
Behringer BCF2000
Die Firma Behringer ist in Deutschland vor allem für günstige Produkte bekannt, die gerade im Einsteigerbereich mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten viele Kunden finden. Dass die Qualität der Produkte darunter nicht zwangsläufig leidet, hat der Hersteller schon oftmals bewiesen. Mit dem Behringer BCF2000 stellt die Firma einen MIDI Desktop Controller vor, der u.a. zur Fernsteuerung von Software und Sequencern geeignet ist.
Optik & Ausstattung
Optisch wirkt der 330 x 100 x 300mm große Controller aufgeräumt und übersichtlich. Das Modell gibt es wahlweise in dunklem Blau oder strahlendem Weiß, je nachdem wie es in die heimische Studioatmosphäre passt. Ausgestattet ist die BCF2000 mit 8 motorisierten 100mm-Fadern, die auf der Oberfläche des Controllers auch die meiste Fläche einnehmen. Oberhalb der Fader finden sich 8 Endlos-Drehregler mit LED-Kranz, die neben der eigentlichen Poti-Drehfunktion auch gedrückt und somit zusätzlich als Taster fungieren. Darunter finden sich 16 der insgesamt 20 Drucktaster. Auf der rechten Seite dann das vierstellige LED-Display, die restlichen 4 Taster plus weitere 10 System-Taster, die ausschließlich zur Steuerung des Gerätes an sich dienen (Preset, Learn, Save, Edit etc.). Die einzelnen Bedienelemente sind gut verarbeitet, und die Taster bieten einen ordentlichen Druckpunkt. Alle Elemente haben jedoch ein gewisses Spiel, so dass man zumindest nicht von einer 100%igen Verarbeitung sprechen kann. Die Motorfader sind sehr leichtgängig, und dementsprechend reichen kleine unachtsame Berührungen aus, um nicht beabsichtigte Wertveränderungen zu erzeugen. Die Motoren der Fader sowie die „Klack-Geräusche“ beim Drücken der Tasten sind leider etwas laut, so dass speziell Nutzer, die bei leisen oder mittleren Lautstärken abhören, die Bewegungen der Fader deutlich hören werden.
Auf der Rückseite der BCF2000 findet man die nötigen Anschlüsse, um den Controller mit der Außenwelt zu verkabeln. Hier finden sich sowohl USB-Anschluss und zwei Footcontroller-Anschlüsse wie auch ein MIDI-Trio (In, Out, Thru). Schön ist, dass Behringer trotz des geringen Preises ein internes Netzteil verbaut hat, so dass keine störenden Netzteil-Boxen im Studio oder auf Bühne herumliegen müssen. Im Lieferumfang enthalten sind neben dem eigentlichen Controller auch Strom- und USB-Kabel sowie ein Handbuch in allen erdenklichen Sprachen.

Rückseite mit Anschlüssen
Installation & Inbetriebnahme
Die Installation des Gerätes unterscheidet sich ein wenig je nach Einsatzgebiet der BCF2000. Grundsätzlich muss man hier unterscheiden, ob das Gerät im USB- oder Standalone-Modus genutzt werden soll. Im USB-Modus wird der Controller über ein entsprechendes USB-Kabel an einen Computer samt Sequencer, Software-Mixer oder Software-Synthesizer angeschlossen. Das Senden der MIDI-Daten erfolgt in diesem Setup direkt über den USB-Anschluss, so dass zunächst keine weitere Verkabelung notwendig ist. Im Standalone-Modus entfällt der Computer, so dass hier die MIDI-Anschlüsse zum Tragen kommen. Ein mögliches Setup wäre bspw. die Steuerung von MIDI-Keyboards, Synthesizern oder Samplern im Studio- oder Live-Betrieb. Natürlich sind auch Kombinationen beider Modi denkbar. Alle Hauptkombinationen werden gut und anhand von übersichtlichen Schaubildern im Handbuch erklärt.
