Test: Native Instruments Maschine Update 1.5

Autor: Moogulator
19.05.2010



Die Betaphase ist vorbei und nun ist das Up-Date 1.5 endlich für jedermann zum Download bereit. Eine Version 1.5 muss irgendwo schon ziemlich viel mehr können, aber beansprucht formell keine Revolutionsgedanken, es hat sich ja vor dem Komma nichts verändert. 

Sofern man übrigens seinen Ordner frech umbenannt hat, wird man bei der Installation des Up-Dates aufgefordert alles neu zu installieren, ansonsten ist das Up-Date schnell aufgespielt.

 

Einen ausführlichen AMAZONA.de-Test zur Ur-Version der MASCHINE finden Sie HIER.

 

Was ist wirklich wichtig - Schnelldurchlauf

Maschine versteht sich als Groovebox und hat seinen Schwerpunkt auf dem Sequencer. Besonders wichtig ist hier die Livetauglichkeit, das Handling und einige Details, die das Leben auf einer Bühne einfacher machen aber auch das grundsätzliche Arbeiten mit Patterns und Stepeingabe. Diese ist natürlich auch sinnvoll in einer Studioumgebung und beschleunigt die Arbeit mit Rhythmen oder Loops. Im Test zur Veröffentlichung der Maschine stehen alle grundsätzlichen Dinge, die ich hier deshalb nur in einem kleinen Erinnerungsabsatz listen möchte:

  • Maschine ist eine spezielle Hardware-Software Kombination. Es ist zwar möglich ohne die Hardware zu arbeiten, die Bedienung ist jedoch so angelegt, dass alles bis auf die Namensgebung und weitgehend fließend auf der Hardware erfolgen kann und benötigt wenige Knopfdrücke. Dazu gehört auch das Sampling, welches jedoch über die Audio-Hardware des Rechners funktioniert. Theoretisch würde die Software jedoch auch ohne Hardware bedienbar sein, sie ist bisher aber nicht ohne den Controller zu erwerben. Übrigens rechnet die Hardware nicht, sie ist nur einfach bequemer und schneller für die Finger auf den Zweck optimiert.

  • Das Eingabeprinzip ist Realtime oder Stepeingabe im Stile von Lauflichtprogrammierung, deshalb möchte sie die Akai MPC Nutzer ebenso ansprechen wie Nutzer von Maschinedrum, Electribe oder Rolands TR-Maschinen. Dabei stehen alle für das Pattern-Prinzip. Die MPCs stehen für das Echtzeitspiel über die dynamischen Pads, die anderen Maschinen für den Step-Prozess. Rein optisch wirkt sie mehr auf MPC-Seite. Diese Tendenz ist auch in der Praxis da, aber kleiner als man denkt. Wer erfahren möchte wie genau, der lese bitte den Bericht zu Version 1.0 bei Einführung.


    Das Maschinenprogramm
  • Die Maschine beherrscht Loopzerlegung in Einzelklänge, den sogenannten Slices, jedoch müssen diese in einem Editor zumindest markiert oder eingestellt werden. Das bedeutet: Vorbereitung ist notwendig, bevor man arbeitet. Dies ist bisher bei allen Angeboten so und auch Maschine macht da keine Ausnahme. Aber es gibt Neuerungen auf dem Gebiet.

  • Die Maschine ist ein PlugIn oder wahlweise als eigenständiges Programm nutzbar, jedoch kein Host für PlugIns. Der Austausch mit dem Host wurde in dieser Version stark optimiert. Dieser ist zumeist nur per Maus zu machen, was jedoch auch anders kaum denkbar wäre.

Ein Zwischenupdate auf 1.1 ist inzwischen verbreitet, mit ihm kann die Maschine über die eingebauten MIDI-Buchsen externe Hardwaresynthesizer ansteuern. Damit ist der wichtigste Kritikpunkt bereits aus dem ersten Test bereits erwartungsgemäß beseitigt worden. Wie dieser, ist auch das 1.5er Update kostenlos, weshalb das nächste vermutlich 2.0 heißen wird und Geld kosten könnte, jedoch sehr wesentliche Änderungen erwarten lässt.

