Test: M-Audio AXIOM PRO 49

Autor: Michael Strauch
08.07.2009



Viele Musiker sind immer noch auf der Suche nach dem perfekten Controller-Keyboard für das Homerecording-Studio und das, obwohl der Markt für dieses Genre mehr als gut bestückt ist. Der Grund: Jeder wünscht sich die eierlegende Wollmilchsau, die perfekte Symbiose aus Spitzen-Tastatur und komplett ausgestatteter Controller-Oberfläche, möglichst noch perfekt an den verwendeten Sequenzer angepasst. Und da dieser Wunsch noch nicht wirklich in Erfüllung gegangen ist, greifen viele wieder zur bewährten Maus-/Keyboard-Kombination und leisten sich höchstens noch einen separaten Controller. Jetzt schickt M-Audio seine runderneuerte Axiom Pro-Serie ins Rennen, die dank HyperControl™-Technologie, qualitativ verbesserter Tastatur und Grafikdisplay genau diese Wunschvorstellungen erfüllen soll. Die AMAZONA-Redaktion testet hier das 49-Tasten-Modell und überprüft die Werbeaussagen mit der Wirklichkeit.

Hardware

Zum Lieferumfang gehören neben dem Keyboard-Controller eine gedruckte Quickstart-Anleitung, ein USB-Kabel, eine Treiber-CD und eine CD mit einer Ableton Live 7-Testversion. Die 74 Seiten starke Anleitung in deutscher Sprache darf man sich von der Internetseite herunterladen.
Rein äußerlich hat sich das Gehäuse im Vergleich zur Vorgängerserie vornehmlich in der Farbgestaltung geändert: Statt tristem Schwarz erstrahlt die Oberfläche jetzt in einer Altweiß-Lackoptik – in Sachen Ergonomie gibt es hier schon mal einen Pluspunkt, da die Beschriftung so viel besser lesbar ist. Aber wie immer im Leben ist die Farbwahl Geschmackssache – allerdings will sich das AXIOM-Keyboard in meiner Testumgebung mit allerlei schwarzen und silberfarbenen Geräten nicht so recht anpassen. Alle Gehäusekanten sind immer noch komplett abgerundet. Die gummierten Seitenkanten mit dem M-Audio-Emblem wurden beibehalten. Betrachten wir nun einmal detailliert die einzelnen Controller-Bedienelemente, die in vier Gruppen (P = Pads, E = Encoder, F = Fader und N = Nummernblock) zusammengefasst sind. Auf der Rückseite des Gerätes befindet sich ein MIDI-Duo, zwei Anschlüsse für Fußtaster und Pedal sowie eine USB 2.0-Schnittstelle, die das Keyboard auch mit Strom versorgt. Möchte man das Axiom Pro ohne Computer verwenden, benötigt man ein 9V-Netzteil, das nicht zum Lieferumfang gehört.


Auf der rechten Seite befinden sich 8 anschlagdynamische Triggerpads, mit denen man neben Schlagzeugsounds übrigens auch Sequenzer-Funktionen steuern kann. Im Gegensatz zur Novation SL-Serie haben die M-Audio Pads eine angenehme Größe und vermitteln so echtes MPC-Feeling. Alle Pads können für das Senden von MIDI-Noten, Continuous Controller (CC) und anderen Befehlen programmiert werden. Zudem verfügen sie über diverse auswählbare Velocity-Response-Kurven. Nutzt man diese Controller-Abteilung mit einem Drumsampler, können die Pads mit Hilfe einer Funktionstaste in 8er Blöcken umgeschaltet werden.


- 8 anschlagdynamische Triggerpads lassen echtes MPC-Feeling aufkommen -

Links daneben befinden sich 8 frei zuweisbare, gummierte Endlospotis. Die Encoder sind im Vergleich zum Vorgänger nicht mehr gerastert und erlauben dank Beschleunigungsfunktion auch die Eingabe von größeren Wertesprüngen. Selbstverständlich können die Regler auch mit einem Bereich zwischen 0 und 127 eingesetzt werden: Ist der Maximal- oder Minimalwert erreicht, sendet das AXIOM keine Daten mehr, auch wenn man den Regler in die gleiche Richtung weiterdreht. Genau so selbstverständlich ist relative Übermittlung, also die Erhöhung oder Verringerung um den Faktor 1 abhängig von dem aktuellen Wert, um Wertesprünge zu vermeiden. Voraussetzung ist natürlich, dass der Sequenzer oder das angeschlossenen MIDI-Gerät mit relativen Werten umgehen kann. Daher können in den Voreinstellungen sieben verschiedene Regelmethoden gewählt werden, um so die Kompatibilität mit nahezu allen Sequenzern oder Geräten zu gewährleisten. Leider fehlen in dieser Abteilung ein paar Taster, um z.B. ein Instrument sinnvoll bedienen zu können. Der angedeutete LED-Kranz ist leider nur auf das Gehäuse aufgedruckt.


