-- Behringer BXR 1800 H --
Ungeschlagen in dieser Preisklasse. Anders kann man das nicht formulieren. Behringer hält mit dem Transistor Bass-Topteil BXR 1800H wohl den Rekord des niedrigsten Preises in dieser Klasse. Aber auch schnapszahlverdächtige 111,- Euro wollen sinnvoll investiert sein, zumal sich das Topteil in erster Linie an den Einsteiger richtet. Wir möchten in diesem Test beleuchten, was man wirklich fürs Geld bekommt. Als ich den Karton öffne, fällt mir sofort die umfangreiche Ausstattung ins Auge. Einen Fuß-Schalter und die passenden Winkel zum Einschrauben ins Rack sind inbegriffen, das bietet nicht jeder Hersteller. Meist muss man je nach Ausstattung noch mal ca. 50-150,- Euro für erwähntes Zubehör aufbringen. Der Behringer BXR 1800H ist seit Januar 2008 erhältlich und erfreut sich sehr großer Beliebtheit, da er im Musikhaus Thomann-Ranking für Transistor Bass-Topteile auf einem Treppchenplatz, Rang drei, zu finden ist. Und üppige Verkaufszahlen ermöglichen dank großer Abnahmemengen der Fertigungsteile nun mal eine kundenfreundliche Preispolitik.
Entwickelt wurde der Amp in Deutschland, gefertigt wird in China, ein weiterer Grund, warum Behringer so günstig anbieten kann. Man ist jugendlich "per Du" in der Anrede im Manual und spart auch nicht, den Amp nebst dessen Soundmöglichkeiten aufs Höchste zu loben. Ich bin sehr gespannt, ob sich diese firmeneigen formulierten Vorschusslorbeeren auch im Praxistest als zutreffend erweisen.
Erwähnt sei nochmals die Zielgruppe, der Verstärker richtet sich an den "erstauszustattenden" Bassisten. Im Unterricht werde ich von angehenden Bassisten und deren Eltern oft gefragt, was man denn als Verstärker überhaupt braucht und ausgeben muss, schließlich sind da noch keine Erfahrungswerte da. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ein Transistor Bass-Amp mindestens 150 Watt Leistung benötigt, um sich in einer Rock Band mit Schlagzeug und zwei Gitarristen einigermaßen zu behaupten, mehr Leistung ist natürlich besser, da dann immer noch Reserven vorhanden sind und der Amp nicht ständig "im roten Bereich" laufen muss. Allerdings ist der Preis wohl ein Hauptargument für diesem Amp, der dazu selbstverständlich auch noch eine extra Box benötigt, um seine Leistung hörbar zu transportieren. Ich teste den Behringer BXR 1800H-Amp im Proberaum mit Gallien Krueger-Boxen, einmal nur mit der 4x10er-Box und einmal nur mit der 1x15"-Box angeschlossen.
-- Amp Gehäuse --
Features
Das Signalkabel vom Bass wird links in die Instrumenten Input-Buchse gesteckt. Danach wird der Output des angeschlossenen Basses mittels des ersten GAIN-Reglers justiert. Kanal eins ist aktiv. Der Bass-Amp ist mit zwei Kanälen bestückt. Der zweite Aussteuerungsregler, GAIN 2, der für den verzerrten oder angezerrten Kanal zuständig ist, kann per Druckknopf oder bequem per Fußschalter betätigt werden. Es ist entweder Kanal eins oder Kanal zwei aktiv. Leider fehlt bei beiden Gain-Reglern eine Übersteuerungsanzeige, der Bassist muss sich also auf sein Gehör verlassen, wann das vom Bass kommende Signal richtig eingepegelt ist. Kanal zwei besitzt mit dem LEVEL-Regler die Möglichkeit, die Lautstärke von Kanal zwei an die Lautstärke von Kanal eins anzugleichen, das ist sinnvoll, wenn zwei getrennte Sounds eingestellt sind, wie etwa ein cleaner und ein verzerrter Sound. Zusätzlich kann bei Kanal zwei noch per SHAPE-Regler eine - lt. Manual - "kreative Klangformung" eingestellt werden. Der Regler wird gar als revolutionär bezeichnet. Nun, ganz so euphorisch sehe ich die Möglichkeiten dieses Reglers nicht. Mehr dazu aber in den Klangbeispielen.
Die Regelmöglichkeiten der LEVEL- und SHAPE-Regler beziehen sich nur auf Kanal zwei, bleiben also im ersten Kanal wirkungslos. Weiter geht's zum graphischen 7-Band-EQ. Was ist das? Nun, 7-Band steht für die Möglichkeit, sieben Frequenzen anzuheben bzw. anzusenken. Die Frequenzen sind in sieben Stufen von 63Hz bis 5kHz festeingestellt und können jeweils um +/-12 dB verändert werden. Die Spannweite dieser Frequenzen entspricht dem üblichen Frequenzspektrum eines E-Basses. Klar, wenn eine Box mit Horn bzw. Tweeter angeschlossen ist, werden auch Frequenzen über 5kHz widergegeben, aber wir wollen im Rahmen bleiben. Der EQ bietet auch noch ein Analyse Tool, den FBQ-Druckknopf. Das ist es wieder, dieses Wort. Revolutionär lese ich da schon wieder im Manual, aber eine kurze Erläuterung, was dieser FBQ-Knopf eigentlich genau macht, vermisse ich in der Beschreibung.
