« Zurück zum Artikel (TC-Helicon VoiceLive Rack)

Test: TC-Helicon, Voicelive Rack, Mic-Preamp mit Vocal Harmony & Effekt Prozessor

Autor: Axel Ritt
08.06.2012


TC Helicon Voicelive Rack Front

Nach wie vor ist die menschliche Stimme das abwechslungsreichste und komplexeste Instrument, das den geneigten Tontechniker im Studio oder auch Live vor größte Herausforderungen stellt. Nicht umsonst wird der Großteil aller Prozessoren, die auf dem Markt erhältlich sind, in ihrem Haupteinsatzgebiet für den Gesang und Sprache konzipiert. Ein Name, der in den letzten Jahren immer häufiger im Studio und vor allem Live zu finden ist, ist das Tochterunternehmen des dänischen Herstellers TC Electronic, TC Helicon. Diese Hersteller setzt sein Hauptaugenmerk auf des Menschen ureigenstes Ausdrucksmittel und versucht mittels unterschiedlicher Produkte und Konzepte das Maximum aus jedem anliegenden Signal heraus zu holen.

Der neuste Spross aus dem Hause TC Helicon wurde in Kanada entwickelt, in Thailand gebaut, hört auf den Namen Voicelive Rack und beinhaltet neben den gängigen Vokal-Effekten unter anderem einen eigenen Mikrofon-Preamp, der die Spezialisierung erneut zu Tage treten lässt. Im Lieferumfang des Produktes ist übrigens auch ein dynamisches Mikrofon mit der Bezeichnung MP-75 enthalten, dessen Konzeption und Handhabung auf den Voicelive Rack abgestimmt ist.



Konstruktion

Der Name lässt es schon vermuten, das Produkt ist ein Rackeinschub in 2HE mit einem moderaten Gewicht von 2,3 Kilogramm. Wie auch schon bei seinem Stallkollegen, dem Voicelive Touch, setzt TC Helicon auf großflächige Touch Bedienungsfelder, die dem haptischen Erlebnis eines iPads nahe kommen. Es handelt sich auch nicht um Flächen mit sanftem Druckpunkt, wie man sie früher zuweilen antreffen konnte, sondern um eine berührungsempfindliche Oberfläche im Apple Stil. Ob einem die bunte Menagerie aus Schwarz, Weiß, Hellblau, Dunkelblau, Violett, Grün und Rot zusagt, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen, allerdings ist der geneigte Mischer von heute durch die kunterbunten Oberflächen einiger britischen Konsolen ohnehin hart im Nehmen.

Linksseitig befindet sich unter dem Power-Switch eine Kopfhörerbuchse. Warum man sich hier aber für die deutlich instabilere Miniklinken Lösung entschieden hat, will sich mir nicht ganz erschließen. Das Produkt verfügt über 238 Factory Presets und deckt hiermit nahezu den gesamten Einsatzbereich, der insbesondere Live auftreten kann, ab. Über die Berührungsflächen linksseitig des Displays erhält man Zugang zur Eingangssektion des Preamps, ebenso zum Setup und den Speicherfunktionen des Gerätes.

Über die ungewohnt anmutende Bezeichnung „Wizard“  kann man die Schaltfläche dazu benutzen, mittels Schlagwörtern bestimmte Speicherplätze zu finden. Rechts neben dem Display erlangt man direkten Zugang zur Effektsektion des Gerätes, die mit allen gängigen Modulen wie Tonhöhenkorrektur, Mehrstimmigkeits-Funktionen, Echo, Hall, diversen Kompressorfunktionen und einem Filter versehen wurde.

Rückseitig weiß das Gerät über eine reichhaltige Anschlusspalette zu überzeugen. Neben einem symmetrischen XLR Eingang, der wahlweise mit Phantomspeisung belegt werden kann, können Line-Signale über eine Klinkenbuchse eingespeist werden. Als Besonderheit ist eine  weitere Klinkenbuchse für den Anschluss einer Gitarre vorhanden, um dem Künstler im Singer/Songwritermodus beispielsweise mit akustischer Gitarre den Gesang zu optimieren oder aber Chorpassagen einfügen und die Gitarre entsprechend über die Outputs durchschleifen zu können.

Das Gitarrensignal wird in diesem Fall analysiert und dient als harmonisches Grundgerüst für den Harmonizer. Apropos Outputs, 2x XLR, bei Bedarf mit Erdungstrennung, zuzüglich 2x Klinke Out und 2 digitale S/PDIF lassen eine umfassende Auslagerung des Signals zu, wobei man von der  wahlweise interessanten Beschickung Stereo Links/Rechts, Mono/Dry oder aber Vocal/Guitar profitiert. Ein Klinke-Pedalanschluss erlaubt die Fernsteuerung, MIDI IN/OUT/THRU eine umfassende Speicherplatz-Verwaltung und ein USB-Anschluss die PC-Anbindung. Ein Kensington Anschluss und die über eine Zugentlastung gesicherte Anschlussbuchse für das mitgelieferte Netzteil runden den Gesamteindruck ab.


