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Test: Numark, NS6, DJ-Controller

Autor: Stephan Spieker
20.10.2011


Der Numark NS 6 Vierdeck Controller

Heute im Test ein weiterer Kandidat mit Anspruch auf den All-In-One Controller Tron: der Numark NS6! Nachdem Numark bereits mit dem motorbetriebenen Boliden NS7 für Verzückung bei vielen DJs sorgte, die bis dahin eher auf klassische Analog-Setups oder DVS-Systeme schwörten, tritt nun der NS6 Vierdeck-Controller mit integriertem Audiointerface, zwei umschaltbaren Decks und einer Stand-Alone-Mixersektion in den Ring. Und das in Konkurrenz zum Pioneer DDJ-S1, Allen&Heath Xone DX oder, wenn man auch Traktor Pro als Software mag, Native Instruments S4. Also ein spannendes Testfeld, in dem wir uns nun den NS6 ein wenig genauer anschauen wollen.

 
Äußeres

Möchte man den Numark Controller sein Eigen nennen, sind zunächst einmal ca. 1200 Euro Anschaffungspreis fällig. Diese liegen im oberen Bereich des Testfelds, etwa gleichauf mit dem Pioneer Modell und etwas über Xone DX oder S4. Wenn man jedoch den Karton vom Postboten in die Hand gedrückt bekommt, weiß man warum. Der NS 6 ist komplett aus hochwertigem Aluminium gefertigt und bombensicher verarbeitet. Deshalb bringt er stolze 6 Kilogramm auf die Waage. Was für den Transport nicht unbedingt von Vorteil ist, wird durch konsequente Verwendung hochwertiger Materialien und eine wirklich elegante Optik belohnt. Der NS6 vermittelt einfach ab dem ersten Moment ein wertiges Gefühl. Wirklich alles, vom Fader bis zur Anschlussbuchse, sitzt fest an seinem Platz und wirkt bestens auf die nächsten Jahre im Clubeinsatz vorbereitet.

Die schwarz gebürstete Aluminiumoberfläche ist übersichtlich gestaltet und bietet eine typische zwei Deck plus Mixer Aufteilung. Die beiden silbernen Aluminium Jogwheels stechen optisch hervor und vermitteln dem NS6 ein edles Äußeres. Insgesamt 23 Drehregler, sieben Fader, über 70 Buttons und zwei Touchslider wurden auf der angenehm großen Oberfläche verbaut. 140 Bedienelemente erlauben es dem Nutzer somit, gänzlich „mausfrei“ mit dem Controller zu arbeiten.

Im Lieferumfang befindet sich, neben dem Controller selbst, ein USB-Kabel, Netzteil, ein Kabelstrip, Handbücher zu Soft- und Hardware sowie eine Installations-CD. Die mitgelieferte Software ist, wie oben bereits erwähnt, das mittlerweile bekannte und bewährte Serato Itch.

Ein- und Ausgänge

Der Numark NS 6 zeigt sich in jeder Hinsicht anschlussfreudig. Auf der Vorderseite befinden sich rechts zwei (!) Kopfhörerausgänge, die wirklich gut klingen, ordentlich Druck machen und somit auch für laute Clubs geeignet sind. Als DJ-Team kann man deshalb auf Y-Adapter verzichten, auch beim Anschluss von zwei Kopfhörern gibt es keinen Lautstärkeverlust. Sehr gut!  Direkt neben den Kopfhörerausgängen befinden sich Regler für das Mischen von Master- und Preview-Signal, auch das Spliten des Signals auf die beiden Kopfhörerseiten lässt sich dort bewerkstelligen. Links befinden sich Faderstart und Curve-Regler für den Crossfader.


