
-- Die Cort Garage 2 Mathias Jabs Signature --
Die Scorpions zählen unbestritten zu den erfolgreichsten deutschen Rockbands aller Zeiten. Die Hannoveraner Hardrockband um ihren Sänger und Bandleader Klaus Meine ist aber auch nach fast einem Vierteljahrhundert ihrer Gründung noch kein bisschen müde und immer noch auf den größten Bühnen dieser Welt präsent. Ihre größten Erfolge stellen zweifellos die Songs "Rock you like a Hurricane", "Still loving you" oder "Wind of Change" dar. Gerade letzterer Song wurde ein Synonym für den Wandel und den Fall des eisernen Vorhangs, der bis in die späten 80er Jahre ja eine ernsthafte Bedrohung für den gesamten Weltfrieden darstellte. Musik baut Brücken und löst Blockaden - und genau das gelang den Scorpions wohl zu dieser Zeit.
Die Position an der zweiten Gitarre neben dem Bandgründer Michael Schenker übernahm 1978 Mathias Jabs, nachdem zuvor bereits Gitarrenlegende Uli Jon Roth der Band den Rücken zukehrte. Seitdem übernahm Jabs den überwiegenden Teil der Soloparts, während Rudolf Schenker sich überwiegend mit der Rhythmusarbeit zufrieden gibt. Mathias Jabs bevorzugte bisher Stratocaster- und Gibson Explorer-Modelle für sein Spiel, von beiden Herstellern existieren auch bereits Signature-Instrumente, welche nach seinen Vorgaben und Erfahrungen entwickelt wurden.
Seit gut 10 Jahren versorgt aber keine große Company mehr die Scorpions mit Instrumenten, sondern die ungleich kleinere Firma "Guitarmaker" um den norddeutschen Instrumentenbauer Boris Dommenget. Aber wie es nun mal so ist: Signature-Instrumente bestechen in der Regel nicht nur durch beste Qualität, sondern leider zumeist auch durch einen recht hohen Preis. Kurzerhand entschlossen sich also die Herren Jabs und Dommenget, Ausschau nach einer Produktionsstätte in Fernost zu halten, welche ihre Signature-Gitarre zu einem erschwinglichen Preis anbieten könnte. Die Wahl fiel dabei auf die Koreaner von Cort und so besteht der neueste Streich aus dem Hause Jabs/Dommenget/Cort aus zwei Signature-Instrumenten: der Garage 1 und der Garage 2 Mathias Jabs Signature. Von diesen zwei neuen Instrumenten haben wir uns für einen Amazona-Test die Garage 2 Mathias Jabs Signature ausgesucht. Eine Strat, die aufgrund ihres attraktiven Preises und der Ausstattung auch für Nicht-Scorpions-Fans eine durchaus ernst zu nehmende Alternative darstellen könnte - und dessen Prototyp immerhin ja von Scorpions "Hausgitarrenbauer" Boris Dommenget entwickelt wurde.
Lieferumfang/Aufbau/Verarbeitung
Ausgeliefert wird die Cort Garage 2 Mathias Jabs Signature trotz des günstigen Preises mit einem Gigbag, was schon mal einen Pluspunkt darstellt. Nach dem Auspacken aus der Hülle erscheint eine eher zierliche und leichtgewichtige Stratkopie, deren Korpus aus massiver Sumpfesche gefertigt und in einem matt-dunklen Graumetallic lackiert wurde. Das Design ist zweifellos an Fenders Klassiker angelehnt, allerdings mit einem deutlich verlängerten oberen Cutaway und einem insgesamt kleineren Korpus. Shapings auf der Decke und auf der Rückseite sorgen für ein Anschmiegen des Instrumentes an den Körper, und der ergonomisch gestaltete Hals/Korpusübergang erleichtert das Erreichen der oberen Lagen am Hals. Dieser besteht aus kanadischem Ahorn, besitzt ein separat aufgeleimtes Ahorn-Griffbrett mit 24 Bünden im Jumbo-Format und wurde mittels vier Schrauben bombenfest im Korpus verankert. Die Bundierung wurde äußerst sauber ausgeführt, es sind keinerlei scharfe Kanten oder irgendwelche anderen Unsauberkeiten auszumachen. Weiterhin sorgt ein sauber eingesetzter Graphtech-Sattel für eine einwandfreie Intonation und möglichste geringe Reibung. Zusammen mit den sechs an der Kopfplatte angebrachten verchromten Die Cast-Mechaniken hielt das Instrument während der Testdauer auf jeden Fall brav die Stimmung!
Der Hals wurde samt Griffbrett mit Klarlack versehen, schlichte schwarze "Dots" sorgen für die Orientierung beim Bespielen der Gitarre. Und damit das Bespielen auch wirklich gut gelingt, wurde das untere Cutaway großzügig gefräst - damit auch Musiker mit etwas größeren Handmaßen die oberen Lagen jenseits des fünfzehnten Bundes auch noch wirklich gut und problemlos erreichen können.
Die Brücke mit ihren sechs Saitenreitern wurde bei der Garage 2 verchromt und basiert auf einer "String-through-Body"-Konstruktion. Bis auf die etwas scharfen Kanten der herausstehenden Madenschrauben der Reiter macht sie einen guten Eindruck und sollte Attacken von Handschweiß und sonstigen Umwelteinflüssen lange zuverlässig trotzen können.

