegenden Netzteil richtig hell und werden im reinen USB-Betrieb gedimmt. Dieser ist allerdings, und das ist für ein Gerät dieser Größenordnung erstaunlich, auch mit voller Audiopower und allen Funktionen ohne Netzteil am Laptop möglich. 


Die Mastersektion

Die Software

Nun aber los. Wie bereits erwähnt, wurde der S4 hier mit der neuen Traktor Pro 2 Version getestet. Ausgeliefert wurde er ursprünglich mit der speziellen S4 Software, welche jedoch als eine Art Vorgänger gesehen werden kann und bereits über viele Eigenschaften und die selbe Optik wie Traktor Pro 2 verfügte. Das neue TRAKTOR PRO 2 ersetzt aber nun die bislang mit dem TRAKTOR KONTROL S4-System ausgelieferte Software. Alle bestehenden KONTROL S4-Besitzer erhalten die TRAKTOR PRO 2-Software als kostenloses Download-Update.

Die wesentlichste Neuerung sieht man direkt beim ersten Start, nämlich die überarbeitete Benutzeroberfläche. Diese erscheint nun schlichter, aufgeräumter und noch übersichtlicher und für meinen Geschmack auch professioneller als in der ohnehin schon gelungenen Vorgängerversion. Im Grau gehaltenen Umfeld mit orangenen und grünen Anzeigen machen sich die neuen farbigen Wellenformanzeigen der Tracks richtig gut. Diese hochauflösenden Truwave genannten Wellen können noch in verschiedener Art und Weise umgeschaltet werden, vom Röntgenlook bis zur Serato-like Darstellung. Außer der Optik bieten die Wellenformen dadurch noch eine bessere Übersicht über die Beschaffenheit der Tracks. Auf der Funktionsseite neu hinzugekommen sind die jeweils vier Sampleplayer, die anstatt Deck C oder D in das Mixing eingebunden werden können. Diese nehmen eine gewählte Looplänge eines laufenden Tracks auf und geben diesen dann geloopt wieder. Richtig Spaß macht diese Funktion mit der eigens auf dem KONTROL S4 vorgesehenen Abteilung dafür. Im Handumdrehen gelingen Looporgien oder ganze Remixe on the fly, denn die Sampleplayer können per Knopfdruck geladen, gelöscht und wieder neu bespielt werden. Ein wirklich tolles neues Feature in Traktor Pro 2, das der Software einen deutlichen Mehrwert für das kreative Mixing verschafft.


Sampledeck- und Loopsteuerung

Natürlich lassen sich die Sampledecks auch für das Vierdeck-Mixing ganz einfach gegen Deck C und D tauschen. Unterstützt wird die Kreativabteilung durch einen, ebenfalls neuen, Looprecorder, der Loops nun von Einzeldecks oder aber vom Masterausgang, also inklusive Effekten und Mixing, aufzeichnet. Mit Tape Delay, Ramp Delay, Bouncer und Auto Bouncer haben darüber hinaus nun vier neue Effekte Einzug in Traktor gehalten, welche das Effektarsenal nun auf einzigartige dreißig Effekte erhöhen, die nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ überzeugen können. Vor allem das neue Tape Delay macht Spaß, ebenso der Autobouncer, mit dem sich Audiosignale zerstückeln und nach verschiedenen Patternmustern triggern lassen. Diese lassen sich wie bereits erwähnt nicht nur auf die Traktor-internen Audiosignale anwenden, sondern über die Live-Input Funktion auf andere angeschlossene Audioquellen. So kann beispielsweise ein CD-Player, Sampler oder ähnliches an den KONTROL S4 angeschlossen, direkt in das Set und die bestehende Effektkette integriert werden. 


Die neue Traktor Scratch 2 Software

In der Praxis merkt man sofort, dass der KONTROL S4 für NIs Traktor 2 gebaut worden ist. Hardware und Software wirken, und wen wundert's, wie aus einem Guss. Ruckzuck ist mit dem Browser ein Track ausgewählt, in die Decks geladen, und los geht der Spaß. Looping, Aufnehmen und Wiedergeben von Samples und auch das Spielen mit Hotcues (auch dafür verfügt der S4 über extra Tasten) passiert intuitiv ohne Umwege und macht direkt süchtig. Es gefällt einfach, dass man nicht am Platz gespart und allen wichtigen Sektionen des Mixings ihren Platz eingeräumt hat. Wo viele Controller mit Fadern, EQ Sektion und vielleicht noch einzelnen Elementen zur Effektsteuerung daherkommen, fängt der KONTROL S4 erst an. Alles ist bis ins Detail an die Software angelehnt. Vor allem die Einbindung der Sampleplayer kann bisher kein anderer Controller so bieten. Auch dass die Effekteinheiten aus Traktor eins zu eins auf den S4 übernommen wurden, macht den kreativen Umgang damit einfach.


Die Effekteinheit

Fazit

Mit dem KONTROL S4 legt Native Instruments die Messlatte für einen Traktor Pro 2 Controller ziemlich hoch. Man merkt, dass das Gerät aus dem selben Hause stammt, denn kein anderer Controller bildet so genau die Traktor Pro Funktionen in Hardware ab. Diese ist dabei technisch und optisch sehr hochwertig, und der KONTROL S4 bietet Spielspaß pur von Anfang an und auf intuitive Weise. Auch Traktor Einsteiger werden schnell mit diesem System klar kommen. Wer also eine Menge Platz nicht nur zu Hause, sondern auch bei den Gigs zur Verfügung hat, dem sei dieses Gerät auf jeden Fall empfohlen. Kompakt ist er leider nicht gerade, aber die daraus resultierende Übersicht und Belegung ist fantastisch. Bei wem es eng zugeht und wer auf Jogwheels verzichten kann, der sollte sich als  Alternative zum Beispiel ein Set aus zwei KONTROL X1 aus gleichem Hause anschauen.


Plus

sehr hochwertige Verarbeitung
guter Sound
viel Platz auf dem Controller
sinnvolle Belegung
alle Softwarefunktionen direkt auf dem S4 verfügbar

Minus

enorme Größe
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