Hat man die BCF2000 mit den gewünschten Geräten verkabelt, kann man sich den detaillierteren Einstellungen widmen. Behringer bietet auf seiner Website verschiedene vorgefertigte Presets an. Neben den großen Sequencer Programmen Cubase, Logic und Sonar gibt es auch Presets für Reason oder die Native Instruments Orgel B4. Ableton Live wird zwar nicht direkt von Behringer unterstützt, aber dafür hat Ableton selbst vorgefertige Presets für die BCF2000 angefertigt. Für viele Nutzer ist sicherlich interessant, dass die BCF2000 seit einiger Zeit auch Emulationsmodi für Logic Control, Mackie Control sowie Mackie Baby Hui anbietet. Da die großen Sequencer nahezu alle diese Formate unterstützen, erspart man sich so natürlich einiges an Editier-Arbeit.
Um es vorweg zu nehmen: Eine der größten Schwierigkeiten bei Controllern wie der BCF2000 ist die Anpassung an das eigene Setup. Die Hersteller liefern zwar Presets für die gängigsten Programme mit, da es aber keinen ausgewiesenen Standard für die Fernsteuerung der Programme/Software-Synthesizer gibt, kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten bei der Einbindung. Dazu kommt, dass nicht nur die Controller einheitliche Daten an den Computer senden müssen, sondern die Programme auch wieder zurück an die Controller (Stichwort: Motorfader). Natürlich kann man theoretisch jede Funktion selbst programmieren, aber anhand der folgenden Erklärung wird sicherlich deutlich, dass das einem immensen Aufwand entsprechen würde.

Seitliche Ansicht mit zentralen Motorfadern
Startet man die Behringer BCF2000 im USB-Modus, sind jedem Fader, Drehregler und Taster bereits bestimmte Funktionen zugeordnet. Betätigt man eines der Bedienelemente, wird der aktuelle Wert direkt im LED-Display angezeigt. Man hat somit immer eine optische Kontrolle, inwiefern man einen Wert verändert. Zusätzlich zum numerischen Wert im Display bieten auch die LED-Kränze der Drehregler eine optische Kontrolle des aktuellen Wertes.
Funktionstechnisch kann die BCF2000 sowohl Program Change, Control Change, NRPN, Pitch Bend als auch After Touch, Note, MMC und GS/XG Daten senden. Hat man die benötigte Funktion eingestellt, muss man noch den MIDI-Kanal, den Parameter und bis zu fünf weitere Werte richtig einstellen. Die Editierung dieser Parameter erfolgt grundsätzlich mit den acht oberen Endlosdrehreglern. Nach gleichzeitigem Drücken der Edit-Taste und des gewünschten Bedienelementes stellt man an den Potis alle Werte ein, abgeschlossen wird das Ganze mit nochmaligem Drücken der Edit-Taste. Klingt zwar relativ einfach, aber um dieses Verfahren wirklich schnell und zügig abzuarbeiten, muss man für jedes Element und Gerät/Software welches man fernsteuern möchte, auch die zugehörige MIDI-Implementierung kennen. Als Beispiel sei hier nur angemerkt, dass nicht alle Software-Synthesizer bspw. den selben MIDI-Control-Parameter zur Änderung bestimmter Funktionen nutzen. Auf der Behringer Website findet sich zum Glück ein kleines Programming Handbuch, anhand dessen man ein paar Beispielfunktionen editiert und so den Umgang mit der BCF2000 kennenlernt.
Die weiter oben erwähnten fünf Werte, die bei der Editierung der Funktionen einzustellen sind, können sich je nach MIDI-Funktion stark unterscheiden. Bspw. kann man bei einer Filter-Cutoff-Fernsteuerung einstellen, ob der Regler die volle Bandbreite von 127 MIDI-Werten senden soll oder der niedrigste / höchste Wert bereits bei 30 erreicht ist. Die Reglerbreite lässt sich also stufenlos einstellen. Weiterhin lässt sich das globale Verhalten des Bedienelementes einstellen. Auswahlmöglichkeiten sind hier u.a.
