
So kommt Cubase nach Hause!
Zugegeben, ein wenig naiv war ich schon, aber mich hat die neue Cubase Version etwas überrascht. Es wäre aber durchaus möglich gewesen, die Entwicklung zu antizipieren, wenn man die Aussagen auf der Messe 2010 richtig gedeutet hat. Auf besagter Musikmesse hat Steinberg bereits ein Update auf die Version 5.5 vorgestellt. Schon diese Version hatte es in sich (verbesserte VST-Bridge, verbesserter 64-Bit Support, verbesserte Video-Engine). Nun legt Steinberg eine halbe Schippe nach und erhöht auf 6.0. Dazu gibt es eine abgesteckte Version von Halion Sonic, verbesserte VST Expression, veränderten Workflow ...

im Überblick
Cubase?

In the Mix
Wollen wir kurz einen Blick auf Cubase werfen, was ist Cubase und was kann Cubase? Cubase ist ein Sequencer der ersten Stunde. Startete „damals“ auf dem Atari und wurde dann relativ schnell auf Mac und PC portiert. Wie es für moderne Sequencer üblich ist, bietet Cubase auch ausgefuchste Audio-Funktionen und Möglichkeiten, die über das simple Mehrspurrecording hinaus gehen, nebst Effekten und Instrumenten als Plug-in (zur Erinnerung: der VST-Standard stammt aus dem Hause Steinberg), einem großen virtuellen Mischpult, diverse Funktionen, um mit MIDI-Daten umzugehen (z.B. Logical Editor), modernen Timestretching- und Pitching-Algorithmen ist seit Version 5.0 auch ein Handling für aufwändige Instrumenten-Librarys und deren verschiedene Spielweisen Names „VST-Expression“ dabei. Warum ich „VST-Expression“ so explizit erwähne? Ich finde es, auf dem MIDI-Sektor eines der „herausragendsten“ neuen Features überhaupt. Obwohl die Grundidee recht „simpel“ ist, hat noch kein Mitbewerber ein solches Feature in dieser Form angeboten - schade.
Die komplette Feature-Liste hier „herunterzubeten“, spare ich mir, dafür verweise ich auf die Produktseiten von Steinberg.

VST-Expression
Das Update
Für alle, die Cubase 5 schon kennen, hier ein kurzer Überblick der neuen Funktionen.

Comping
Das Drum-Editing wurde stark verbessert. Dank eingebautem Replacement (Hitpoints können in MIDI umgewandelt werden), Mehrspurquantisierung, phasenstabilerem Audioquantize und verbesserter Tempo-Erkennung. Auch „Group-Editing“ ist möglich, also mehrere Takes/Spuren werden zusammen editiert, das wird über Ordner realisiert. Das gleichzeitige „Waschen, Schneiden, Legen“ ist aber prinzipiell schon davor möglich gewesen. Gänzlich neu ist in diesem Kontext das phasenstabile Mehrspur-Quantisieren.
Das oben angesprochene Feature „VST-Expression“ geht auch schon in die „zweite Runde“. Mit „Note Expression“ kann man jetzt sogar für einzelne Noten Klangparameter bearbeiten, sofern das der Empfänger der MIDI-Daten unterstützt - was mit "traditionellem" MIDI natürlich nicht geht, sondern Klangerzeuger der VST3.5-Generation erfordert. Ob ein findiger Synthesizer-Schmied hier eine Sysex-Lösung "erfindet"? Mit Einführung des neuen VST3.5 Standards ist es sogar möglich, die Expression-Maps direkt aus dem Instrument zu laden. Externe Expression-Maps als Datei sind für solche Klangerzeuger nicht nötig.

