
So kann man sich irren. Als vor einigen Jahren der Trend zum Handheld- oder auch Handy-Recorder einsetzte, war ich mir ziemlich sicher, dass der Markt überschaubar bleiben würde und nur wenige Produkte eine vergleichsweise übersichtliche Auswahl generieren würden. Wenngleich sich mir persönlich das Konzept schnell erschloss, konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Kombination aus verschiedenen Aufnahmetechniken eine große Anzahl von Freunden finden würde. Die mittlerweile große Auswahl an Produkten und die ständige Weiterentwicklung bereits vorhandener Artikel sollte mich jedoch Lügen strafen.
Ich kann mir nicht helfen, sobald ich ein Gerät der oben genannten Produktreihe in die Hände bekomme, muss ich immer unweigerlich an ein Schweizer Armeemesser denken, ihr wisst was ich meine, 30 Werkzeuge nebst Zahnstocher etc. Wie dem auch sei, auch wenn besagte Produkte als reguläre Mehrspurmaschinen genutzt werden können, so machen doch vor allem die Live-Aufnahmequalitäten Sinn.
Kleiner Tipp am Rande. In Zeiten der mangelhaften Home-Recording-Schlafzimmerproduktionen lockt man mit der überwiegenden Zahl von „Gewollt-Aber-Nicht-Gekonnt“ Demos keinen A&R-Manager mehr hinter dem Ofen hervor, vorausgesetzt er hat überhaupt das Budget, eine neue Band zu verpflichten und bleibt lange genug auf seinem Posten, um sich zumindest den Namen der Band zu merken. Eine perfekt eingespielte Band mit eigener Stilistik kann mittels einer einfachen Proberaum-Stereo-Aufnahme oder einem ambitionierten Live-Mitschnitt, wie man ihn zeitnah mit einem Handy-Rekorder umsetzen kann, einen Entscheidungsträger der Industrie wesentlich besser davon überzeugen in eine Band zu investieren, als mit standarisiert zusammen geklebten Soundfiles am heimischen PC.
Allein ich bekomme mind. 4-5 Demos pro Woche, die sich nahezu alle gleich anhören, alle einen bereits vorhandenen Stil kopieren und alle versuchen, mittels überzogenem Preset-Mastering „teuer“ zu klingen, was zu 99% in die Hose geht und einen Produzenten/Label eher verprellt als seine Neugier zu wecken.
Oder aber das (eigene!) Konzert einfach mitschneiden und unmittelbar nach der Show am Merchandise-Stand auf USB Stick ziehen und für kleines Geld verkaufen. Rau, dreckig, ungeschliffen, persönlich, das hat was und bessert die Bandkasse auf! Think about it ...
Konstruktion
Bei dem H4N handelt es sich um einen 4-spurigen Digitalrecorder, der verschiedene Klangquellen verarbeiten und zudem bei Bedarf als Audio-Interface fungieren kann. Das Gerät hat die Abmessungen von 70 mm x 35 mm x 157 mm und ein Gewicht von gerade einmal 250 Gramm. Sehr handlich! Gefertigt aus schlagfestem und recht griffigem Kunststoff beziehungsweise einigen wenigen Metallapplikationen, macht das Produkt den Eindruck einer lang anhaltenden Verfügbarkeit und sorgt zudem für eine leichte Unterdrückung des Körperschalls.
Optisch fallen natürlich primär die beiden schräg angeordneten Kondensator-Mikrofone zwecks Live-Mitschnitt ins Auge, die sich in XY-Stereo-Technik auf 90 Grad, respektive 120 Grad Aufnahmewinkel einstellen lassen. Neben der Nutzung der eingebauten Mikrofone verfügt der H4N auch über die Möglichkeit, Instrumente oder externe Mikrofonquellen über die XLR/Klinke-Kombinationsbuchsen aufzunehmen.
Über verschiedene Amp-Modulationen zuzüglich verschiedener Standard-Effektparameter wie Chorus, Hall und Echo kann man somit binnen kurzer Zeit seine Ideen archivieren, auf dass die mühsam im Proberaum kreierte Hookline nicht bereits auf dem Weg hinaus in Vergessenheit gerät.
In Zusammenarbeit mit einem PC/Mac leistet die eingebaute Interface-Funktion zudem praktische Dienste. Einfach die mitgelieferte Cubase LE-Version auf dem Rechner installieren und über die eingebaute USB-Schnittstelle mittels der Verstärkersimulationen die Idee in Mehrspurtechnik archivieren. Mann, wenn ich daran denke, was ich damals mit meinem Tascam Portastudio für Klimmzüge machen musste, um einen Bruchteil der Ausbeute zu erlangen. Dafür weiß ich aber, wie man ein Signal vor der Wandlung analog ordentlich aufbereitet und was Bandsättigung bedeutet.
