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Test: Denon DN-S3700

Autor: Danny Judek
06.08.2009



Seitdem Denon 1991 als erster Hersteller CD-Player für DJ-Anwendungen veröffentlicht hat, sind einige Jahre und Innovationen ins Land gezogen. Auf diesem Sektor blieben sie nicht allein und wurden um die Jahrtausendwende von Pioneer fast überrannt, die mit dem CDJ-1000 auf eindrucksvolle Weise die geliebte Schallplattenmetapher aufgegriffen haben. Seither gehören jene Player zum Standardrepertoire der großen Clubs und Verleiher. Mit etwas Verzug hat auch Denon Singleplayer veröffentlicht, die durch neuartige Funktionen und attraktive Preise zu verlocken wussten. Dennoch blieb ihnen die gleichwertige Verwendung im professionellen Umfeld bisher verwehrt. Der jüngste Spross schickt sich mehr denn je an, der Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Ob das Potenzial dazu vorhanden ist, wird dieser Test zeigen.

 



Auspacken

Man sollte einigermaßen gut gefrühstückt haben, wenn man den DN-S3700 aus seiner stabilen Verpackung befreien will. Fast 6 kg wiegt dieser ausgewachsene Bolide nämlich.  
Nanu - hat man den Teller vergessen? Nein, wie bei einem richtigen Plattenspieler residiert das massive Stück extra im Karton - zur Transportsicherheit.
Beim beherzten Griff während des Auspackens fiel mir sofort auf, dass die Kunststoffseitenteile nachgeben. Diese könnten für meinen Geschmack rundum dicker und besser verschraubt sein. Das Finish erinnert auch mit seiner Metallic- und Zweifarb-Optik sehr an Consumer-Elektronik. Etwas mehr Sein als Schein würde ich mir wünschen.
Wenn das gute Stück erfolgreich auf den Tisch gewuchtet wurde, fallen sofort die beeindruckenden Dimensionen auf - sie sind jetzt in etwa mit den CDJ-1000 vergleichbar.
Der große 9-Zoll-Teller (damit der zweitgrößte am Markt nach dem CDX von Numark) ist nicht nur reine Spielerei, sondern will echten Plattenspielern nacheifern. Damit dies gelingt, wurde das selbe zweigeteilte Antriebssystem wie bei den Plattenspielern von Technics verwendet. Auch das Tellerranddesign ist von den Discotheken-Evergreens inspiriert. Bei Denon setzt man seit jeher auf aktive Teller (die ersten Modelle waren noch riemengetrieben) mit Slipmat und Plattenimitat. Die diesmal mitgelieferte ist sogar eine richtige Vinylplatte mit Rillen. Und ja, es ist sogar Musik draufgepresst, und zwar inzwischen reichlich verrauschte. Für die möglichst realistische Emulation hat man sich einiges einfallen lassen.


Runde Ecken


Die zweite Augenscheinlichkeit ist die Armada von Bedienelementen, die den digitalen Neuling zunächst erschlagen mag. Da ich den ersten Single-Spross von Denon selbst mein eigen nannte, bin ich in dieser Hinsicht aber einiges gewohnt und werde hin und wieder Vergleiche ziehen.
Was will dieser Player? Ein Blick auf die drei Logos auf der rechten Seite lassen es erahnen: CD, MP3, MIDI. Der S3700 ist den offiziellen Angaben zufolge ein Digital Media Turntable. Daher versteht er sich zunächst einmal auf Audio und MP3-CDs. Gern auch selbstgebrannte in verschiedenen Varianten. Hinzu kommt das Lesen von WAV und MP3 von FAT-formatierten USB-Medien (Festplatten, Sticks, MP3-Player). Und als MIDI-Controller, der Steuerungsdaten über USB sendet und empfängt, fungiert er auch noch. Obendrein sind seine Ausgänge auch als Zweikanal-Soundkarte nutzbar. Wenn das mal nichts ist. Aber Gemach, gemach ...