Viele neuen Funktionen setzen auch beim Handling an, bei den Slices und Loops und bei der Verbindung mit einer Host-Software, welches unbestritten der Vorteil einer solchen Kombination ist und die Welten „Groovebox“ und DAW verbindet. Es gibt eine neue Library und sogar eine etwas „nerdige“ Funktion für die Emulation von zwei Klassikern aus der Drumsampler-Welt (Akai MPC60 und Emu SP1200) und die weit pragmatischere Importfunktion für die Akai MPC Serie (alle Modelle außer MPC5000). Das bedeutet, dass die MPC-Daten bereits auf der Platte des Rechners liegen und man sie im Menü anwählen, „reinholen“ und konvertieren kann. Wie man die Daten dort hin bekommt, ist natürlich nicht Sache der Maschine Software.


Polyphonie und Vintage Drummachine Modes

Der klangliche Unterschied zwischen den „Vintage“ Modi und dem normalen ist durchaus wahrnehmbar, aber mit Sicherheit für den Feingeist gedacht. Der MPC60 Mode ist etwas direkter und brillanter im Sound, während der Emu SP1200 Mode mit drei „Filter“ Modi subtiler ausfällt und irgendwo zwischen Flohhusten und Geschmackssache angesiedelt sind. Diese Modi sind pro Sound einstellbar und daher „nett“, aber vermisst hätte man es vermutlich auch nicht, denn die Unterschiede sind doch ziemlich klein.

Für alle, die mit Dynamik anders umgehen gelernt haben, kann ein Sound auf die 16 Pads verteilt werden, mit dem Ziel diesen Sound in 16 Lautstärkestufen direkt spielen zu können. Etwas, was man bei den Lauflichtmaschinen faktisch nie vorfindet. MPC User werden das jedoch kennen. Generell ist das Sample-Konzept so, dass jeder Einzelklang polyphon gespielt werden kann und anhand Standard-Synthesizerfunktionen angepasst werden kann. Diese sind gleich geblieben, leider auch der mit 16 Hertz wirklich zu langsame LFO. Dafür ist nun genauer zu bestimmen, wie viele Stimmen für welchen Sound vorgesehen sind und ab wo abgeschnitten wird (Voice Stealing). Einen Legato-Mode mit Glide gibt es inzwischen auch, was auch bei offenen Hi-Hats eine interessante Alternative ist zum „hoch- oder runterpitchen“ (Tonhöhe ziehen). Das war tatsächlich vorher nicht drin und bringt eine Menge musikalischer Vorteile gegenüber der Pitchbend-Automation. Übrigens der umgekehrte Weg dessen, was Korg mit den Tribes gemacht hat. Dort wartet man auf eine Pitchbendautomation vergebens und kann sie nur über die Glides realisieren.


Samples bearbeiten

Maschine war bisher kein echter „Sampler“, denn man konnte nicht ernsthaft Samples schneiden und bearbeiten. Neu sind daher jetzt integriert: Zoom- und Schneidefunktionen, Kopieren, Einsetzen und was man so von einem Sampleeditor erwartet.Diese Funktionen sind destruktiv und ermöglichen den Arbeitsablauf ohne Sample-Editor von der Idee bis zum finalen Ergebnis. Der Anspruch der Maschine ein vollwertiges Groovebox-Ersatzgerät zu sein wird auch dank des graphischen Displays zur Sample-Darstellung voll erfüllt.Dies sind jedoch trotzdem keine Live-Funktionen. Gesampled wird vor einem Song, nicht innerhalb einer Session. Maschine ist kein Looper, Live-Sampler oder „Dub“-Gerät in dem Sinne. Neu ist der Umgang mit dem Einzelsample und das weit bessere „Anfassgefühl“ durch Zoomen und in der Welle herumfahren mit den beiden Drehreglern im rechten Display. Wie immer geht das natürlich auch mit der Maus. Das mag etwas unspektakulär klingen, vereinfacht aber den realen Nervfaktor. Man braucht keine halbfertige Software oder externe Editoren mehr und hat sozusagen ein Rundum-sorglos-Paket. Dieses runde Gefühl beschleicht einen immer wieder.