Der H4N kommt wie viele seiner Brüder aus der ZOOM Familie und bietet einen umfangreichen Lieferumfang:
- USB-Kabel
- Cubase LE
- 1 GB SD-Card
- Windschutz
- Transportbox
- Stativgewinde
- Netzteil
Als zusätzliches Zubehör lässt sich eine kabelgestützte Fernbedienung erwerben, mit der man lästiges Hin- und Herrennen während der Aufnahmen vermeiden kann, ein eingebauter Lautsprecher hilft bei schnellem Anfahren eines gesuchten Wiedergabepunktes. Ein relativ großes, gut lesbares Display informiert über die wichtigsten Aktivitäten des Produktes.

Praxis
Drei kleine, weiche Gummifüße geben dem H4N einen überraschen rutschsicheren Halt in der Horizontalen. Im allgemeinen lassen sich die kleinen Druck- und Schiebeschalter sehr gut bedienen und vermitteln einen guten Druckpunkt.
Zoom empfiehlt für den Batteriebetrieb zwar reguläre Batterien, allerdings konnte man im Stamina-Mode, einem Energiesparmodus, auch mit hochwertigen Akkus eine Laufzeit von über 8 Stunden generieren. Selbiger Modus reduziert ebenfalls die Aufnahmemöglichkeiten des Recorders auf WAV-Files im CD-Modus (16 bit, 44,1 kHz). Bei Deaktivierung des Stamina-Modus und (evtl.) Hinzunahme des Netzteils erhöht sich die Auswahl der Recording-Formate um ein Vielfaches, angefangen bei 96 kHz/24 bit bis hin zu verschiedenen MP3-Formaten.
Um den verschiedenen Ansprüchen gerecht zu werden, kann man von „gerade-noch-für-Sprachaufnahmen-geeignet“ 48 kbps mit ca. 47 Stunden Stereo-Aufnahme bei einer 1 GB Speicherkarte über mehrere Abstufungen bis hin zu „mit-CD-Qualität-identisch“ Auflösung von 320 kbps mit ca. 7 Stunden Aufnahmezeit wählen. Neben der Aufnahme mittels der eingebauten Kondensatormikrofone kann der H4N auch über ein externes Stereo-Mikrofon gespeist werden. Der Anschluss liegt auf der Rückseite des Gehäuses an.
Genauso können zwei externe Mikrofone über die Kombinationsbuchsen auf der Unterseite des Gehäuses angeschlossen werden, die bei Bedarf mit Phantompower von +24 V oder +48 V beschickt werden können. Selbige Mikrofone dienen auch zur Aufnahme im 4-Spur Modus, wobei diese mit den intern verbauten XY-Mikrofonen zusammen geschaltet werden.
Neben den Mikrofonaufnahmen bietet das Produkt noch den Multitrack-Modus, in dem sich in klassischer Overdub Manier neben dem Bounce-Prinzip auch die integrierten Effekte nutzen lassen. Qualitativ befinden sich die Emulationen im gehobenen Mittelfeld, dem Preis des Produktes angemessen. Sehr schön auch die Jam-Funktionen mit variablem Punch-In, respektive Punch-Out, veränderbarer Wiedergabegeschwindigkeit und Metronom Funktion, die das Produkt einmal mehr in Richtung Schweizer Armeemesser gleiten lassen.

Fazit
Was man heutzutage alles in ein kleines Kunststoff-Gehäuse packen kann, hat noch vor einigen Jahren Batterien von 19" Outgear auf den Plan gerufen.
Mit dem ZOOM H4N hat man die Möglichkeit, binnen Sekunden alle wichtigen Archivierungsmodi aufzurufen, sei es ein hochwertiger Live-Mitschnitt mit unterschiedlichsten Mikrofon-Konfigurationen in interner/externer Stereo-, respektive Quadro-Technik oder aber man kleistert sich die wichtigsten Klanginformationen im Multitracker-Modus zusammen, alles nahezu nebengeräuschfrei mit langer Akku-Laufzeit und ausgeklügeltem Gesamtkonzept.
Nie war es leichter, von seiner Band einen qualitativ hochwertigen Live-Mitschnitt zu generieren. Wenn das Ergebnis jetzt immer noch wie Grütze klingt, sollte man eventuell doch mal an seinen handwerklichen oder kompositorischen Fähigkeiten arbeiten.
Plus
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- Konzept
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- Aufnahmequalität
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- Zubehör
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- Flexibilität