Für Brot und Butter-Sounds
Auch neue Instrumente und Effekte sind mit dabei. Der noch gar nicht so verstaubte Halion One wird durch den Halion Sonic SE ersetzt. Der neue Rompler basiert auf der völlig überarbeiteten neuen Halion Engine der vierten Generation. In Punkto Klangvielfalt und Qualität wurde noch mal eine Schippe drauf gepackt, auch die Bedienung wurde gegenüber der alten „Sample-Schleuder“ verändert.
Auch Loopmash wird in einer neuen Auflage präsentiert: „LoopMash 2“. Mit dem „VST Amp Rack“ bietet Cubase nun auch eine größere Amp-Simulation.
Das Interface-Design wurde stark überarbeitet (dazu unten mehr). Die Quick-Controls wurden vereinfacht, neue Time-Stretch-Algorithmen implementiert, die On-Board Plug-ins sind eine neue Generation überführt.
Der Sequencer
Es ist natürlich ein Kampfauftrag, ein solches Programm mit dieser Geschichte und diesem Funktionsumfang in einem Testbericht zu „erschlagen“. Ich versuche es trotzdem in kurzer Form und werde wohl hier und da mich der Auslassung schuldig machen müssen. Und klar ist auch: Cubase ist EINE Lösung! Ich selbst bin zwar eingefleischter Cubasianer/Nuendoiker (oder wie man das nennt), trotzdem ist mir bewusst, dass es noch mehr (gute) Lösungen gibt.

Editing...
Cubase ist ein professioneller MIDI-Sequencer und Audio-Sequencer (DAW-Software) der aktuellen Generation. In Cubase sind Mehrspuraufnahmen in nahezu beliebiger Größe (Festplatte, CPU, RAM und die Audiokarte sind dabei die maßgeblich limitierenden Elemente) möglich. Nebst mehreren Audioquellen können auch mehrere MIDI-Quellen (Keyboard und E-Drums beispielsweise) komfortabel aufgenommen werden. Externe Klangerzeuger sind dabei nicht von Nöten, Cubase liefert bereits einige VSTi (virtuelle Instrumente) mit, die beliebig erweitert werden können.
Das Arsenal an Audio-Werkzeugen ist sehr weitreichend: Time-Stretching, Pitch-Shifting, Pitch-Bending, Normalisieren... ist alles bequem und in guter Qualität machbar. Auch das mittlerweile übliche „on-the-fly“ Time-Stretching (Warp) ist möglich, wobei hier nicht die Qualität erreicht wird/werden kann wie beim „Offline“-Time-Stretching. Hall, Intonations-Plug-in, Compressor, verschiedene Delay, Verzerrer, Röhren-Simulation oder auch Equalizer sind in guter Qualität mit dabei.
Auch auf der MIDI-Seite ist vieles (quasi „alles“) möglich. Die meisten aktuellen Sequencer haben wenig „Bewegung“ und Neuerungen im MIDI-Sektor, da diese schon sehr, sehr viel bieten und sich untereinander kaum unterscheiden. So ist auch bei Cubase die MIDI-Werkzeugkiste gestopft voll: Transponieren in allen Variationen, Groove-Quantisierung, NotOff-Quantisierung, Shuffle/Swing, Logical-Editor (hier können komplexere Vorgänge in der MIDI-Bearbeitung „programmiert“ werden), MIDI-Plug-ins (wie Arpeggiatoren)... Alles ist in guter Qualität und in guter Ergonomie eingerichtet und erreichbar.
Wer Noten drucken muss, wird mit dem entsprechenden Editor, der in Cubase integriert ist, voll auf seine Kosten kommen. Ich muss aber auch gestehen, dass der Sequencer-Workflow mir beim Notensatz nicht so gut gefällt. Um „mal eben“ Noten zu drucken, reicht das auf jeden Fall. Wer aber zum Beispiel einen Filmscore vorproduziert und das Ergebnis für ein Orchester aufbereiten muss, sollte eine extra Scoring-Session anlegen. Und das eben finde ich unpraktisch. Man kann mit Cubase tolle Scores gestalten, aber dafür immer eine eigene Session anlegen? Da erscheinen mir Lösungen wie Sibelius, Capella und Co praxistauglicher. Ich bin bei solchen Angelegenheiten immer für eine Spezialisten-Regelung. Ein Programm fürs Sequencen und eines fürs Notenschreiben. Wenn aber dieses Verschmelzen von Geräten und Software-Lösungen weitergeht, wird Cubase 12 auch Ebenenstile wie Photoshop unterstützen und Photoshop CS9 mit einer VST5-Schnittstelle aufwarten?