Anschlussvielfalt


Die Rückseite beheimatet neben dem Power-Button und Anschlüssen für Netzteil und USB-Kabel alle weiteren Audio Ein- und Ausgänge. Der Master-Out ist sowohl als XLR-Anschluss, als auch als Cinch-Version ausgeführt. Außerdem findet man einen separat regelbaren Monitorausgang. Dies zeigt, dass der NS6 sich auch als eigenständiger analoger Mixer direkt an eine PA angeschlossen wohl fühlt. Dies unterstreichen die vier Paar Cinch-Eingänge für Plattenspieler und Line-Geräte sowie zwei 6,3mm Klinkeneingänge für Mikrofone. Auch an eine Erdungsschraube wurde gedacht. Somit ist der Numark NS6 wesentlich mehr als ein MIDI-Controller, ein vollständiger analoger Mixer mit ausreichend Anschlussmöglichkeiten plus MIDI-Controller für vier Decks und Mixer von Serato Itch. 

Aufbau

Eben dieser Mixer, welcher sich zentral in der Mitte des Controllers befindet, verfügt über vier hervorragende 45mm Linefader, um alle Eingangsquellen, egal ob extern oder aus der Software, perfekt im Griff zu haben. Die Fader liegen sehr gut in der Hand und sind extrem leichtgängig, für den ein oder anderen eventuell schon zu sehr, aber das ist schließlich Geschmackssache. Sie hinterlassen auf jeden Fall einen sehr hochwertigen Eindruck und ein Gefühl von Langlebigkeit. Gleiches gilt für den hervorragenden Crossfader. Dieser kann zwischen sehr weich fließenden Übergängen hin zu härterer Überblendung verstellt werden. Die Faderstart-Optionen für die Softwaredecks sind vielfältig, für angeschlossene Hardware wie CD-Player gibt es diese Möglichkeit jedoch aufgrund fehlender Anschlüsse nicht.


Zentrale Mixer- und Browsersektion


Über den Linefadern findet man für jeden Kanal separat einen Wahlschalter für Computer oder Line/Phono-Betrieb und darüber die griffigen, mit einem angenehmen Widerstand ausgestatteten EQ-Potis. Diese fühlen sich nicht nur gut an, sondern klingen auch sehr gut und erlauben subtile Eingriffe bis hin zum kompletten „Killen“ eines Frequenzbandes im musikalischen Ausgangsmaterial.

Herzstück des Numark NS6 sind die beiden rund 13 Zentimeter großen Jogwheels. Diese machen optisch durch ihre polierte Aluminium-Oberfläche und die farbig leuchtende Umrandung (je nach Decklayer rot oder weiß) schon einiges her und überzeugen dann noch einmal mehr in der Performance. Standardmäßig ist der Nudge Modus eingeschaltet, bei dem das gesamte Jogwheel zum Pitchbending verwendet werden kann. Schaltet man die Scratch Funktion ein, wird die Oberfläche berührungsempfindlich geschaltet. Trotz der auf den ersten Blick glatten Oberfläche liegen die Jogs perfekt in der Hand, sind angenehm gewichtet und arbeiten sehr präzise. So steht auch ausgewachsenen Scratch Manövern nichts im Weg, und der Cue-Punkt geht auch bei schnellen Scratches nie verloren.


Hervorragende Jogwheels


Diese wirklich gute Haptik setzt sich bei den darunter platzierten Steuertasten fort. SYNC, CUE und PLAY kommen in angenehmer Größe mit griffiger Gummierung und gutem Druckpunkt daher. Die farbige Hintergrundbeleuchtung sorgt im Dunkeln für Übersicht. Zwischen Jogwheels und Steuertasten findet sich noch jeweils eine Reihe mit fünf Hotcue Tasten pro Deck. Auch diese werden bei Aktivierung beleuchtet, sind zwar etwas klein geraten, dafür aber hervorragend in direkter Nähe zum Jog platziert. Daneben hat man mit den Clear/Adjust sogar an das manuelle Nachjustieren des Beatgrids in Serato Itch gedacht. Eigentlich kaum nötig, da die Software sehr zuverlässig ist, aber im Fall der Fälle wichtig und sehr komfortabel direkt vom Controller aus justierbar. Daumen hoch! Auch die Möglichkeit des Rückwärtslaufes wurde in den Controller implementiert. Bei einfachem Drücken des Reverse Buttons läuft der Track rückwärts, mit gedrückter Shift-Taste erreicht man die Bleep-Reverse Funktion, also das Rückwärtsabspielen, wobei der Song im Hintergrund weiterläuft. Diese Möglichkeit ist, wenn auch einfach, als Effekt durchaus reizvoll, vor allem wenn der Song weiterläuft und somit beim Umschalten kein all zu großer Cut entsteht.