 

Oberfläche/Rein/Raus

Da wir es mit einem Audioplayer zu tun haben, kommt das Gerät nicht um analoge Cinchbuchsen herum. Ergänzt werden sie von der obligatorischen digitalen Schnittstelle und jener für Fader-Start. An zwei weiteren Buchsen finden die USB-Medien und die Verbindung zum Rechner Anschluss. Ebenfalls aus dem PC-Bereich kennt man den PS/2-Port und die RJ-45-Buchse. Ersterer dient zum Anschluss einer Tastatur, mit der bei USB-Medien schnell in der Datenbank navigiert werden kann. Zweitere verbindet das Gerät mit einem baugleichen, um Memodaten auszutauschen, sich eine PC-Tastatur zu teilen und für Relay-Play (abwechselnde Wiedergabe von zwei Geräten) Informationen auszutauschen.
Auf der Oberfläche findet man an gewohnter Stelle die wichtigsten Elemente. Zentral oberhalb des Tellers sitzt ein helles, gut lesbares Display, das durchgehend über alle Betriebszustände informiert. Umrahmt wird es von zwei blauen LED-Streifen, die bei Ladevorgängen und Loops systematisch animiert sind.
Moduswahl (CD, USB oder MIDI) erfolgt mit der Button-Dreigestirn rechts vom Display. Direkt nebenan befindet sich der multifunktionale Parameter-Knopf, der durch Drehen oder Drücken und Drehen zügig durch CDs und Dateisysteme navigiert. Ebenso lotst er durch die Grundeinstellungen des Geräts und Effektparameter.
Hat man den gewünschten Track angewählt, sind an den üblich verdächtigen Stellen, Play, Cue und Pitch zu finden. Unterhalb des Tellers sind die drei Schalter platziert, die für Vinyl-Imitationseffekte zuständig sind. Links vom Teller die drei populärsten Audioeffekte. Die restlichen Elemente sind vor allem für Loops, Anzeigeeinstellungen und Presets zuständig.
Die am häufigsten benutzten Schalter sind aus flexiblem Gummi und zudem durchsichtig, da sie je nach Modus unterschiedlich beleuchtet sind. Leider kann dieses attraktive Farbschauspiel nur bei mäßiger oder geringer Beleuchtung bewundert werden, denn die milchigen Buttons werden zu schwach vom Licht durchdrungen, als dass bei Tageshelligkeit irgendwelche Betriebszustände mit absoluter Genauigkeit erkannt werden könnten.

Nun aber los!

Bevor die ersten Leser erwägen mich zu steinigen, unterziehe ich das Gerät dem ersehnten Hands-on-Test. CD rein und los.
Keine fünf Sekunden und die Musik kann losspielen. Bereitwillig wird über sämtliche CD-Text-Felder Auskunft gegeben. Der Plattenteller dreht je nach Geschmack mit authentischen 33 oder 45 Umdrehungen und wechselt über den gesamten Pitchbereich auch das Tempo. Bei Originaltempo sorgt die Tellerrandbeleuchtung für scheinbar stillstehende Strobopunkte wie beim analogen Original. Von oberstem Interesse ist natürlich das Vinyl-Gefühl. Dieses ist, wie könnte es bei echtem Vinyl anders sein, wie bei echtem Vinyl. Zumindest was das Materialgefühl und den Klang angeht. Der Burr-Brown-Wandler sorgt für erstklassigen Sound bei langsamen wie schnellen Bewegungen. Auch in Extremsituationen sind keine Aussetzer hörbar (vor fünf Jahren war dies schon mal der Fall). Weniger realistisch ist die durch ihre Größe doch recht leichte und leichtgängige Platte. Das feinfühlige Anschieben auf der Platte oder an der Nabe und Abbremsen am Tellerrand ist trotz stattlichen 2,5kg/cm Startdrehmoment (ist übrigens dreistufig verstellbar) von der stoischen Ruhe und Präzision des Technics entfernt. Präzises Beschleunigen und Bremsen ermöglicht nur der klassische CD-Modus mit abgeschaltetem Rad. Der Pitchregler ist wie beim 1210er geformt und auch mittig einrastend. Wobei ich das Einrasten als zu schwach empfinde, um sinnvoll zu sein. Es stört nicht die Präzision um den Nullpunkt herum. In vier Abstufungen von 6 bis 100% und natürlich wahlweise mit Tonhöhenkorrektur sind den kreativen Verbrechen keine Grenzen gesetzt. In der kleinsten Auflösung sind bis zu 0,02% feine Schritte möglich, in der gröbsten einprozentige. Leider findet sich auch hier wieder die Denon-Krankheit, den Pitchweg oben und unten mit je fünf toten Millimetern auszustatten. Das ist ein ganzes Zehntel Verlust. Auch hätte ich mir für die Umschaltung von Pitchbereichen eine weiche Abholfunktion für Werte gewünscht, sodass beim Umschalten der Spannen nicht wild gesprungen wird. Aber halb so schlimm, denn die Umschaltung nimmt der DJ mit Verstand selten vor Publikum vor. Wenn man im klassischen CD-Modus stotternd über die CD-Frames fährt, ist der Klang angenehm weich und durchgängig und nicht so hart wie bei anderen Playern. Auch das schnelle Suchen und intervallweise Springen geht gut vonstatten. Die Reaktion der Knöpfe im allgemeinen lässt nichts zu beanstanden. Ebenso deren Größe, die vom gegenüber den Vorgängern gewonnenen Platz profitiert.
Man hat nun die Sektionen der Hot Cues und des Loops getrennt. Es gibt 3 reine Hot Cues, die mit dem integrierten Beatcounter auf Wunsch alternativ als halb-editierbarer Autoloop fungieren. Der automatische Beatcounter lässt sich leider  manchmal von wahrscheinlichen halben Werten irritieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, tippt manuell oder nutzt den BPM-Tag seiner MP3s.
Auf der rechten Seite sitzt nun der richtige Loop, dessen A-Punkt auch als Hot Cue fungieren kann (diese Kombination und die andere Setz-/Löschlogik halte ich für praktischer als die von Pioneer). Wie für die Königsklasse üblich, kann man diesen komplett editieren und auch als Stutter Cue missbrauchen. Alle Cue-Punkte und Loops können Datenträger-weit (also auch aus anderen Tracks heraus) angesprochen werden und werden mit kleinen Markierungen im Display unterhalb des extrem fein aufgelösten Titel-Fortschrittsbalkens grafisch dargestellt. Dabei kann sogar identifiziert werden, welcher Cue an welcher Stelle sitzt.