Ein solcher FBQ-Knopf befindet sich auch u.a. im Behringer-Mischpult SX 2442 FX. Aktiviert man diesen Knopf, zeigt dieser schlicht Frequenzen an, die am feedbackanfälligsten sind. Dazu erlischt die Beleuchtung des EQs fast vollständig und es leuchten nur noch die anfälligen Frequenzen auf. Diese kann man dann gezielt absenken, um so ein Feedback zu vermeiden. Für den Bassisten ist das ein nettes Zusatztool, revolutionär ist aber irgendwie anders. Ich habe live schon verschiedenste Bässe mit verschiedensten Amps und Boxen kombiniert und auch recht unterschiedliche Stilrichtungen gespielt, aber mit Feedbacks hatte ich so gut wie nie zu kämpfen, also braucht's dieses Feature eigentlich nicht. Aber wenn es denn schon dabei ist, dem ein oder anderen mit einem feedbackanfälligen Bass wird es sicher helfen. Bei brachial angezerrten Sounds pfeift's nämlich schon mal aus den Speakern.
Weiter geht's zu zwei sehr sinnvollen Zusatzreglern, zum einen der integrierte, fest voreingestellte Kompressor, der stufenlos dem anliegenden Bass-Signal beigemischt werden kann. Ein Kompressor im Allgemeinen greift in die Dynamik ein, glättet Pegelspitzen, die u.a. beim Slappen oder "grobmotorischem Spiel" entstehen können. Durch die dynamische Beschneidung verdichtet sich das Signal und passt sich druckvoller ins Bandgefüge ein, sicherlich ein hilfreiches Tool, wenn man es nicht überdosiert. Der Kompressor des BXR 1800 H drückt voll eingesetzt den Gesamtpegel ziemlich runter, in den Soundbeispielen wird das schnell sehr deutlich. Der Kompressor klingt ok, jedoch muss bei Volleinsatz das Gesamtsignal komplett neu ausgepegelt werden, das könnte feinfühliger gelöst sein. Ich empfehle eine sorgfältige Dosierung. Es folgt der ULTRABASS-Regler, der wie der Name schon verspricht, dem anliegenden Signal nochmals eine Portion Tiefbässe spendiert. Der Regler kann von null bis zehn stufenlos eingestellt werden. Der ULTRABASS arbeitet wie ein Octaver, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Vorteilhaft ist der satte Zusatzbass, wenn beispielsweise Soloeinlagen oder tonal höher angesiedelte Basslines gespielt werden. Allerdings arbeitet ein Octaver bei Bendings sowie auch bei mit Vibrato verzierten Lines und bei schnell gespielten Läufen unsauber oder setzt teilweise ganz aus. Auch hier macht's die Dosis.
Möchte man auch mal üben, ohne dass die Nachbarn gleich den Besen an die Wand schleudern, kann auch der Kopfhörer-Output genutzt werden. Diese Möglichkeit ist vor allem dann schön, wenn man z.B. einen CD-Player, für den sich am der Rückseite zwei Cinch-Eingänge finden, angeschlossen hat, um so mit verstärktem Bass zur externen Quelle zu spielen. Als letzten Regler der Frontseite findet sich ganz rechts der MASTER-Regler, der das Signal zur Endstufe regelt. Behringer hat einen Limiter eingebaut, damit man die Endstufe nicht übersteuern kann, was sehr sinnvoll erscheint.
Die Geräterückseite
Der Behringer BXR 1800H verfügt über einen eingebauten permanent aktiven Lüfter. Die Störgeräusche, die der Lüfter erzeugt, sind auszuhalten und beeinträchtigen ggf. das Üben zu Hause, wenn der Amp in leiser Umgebung genutzt wird. Die Netzspannung ist für Europa mit 220 Volt angegeben, der Amp kann wohl auch jedoch mittels Wechseln der Sicherung im Ausland betrieben werden, hierzu bitte unbedingt den Musikalienhändler fragen, die Beschreibung im Manual ist eine Sache, der Rat vom Fachmann sollte trotzdem sein. Wie schon angesprochen, kann einen externe Signalquelle, wie beispielsweise ein CD-Player oder ein iPod, per rückseitigem Cinch-Input angeschlossen werden, ein nützlicher Anschluss, möchte man beim Proben noch schnell mal in ein Stück reinhören oder zu Hause zur Lieblings-CD jammen. Der XLR Balanced DI OUT liefert das Signal zum Mischpult, wenn der Amp im Livebetrieb eingesetzt wird. Das DI-Signal befindet sich nach dem EQ in der Signalkette, aber vor dem Mastervolume, d.h. alle getätigten Soundeinstellungen des Amps werden ans Mischpult übertragen, jedoch muss der Mann am Pult nicht nervös werden, wenn der Bassist auf der Bühne ständig die Lautstärke seinen Amps verändert, auch das ist sehr sinnvoll. Möchte man einen puristischen Pre EQ DI-Out haben, muss die Klangbearbeitung am Amp inaktiv sein, ein Pre/Post DI-Schalter am Amp wäre schöner gewesen.