Surround in allen Ecken
Surround ist ein „ganz großes“ Thema in Cubase. So lassen sich mehrere Ausgangs-Busse definieren, und auch ein Surround-Mix ist realisierbar. Cubase macht allerdings „schon“ bei sechs Lautsprecherkanälen „dicht“. Wer mehr als 5.1 / 6.0 benötigt, muss auf Nuendo zurück greifen. Dazu steht auch ein Surround-Panner der aktuellen Machart Gewehr bei Fuß. Das virtuelle Mischpult ist bei Cubase, wie eigentlich allen Sequencern, ähnlich einem klassischen „Split“-Pult aufgeteilt: Links ist der Bereich der Eingangskanäle. Hier kann, je nach Audio-Interface und Konfiguration, richtig geklotzt werden. Mittig sind die eigentlichen Spuren („Playback-Kanäle“ sozusagen) zu finden, und rechts sind die Ausgangsbusse untergebracht. Eine „Inline“-Anordnung wie bei ADT, NEVE oder SSL-Pulten macht in der Software nur bedingt Sinn (z.B. „Emulations“-Zwecke). Evtl. sollte Steinberg, genauer Cubase, sich hier doch ein wenig flexibler zeigen, denn wer mit vielen Eingangskanälen arbeitet, wird die übersichtliche Inline-Anordnung sicher vermissen oder sich etwas ähnliches wünschen.
Cubase läuft intern mit 32BIT Float. Somit ist über- und untersteuern praktisch kaum mehr möglich. Hier muss ich auch gestehen: Seitdem ich komplett auf 32 Bit-Float arbeite, achte ich nicht mehr so genau auf Pegel. Ich war „einst“ ein Apostel des korrekten Pegels, das ist aber unter 32 BIT Float praktisch nicht mehr nötig. Das bringt Geschwindigkeit beim Arbeiten. Ich empfehle in diesem Zusammenhang auch mit 32 BIT Float aufzunehmen. Aktuelle Wandler, die 32BIT Float aufnahmeseitig anbieten, gibt es zwar nicht, jedoch vergrößert sich somit der Spielraum für destruktives Editing erheblich.
Die mitgelieferten Plug-ins klingen und funktionieren sehr gut. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass das bei aktuellen Sequencern normal ist. Die meisten bieten gute Plug-ins im Lieferumfang an, manche sehr gute. Cubase würde ich hier klar unter „sehr gut“ verbuchen. Warum ich trotzdem meine 3rd Party-Plug-ins nutze? Weil ich diese sehr gut kenne, besser als die Plug-ins aus dem Lieferumfang. Richtig „entsetzt“ (im positiven Sinne) bin ich immer wieder von den Klangerzeugern. Ehemals Halion One und jetzt der abgespeckte Halion Sonic bieten schon recht viel Klang fürs Geld. Natürlich ist das heutzutage eher normal, aber im Kontext doch bemerkenswert. Nach solchen „Brot und Butter“-Sounds für schmales Geld bin ich früher durch die ortsansässigen Musikgeschäfte getingelt. Nur um das auch im Rack zu haben, bei heutigen Sequencern ist das gleich an Bord, auch bei Cubase und das in echt guter Qualität: Sehr schön!

Tuning in allen Lagen
Freunde von Antares Autotune oder Melodyne bekommen ähnliche On-Board Lösungen (nicht polyphon wie Melodyne) geboten (Stichwort: VariAudio).
Was ist neu?
Das für mich „herausragendste“ Feature des letzten Updates war VST-Expression. Nochmal kurz: Mit VST-Expression lassen sich unterschiedliche Artikulationen (oder andere Spielparameter) organisieren. Dabei ist es egal, ob das verwendete Instrument (ob VSTi oder „real“ im Rack) die Artikulationsvarianten über Keyswitches, Controller-Daten, verschiedene MIDI-Kanäle, ... oder Kombinationen daraus aufruft/nutzt. Mit der neuen Cubase-Version wurde hier noch mal einer draufgesetzt: VST-Expression 2. Damit wird dem geneigten Cubase-User auch gleich das neue Tool „Note-Expression“ zur Verfügung gestellt. Mit Note-Expression können nun einzelne Controller-Daten für einzelne Noten geschrieben werden, sofern das VSTi selbiges auch unterstützt. Selbstverständlich macht das nur bei mehrstimmigem Musikmaterial Sinn. In Halion Sonic ist beispielsweise eine Posaune, die dieses Feature unterstützt. Man kann damit Bläser Riffs spielen und für jede Note im Satz andere Parameter für Intonation usw. programmieren. Das klingt schon mal gut, aber brauche ich das? Ich persönlich verteile jede Stimme stets in einen eigene Spur. Schon weil ich gerne mische (Posaune mit Trompete oder auch gleiche Instrumente aus verschiedenen Libs...) und nicht so homogene Akkorde mag. Ein wenig „fummelig“ finde ich das auch, aber: Es funktioniert wirklich sehr gut! Es gibt in Halion Sonic SE auch ein paar Synth-Sounds, die dieses Feature unterstützen. Ich bin scheinbar ein wenig phantasielos, aber mir erscheint dieses Feature ein wenig zu „subtil“! Man stelle sich Pad-Sounds vor, bei dem jeder Ton einen unterschiedlichen Filter-Verlauf haben. Ob das im „großen Kontext“ noch so ins Auge, Pardon ins Ohr springt, wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall funktioniert das Feature und lässt sich trotz aller Fummeligkeit auch ganz gut bedienen.