 

Slices erkennen

Eine sehr wichtige Sache ist die Verbesserung der Sliceerkennung und Bearbeitung. Wer jetzt die Nase rümpft, dem sei gesagt, dass diese Funktion auch kreativ für Leute zu nutzen ist, die niemals eine Sample-CD kaufen oder irgendwelche Vinyl-Extrakte machen, jedoch Phrasen vom eigenen Instrumentenspiel aufnehmen. Das passt und lässt sich sogar gut brauchen. Lediglich eine Funktion im Sinne von Ableton Lives Granular-Engine gibt es nicht. Da NI diese Technik in vielen anderen Produkten einsetzt, dürfte das jedoch nur eine Frage der Zeit sein, bis sie hier intelligenter eingesetzt werden wird. Es gibt Funktionen um stumpf ein solches Beatgemenge oder allgemein einer Aufnahme in 4, 8, 16 oder 32 Einzelschnipsel zu verspalten oder in musikalische Happen von 1/4 – 1/32 mit manueller oder automatischer Erkennung des Tempos. Jeder der Einzelsounds ist wiederum justierbar, wenn die Maschine nicht genau erkannt hat, wo ein Schlag oder ein Klang zu Ende ist. Die Slices werden über die Pads direkt anspielbar und dienen als Auswahlhilfe für die Einzelsamples. Eigentlich ist das alles ganz gut für vollständige 4/4 Beats optimiert, besonders wenn man genau die gewünschte Länge gesamplet hat. Ist das nicht der Fall, funktioniert der dritte Modus besser. Die vermutlich wichtigste Funktion ist somit die automatische Erkennung aller Slices.


Slice-Erkennung mit Empfindlichkeit versucht Einzelsounds zu erkennen

Dabei wird bei höherer Empfindlichkeit eine höhere Anzahl Slices generiert und die Maschine versucht immer feiner zu erkennen, wo jeweils ein Einzelklang beginnt und endet. Insgesamt kann man damit gut arbeiten, jedoch müssen Modulationsverläufe aus einem Sequencer oder kompliziertere Drums generell etwas nachbearbeitet werden. Im Vergleich zu einer Hardware ist aber letztlich mehr möglich, da diese keine manuellen Funktionen anbieten. Sie bieten daher oft einfach eine Anzahl von Schlägen an und auch so etwas wie eine Empfindlichkeit. Somit werden die einzelnen Stücke länger und da bleibt auch mal Klick oder eine Hallfahne unberücksichtigt.

Wer sich genug Zeit lässt, kann daher sehr gezielt arbeiten. Allerdings lässt die Maschine schon seit Beginn das Spiel jeden beliebigen Teils der Slices zu und auch in jeder Reihenfolge. Mit ungeraden Rhythmen kommt eine Electribe jedoch etwas besser klar, die Maschine wünscht sich wohl etwas mehr 4/4 Denken. Man kann einen Slice auch in der Mitte „erzwingen“. Ganz in Warp-Marker Manier in Ableton Live ist es jedoch nicht. Man muss hier etwas disziplinierter vorgehen. Deshalb sollte man im Erkennungsmodus so lange die Empfindlichkeit hochdrehen, bis man genau so viele Slices hat, wie man braucht oder möglichst nahe an diesem Idealzustand. Deshalb wünscht man sich für alle Beats, die nicht vollständig in einen 4/4 Takt passen noch ein paar Einstellungen dazu, wie einfach eine Zahl der Schläge, die jedoch zusätzlich auch erkannt werden. Selbst die einfachen Electribes haben hier noch etwas praktischere Lösungen gefunden. Beide Aspekte wären hilfreich, wenn man einen Loop bewusst nicht rund haben möchte oder nur bis zu einer nicht durch 16 teilbaren Anzahl von Klängen (oder Pausen) spielen will. Es soll ja vorkommen, dass man 22 Einzelschläge aufgenommen hat und nur 16 verwenden möchte und die restlichen Schläge alternativ verwenden möchte. Da muss man dann doch etwas mehr tun. Aber immerhin geht das, denn die Anzahl der Sounds in so einem Slice-Set ist nicht generell beschränkt. In jedem Falle ist die 1.5 Version besser als bisher und macht die Auswahl einfacher und schneller.