-- String-through-Body Bridgedesign --
Elektronik
Die Garage 2 besitzt zwei sogenannte "Scorpu" Humbucker-Pickups, welche in einem weißen Pickguard schräg eingesetzt und unter der Mitwirkung des Meisters entworfen wurden. Geschaltet werden die Tonabnehmer über einen Dreiwege-Schalter, ein Volume- und ein Tone-Poti sorgen für die klangliche Abrundung, welche das Instrument in Richtung angeschlossenem Amp verlässt. Die Humbucker lassen sich in allen drei Positionen mittels des Tone-Potis (das als Push/Pull-Variante ausgelegt wurde) auch im Singlecoil-Modus betreiben. Und das Tone-Poti besitzt zudem ein nettes Feature: Eine aufgeklebte Scheibe verhindert wirkungsvoll das Abrutschen beim Schaltvorgang. Früher klebte sich Mathias Jabs hierfür übrigens ein Geldstück auf die Potikappe, bei der Garage 2 ist das nun eleganter gelöst - und nun sogar serienmäßig. Ebenso war es der Wunsch der Konstrukteure, das Signal unbeeinflusst durch die Schaltung direkt an der Ausgangsbuchse anliegen zu lassen. Hierfür dient ein kleiner Miniswitch zwischen den beiden Potis, der den Sound der Pickups entweder der Schaltung oder aber direkt dem Klinkenoutput zur Verfügung stellt.

-- Ergonomisch geformter Hals/Korpus-Übergang --
Sound/Praxis
Das doch eher zierliche Erscheinungsbild der Garage 2 wirkt sich natürlich auch auf das Gewicht und damit das Handling mit dem Instrument im Allgemeinen aus. Die Gitarre ist sehr leicht und schmiegt sich, dank der Fräsungen auf Decke und Boden, gut an den Körper des Spielers an. Die Bespielbarkeit und das Werkssetting kann man als gelungen bezeichnen, aber klar, ein bisschen was würde immer noch gehen. In Bezug auf die Oktavreinheit und die Intonation kann man aber nicht meckern, die Garage 2 klingt in allen Lagen am Hals sauber, frei von Schnarren oder anderen unerwünschten Artefakten. Dank der sauber eingesetzten und abgerichteten Jumbo-Bünde ist es somit ein Leichtes, schnell zum gewünschten Spielkomfort zu gelangen, zumal die Mensur von 648 mm diesbezüglich keine großen Überraschungen bereithält. Das Halsprofil stellt ebenfalls keine größere Herausforderung dar und besitzt in der Mitte eine Abflachung, welche dem Daumen eine gute Position zum Auflegen bietet.
Der akustische Grundsound erscheint recht ausgewogen mit einem erstaunlichen Bassfundament, wo hingegen das Mittenbild etwas unterrepräsentiert ist. Am Verstärker angeschlossen bieten die "Scorpu"-Pickups ein recht ausgewogenes Klangbild und sind auch im Singlecoil-Betrieb weitestgehend frei von Nebengeräuschen, allerdings fällt im Einspuler-Modus die Lautstärke doch deutlich ab. Daher gilt es also, den angeschlossenen Verstärker auf diesen Umstand vorzubereiten und den gewählten Sound in der Lautstärken-Voreinstellung dementsprechend anzupassen. Generell können die Singlecoil-Sounds nicht so überzeugen, die Stärken der Pickups liegen eindeutig im verzerrten Bereich, bei denen selbst höchste Gain-Settings die "Scorpu"-Humbucker nur unmerklich zum berühmt-berüchtigten Matschen verführen. Und tatsächlich verhilft dieser kleine, unscheinbare Mini-Switch dem Sound noch einmal durch ein dynamischeres und kraftvolleres Klangbild auf die Sprünge. "Full Force" nennt Cort diesen Switch - was auch das Motto der Scorpions nach fast einem halben Jahrhundert Bühnenpräsenz auf den Punkt bringt.

-- Scorpu-Pickups, designed by Mathias Jabs --
Fazit
Bis auf den etwas leblosen Singlecoil-Sound muss man der Cort Garage 2 Mathias Jabs Signature im Test ein absolut positives Ergebnis bescheinigen. Tadellose Verarbeitung, ein dank des niedrigen Gewichts leichtes Handling sowie ein guter Sound im verzerrten Bereich machen auch aufgrund des günstigen Preises diese Gitarre zu einem Tipp für alle, die auf der Suche nach einer erschwinglichen Strat sind und dabei nicht auf eine Humbucker-Bestückung verzichten können oder wollen. Nette Gadgets, wie das Push/Pull-Poti mit integriertem Deckel und der "Full Force"-Schalter zur direkten Soundausgabe der Pickups an die Outputbuchse, heben die Cort Garage 2 Mathias Jabs Signature zwar nicht deutlich, aber dennoch auffallend von der Konkurrenz ab. Ein gutes Instrument zu einem mehr als fairen Preis!
Die Soundbeispiele wurden über einen Bugera V22 Röhrencombo und einem Shure SM57 Mikrofon in Logic Audio aufgenommen und nicht weiter bearbeitet.
Plus
- Sound
- Verarbeitung
- Leichtgewicht
- Gigbag mit dabei
Minus
- Singlecoil-Sound
- Madenschrauben der Saitenreiter scharfkantig