Ausrduck...
Ein Fehler hat Steinberg aus Cubase 5(.5) in das neue Cubase jedoch „tradiert“: Die Keyswitches werden bei manchen Expression-Maps nicht korrekt umgeschaltet. Ich hatte das Problem vorwiegend bei 3rd Party Plug-ins. Um gleich zu sagen: An den Plug-ins scheint alle richtig zu laufen! 1.) Kann ich (ohne VST-Expression) die Keyswitches wunderbar umschalten und 2.) „spielt“ Cubase nachweislich die falschen Keyswitches, manchmal. Nicht immer! Ein Muster habe ich leider noch nicht finden können. Ich habe mir meist mit „stummen“ Dummy-Noten vor dem eigentlichen Umschalten beholfen. Das ist zwar nicht schön, funktioniert aber ganz gut. Hier sollten die Steinbergschen-Bug-Spezis mal auf Exkursion gehen, ich helfe gerne mit. Noch ein Feature fände ich für die VST-Expression interessant: Anschlagdynamik für manche Spielweisen. Klar kann eine Spielweise eine fest zugewiesene Anschlagdynamik haben, aber ich meinte flexible, wie bei Noten. Das würde die Expression Maps für Lösungen wie „Real Guitar“ oder „eletic6ity“ interessanter machen, da dort die Keyswitches teilweise anschlagdynamisch sind. Oder: Man macht noch einen Typus von Artikulationsanweisungen, die wie Noten behandelt werden, sich also quantisieren lassen, anschlagdynamisch sind... So genug gewünscht! Auf den Punkt: VST-Expression ist ein sehr gutes Tool, das noch kleine Kinderkrankheiten hat, aber das Arbeiten mit größeren Softwareinstrumenten stark vereinfacht.
Mit Cubase 6 wird nun auch der neue VST-Standard eingeführt: VST3.5. Meine erste Reaktion war: das ist doch viel zu früh! 2.X hat sich gerade so durchgesetzt und der neue 3.0 Standard wird noch kaum angeboten, dann gleich 3.5? Klar ist: die neuen Spezifikationen sind ein deuticher Schritt nach vorne! Und für VST-Expression-Freunde gibt es mit dem 3.5er Standard gleich noch ein Schmankerl: Wenn ein VSTi mehrere Artikulationen unterstützt, kann es die Steuerdaten, die Expression-Maps, direkt via VST3.5 an Cubase weitergeben. Das spart richtig viel Zeit. Ich habe ganze Abende (fast Nächte) vor dem Rechner verbracht und Expression-Maps gebastelt, hübsch.

Expressionmap

Auch gefalteter Hall ist in guter Qualität mit dabei
Für Gitarristen und Basser hat Cubase auch was Neues unter den spätwinterlichen „Christbaum“ gelegt: das VST-Amp-Rack. Bei der Verstärker und Lautsprecher-Emulation scheiden sich ja sehr die Geister. Die einen lehnen es komplett ab, andere finden das generell gut, wieder welche schwören auf einzelne Modelle. Ich bin „leider“ kein Gitarrist und versuche das mal möglichst „neutral“ zu sehen. Ich finde beide Lösungen (reales wie virtuelles Ampen) reizvoll. Beides produziert einen gewissen Sound. Welcher nun am besten gefällt, ist jedem selbst überlassen. Spielt die neue Cubase On-Board Lösung ganz vorne mit? Lasst es mich so sagen: Ich war positiv überrascht! Die ersten Amp und Box-Simulanten unter Cubase waren von bescheiden bis „ganz nett“, aber „amtlich“ ist etwas anderes. Ich möchte allerdings nicht wissen, wie oft uns so ein „ganz nett“ Sound im Radio als Gitarrensound untergejubelt wird. Kompetenter können das sicher die „Vollblutgitarristen“ beurteilen.