Slice-Erkennung empfindlicher - mehr Schnipsel

 

Kommissar REX

Auch neu ist der Import von Loops-Files mit dem verbreiteten Hundenamen REX aus der Software Recycle. REX-Files haben zwar heute nicht mehr die Bedeutung wie einst sind aber immer noch weit verbreitet und beinhalten viele Informationen die einem den späteren Umgang mit den REX-Loops erleichtern.

REX-Files sind in kleine Teile zerstückelte Loops die bei der Wiedergabe ein "fast" Timing-unabhängiges Arbeiten erlauben. Ähnlich dem Slice-Verfahren in der Maschine. Daher ist der Schritt REX-Files importieren zu können ein absolut sinnvoller Schachzug. Die Recycle-Software ist zudem etwas schlauer als die der Maschine und damit durchaus eine Ergänzung aus einer nicht vermuteten Ecke für alle, die selbst ein paar Beats einREXen wollen. Sicherlich ist die Maschine immer weniger darauf angewiesen, seit diesem Update aber Maschine selbst erzeugt eben keine REX-Files. Umsteiger oder Nutzer von Reason oder User mit großer REX-Loops-Sammlung werden die Kompatibilität zu schätzen wissen.

 

Livecheck: Slices im Step Mode spielen

Für den Live-Einsatz gibt es keine Funktion, die im Lauflichtmodus einen Slice an gleicher Stelle wieder einsetzt, was in der Regel der Wunsch ist. Setzt man diese Note nämlich erneut, wird sie stets den ersten Slice spielen. Falls man die Tonhöhe intuitiv kennen würde, könnte man sie im Keyboard-Mode spielen. Allerdings ist das in der Praxis eigentlich nie der Fall. Hier fehlt für eine Live-Performance mit Slice-Beats und Loops dringend noch ein Spielmodus, der das berücksichtigt. Dann könnte man einzelne Stückchen nämlich gezielt nicht nur „muten“, sondern auch wieder einsetzen. Daher wird man zwangsläufig wohl eher den Realtime-Mode nutzen und dort das entsprechende Pad spielen. Der Realtime-Mode passt besser, da sich durch die logische sequenzielle Folge leicht ergibt, welchen Slice man jetzt spielen wird. Das gilt in gleicher Weise für REX-Files.