Zum Pitchen stehen dem Nutzer am NS6 zwei sehr schön lange 100mm Pitchfader zur Verfügung. Die Haptik ist sehr gut. Die Nullstellung wird durch eine LED angezeigt. Der Pitchbereich lässt sich zwischen acht, sechzehn und fünfzig Prozent umschalten und auch der mittlerweile obligatorische Master-Taster zum Aktivieren einer konstanten Tonhöhe unabhängig von einer Geschwindigkeitsänderung findet sich am Controller. Dank der langen Pitchfader ist eine feinfühlige Einstellung der Geschwindigkeit selbst im Zehntel BPM Bereich kein Problem, und auch grobmotorische DJs werden ohne Probleme schnell zu einer Anpassung der Geschwindigkeit finden, sofern nicht eh mit der sehr präzise arbeitenden Sync-Funktion von Itch gearbeitet wird. Sollte diese genutzt werden und sich somit die Geschwindigkeit eines Tracks in der Software unabhängig vom Controller ändern, leuchten kleine Pfeile neben dem Pitch-Fader auf, welche anzeigen, in welche Richtung sich die Geschwindigkeit verändert hat und wo der Pitchregler der Software beim manuellen Nachjustieren mit dem Fader „abgeholt“ werden kann.

Oberhalb von Jogwheels und Pitchfader befindet sich für jedes Deck eine umfangreiche Loop-Sektion. Hier ist es dank ganzen zehn extra dafür vorgesehenen Buttons möglich, Loops manuell oder automatisch zu setzen, nach links oder rechts zu verschieben, in der Länge zu doppeln, zu halbieren und vieles mehr. Schön zu sehen, dass Numark diesen Funktionen so viel Platz einräumt. Sind sie doch so viel mehr, als nur den Anfang oder das Ende eines Tracks zu verlängern, sondern vor allem, wenn man an die vier zur Verfügung stehenden Decks denkt, eine wahre Kreativwerkstatt. Über der Loop-Abteilung schließt der so genannte Strip-Search-Streifen den NS6 ab. Dieser dient, wie der Name schon sagt, dem schnellen Durchscannen eines Tracks, entweder zum Vorhören oder auch um mögliche Cuepunkte ausfindig zu machen. Der Ansatz ist interessant und als Alternative zum Pioneer Player typischen Jogwheel Spulen mit gedrückter Vorlauftaste mittlerweile auch in einigen Konkurrenzprodukten zu finden. Mit etwas Übung ist das System wirklich sehr genau und erlaubt mit geringem Aufwand das schnelle Springen in den Tracks.

Die Mitte des Controllers über der Mixersektion beinhaltet eine Browser-Steuerung samt Ladefunktion der gewählten Tracks in ein entsprechendes Deck sowie Direktwahltasten für verschiedene Browser-Verzeichnisse und Sortierfunktionen. Links und rechts daneben findet man die zwei Effekteinheiten, welche über einen Fader zur Regelung des Effektanteils sowie Endlosregler für Effektauswahl und Effektparameter. Beide Effekteinheiten können über A- oder B-Buttons in den einzelnen Kanalzügen scharf geschaltet werden und sogar dem Masterausgang zugewiesen werden. Und mit Phaser, Flanger, Tremolo, Repeater, Reverser, Braker, Crusher, Delay, Echo, Reverb, Highpass und Lowpass-Filter hat Serato Itch genug Effekte im Gepäck, um ein DJ-Set ordentlich aufzuwerten.