 


Schönes angewinkeltes Display


USB-Quellen

Wie besprochen erkennt der S3700 auch USB-Volumes. Diese können wie CDs, MP3s oder WAVs enthalten. AAC als effektiver MP3-Nachfolger (insbesondere von iTunes gefördert) hätte ich mir zusammen mit FLAC und AIFF als weitere Codecs gewünscht. Im Licht ist zu erkennen, dass das Display mit Leuchtelementen für AAC und AIFF vorbereitet ist. Vielleicht kommt da noch was mittels Software-Updates. Die Erkennung von USB-Quellen geht wie bei CDs erfreulich schnell. Die Navigation in Dateistrukturen auf solch kompakten Systemen ist immer ein heikler Punkt, an dem manche Entwickler schon gescheitert sind. Nicht so bei Denon. Mittels des grundlegenden Dateisystembrowsings komme ich sehr schnell zu meinen gewünschten Titeln. Auch nach anderen Tag-Feldern und Playlisten kann gesucht werden. An dieser Stelle kommt die mitgelieferte Verwaltungssoftware ins Spiel, die nur unter Windows funktioniert und etwas hölzern zu bedienen ist. Damit kann man auf dem Rechner Datenbanken und Playlisten von Titeln erstellen lassen. Auch kann man hier (und nur hier) in die MP3-Tags Wellenformen-Infos schreiben lassen, die dann auf dem detaillierten Punktmatrix-Display in halber oder voller Auslenkung angezeigt werden. Seltsamerweise hat das Gerät einige wenige Wellenformen nicht lesen können. Die Datenbank an sich, um mittels Tastatur nach Dateiattributen zu suchen, kann auch im Gerät selbst generiert werden.
Erstens hätte ich mir die Wellenform für alle Formate und auch CDs (wie bei Pioneer) gewünscht, und zweitens sei festgehalten, dass seit einigen Jahren viele PC-Tastaturen nur noch mit USB ausgestattet sind. Ein solcher statt eines PS/2-Anschlusses wäre begrüßenswert gewesen.
Die Wiedergabeleistung ist dank moderner Rechentechnik bei MP3 und WAV fast identisch. Früher war die Unterstützung von komprimierten Datenformaten eher als rudimentär zu betrachten. Heute ist lediglich das Suchen innerhalb von VBR-codierten Dateien unmöglich. Ein Codec, den aber in Anbetracht des marginalen Platzgewinns, der bekannten Inkompatibilitäten und Speicherplatzpreisen im Keller heutzutage niemand mehr einzusetzen braucht.