DAW-Funktionen

Die Maschine arbeitet mit dem Hostprogramm zusammen. Es ist egal, ob hier Logic, Live oder vielleicht Cubase läuft, die Funktionen sind prinzipiell und funktional gleich. Da die Maschine als PlugIn arbeitet, lassen sich Patterns und MIDI-Steuersequenzen bequem aus ihr in den Host verschieben und erscheinen im Zielprogramm dann als entsprechender Block in der Spur, in die man es hinzieht. Ebenso lassen sich die Aufnahmen der jeweils anderen „Plattform“ übernehmen. Ein mit dem Lauflichtsequencer gebautes Pattern lässt sich daher schnell mal eben umschieben, da die DAWs in dieser Hinsicht nicht sonderlich gut oder gar nicht ausgestattet sind. Das Ergebnis ist wie wenn man die Samples von Hand aneinandergereiht hätte oder aber das entsprechende Gegenstück als MIDI-Information. Das ist eine enorme Arbeitserleichterung mit Null-Aufwand. Der Unterschied ob MIDI oder Audio verschoben wird, wird in einem Menü eingestellt. Ein MIDI-File? Dann müsste man doch den Soundkram in einem Sampler reproduzieren, oder? Muss man nicht, denn die Maschine ist auch wie ein großes "Battery" spielbar. Sie ist ja ein PlugIn für die DAW! Die Daten spielen also die Maschine oder man „missbraucht“ sie für andere Sets. Die Audiodaten können im Host frei verwurstet werden, denn dort gibt es dann auch Reaktor, Faltungshall oder andere tolle Dinge, die man damit noch veranstalten mag.


Das Pattern kann man direkt in den Arbeitsbereich ziehen - MIDI oder Audio

Übrigens ist DAW, Software-Audio-Sequencer oder Host identisch. Das ist der aktuelle Modebegriff für Programme wie Cubase, Logic, Live, Numerology oder was sonst noch alles Audio und MIDI aufzeichnet und PlugIns verwalten kann.

Ein "Nebeneffekt" ist, dass Maschine quasi damit auch ein praktisches Drumrack für jeden Soft-Sequencer ist und damit aufnehmbar wird. Und natürlich kann so eine verschobene Datei auch einen externen Synthesizer steuern. Wem Stepeingabe lieber ist, die Arrangier-Möglichkeiten des Hauptsequencers aber mehr liegen, sollte sich dieses Update in jedem Falle besorgen. Im Falle des Sonderlings Numerology, ist die Paarung sicher eine sehr interessante Kombination, da Numerology ein Pattern-Stepsequencer-Konzept hat und daher systembedingt mit diesen Clips nichts anfangen kann, es stellen sich also die Slider der Numerology-Sequencer nicht so ein wie ein MIDI-File. Aber das hätte ich auch als Zauberei gewertet. Die Maschine steuert mit ihren Steuertasten nicht den Hostsequencer. Wenn man das will, muss man in den Controller-Mode wechseln. Allerdings kommt sich Maschine damit auch nicht in die Quere mit dem Host und ist unabhängig und üblich. Deshalb kann man allerdings auch jederzeit, wenn der Host läuft, in Maschine über den gewohnten Weg aufnehmen. Sicher keine Überraschung, aber da es nicht so viele Sequencer als PlugIn gibt, sei dies kurz erwähnt.

Die Maschine hat auch ein paar neue Möglichkeiten bei der Echtzeitsteuerung von DAW-Funktionen bekommen. Diese sind im DAW und von Maschine wahlweise automatisierbar und damit austauschbar. Man kann sich das vorstellen wie bei einem Synthesizer mit Macro-Controllern, die innerhalb des Synthesizers frei definiert werden oder eben vonseiten des Host-Sequencers automatisiert werden. Dies kann auch gleichzeitig passieren. Die Automationsdaten von Maschine können so im DAW und umgekehrt die Automation der DAW in Maschine eingesetzt werden. Allerdings ist das auf 8 Parameter-Sets beschränkt. Die Maschine im Controller-Modus erfuhr auch ein kleines Update, jedoch verwandelt sie sich noch nicht in ein Launchpad dabei. Aber man kann Ableton Live Clips in der Session-Ansicht in ähnlicher Manier sehen und abfeuern. Allerdings nur, wenn die Darstellung auf das Maschine-Display passt. Es gibt keine Anpassung oder „Scrollfunktion“ über die Clips. Ähnlich ist das bei anderen Hosts. Man darf das also eher als Dreingabe bezeichnen und noch nicht als vollwertigen oder liebevoll gemachten Controller mit Automap oder anderen Hilfen. Die Maschine ist also in erster Linie ein Controller für die Maschine Software. Allerdings kann man sich eigene Sets zusammenstellen. Das Display ist dennoch nicht so schlau wie beispielsweise ein Novation Remote SL und kennt die Parameter von Plugins nicht oder zeigt sie an. So etwas wäre eine perfekte Ergänzung und ist dann wohl eher was für Version 2.0. Das Potential wäre jedenfalls da und sollte genutzt werden. SysEx-Befehle werden auch noch nicht unterstützt, es handelt sich also um einen einfachen Controller. Den Job tut es auch, aber ohne höhere Intelligenz.