- 8 frei zuweisbare Endlosregler inkl. Beschleunigungsfunktion erlauben die Eingabe auch größerer Wertesprünge -

In Gruppe F (Fader) befinden sich neun frei programmierbare 40-Millimeter-Fader inkl. dazugehöriger Taster. Die Fader haben allerdings einen sehr kleinen Regelweg und sind äußerst schwergängig und das auch noch unterschiedlich – das kann Novation eindeutig besser. Im Studio-Alltag könnte man mit den 8 ersten Fadern 8 Kanäle des Sequenzers steuern und mit dem letzten Fader die Stereosumme. Mit Hilfe eines Tasters lassen sich die Fader bei größeren Projekten gruppenweise weiterschalten.


- etwas schwergängig: die neun frei programmierbaren 40-Millimeter-Fader inkl. dazugehöriger Taster -

Gruppe N besteht aus einem Nummernblock, mit dem sich im Edit-Modus Eingaben vornehmen lassen kann und im Performance-Modus beliebige Tastenkürzel an den Sequenzer senden kann - so lassen sich die verschiedenen Funktionen der Software (z.B. Speichern, Exportieren, Metronom an/aus oder rechter und linker Locator) direkt vom Axiom Pro ausführen, ohne auf die Computertastatur zurückgreifen zu müssen.
Zur Steuerung der Axiom-Funktionen gibt es 15 Funktionstasten, sechs Transporttaster (Play, Stopp, Vorlauf, etc.) sowie ein Pitch- und Modulationsrad und ein großes Tastenduo für die Veränderung der Oktavhöhe bzw. Eingabe von Werten – mehr ist eigentlich nicht notwendig. Alle Taster haben einen spürbaren Druckpunkt und sind teilweise beleuchtet.


- mit Hilfe des Nummernblockes lassen sich beliebige Tastaturbefehle an den Sequenzer senden -

Die neue halbgewichtete „TruTouch“-Tastatur mit Aftertouch, vier konfigurierbaren Keyboardzonen und variabler Anschlagdynamik lässt sich nun präziser Spielen als das Vorgängermodell. Aber leider kämpft auch die neue Tastatur mit Qualitätsproblemen. Drückt man nach dem Tastenanschlag weiter auf die Taste, so hört man bei unserem Testmodell je nach Tastaturbereich ein unangenehmes Knackgeräusch. Beim enthusiastischen Spiel klappert die Tastatur, und die Tasten haben rein optisch einige Millimeter Toleranz zueinander – auch das kann Novation eindeutig besser!

Neu ist das 128x64 Flüssigkristall-Display, das nicht nur das Bedienen der Controller-Voreinstellungen erlaubt, sondern auch alle Regler, Pad- und Faderbewegungen optisch anzeigt. Unter diesem Display befinden sich vier Soft-Keys, mit denen sich Funktionen, die je nach Displayseite angezeigt werden, aufrufen lassen. Die Größe des Displays hätte ruhig etwas größer ausfallen können – die Axiom-Oberfläche hätte hierfür noch ausreichend Platzreserven und die Soft-Keys hätten dann auch tatsächlich direkt unter dem Display ihren Platz gefunden.


- das neue LC-Display zeigt alle Regler, Pad- und Faderbewegungen optisch an; die Bezeichnung des Controllerwertes wird allerdings erst dann angezeigt, wenn der Regler bewegt wird -

Software

Damit der Computer das Axiom Pro erkennt, muss neben einem Gerätetreiber eine weitere Software umständlich in zwei Schritten installiert werden. Diese sogenannte HyperControl-Software verbindet die gängigsten Software-Instrumenten und Sequenzer automatisch mit dem Axiom Pro und gewährleistet so eine zuverlässige Synchronisation. Leider muss pro DAW eine eigene Software installiert werden – nutzt man also Reason und Cubase, werden zwei Installationen notwendig. In unserem Test wollten wir Cubase 5 mit dem Axiom Pro verbinden. Leider misslang zunächst dieser Versuch, da die Installationsroutine den erforderlichen Treiber in einem Cubase 4-Ordner anlegte und so von Cubase 5 nicht erkannt wurde. Nachdem die Geräte-dll manuell in das korrekte Verzeichnis kopiert und in Cubase eingebunden wurde, funktionierte die Verbindung tadellos: Der Name des Instrumentes wird im Display angezeigt, alle Parameter werden bidirektional übertragen und die einzelnen Controller-Werte werden erwartungsgemäß abgeholt. Wenn Sie also einen Axiom Pro-Regler betätigen, wird der entsprechende Bildschirm-Regler ebenfalls bewegt. Und wenn Sie einen Bildschirmregler (mit der Maus) bewegen, wird die Stellung des entsprechenden Axiom Pro-Reglers (wie sie im Display angezeigt wird) ebenfalls aktualisiert. Wenn Sie ein neues virtuelles Instrument auswählen, werden der Name und die diversen Reglerstellungen im Axiom Pro-Display automatisch aktualisiert.