Halion Sonic SE
Da wir gerade von Klang sprechen. Wie schon erwähnt, wird der „Brot und Butter“-Sound-Lieferant „Halion One“ in „Pension“ geschickt. Er ist nach wie vor auf der Programm-DVD enthalten und lässt sich selbstverständlich installieren, wird aber nur noch aus Kompatibilitätsgründen gebraucht, denn Halion Sonic SE - so der Name der neuen Soundschleuder, die mit Cubase 6 den Weg auf die Festplatte findet - spielt klaglos die Sounds der Halion One-Ära. Das symphonische Orchester von Steinberg liegt im übrigen als 60 Tage Testversion bei und kann zum verbilligten Preis käuflich erworben werden. So kommt man bei einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu einem brauchbaren Orchester. Wer es „ernst“ meint, wird aber nicht um Lösungen wie die Vienna Special Edition (und vergleichbare) herum kommen - wir sprechen dann aber auch über einen anderen Preis! Auch Halion Sonic (der "große Bruder" des mitgelieferten Software-Romplers) und die SE-Version von "The Grand 3" liegen ebenfalls als Trail bei - so angelt die Steinberg-Soundschmiede gleich nach neuen Usern, denn die mitgelieferten Trails können online in vollwertige Produkte (mit Hilfe des entsprechenden Lizenzschlüssels für den eLisencer) - gegen einen reduzierten Preis - umgewandelt werden.
Mit Cubase 5 schlug Steinberg unter anderem mit LoopMash als mitgeliefertem VSTi auf. Auf den ersten Blick mag es dem Ein oder Anderen (da nehme ich mich gerne mit ein) sich nicht sofort erschlossen haben. Was die Steinberger da allerdings präsentierten, war für Musiker mit großer Loop-Library bzw. großer Affinität zu Loops (auch selbst gebastelten) eine ganze Menge an kreativem Potential. Für alle, die LoopMash weder aus der freien Wildbahn noch aus der Ferne kennen, möchte ich die Funktionen kurz beschreiben. Mit diesem virtuellen Instrument kann der geneigte Anwender bis zu 8 Loops kreativ miteinander kombinieren, bearbeiten... Dabei fungiert eine Loop als Master. Über Empfindlichkeitsregler lässt sich die Quatität der Mischautomation dieses Plug-ins bestimmen. Diese Funktion genauer zu erklären, ist müßig, das muss man selbst versucht oder gesehen haben! Dieser Remixer bietet noch einen Performance Modus und einen Szenenspeicher, so dass sich dieses VSTi perfekt zur Live-Performance nutzen lässt.
Mit Version 2, reloaded sozusagen, sind noch ein paar Erweiterungen dazu gekommen. Die Szenen-Speicher wurden auf 24 verdoppelt, mehr als 20 neue Effekte (zum Beispiel: Scratches, Stutters und Tape Stops), Drag'n'Drop-Datenaustausch mit GrooveAgent One und weiteren LoopMash-Instanzen und ein neues Rückgängig/Wiederholen-System.

LoopMash - geliebt, geloopt, geremixt
Das Interface-Design wurde von Steinberg ebenfalls verändert, auch ein Teil der Befehle wurden neu angeordnet. Für Neueinsteiger ist das ganz klar eine Verbesserung, für alte Hasen wie mich, immer etwas verwirrend.
Der Key-Editor hat nun auch alle wichtigen Funktionen (wie Transponieren, ohne Handbuch/PDF hätte ich mir echt einen Wolf gesucht) im Inspector.
Das Interface allgemein ist mehr in grau gehalten. Allerdings kontrastieren die Hilfslinien in der Werkseinstellung (wie auch bei der 5er-Version) so schlecht, dass hier nachgeregelt werden sollte. Speziell für Cubase-Neulinge nicht so elegant. Ich habe beim Interface-Design den Eindruck, dass man sich mit Cubase Schritt für Schritt an Nuendo annähert, das finde ich, ist durchaus kein Beinbruch.
Gut gefallen hat mir ein die verbesserte „Comping“-Funktion. Hierbei wird auf virtuellen Spuren der jeweils beste Part aus einem Take gewählt und daraus der „Super-Take“ kreiert. Das war zwar schon vorher möglich, ist jetzt aber noch mal verbessert worden. Eine Playlist-Funktionalität wie unter ProTools - und ich wäre glücklich - naja fast.