In der Praxis

Genug zum Aufbau und technischen Details. Wie schlägt sich der Numark NS6 im Praxistest? Die Antwort kurz und knapp: fantastisch. Der Workflow des Controllers ist gut durchdacht, es gibt nichts, wofür es sich lohnen würde den Mauszeiger zu bemühen, denn Numark hat wirklich an alles gedacht. Das Browsen durch die Tracks funktioniert flüssig, und nach kurzer Eingewöhnung ist der Strip-Search-Streifen enorm hilfreich, um auf die Schnelle in die Mitte eines Tracks zu springen, um ihn vorzuhören oder einen Cuepunkt zu setzen. Auch das Umschalten der vier Decks über die Layer-Buttons geschieht reibungslos, und das Auflegen im Vierdeck-Betrieb bleibt trotz der Hardware-seitig ja nur zwei vorhandenen Decks übersichtlich, wenn man einmal die Scheu abgelegt hat. Das Spielen mit Loops, wie auch der Einsatz der Effekte, geht durch die große Anzahl von Steuerknöpfen leicht von der Hand.


Loop-Kontrolle und Strip Search

 

Durch die hochwertigen Bauteile, egal ob Fader, Buttons, Potis oder die großen, hervorragenden Jogwheels fühlt sich Auflegen mit dem NS6 wirklich gut an. Das Handling kann sich locker messen mit dem „DJ-Standard“ wie Pioneers CDJ-Reihe, ja überragt die MIDI-Controller aus gleichem Hause, meiner Meinung nach sogar in Verarbeitung und Haptik und spielt in einer Liga mit Native Instruments S4, wobei dieser ja für Traktor optimiert ist. Man hat im Hause Numark die Software konsequent auf den Controller übertragen, selbst an kleinste Funktionen wie die Kalibrierung des Beatgrids oder auch an DJ-Alltagsprobleme und wie das gleichzeitige Anschließen von zwei Kopfhörern gedacht. Da kann man nur sagen: Sehr gut gemacht. Und damit nicht genug. Durch die vielen Anschlussmöglichkeiten für Zuspieler und Mikrofone, die durch richtig gute Preamps vervollständigt werden, ist der NS6 sogar in der Lage, ein herkömmliches Mischpult zu ersetzen.


Hervorragendes Handling


Auch soundmäßig macht der Controller eine gute Figur. Das eingebaute Audiointerface sorgt für einen klaren, druckvollen Klang, egal ob direkt an eine PA oder aber an eine weiteres Mischpult angeschlossen.


Fazit

Wer aktuell auf der Suche nach einer All-in-one Controller Lösung mit weiteren Anschlussmöglichkeiten ist, der sollte sich auf jeden Fall den Numark NS6 sehr weit oben auf die Liste schreiben. Die Kombination aus Controller und Serato Itch Software verspricht Plug-and-Play in höchster Qualität. Reibungsloses Zusammenspiel, hervorragendes Handling, hochwertige Verarbeitung und mausfreies DJing sind mit diesem Team garantiert. Einfach gesagt: Das Ding fühlt sich richtig gut an!

Wo so viel Lob ist, da gibt es auch Tadel. Allerdings wirklich in Maßen. So gibt es am Numark NS6, obwohl er auch als Mixerersatz dienen kann, keine separaten LED-Meter für die einzelnen Line Kanäle, sondern nur eine zentrale LED-Masterkette. Außerdem können die Jogwheels nicht in ihrer Sensitivität oder im Widerstand angepasst werden, wie es zum Beispiel bei einem Vestax VCI der Fall ist.


Plus

hochwertige Verarbeitung
stilsicheres Design
sehr gute Preamps
sehr gute Jogwheels
Stand-alone Mischpult Funktion
einstellbare Crossfader-Kurve

Minus

keine separaten LED-Ketten für die Kanäle
keine Einstellmöglichkeiten der Jogwheels
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