Granular ist wunderbar

Als weiterer Zusatz ist die Effektabteilung jetzt mit einem Granular-Effekt ausgestattet. Der kann alles, was dort ankommt, verkürzen oder verlängern und bis zu 32x wiederholen und in der Tonhöhe verändern. Eine hübsche Ergänzung zum Grain Delay. Übrigens als kleine Nebeninfo für Hardwareumsteiger: Diese Grain-Effekte sind nicht mit dem Grain Delay der Electribes / Kaoss Pads zu vergleichen. Sie tun komplett andere Dinge und haben auch andere und mehr (acht) Parameter.

 


Neuer Grain-Effekt

Generell zerteilen auch sie die ankommenden Signale in sehr kleine Streifen und erzeugen Stretching und andere Effekte. Die gesamte „Glitch“- und Wiederhol-Effekte-Palette findet man immer mehr in den Medien, besonders gern bei ARTE-TV. In Jingles, sogar in Mainstream-Popmusik. Erstaunlicherweise noch relativ wenig in der Filmmusik, wo sie gut hineinpassen könnte. Die Clubmusik hat sie am besten aufgenommen, vermutlich weil sehr viele Club-Tracks mit Ableton gemacht wurden. Sie sind sicher ein wenig speziell aber machen interessante Dinge, die irgendwo zwischen Timestretching und gezielten Delays für kurze Abschnitte des gespielten Materials gelten. In Maschine kann man sie über die Slices oder die Effekte ganz gut einbringen. Maschine erscheint übrigens auch als „Maschine FX“ Plugin, denn sie kann auch als Effekt-System verwendet werden. Die genannten reinen Effekte und die Syntheseabteilung steht daher indirekt immer mit zur Verfügung. Die Modi Sampler, extern und MIDI sprechen für sich und wurden bereits erwähnt.

 

Und da war da noch…

Dem neuen Paket liegen etwa 1GB neue Samples bei. Insgesamt sind es 6 GB Daten. Darunter ein paar Analogsynthesizer, MPC60-Samples und klassische Dinge wie die 60/70er Drums, die aus anderen Sample-Kits (Abbey Road) entnommen wurden. Das liegt gut im Trend und nimmt man gern mit.

Auch neu ist ein Project-System, mit dem man seine Sessions in einem Rutsch mit allen Samples zusammen abspeichern kann. Diese Idee kennen viele sicher schon von Ableton Live oder Logic, damit man einfach nicht irgendwas vergisst und auch leichter auf einen anderen Rechner übertragen kann „für live“ oder „dem Kumpel geben zum remixen“. Alle Samples sind dann dabei in einem Ordner und nicht verwendete Sounds können wahlweise weggelassen werden. Prima Sache!