Quantisierung im Inspector
Ebenfalls haben die Hamburger neue Timestretching-Algorithmen (Zplane) eingebaut. Die neuen Algorithmen sind für extreme Parameter optimiert und sollen möglichst unverfälscht klingen. Dass Steinberg für den Einkauf von Timestretching-Algorithmen stets ein Händchen hatte, ist bekannt. In den letzten Monaten (ich verweise dabei speziell auf die Wavelab 7 Präsentation auf der Musikmesse) wurde hier noch mal gut zugegriffen - sehr schön.
Auch ein neuer Surround-Panner wurde spendiert. Obwohl dieser Panner „alles kann“, würde ich mich über eine „modulare“ oder „Matrix“-Form freuen, das wäre durchaus etwas flexibler „einfacher“ im Handling, Luxus-Wünsche, mehr nicht.

Der groovige Agent
Zu Steinbergs neuer Update-Politik gehört auch, dass nur die jeweils aktuellsten OS-Versionen unterstützt werden, zumindest offiziell. WaveLab 7 und Cubase 6 laufen bei mir problemlos unter Vista. Zu verstehen ist das aus der Sicht von Steinberg natürlich: Man muss sich nicht um die Diversität der OS-Versionen kümmern. Ein wenig „weltfremd“ finde ich das allerdings für alle Praktiker schon: Mein System läuft prima und stabil. Da werde ich doch nicht wegen eines Updates ein neue Betriebssystem aufspielen, dann lasse ich lieber das Update aus.

Expression-Maps direkt aus dem VSTi (VST3.5 sei Dank)
Fazit
Cubase ist auch in der Version 6 ein tolles und professionelles Produkt. Es scheint, schon im ersten Release sehr stabil zu laufen. Ich habe gleich zum Test eine komplette Produktion darauf abgewickelt und konnte über keine großen Kinderkrankheiten klagen, fast wie beim Cubase 5 Release (zumindest auf meinem System). Schön ist auch, dass endlich auch Mac-User eine 64-Bit-Version bekommen, das war überfällig. Ich fand‘ aber auch Logic schon „zu spät dran“, von daher ...
Sehr schade und fast schon ärgerlich finde ich, dass an der VST-Bridge nichts getan wurde. Das Vienna Instruments/East-West-Play-Problem tritt immer noch auf. Zur Erinnerung: Wenn in einem Projekt Instanzen vom Vienna Instruments-Player aktiv sind, ist die Play-Engine zwar ladbar aber nicht mehr zu bedienen. Mag sein, dass das kein Cubase-Problem ist, aber da würde ich mir von meinem Haus-und-Hof Sequencer Lösungsansätze wünschen (internes Bridging). Eine zusätzliche Software-Bridge (in meinem Falle jBridge) ist absolut Pflicht, wenn man auf 64BIT produziert. Hier fände ich es sehr, sehr gut, wenn Steinberg sich solchen Lösungen mehr öffnen würde (z.B. direkte jBridge Anbindung in Cubase). Auch auf meiner Wunschliste: „Notfall“-Öffnen-Option: Das Öffnen von Projekten sollte man auch (bei Bedarf) Step-by-Step machen können, also einzelne Spuren deaktiviert laden oder gar nicht laden, falls ein Plug-in Probleme bereitet.
Jetzt möchte ich mein Fazit aber nicht so negativ schließen, denn mein Gesamteindruck war und ist wirklich durchweg positiv. Man bekommt viel geboten fürs Geld.
Plus
- gelungenes Update/stabiler RC
- tolle Plug-ins mit an Bord
- VST3.5
- neue Timestretching-Alorithmen
- VST-Expression 2
- neuer Surround-Panner
- endlich 64 Bit für den Mac
Minus
- keine spürbare Verbesserung der VST-Bridge (64-Bit-Version)
- nur Mac OS 10.6/Windows 7 werden offiziell unterstützt
