
-- Der Jet City 20H mit der 24S 2x12-Box --
Bei dem Jet City 20H handelt es sich um ein von der Edelschmiede SOLDANO designtes, 1-kanaliges 20 Watt Vollröhren-Topteil und die passende 2x12“ Box mit je 70W pro Speaker.
Features
TOP:
20 Watt-Vollröhre (2x EL84, 3x 12AX7)
1 Kanal
Regler für Gain, Bass, Middle, Treble, Volume und Presence
Ausgänge: 1x 16 Ohm oder 2x 8 Ohm
Maße: (BxHxT): 19,5 x 22,86 x 22,86 cm
Gewicht: knapp 10 kg
Hergestellt in China
BOX:
2x 12“ Custom Eminence Speaker
6,3 mm Klinke-Eingänge
2x 70W an je 8 Ohm
Schaltbar als 1x Mono oder 2x Stereo
Maße (BxHxT): 53,34 x 50 x 27,94 cm
Gewicht: gut 12 kg

-- JCA 20H - TOP - backside --

-- JCA 20H - TOP - frontside --
Ersteindruck:
Ein schnuckeliges, handliches Top, dessen Aufdruck „designed by SOLDANO“ natürlich gleich einmal Aufsehen erregt. Das leicht überdimensionierte Logo auf der in blau und schwarz gehaltenen Front weckt aber, zumindest bei mir, keine Erinnerungen außer an irgendwelche amerikanischen Waschstraßen, warum auch immer. Ansonsten scheinen beide Elemente dieses Bundles gut und solide verarbeitet zu sein und wirken vor allem durch ihre dezente Größe als perfekt geeignet für kleine Bühnen und Studios, Proberäume oder Arbeitszimmer.
Aufgrund der Einkanaligkeit gibt es hinsichtlich der Anschluss- und Bedienungsmöglichkeiten nicht viel zu erwähnen. Auf der Vorderseite gibt's einen INPUT, die Standard-Regler inkl. PRESENCE, Standby und Power, that´s it. Auf der Rückseite Speaker- und Stromanschluss.

-- JCA - Box - Inputs --
Die Regler haben jedenfalls schon mal eine sehr angenehme Größe und lassen sich leichtgängig bedienen. Das fühlt sich auf jeden Fall gut und gut verarbeitet an und auch die großen Kippschalter für Standby und Power, erwecken einen langlebigen, zuverlässigen Eindruck.
Mit meiner Music Man Luke verkabelt und angeschaltet, sticht die große, blaue Betriebsleuchte sofort ins Auge und weckt die Erwartungshaltung, an große, namhafte andere Hersteller anzuknüpfen.
Der erste Test bei mir stets: Alle Regler auf „Mitte“ (ausser dem Master) und erst mal losspielen. Normalerweise macht das schon Spaß, denn ich spiele ja gerne, in diesem Fall will sich aber noch kein so richtiger Elan einstellen, weil es ein wenig an Druck und Ausdrucksstärke mangelt und so begebe ich mich auf die Suche nach dem charakteristischen JCA-20H-Sound.
Poti-Regelwege&Co