TC Helicon Voicelive Rack Side



Praxis

Nimmt man das in Nierencharakteristik gehaltene mitgelieferte Mikrofon mit der Bezeichnung MP-75 in die Hand, fällt einem als erstes der kleine blaue Schalter in Form eines Dreiecks auf. Dieser Schalter ist konfigurierbar und kann je nach Preset Effekte ein- oder ausschalten. Eine sehr schöne Idee, ist man als Frontmann diesbezüglich frei von der Benutzung externer Fußschalter oder MIDI-Leisten. Der Bühnenperformance kommt dieses Feature auf jeden Fall zu Gute.

Als erstes wollen wir den intern verwendeten Preamp unter die Lupe nehmen. Bereits bei den ersten Vokalen oder Konsonanten fällt die sehr höhenreiche Grundauslegung des Bauelementes auf. Was dem einen als „frisch“ und „klar“ im Ohr hängen bleibt, wird dem anderen eventuell schon zu brillant sein. Meine Empfehlung, selber rein hören und den persönlichen Geschmack entscheiden lassen. Meines Erachtens hat TC Helicon für den Live-Betrieb einen guten Ansatz gewählt, im Studio könnte es unter Umständen etwas zu viel sein.

In Sachen Bedienungsoberfläche wagt sich der Voice Live Rack wie sein kleiner Bruder, der Voicelive Touch, mit den berührungsempfindlichen Flächen in neue Gefilde, und wie immer bei Innovationen wird es Befürworter und Gegner der Technik geben. Das Fehlen jeglicher haptischer Kontrollmechanismen in Form eines Druckpunktes, eines Dreh- oder aber Schiebereglers lassen einen zunächst stutzen, da jedoch aufgrund der massiven Pad, Pod und Phone Invasion aus dem Hause Apple die Touch-Technologie allgegenwärtig ist, wird diese Form der Bedienung mit Sicherheit in Zukunft noch weitere Produkte heimsuchen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hatte ich jedenfalls keinerlei Probleme mehr mit den Elementen.


TC Helicon Voicelive Rack Back


Auch wenn TC Helikon den Voice live Rack als Studio- und Livegerät anpreist, das Hauptaugenmerk des Produktes liegt eindeutig auf dem Live-Charakter. Im Rack verschraubt entpuppt sich das Produkt als universeller Helfer in unterschiedlichen Situationen, allein die Steuerung des Gerätes mittels der Gitarrenakkorde ist eine Erwähnung wert. Was sich in der Praxis ebenfalls als sehr hilfreich entpuppt, ist die Wizard-Funktion. Man gibt lediglich einen Suchparameter des gewünschten Effektes ein und bekommt umgehend alle Programme aufgelistet, die sich mit diesem Parameter auseinander setzen. Das Display ist etwas pixelig und bei feineren Editierungsvorgängen in den unteren Menüpunkten etwas anstrengend zu lesen, was sich jedoch im Livebetrieb relativiert, da die Programmnummern auch aus größerer Entfernung problemlos abzulesen sind.

Die Effektqualität der einzelnen Segmente sind TC typisch, will heißen von durchweg hoher Güte. Die verwendeten Räume klingen vergleichsweise „edel“, wenngleich auch etwas schön-färbend, was aber nicht wertend zu verstehen ist. Die Modulationsparameter sind fein justierbar und in Sachen Tiefenstaffelung über jeden Zweifel erhaben. In Sachen Formantenhandhabung im Harmony Modus schlägt sich der  Voicelive Rack trotz des schwierigen Terrains ebenfalls hervorragend. Auch der interessante Modus der „Geschlechterumwandlung“ weiß zu gefallen und kann den einen oder anderen Chor nicht nur um tonale, sondern auch um klangfärbende Aspekte erweitern. Wenn überhaupt ein kleiner Makel in den Effektparametern zu erhaschen ist, so sind es die Distortion-Effekte, die ein recht „digitales“ Flair verbreiten.


Fazit

Mit dem Voicelive Rack bringt TC Helikon ein Produkt auf den Markt, das durch innovative Handhabung, hohe Flexibilität und sehr guter Effektqualität bei vergleichsweise geringem Preis zu überzeugen weiß, zumal dem Produkt zusätzlich ein vollwertiges Mikrofon beiliegt. Aufgrund der großen Erfahrungswerte der dänischen Mutterfirma konnte der kanadische Ableger einen großen Anteil der hervorragenden Algorithmen in ihr Produkt integrieren, welches der Wertigkeit der Presets hörbar zu Gute kommt.

Nimmt man den Schwachpunkt der Miniklinke als Kopfhöreranschluss bei Seite, gibt es keinerlei Kritikpunkte zu verzeichnen. Der Voicelive Rack wird seinen Weg als intelligenter Helfer in den unterschiedlichsten Situationen auf viele Bühnen und einige Studios finden, so viel ist sicher.


Plus

Klang
Konzept
Innovation
Flexibilität

Minus

-
Amazona Userbewertung:

« Zum Amazona-Artikel