Absolute = der Regler / Fader gibt immer absolute Wert aus, unabhängig davon wie der aktuelle Stand im Sequencer ist. Dabei können teilweise Sprünge bei der Wertveränderung auftreten (Bsp.: Regler im Sequenzer steht auf 100, am Controller auf 40. Ändert man den Controller-Wert, wird ab 40 weitergeregelt)
Relative = der Regler / Fader sendet immer den aktuellen Parameterwert unabhängig von der Position des Reglers (Bsp.: Regler im Sequencer steht auf 100, am Controller auf 40. Ändert man den Controller Wert wird ab 100 weitergeregelt)
Je nach Sequencer kann die BCF2000 auch Transport- bzw. MIDI Machine Control-Funktionen übernehmen, so dass bspw. Start, Stop, Vorwärts- und Rückwarts-Spulen ohne Weiteres funktioniert. Die Belegung der Footswitch-Controller funktioniert im Grunde wie die oben bereits erläuterte Vorgehensweise bei der Editierung der anderen Bedienelemente.

Drehregler mit LED-Kranz und rechts die Systemtasten
Praxis
In der Praxis kommt es wirklich auf die verwendete Software und den Einsatzbereich der BCF2000 an, ob sich die Eingliederung in das persönliche Setup leicht oder schwieriger gestaltet. Einfache MIDI-Fernsteuerungen sind im Handumdrehen erledigt und schnell eingestellt. Geht es um komplexere Setups mit vielen verschiedenen Funktionen und Parametern, muss man sich schon viel Zeit nehmen, damit alles so funktioniert, wie man sich es vorstellt. Auch wenn Behringer versucht, möglichst viele Preset-Szenarien abzudecken, gelingt das leider nicht zur vollen Zufriedenheit. Dabei darf man jedoch nicht Behringer alleine die Schuld zuweisen, denn oftmals liegt es einfach an den oben bereits erwähnten unterschiedlichen Parameter und Einstellungen von Seiten der Sequencer/Software-Hersteller, die das Ganze nahezu unmöglich machen. Schaut man sich alleine die Anzahl der verfügbaren Software-Synthesizer an, ist klar, dass eine lückenlose Implementierung aller Elemente nicht möglich sein kann.
Marktumfeld
Betrachtet man die Preisspanne der Desktop Controller, liegt die BCF2000 zusammen mit dem Schwestermodell BCR2000 (mehr Drehregler anstatt der Motorfader) im unteren Preissegment. Günstiger sind nur Varianten, die nur 1-2 Kanalzüge und weitaus weniger Bedienelemente bieten. Rechnet man Digitalpulte mit zusätzlichen MIDI-Funktionen hinzu, gibt es nach oben hin nahezu keine Ausstattungs- und Preisgrenzen. Die größeren Modelle der Desktop Controller, die aber auch teilweise weitaus teurer sind, bieten sicherlich eine bessere Verarbeitung und Anpassung an verschiedene Situationen an. Novation und AKAI stellen mit dem Launchpad bzw. dem APC20/APC40 bspw. preislich vergleichbare Produkte her, bieten jedoch entweder gar keine Fader an bzw. zumindest keine Motorfader. Hier entscheidet eben das Einsatzgebiet des Controllers, was man wirklich benötigt und wie man seine Präferenzen setzt.
Fazit
Nimmt man alle Faktoren, Ausstattungsmerkmale sowie den Preis zusammen, kann man für die BCF2000 folgendes Fazit ziehen. Preislich mit acht Motorfadern absolut unschlagbar und daher vor allem für den Einsteiger / Semi-Bereich zu empfehlen. Einfache Funktionen, die zum Teil auch schon in Form der Presets vorliegen, sind einfach umzusetzen. Wer komplexere Funktionen braucht und das Gerät in verschiedenen Umgebungen (vielleicht auch Live- und im Studio) nutzen möchte, sollte nach Möglichkeit in der nächsten Preisstufe Ausschau nach einer besser passenderen Alternative halten.
Plus
- Motorfader
- Anzahl der Bedienelemente
- günstiger Preis
Minus
- Verarbeitung
- Geräusche der Motorfader / Taster