-- JCA 20H - Regler --
Ein vorsichtiges Experimentieren mit dem Gain-Regler offenbart die begrenzten Möglichkeiten dieses 20W-Tops. Ein waschechter Clean-Sound findet sich nur im untersten Drehzahlbereich und zwingt zu erhöhtem Nachregeln mit Fingerspitzengefühl durch den Masterregler und damit aber auch schnell zu erhöhtem Rauschpegel. Grundsätzlich ist der clean-sound aber tendenziell attraktiv und interessant. Bereits ab 2/10 (Gain) stellt sich dann ein leichtes "Ancrunchen" ein. Im Mittelbereich zwischen 2 und 7 zeigen sich einige sehr gut klingende Crunch-Facetten mit reichlich Brillianz und Differenziertheit, im Bereich 7-8 kann man durchaus von einem rauhen, Vintage-mäßigem Distortion-Sound sprechen, der sich aber auch bis zur 10 hin nicht mehr in ein High-Gain-Gemetzel verwandeln lässt.
Das Gain- und Verzerrpotential ist nach oben hin deutlich begrenzt, ebenso wie der Druck, der sich über den gesamten Pegelweg nicht so recht durchsetzen will. Erst ab einer ordentlichen Portion Master-Volume, bringen die Schallwellen die ersehnte Portion Spaß am Spiel, erneut leider begleitet von Nebengeräuschen, die aber im mittleren, Crunch-Bereich einigermaßen erträglich sind.
Hier liegt definitiv die Stärke des Jet City 20H. Zwischen 4 und 8 kann der Amp seine Stärken ausspielen und sein Revier markieren, und das ganz geruchsarm... Alle Freunde des härteren Rock sind auch bei Level 10 allerdings sicher nicht ausreichend befriedigt.
Die Equalizer-Regler können da mitunter auch keine große Abhilfe leisten, denn auch hier können die Variationsmöglichkeiten bedauerlicherweise nicht überzeugen. Bei fast allen drei Reglern tut sich zwischen 1 und 3 so gut wie nichts, zwischen 3 und 7 regeln sie in nicht übermäßiger Weise bestimmte Frequenzen (die ich anders positioniert hätte) nach oben nach oder runter, zwischen 7 und 10 dreht man hin und her und stellt aber leider kaum noch Veränderung fest. Schade.
Ganz besonders schwierig gestaltet sich da die Option mit dem PRESENCE-Regler, der dieser Problematik noch eins drauf setzt. Zwischen 1 und 4 vermisst man ein Presence-Anhebung gänzlich, zwischen 5 und 7 kriegt er einen leichten Kick, zwischen 8 und 10 allerdings ist die Anhebung derart übertrieben, dass die Sounds im Grunde absolut unbrauchbar werden und es fast nur noch kreischt.
Der Volume-Regler ist der einzige, der seine Arbeit halbwegs linear verrichtet und gut funktioniert, sodass man, nimmt man den geringfügigen Druckverlust in Kauf, auch in leisen Lautstärkeregionen gut steuern kann. Ab 3 aufwärts macht der Kleine schon amtlich „auf“, aber (auch hier wieder ein „aber...“) eben mit leichten und mit steigender Lautstärke auch anschwellenden Störgeräuschen.
Sehr positiv ist mir der Abstrahlwinkel aufgefallen, sodass man, wenn man in der üblichen Distanz „vor“ bzw. „über“ dem Amp steht, einen ausgeglichenen, guten Sound zu hören bekommt.
Die 2x12 Box verträgt durchaus auch höhere Watt-Zahlen und zeigt sich auch mit anderen Topteilen gnädig und sehr transparent. Meine persönliche Vorliebe für 2x12- Cabinets hat sich auch mit diesem Exemplar erneut bestätigt. Handlich und mit absolut ausreichender Dynamik, liefert die Jet City 24S dankbar das ab, was man Ihr hinten rein gibt! Die 20 Watt des Tops bringen die Box nicht an ihre Grenzen, wobei diese mit einem 100 Watt- Top allerdings dann doch schnell erreicht sein können. Hier ist Vorsicht geboten, es nicht zu überpowern.

-- JCA - mikrofoniert --
Das Abnehmen mit Mikros war ziemlich unkompliziert und frei von Gehäusegeräuschen oder sonstigen Interferenzen, die man von anderen Herstellern kennt. Die Ergebnisse sind in diesem Bereich absolut zufriedenstellend und die Speaker liefern auch im Direkt-Schall ein gutes Spektrum.
FazitDer Jet City JCA20H ist keine All-in-one-Lösung, mit der man die unterschiedlichsten Sounds von super-clean bis ultra-high-gain herbeizaubern kann, wie man es inzwischen von unzähligen Übungs- und Modellingamps kennt, sondern eine klare Ansage an „straight-forward“ rockige Vintage- und Crunch-Sounds.
Diese bringt der JCA20H in absoluter Brillianz und Transparenz rüber, wenngleich es ein bisschen an Druckvermögen (nicht unbedingt an Lautstärke) mangelt, was man bei einem 20 Watt- Top aber durchaus auch erwarten kann. Mit Hilfe von Bodentretern lässt sich das fehlende Gain-Maximum natürlich ein wenig ausgleichen, aber der Amp selbst kann in Heavy-Metal-Sound-Welten definitiv nicht vordringen und auch der Bereich der clean-Sounds ist ein wenig eingeschränkt aber dennoch attraktiv.
Die Regelwege der Potis sind spürbar unlinear und der Regelumfang ist leider stellenweise zu begrenzt. In Mittelstellungen offenbart der Amp in Kombination mit der Stereo 2x12“ Box aber durchweg brauchbare, hörenswerte und solide Sounds.
Im Zusammenhang mit dem aber durchaus sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis erhalten Fans der Funk- und Vintage-Area aber ein sicherlich äußerst interessantes, gut aufeinander abgestimmtes Paket, das mehr als nur einen Blick wert sein sollte.
Plus- +++
- Preis/Leistung
- +++
- Crunch- und solid-Rock-Sounds
- ++
- Vollröhre/Lautstärkepotential
- ++
- handliches und optisch ansprechendes Design
Minus- ---
- Soundvielfalt/keine High-Gain-Sounds
- ---
- Regelwege der Potis, insbesondere Presence
- --
- kleinere Schwächen bei clean-Sounds
- -
- zu wenig Druck