-- Rückseite --
Per Klinkenbuchsen Send/Return kann ein Effektgerät seriell eingeschleift werden. Das bedeutet, dass ein externes Gerät wie ein WahWah oder ein anderes Bodeneffektgerät in den Signalweg des Amps eingebunden wird und somit auch am DI-Output anliegt. Der eventuell genutzte Ultrabasseffekt läge erst nach dem Einschleifen dem Signal an. Nutzt man das Einschleifen nicht, kann die Send-Buchse auch parallel genutzt werden, um z.B. ein Stimmgerät anzusteuern. Eine Line Out Klinken-Buchse befindet sich rechts unterhalb der XLR DI-Buchse, auch diese Buchse bietet ein symmetrisches Signal an und ist wie die DI-Buchse nicht Mastervolume abhängig, so ist es recht.
Als letzte Buchse finden wir den Anschluss für den beiliegenden Fußschalter, die ebenfalls per Klinkenkabel angesteuert wird. Dieser regelt die Kanalumschaltung und das Zu- bzw. Ausschalten des eingestellten Ultrabass-Effekts. Der Fußschalter wird mit einem ca. 5m langen Kabel ausgeliefert und sieht robust aus. Das Gehäuse ist schon mal nicht aus Plastik, das wirkt sich natürlich direkt auf dessen Lebensdauer aus, weil im schwummrigen Licht des Proberaums und so mancher Bühne auch mal gerne versehendlich auf oder besser über den Schalter gestolpert wird.
-- Tragegriff seitlich --
Sound/Praxis
Respekt, laut isser und beide Kanäle zeigen ordentlich Präsenz. Sogar mit nur einer angeschlossenen Box, wenn man sie nicht irgendwo in der Proberaumecke platziert hat, reicht es aus, um sich gegen zwei Gitarren und ein Schlagzeug zu behaupten, notfalls muss die Bass Box eben etwas höher oder schräg gestellt werden. Auch und gerade Kanal zwei im verzerrten Modus liefert ein sauberes Signal, welches durch geschicktes Einsetzen des Ultrabass-Schalters noch mal ordentlich aufmischen kann. Beide Features sind ja per Fußschalter abrufbar und so steht einem gepflegten Bass-Solo an vorderster Bühnenfront nichts mehr im Wege.
-- Behringer Amp und Zubehör --
Da mir keine Behringer Bassbox vorliegt, sind die Soundbeispiele per Re-Amping eingespielt. Wer das nicht kennt: Das Bass-Signal wird trocken in den Computer eingespielt, von dort aus in den Amp geschickt und klanglich verändert und danach wieder vom Computer aufgezeichnet. Alle Beispiele sind im ersten Loop trocken nur per Gain ausgesteuert eingespielt, im zweiten Loop erfolgt dann wie im File beschrieben, die Veränderung. Zum Einspielen war ein SKC Graphite/Holz Unikat-Bass und ein Rickenbacker 4001 am Start.
Fazit
Ich hatte doch einige Bedenken, was den Günstig-Giganten Behringer angeht, doch das Topteil BXR 1800H spricht eine andere Sprache. Dieser Bass-Amp hat alles, was ein Amp braucht: Lautstärke, breite Soundmöglichkeiten und einen Hammerpreis. Ich kenne in dieser Liga nichts Vergleichbares und vergebe daher die Höchstnote. Sicher ist der Amp das ein oder andere Feature schuldig, doch der Preis macht alles wett. Unbedingt den Amp über verschiedene Bassboxen testen, es lohnt sich und schont beim Kauf den Geldbeutel! Der Amp ist mehr als nur ein Einsteigermodell, jedoch konnte ich verständlicherweise keine Langzeit-Roadtauglichkeit testen.
Plus
- unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis
- Zubehör (Fußschalter, Rackwinkel) inklusive
- Lautstärke
- Features (zwei Kanäle/Compressor/Ultrabass)
- Kopfhörer-Out
- CD-Input
Minus
- Werbeaussagen zu schwammig
- nur ein Boxenoutput vorgesehen
- Gain-Regler haben keine Übersteuerungsanzeige
- keine Regelmöglichkeit am CD-Input
- Plastikgehäuse nicht ganz geruchsneutral
- Lüftergeräusch in Zimmerumgebung störend
- Kompressor drückt im Vollbetrieb zu sehr die Gesamtlautstärke