Save mit allen Samples

Einordnung

So langsam wächst die Maschine als Gesamtinstrument heran, welches keine fremde Hilfe mehr braucht. Sie kann schon in Teilbereichen mehr als ihre Hardware-Pendants, jedoch in einigen Details sind sie hier und da noch nicht so ausgefuchst oder nicht so sehr auf den Livebetrieb optimiert. Aber dieses Update hat es in sich. Die Maschine scheint sich eher als ein Studioinstrument etablieren zu wollen, welches sich gut in eine DAW Umgebung einfügen lässt und dort genau das machen lässt, was diese noch nie besonders gut konnten oder mit halbherzigen Kleinteilen wie dem Ultrabeat in Logic oder ähnlichen kläglichen Versuchen mit eher Lachreiz auslösenden 16 oder 32 Steps als Alibifunktion integriert haben. Damit ist zumindest jetzt Schluss, denn die Maschine hat bekanntlich eine frei definierbare Anzahl an Patternlängen und echte Lauflicht/Pattern-Struktur an Bord und ist damit sogar nur teilweise ausgenutzt, denn der andere Vorteil sind die dynamischen Pads. Leider hat man die Dynamik im Lauflichtmodus noch immer nicht zur Verfügung durch entsprechend starkes Antippen. Somit ordnet sie sich ein wenig als Zwitter und Hilfsgerät in die Studioumgebung ein. Man darf hier vermuten, dass die Bereiche Controller und Slices, Granular und Lautlicht noch wachsen werden. Richtig toll und flüssig arbeitet man aber bereits jetzt schon und in einem Umfang, die Hardware ziemlich alt aussehen lässt. Die Organisation ist für diese Mengen und Flexibilität in einer 1 vor dem Komma erstaunlich reif. Die neuen Funktionen sind allesamt ein Gewinn. Die Bedienung gewinnt an „Flow“.

Es wirkt nun auch wie aus einem Guss. Deshalb ist hier die Frage nach dem „soll ich denn?“ gar nicht zu stellen. Ich wette hiermit, dass dieses Update eher neue Käufer anlocken soll, die aus dem reinen DAW Lager, aber auch dem Hardwarelager kommen. Die Maschine ist und war die erste ihrer Art. Ein Hybrid, der zwischen DAW und Hardware vermittelt. Zudem ist das Update kostenlos und damit uneingeschränkt nicht nur zu empfehlen, sondern absolutes Pflichtprogramm für alle, die die Maschine schon haben. Für die oben genannte Zielgruppe lohnt sich die Anschaffung für die Pattern-Arbeitsweise sehr, auch wenn man sie nur für besseres Handling für Beats benötigen sollte. Noch mehr beflügelt die Maschine aber die Phantasie bei dem, was noch kommen könnte. Auch vor dem Hintergrund, dass es bisher keine ähnlich geartete Konkurrenz gibt. Verglichen mit den anderen NI-Produkten ist Maschine das Einzige, bei dem man sich überhaupt noch gut vorstellen kann, dass da noch mehr kommt, was man auch brauchen kann. Alle anderen scheinen recht ausgereift in Umfang und Möglichkeiten. Nicht, dass ich damit einen Blankoscheck für Perfektion ausstellen mag, aber im Umfang durchaus. Vielleicht wäre Maschine auch das bessere „Kore“? Dazu müsste man nur den Controller-Mode vernünftig ausbauen. Ebenso wäre sie als Synthesizersteuerung für wenigstens alle NI-Produkte extremst ausbaubar.

Man stelle sich vor, die Hüllkurven des Absynth hier zu editieren mittels der Regler oder eben aus ihr eine veritable Monome/Launchpad-Alternative zu bauen und diese in Reaktor weniger kompliziert einzubinden als Max das tut. Vielleicht noch eine Wahrscheinlichkeits-Spur dazu? Wichtig ist hier nur, dass man das nicht verspielt oder zu lange herauszögert und die richtigen Prioritäten setzt. Die Wahl der neuen Funktionen erscheint rundum sinnvoll. Die Maschine hat auch mit einigen Griffen sehr gewonnen. So kann nun durch Festhalten und Drehen am Lautstärkeknopf schnell gemischt werden. Das war vorher etwas umständlich gelöst. Vielleicht sind solche Festhalte-Methoden auch eine Idee schneller an die Synthese zu kommen. Sehr wichtig ist die Stumm-Anwähl-Funktion und viele andere kleine Verbesserungen, die einfach praktischer sind als vorher. Auch die Navi-Taste für Zooming und Scrolling hat sich verbessert. Für eine schnellere Auswahl bestimmter Schläge in einem Pattern gibt es jetzt die beiden „von“ und „bis“ Drehencoder. Dies sind sicher nur Feinheiten, aber ungemein hilfreich, damit man die Hände nicht erst zur Maus bewegen muss. Das Prinzip ist nicht so intuitiv wie bei den eher simpel gehalten Hardwareteilen, aber dafür ist erstaunlich viel möglich und auch weitaus mehr Samples in einer Session zu halten. Gegenüber den komplexeren Hardwareboxen ist es jedoch weit schneller und direkter. Mehr als zwei Berührungen braucht man nicht, um einen Sound aus einem Set anzuwählen.



