
Alesis Jüngster
„Die Deutschen sterben aus“ titelte letzte Woche wieder mal eine Wochenzeitung, ein Dauerthema. Wenn es so weiter geht, können in 50 Jahren die letzten Alten auf verlassenen Kinderspielplätzen noch ein paar Tauben vergiften, bevor der Letzte in diesem Land das Licht ausmacht. Da sollten wir uns doch mal ein Beispiel an der musikalischen Familie von Alesis Multimix nehmen. Die brachte jetzt mit dem Multimix 4 USB bereits den elften Nachkommen zur Welt respektive auf den Markt. Nach diversen 6-, 8-, 12- und 16-Kanal-Mixern und mehreren USB-Varianten freut sich Familie Multimix, die Geburt ihres kleinen Multimix 4 USB bekannt geben zu dürfen. Gut, über den Namen kann man vielleicht streiten, aber besser als „Kevin Schantal Kasulzke“ ist er allemal.
Zum ersten Mal daheim
Die Erstlingsausstattung ist minimal, für die anvisierten Anwendungen aber vollkommen ausreichend. Neben dem jüngsten Spross selber gibt’s noch ein Netzteil, ein USB-Kabel, eine fünfsprachige Kurzanleitung auf insgesamt zehn Seiten.

In dieser Wiege wird er geliefert
Och is der aber süüüß!
Mit gerade mal 19x15x4 Zentimetern ist der kleine Multimix 4 USB auf den ersten Blick ein echter Fall für den Brutkasten. Der Eindruck ändert sich aber, wenn man ihn mal in die Hand nimmt: Der 4er ist ein echt stabiler Wonneproppen, komplett aus massivem Metall und trotz seiner geringen Größe geschätzte ein Kilo schwer. Vier ordentlich gummierte Füßchen sorgen für rutschfesten Stand auf jeder Unterlage - was gerade bei Schreibtischgeräten, die für gewöhnlich nah an der Tischkante balancieren, ein durchaus erwähnenswerter Sicherheitsaspekt ist. Bei der Stromversorgung ist Klein USB auch nicht auf die USB-Nabelschnur angewiesen, sondern bringt gleich seine eigene Nahrungsquelle in Form eines Netzteils mit.

Das Kinderzimmer muss nicht groß sein ...
Kann er schon sprechen?
Der Alesis MultiMix 4 USB ist ein Desktop-Vierkanal-Mixer mit integriertem USB Digital Audio Interface. Kanalzug eins besitzt neben einem XLR-Anschluss fürs Mikro auch einen Klinkeneingang für Line oder Hi-Z wie Gitarre, der per Taster umgeschaltet wird. Nachteil hier: Die Stellung des Tasters ist bei „Ton sur Ton“ - sprich „schwarzer Taster ohne großen Hub auf schwarzer Bedienoberfläche“ - nicht wirklich gut zu erkennen, da wäre eine farbige Markierung am Bedienelement äußerst hilfreich gewesen.

Ist er nun gedrückt oder nicht?
Des Weiteren gibt's noch einen HPF-Button fürs Mikro (Hochpassfilter, Trittschalldämmung) und einen Gain-Regler. Die EQ-Einheit ist mit Hi (10 kHz) und Lo (80 Hz) recht überschaubar ausgefallen, Mitten gibt's keine. Der Regelbereich ist mit -15 bis +15 dB ok, doch sollte man da sparsam hantieren, sonst wird's schnell übertrieben spitz oder dumpf. Das Fehlen eines Mittenreglers macht sich da schon bemerkbar, Wunderdinge sollte man nicht erwarten. Ein Pan- und ein Level-Regler beschließen die Phalanx der Manipulationsmöglichkeiten. Wie bei Mixern dieser Größenordnung üblich, gibt's keine Fader, sondern ausschließlich Drehregler. Der Abstand zwischen den einzelnen Knobs ist ausreichend dimensioniert, so dass auch Landwirte, Holzfäller und Hufschmiede mehr als genug Platz für ihre Finger haben.

Platz genug für dicke Finger
Kanalzug zwei ist bis auf den fehlenden HPF-Button identisch angelegt; die 48 V Phantomspeisung gibt's nur für beide im Verbund. Für Kanal drei und vier schließlich gibt es zwei Line-Ins (Klinke) sowie einen Balance- und einen Level-Regler zusammen für beide. Hier bietet sich dann der Anschluss von Stereogeräten an wie etwa Keyboards oder mp3/CD-Player.

Gib Cinch keine Chance
Alles Kanaleingänge enden entweder auf dem Main Out (2x Klinke mit Main Volume-Drehregler) oder auf dem (regelbaren) Kopfhörerausgang. Die Pegelanzeige ist mit fünf Stellen (-24 dB, -12 dB, 0 dB, +6 dB, Clip) recht kurzatmig und nicht sonderlich genau, der Kleine schreit sich also unter Umständen ruckartig eine rote Birne, bevor man da hilfreich eingreifen kann.

Manchmal ist mehr einfach mehr
Spielkameraden gesucht
Der Multimix 4 USB lässt sich per USB mit dem PC verdrahten und kann dann als einfaches Audio-Interface mit 16 Bit / 44 kHz eingesetzt werden. Spezielle Treiber sind nicht notwendig (weshalb auch keine CD beiliegt), genutzt wird der generische USB Audio Codec. Auch hier gilt: Wunderdinge sollte man nicht erwarten, auch wenn via USB ein 16/44er Digitalsignal fürs Recording ausgegeben wird. Den Signal-to-Noise Ratio gibt der Hersteller mit 92 dB (Line) bzw. mit 62 dB (Mic) an. Für den Hobby-Anwender ist das jederzeit ausreichend.

Der Alesis im Vergleich mit dem Mackie 802 (hinten)
Alternativen?
Tatsächlich gibt es in dieser Preisklasse derzeit keine Alternative MIT eingebautem Audio-Interface. Wer es also gerne klein und kompakt möchte, dem wir die Qual der Wahl erspart.
Fazit
Der MultiMix4 USB ist ein Mixer der untersten Preiskategorie, der die Grundbedürfnisse abdeckt und solide verarbeitet ist – mehr aber auch nicht, darüber sollte man sich klar sein. Der Klang ist dem Preis entsprechend, ordentlich, aber Wunderdinge darf man für 90 Euro nicht erwarten.
Dass es dazu ein integriertes USB Digital Audio Interface gibt, ist das schlagkräftigste Argument des kleinen Mixers.
Der Alesis Multimix 4 USB ist sicher perfekt geeignet für den preisgünstigen Einsatz am PC. Nicht nur Einsteiger-Musiker profitieren von der günstigen All-In-One Lösung (Mischer, Audiointerface, Mikrofonvorverstärker). Auch Videoamateure werden sich über das einfache zu bedienende und preisgünstige Gerät freuen.
Plus
- +
- gute Verarbeitung
- +
- aufgeräumte Bedienoberfläche
- +
- Phantompower
Minus
- -
- Stellung der Buttons schwer erkennbar