Ab Werk ist das AXIOM Pro bereits für diverse Sequenzer und eine handvoll VST-Instrumenten vorkonfiguriert, was allerdings nicht bedeutet, dass man mit Hypercontrol nicht auch sofort ein anderes Plug-in bedienen könnte. Je nach Instrument werden alle Bedienelemente auch im AXIOM Pro dargestellt – ohne vorher irgendetwas zu konfigurieren. Allerdings führt diese Synchronisation auch dazu, dass z.B. bei dem VST-Instrument Zebra ganze 72 Bildschirmseiten im AXIOM angeboten werden – das macht eigentlich keinen Sinn, da man mit der Maus viel schneller ist, als mit dem AXIOM. 50 Speicherplätze stehen übrigens für eigene Controller-Zuweisungen zur Verfügung.

Ist Hypercontrol mit Automap 3 von Novation vergleichbar? Jein! Automap 3 bietet ein grafisches Benutzerinterface auf dem Monitor, Hypercontrol muss sich mit dem kleinen Display begnügen. Automap zeigt die aktuellen Werte im Controller-Display an, Hypercontrol leider erst, wenn der entsprechende Controller auch bewegt wird. Dafür kann man mit Hypercontrol auch die internen Effekte von Cubase steuern, und man benötigt nicht für jedes Instrument eine eigene Automap-Instanz. Vielleicht sollte man noch bedenken, dass Automap bereits in der 3. Version vorliegt – Hypercontrol ist eine Neuentwicklung und bietet deshalb noch Entwicklungspotenzial.


Fazit

Dank M-Audio's HyperControl™-Technologie lassen sich erstmals die verschiedenen Hardware-Bedienelemente automatisch gängigen Software-Instrumenten- und DAW-Parametern zuordnen, ohne dass man vorher irgendetwas konfigurieren muss. Was sich bei einfachen Instrumenten noch sinnvoll nutzen lässt, gerät bei komplexen Plug-ins in ein undurchschaubares Gewimmel von Parametern. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde die Tastatur der neuen Axiom Pro-Serie verbessert und bietet  nun ein besseres Spielgefühl – leider traten bei unserem Testmodell bei der Nutzung der Aftertouch-Funktion Qualitätsprobleme auf. Der neue Nummernblock ist eine sinnvolle Ergänzung – das etwas zu kleine Display ebenso. Ein Vergleich mit den Novation-Modellen lohnt sich. Qualitativ immer noch eine Nasenlänge voraus, allerdings auch ein bisschen teurer. Letztendlich bleibt die Frage nach dem Sinn. Kann man den Workflow mit Hilfe eines solchen Keyboard-Controllers beschleunigen? Kann das AXIOM PRO tatsächlich als Ersatz für die Tastatur/Maus-Kombination genutzt werden? Das kommt in erster Linie auf die Arbeitsweise an. Allerdings bin ich beim Mischen oder Editieren von Software-Synthesizern mit der Maus immer schneller - dafür kann ich mit der Maus nur einen einzigen Wert gleichzeitig verändern. Wer ab und zu mal ein VST-Instrument bedient, der sollte sich besser einen kleinen, separaten Controller zulegen und das restliche Geld in ein qualitativ besseres Keyboard investieren. 

Tastaturvarianten:
Die Axiom-Serie ist in drei Ausführungen erhältlich: Neben der hier getesteten 49-Tasten Version gibt es noch eine 61 Tastenversion mit gleichem Funktionsumfang sowie eine 25 Tasten Variante, die aber auf den Nummernblock und die Fader verzichten muss.

Kompatible zu den folgenden DAWs:
- Pro Tools|HD 7.4 oder höher
- Pro Tools LE 7.4 oder höher
- Pro Tools M-Powered 7.4 oder höher
- Reason
- Cubase
- Logic
- Ableton Live


Plus

+++++
automatische Zuweisung von Controllern (HyperControl)
++++
insgesamt 65 MIDI-zuweisbare Regler
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ASCII-Befehle für Software-Tastaturkürzel
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graphisches LCD

Minus

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Qualitätsprobleme der Tastatur beim Testmodell
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aktuelle Controllerwerte/Bezeichnung werden im Display erst angezeigt, wenn der jeweilige Controller bewegt wird
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Fader relativ schwergängig
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Bedienelemente nicht berührungsempfindlich
Amazona Userbewertung:

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