Fazit

Die Maschine gewinnt durch die Bank von dem Update. Das ist vollkommen ohne Frage. Die Integration in die DAW hat sehr gewonnen. Es fehlen nur noch gute Steuerungen für die DAW selbst (Transporttasten und Clip-Trigger oder auch Parameternamen-Übertragungen). Aber auch die 8 Makros helfen schon bei der Idee, wohin das gehen wird. Wäre dies die erste Version, hätte ich vermutlich in den ersten Test nahezu keine negativen Punkte nennen können. Welche das sind? Absolut nicht verstehen lässt sich die für eine Software wirklich unsinnig langsame LFO-Geschwindigkeit und dazu noch für Perkussion, die sicher das Hauptanwendungsgebiet für Maschine ist. Das verhindert klangliche Experimente mit einfachen Mitteln ziemlich, aber auch die Möglichkeit kurze Sounds effektvoll zu modulieren. Die Bedienverbesserungen sind allesamt gut gelungen und die Sample-Funktionen ermöglichen Maschine, ein komplettes Produktionswerkzeug zu sein. Man braucht keine externe Software mehr, keinen Sample-Editor oder zwingend eine DAW, um Songs zu machen, in der externe Hardware-Synthesizer eingebunden werden. Allerdings beschränkt sich dies auf die eingebaute MIDI-Buchse. Das ist für live und kleine Studios aber auch ausreichend. Immerhin bietet der Großteil der „harten“ Konkurrenz weniger. Nur gelegentlich gibt es mal 2 oder gar 4 MIDI Ports. Dort ist man ja schon über einige Tracks froh und das überhaupt Bending, Modulation und ein paar Controller übertragen werden. Deshalb ist die Maschine durchaus eine Alternative, um allein auf der Bühne zu stehen. Natürlich zusammen mit vielleicht einem klanglich hochwertigen Analogsynthesizer am MIDI-Port oder anderer aufwendiger Klanghardware? So etwas muss man lange suchen. Die Adressierung verschiedener Klangsets ist für den Umfang enorm und gut gelöst. Diese Vorlage lässt ahnen, dass es mit Version 2.X sicher sehr spannend werden wird. Die für den Livebetrieb wichtige Stummanwahl und besseres Anpassen der Lautstärke war der erste richtige Schritt und ein richtiges Signal. Die Stummanwahl dient der Vorbereitung oder klanglichen Veränderung eines Klanges im Betrieb, ohne den Sound vorhören zu müssen. Uneingeschränkt empfehlenswert. Es bleibt noch zu sagen, dass dieser Test sehr nah an der Hardware unter harten Bedingungen gegen schon existierende Hardware ablief. Erkennbar ist, dass es nur einige Punkte sind, die die Maschine noch von einem extrem gefährlichen Produkt trennt. Installieren, nicht fragen.  


Plus

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Besseres Handling
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Bessere DAW-Integration
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Vollständige Sample-Abteilung spart externe Editor-Software
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Kostenlos (!)
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Eine sichere Funktion um ALLES "self contained" zu sichern für den Livebetrieb oder Austausch

Minus

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Unanständig langsamer LFO
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Umständliches Handling von Slices im Stepmode und Nichtnutzung der Dynamik.
Amazona Userbewertung:

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