Effekthaschereien

Links vom Teller befindet sich die Trias von Echo, Filter und Flanger - einer bei Denon bekannten Effektstaffel. Durch einen simplen Knopfdruck aktiviert man sie, der Parameter-Knopf reguliert das Timing (bei Filter High-, Mid- oder Lowpass), und der Effektdrehregler ist für die Sättigung oder Filterfrequenz zuständig.
Die angenehme Besonderheit beim Echo ist, dass es bei voller Sättigung in eine Schleife übergeht. Der Sättigungsregler ist für wirklich zackiges Regeln zu dick aber kurz und zu stark abgestuft. Es braucht ein wenig zu viel Regelweg für meinen Geschmack. Ein Tribut an die Doppelfunktionalität.
Die zweite Reihe an Effekten ist wiedergabebezogen. Brake simuliert das Auslaufen des Plattentellermotors. Die maximal vier Sekunden dafür sind aber unrealistisch kurz gehalten. Reverse lässt den Track einfach rückwärts laufen und Dump vorwärts, aber dank einer ausgefeilten Verschachtelung von Frames wie rückwärts klingen. Noch besser als in der ersten Version. Vor allem zur Vertuschung von Fäkalvokabular im Rap wird diese Funktion angepriesen. Der Klang aller Effekte ist einwandfrei und für eingebaute als sehr gut zu bewerten. Den bereits oben gelobten Scratch kann der geneigte Turntablist so regeln, dass er nur bei Vorwärtsbewegungen hörbar ist. Damit erspart man sich eine Hand am Mixer und kann stattdessen den Fans und Homies High Five geben.


Wie beim großen Vorbild


Sonstige Gimmicks und Nützlichkeiten

An dieser Stelle ist die Featuritis noch nicht aus der Puste. Bei aller Hektik im Auflegebetrieb ist es sicher jedem schon mal passiert, dass er aus Versehen am laufenden Deck den nächsten Titel gewählt hat. Dieses Skippen bei der Wiedergabe kann man sinnvollerweise sperren. Mit Next Track kann man während der Wiedergabe eines Titels bereits den nächsten vorab wählen und von mir einstellbarem oder ohne Übergang reinlaufen lassen. Überhaupt Einstellungen! Bis in den letzten Winkel kann man alle Geräteparameter, zu denen man Lieblingseinstellungen (Du magst die Denon-Cue-Logik nicht? Dann schalte es um!) haben kann, auch abspeichern, sodass sie beim nächsten Start direkt geladen werden. Genauso verhält es sich mit Memos. Diese enthalten vor allem Cues und Schleifenpunkte. Für 5000 Tracks können diese Memos im Gerät oder (wie die Presets auch) auf einem USB-Gerät abgelegt werden.


MIDI und Audiointerface

Als dritte Kernfunktion kann der Player zum Controller gewandelt werden, der, über USB mit dem PC oder Mac kommunizierend, von quasi allen Bedienelementen aus Noten- oder CC-Befehle senden kann. Auf meinem Mac funktionierte die Kommunikation auf Anhieb. Insbesondere dedizierte DJ-Softwares profitieren von einer solch speziellen Oberfläche. Die Kommunikation funktioniert in beide Richtungen. Wer über entsprechende Frickelambitionen verfügt, kann vom Rechner aus jede Beleuchtung am Gerät und jedes einzelne Element im Display triggern und auch Texte an letzteres senden.
Passend zum MIDI-Modus kann der S3700 zugleich auch als Zweikanalsoundkarte (beschränkt auf 16 Bit und 44,1 kHz) genutzt werden. Für Windows werden dazu ASIO-Treiber mitgeliefert, beim Mac läuft die Erkennung über Core Audio als Plug and Play.
Allerdings bleibt die Frage, ob man mit so einem mächtigen Tool als reinem Controller nicht Perlen vor die Säue wirft. Für die Umschaltung zwischen den Modi, das sei angemerkt, braucht der Player einen Moment, und einige Programme können ohne Neustart das Gerät nach seiner Abmeldung nicht wieder neu erkennen.


Fazit

Denon  hat einen flexiblen Medienplayer veröffentlicht, der die bisher getätigten Entwicklungen fortschreibt. Die Bedienung hat sich im Vergleich zu Vorgängergenerationen merklich verbessert, der Klang des DSPs ist wie eh und je auf der Höhe der Zeit. Es gibt immer weniger Gründe für den Hauptkonkurrenten, der obendrein 30% teurer ist. Erfreulich kompromisslos und rigoros in seiner Funktionalität trüben nur wenige minderschwere Aspekte das Vergnügen. Zum Beispiel auch, dass keine gedruckte deutsche Anleitung dabei ist. Da mein Japanisch sehr begrenzt ist, hab ich solange mit der englischen Version Vorlieb genommen.


Plus

+++
erstklassiger DSP
+++
großes Jog Dial
+++
informatives Display
+++
gute Navigation in Dateisystemen
++
zügiges Lesen von Titeln
++
MIDI-Befehlsorgien

Minus

---
Pitchweg beschnitten
---
Gehäuse-Anmutung etwas zu billig für die Königsklasse
--
zu schwache Button-Hinterleuchtung
--
kein AAC, AIFF und FLAC
-
Wellenformen nur via MP3-Tags und Windows, nicht ganz zuverlässig generiert
-
unübersichtlicher als sein Vorgänger S3500
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